Dortmund: Der Kampf der BVB-Fans gegen Montagsspiele ist schon verloren, noch bevor er begann

DSC07029 (580x435)Am Dienstag gab die DFL (Deutsche Fußball Liga) bekannt, die Bundesliga-Begegnung zwischen dem SV Werder Bremen und dem VfB Stuttgart auf Montag, 02. Mai 2016, anzusetzen.

Erstligafußball an einem Montag? Damit wäre, auch wenn die 2. Liga seit Jahren schon an Montagen kickt, eine weitere Lücke in der Fußballwoche geschlossen. Für Medienmacher und TV-Fußball-Junkies ein Fest, für reisefreudige Fans aber ein Albtraum. Es verwundert daher grundsätzlich natürlich nicht, dass sich in der Szene entsprechender Wiederstand dagegen regt.

„Durch die Verschiebung einer Partie der Fußball Bundesliga auf einen Montagabend wurde eine klare Grenze überschritten. Dieses Verhalten können wir nicht unkommentiert hinnehmen“, so z.B. Tobias Westerfellhaus von der BVB Fan – und Förderabteilung.

„Für Arbeitnehmer, Schüler oder Studenten ist der Besuch einer Auswärtsbegegnung ihrer Mannschaft an einem Montag nicht mehr zu realisieren, da nicht nur der Montag, sondern auch der darauffolgende Dienstag als Arbeitstag ausschiede. Besonders bei einer Entfernung von über 600 Kilometern zwischen den Städten beider Vereine, wie dies bei der von der DFL ausgewählten Begegnung der Fall ist, werden viele Fans am Besuch des Spiels gehindert. Eine solche Politik der DFL ist inakzeptabel“, beschwert sich auch Jan-Henrik Gruszecki vom Bündnis Südtribüne Dortmund.

Sie haben sich aktuell einem Bündnis von BVB-Fanclubs angeschlossen, welches aktuell auf seine Interessen hinweist. „Dieser Rückschritt in der Arbeit für fangerechte Anstoßzeiten und gegen den Ausverkauf des Samstags als Kernspieltag zeigen uns erneut, dass die Interessen der Fans nicht ernst genommen werden. Durch Vorstöße wie diesen ruiniert die DFL jahrelange Arbeit von Fans und gibt Hardlinern auf beiden Seiten weitere Argumente gegen den gemeinsamen Dialog. Aus unserer Sicht ist dieser Weg der Konfrontation der falsche und der erneute Schlag gegen Fußballfans, welche ohne Lobby auf sich alleine gestellt für ihre Rechte kämpfen müssen, bereitet uns große Sorgen“, so Jakob Scholz, Vertreter der BVB Fan – und Förderabteilung. (Quelle: http://bvb-fanabteilung.de/aktuell/montagsspiele/)

Nun, grundsätzlich sind das Anliegen der Fans und deren hier geäußerte Sorgen natürlich völlig berechtigt. Wer kann schon an einem Montag quer durch die Republik reisen, nur um dann am Abend zwei Stunden Livefußball mitzuerleben…. Das machen wohl nur die Wenigsten mit.

Verständlich, dass man das als reisefreudiger Fußballfreund so nicht mitmachen möchte und seine Meinung auch entsprechend artikuliert. Das Problem ist nur, es wird auf Dauer nichts an der fortschreitenden Zerstückelung des Bundesligaspielplans ändern.

Das ‚Montagsspiel‘, welches in gar nicht allzu ferner Zukunft auch in Liga 1 zum Standard gehören wird, ist nur der letzte Schritt, die letzte Grenze die noch fallen wird.

Alle anderen Tage sind ja schon vom Fußball, sogar vom wirklich erstklassigen Fußball, belegt. Dienstag und Mittwoch Champions League, Donnerstag Europa League, Freitag, Samstag und Sonntag Erstligafußball. Da muss die Zweite Liga notgedrungen ja jetzt schon auf die ungeliebte Mittagszeit ausweichen.

Nun kommt auch der Montag immer mehr ins Blickfeld der 1. Liga.

Die letzte ‚Bastion‘ wird fallen. Daran ändert auch dieser Protest der BVB-Anhänger natürlich nichts. Der Anteil der Einnahmen durch die paar Hundert dann zukünftig vielleicht nicht mehr reisenden Gästefans ist einfach zu gering im Vergleich zu den im TV zu generierenden Gelder, für diese zusätzlichen Werbeeinnahmen.

Der ohnehin schon sinkende Anteil an den Einnahmen durch die verkauften Eintrittskarten im Gästeblock wird zukünftig noch geringer werden. Ein neuer TV-Vertrag, möglichst nahe an den in England gesetzten Maßstäben, ist das Begehren der nach höheren Umsätzen gierenden Ligamacher. Dafür werden sie alles tun. Die Faninteressen fallen da rasch hinten runter. Und das tun sie ja eigentlich auch schon seit Jahren. Das werden viele der protestierenden Anhänger so nicht gerne zur Kenntnis nehmen. Ist aber trotzdem einfach so.

Der Kampf gegen die Montagsspiele ist für die Fanvertreter schon verloren, noch bevor er richtig begonnen hat.

Erinnert sei in diesem Zusammenhang auch an den vergeblichen Kampf gegen die Sonntagsspiele, an die Aktion ‚Pro 15:30‘. Alles letztendlich nicht wirklich von Erfolg gekrönt.

Und die Gruppe der Fußballfans vor den Fernsehgeräten ist einfach auch zu groß, die damit zu generierenden Einnahmen zu beachtlich, als das sich die Ligabosse diese Fußballromantik der Kurvenbesucher leisten werden. Keine Chance, liebe Freunde!

1 Kommentar

Vielleicht sollte man sich einfach mal an der *Begründung* für dieses eine Montagsspiel orientieren, welches im Gegensatz zu den schon passierten Ausnahmen in der Vergangenheit nicht kurzfristig bedingt durch Naturereignisse, sondern einfach nur längerfristig geplant durchgeführt wird, weil der 1. Mai als "Großkampftag" der Polizei-Einsatzhundertschaften nun auch schon viele Jahre lang bekannt ist – u.A. "dank" unseren Dortmunder Faschos und deren Gewalttätern (aber Politik gehört ja nicht ins Stadion…).

Und gerade Bremen, die sich ja als einziges Bundesland gegen mitunter willkürliche Spielansetzungen und die Verweigerung einer Kostenübernahme dieser Einsätze durch DFB und DFL wehren, bekommen diesmal ausnahmsweise Recht, wenn sie ihre Beamtenzahlen für solche Fußballeinsätze als viel zu gering beklagen und diesmal halt *berücksichtigt* werden sollen.

Dass die Fans diese Problematik mal wieder außerhalb ihres spießig-kleinen Bequemlichkeits-Universums sehen, ist da vollkommen unerheblich.

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