Dortmund: Beim BVB stimmt die Balance im Kader aktuell noch nicht

Jeremy Dudziak erzielte am Freitag das einzige BVB-Tor in Bochum. Foto: Robin Patzwaldt
Jeremy Dudziak erzielte am Freitag das einzige BVB-Tor in Bochum. Foto: Robin Patzwaldt

In knapp zwei Wochen wird es für den BVB schon wieder richtig ernst. Auf dem Weg in die Gruppenphase der Europa League gilt es dann in der 3. Qualifikationsrunde das Auswärtsspiel, und damit das erste Pflichtspiel der neuen Saison, zu bestreiten. Vieles deutet aktuell darauf hin, dass die Reise die Dortmunder dann nach Österreich, zum Spiel gegen Wolfsberg führen wird, bevor dann am 06. August im Rückspiel die Entscheidung über ein Weiterkommen in die nächste Runde in diesem Wettbewerb in Dortmund fallen wird. Doch bevor es so wieder richtig ernst wird, da geht es für den BVB in der kommenden Woche zunächst noch in das schon traditionelle Trainingslager nach Bad Ragaz, in die Schweiz.
Die bisherigen fünf Testspiele seit dem Trainingsbeginn (4 Siege, 1 Niederlage) haben schon recht eindrucksvoll gezeigt, der BVB ist offensichtlich insgesamt unter Thomas Tuchel auf einem guten Weg. Auch die Leistung beim gestrigen 1:2 in Bochum, der ersten Niederrlage für den neuen BVB-Coach, war über weite Strecken der Begegnung völlig in Ordnung. Das Spiel hätten die Dortmunder eigentlich nicht verlieren dürfen, wäre das Ergebnis am Ende wirklich dem Spielverlauf entsprechend gewesen. Die Chancenverwertung, das altbekannte Problem, zeigte sich mal wieder von seiner frustrierenden Seite. Kein Beinbruch in einem Testspiel.
Trotzdem zeigt der Kick beim Nachbarn Thomas Tuchel und Co. schon jetzt sehr eindrücklich, dass es etwas knapp sein könnte mit nur zwei echten Stürmern im Kader in die Saison zu gehen. Auba als Alleinunterhalter vorne drin ist vielleicht auf Dauer dann eben, so wie auch gestern in Bochum zu sehen, doch nicht genug.
Zwar verspricht Adrian Ramos, wenn er denn in ein paar Wochen wieder bei 100% sein wird, eine durchaus gute Alternative zu sein, doch ein gewisses Risiko bleibt. Was passiert, wenn Auba sich im Laufe der Saison mal längerfristig verletzen sollte, oder er seine Form über einige Zeit hinweg verliert? Brauchen die Schwarzgelben nicht zumindest noch einen dritten namhaften Stürmer? Sollte der Weggang von Ciro Immobile nicht doch noch möglichst hochkarätig kompensiert werden?
Die Verantwortlichen des Clubs meinen aktuell ‚nein‘. Zumindest äußern sie das aktuell so offiziell ganz deutlich nach außen. Doch der Abend in Bochum hat schon gezeigt, dass es in der Offensive zu Problemen kommen kann, wenn die personellen Wechselmöglichkeiten in der ersten Reihe der Offensive fehlen.

 

Natürlich haben auch Marco Reus, Kevin Kampl, Gonzalo Castro und Co. entsprechendes Offensivpotential, doch wirkliche Stürmer sind sie eben alle nicht. Dafür ist das Angebot im Mittelfeld der Tuchel-Truppe aktuell noch unverhältnismäßig groß.

Stürmer Adrian Ramos ist derzeit noch nicht fit. Foto: Robin Patzwaldt
Stürmer Adrian Ramos ist derzeit noch nicht wieder fit. Foto: Robin Patzwaldt

Wer den Kader der Borussen gestern mal etwas näher betrachtet hat, wie hochkarätig gerade das Mittelfeld aktuell doch besetzt ist, der wird vielleicht gar nicht wahrgenommen haben, dass einige eigentliche Stammkräfte wie Kuba oder auch Kevin Großkreutz da derzeit noch gar keine Rolle gespielt haben, Neuzugang Castro erst in der zweiten Hälfte einen Platz im Team fand, Leitner und Kirch ebenfalls nicht berücksichtigt wurden, und der BVB natürlich in der laufenden Saison dann auch kaum noch so viel wird wechseln können, wie das aktuell noch der Fall ist. Unzufriedenheit und viel Frust erscheinen hier förmlich schon vorprogrammiert.

 

27 Spieler umfasst der aktuelle Profikader der Borussen. 18 dürfen bei einem Ligaspiel nur auf den Spielberichtsbogen bzw. in den Kader für ein Spiel. Selbst wenn man stetig von einigen Verletzten ausgeht kann man hier das Konfliktpotential schon ganz deutlich erahnen. Und das bei einem ‚Mangel‘ an echten Stürmern.

 
Nun gut, offiziell kann sich in den nächsten Wochen ja noch etwas tun im Kader des BVB. Auch wenn Aki Watzke gestern gegenüber Sport1 betonte, der BVB müsse derzeit niemanden aus dem aktuellen Kader mehr abgeben. Natürlich will er damit auch seine Verhandlungsposition für zukünftige Vertragsgespräche nicht vorab schon öffentlich schwächen. Aber ein Blick auf den aktuellen Teamkader zeigt doch eigentlich sehr wohl, dass die Balance im Kader der Schwarzgelben aktuell noch nicht so recht zu stimmen scheint. Zu viele Mittelfeldspieler, vermutlich eher zu wenige echte Stürmer. Noch hat man einige Wochen Zeit das eventuell noch zu ändern.

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