Dortmund: 5 Cent Dividende pro Aktie – Klasse, es gibt für mich ein Bier auf Kosten des BVB!

Beim BVB gibt es für die Aktionäre einmal wieder eine Dividende zu feiern. Foto: Michael Westerhoff/Colorfulcities.de
Für BVB-Aktionäre gibt es erneut eine Dividende zu feiern. Foto: Michael Westerhoff/Colorfulcities.de

Erfolgreich ist der BVB aktuell auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Das hat uns die Vereinsführung ja auf den jüngst durchgeführten Hauptversammlungen bestätigt. Sowohl Vereins-Mitglieder als auch die Aktionäre zeigten sich entsprechend zufrieden. Die BVB-Familie genoss die frisch vorgelegten Erfolgszahlen. Als Folge dessen bekommt u.a. jeder Aktionär jetzt eine Dividende von 5 Cent pro von ihm gehaltenen Wertpapier für das vergangene Geschäftsjahr.

Das betrifft erfreulicher Weise auch mich. Rund einen Euro darf ich daher jetzt bald neu mein Eigen nennen. Klasse, das reicht dann für ein Dosenbier o.ä.. Um den Gerstensaft in der Kneipe zu genießen dürfte es leider aktuell noch nicht reichen. Da muss ich dann doch noch auf eine Dividendenerhöhung in der Zukunft hoffen.
Warum ich das hier erzähle?

Ich gehörte im Jahre 2000 zu den ersten Klein-Aktionären der Dortmunder Borussia. Der Entschluss den Verein zukünftig auf Aktienbasis zu stellen kam mir damals gerade gelegen. Meine alte Clique löste sich gerade auf. Die Freunde mit denen ich über Jahre regelmäßig die BVB-Heimspiele auf der Südtribüne verfolgte, kamen in Folge beruflicher und persönlicher Entwicklungen immer seltener beim Fußball der Schwarzgelben zusammen.

Dementsprechend kamen wir irgendwann überein, uns für die neue Saison besser als Gruppe so keine Dauerkarten mehr zu kaufen. Unsere ‚wilde‘ Zeit auf der Südtribüne war für uns damals einfach vorbei. Die Meisterschaften 1995 und 1996, der Champions League-Triumph 1997 und der Weltpokal waren mit unserer Hilfe gewonnen worden. So zumindest das Gefühl damals. Irgendwie schien das Kapitel plötzlich abgerundet, unsere Motivation ihren Höhepunkt damals bereits irgendwie überschritten zu haben.

Einige von uns wollten inzwischen schon lieber sitzen, andere konnten gar nicht mehr regelmäßig nach Dortmund kommen. Der ganz normale Lauf der Dinge eben. Alles hat irgendwie seine Zeit.

Ich beschloss daher das Geld für die nächste Dauerkarte stattdessen in die frisch ausgegebenen BVB-Aktien zu stecken.

Mir war auch damals durchaus schon bewusst, dass man damit wohl keinen großen Gewinn machen würde. Ein Fußballverein und die Börse? Das ging für mich vom Anfang an nicht wirklich zusammen. Irgendwie wiedersprach sich aus meiner Sicht das Interesse des Aktionärs mit den Interessen eines Fußballfans. Der Aktionär will Dividende für sein Investment, der Fußballfan, dass möglichst viel Geld in eine erfolgreiche Mannschaft investiert werden kann. Eine mögliche Dividende passte da für mich nicht wirklich rein.

Ich sah meinen Aktienkauf daher auch als eine Art Investition in den Verein, eine gute Mannschaft. Außerdem gefiel mir damals der Gedanke, von da an ein Mitbesitzer des Clubs zu sein, der mir so viel bedeutet. Und die paar Euro würde ich verschmerzen können. Sozusagen auch der symbolische Abschied von meiner aktiven Zeit im Stadion. Zumindest in dieser Regelmäßigkeit.

11 Euro hat eine Aktie damals gekostet. Rund zwei Dutzend davon habe ich für den Preis meiner alten Stehplatz-Dauerkarte damals bekommen. Mag sogar sein, dass ich noch ein paar ‚Mark‘ draufgelegt habe damals. Es war nicht viel Geld was ich damals investierte, doch immerhin konnte ich von dieser Zeit an einen symbolischer Anteil an ‚meinem‘ Verein, wie ich ihn dann von dann an gerne nannte, tatsächlich auch mein ‚Eigen‘ nennen. Der Aufkleber ‚Borussia Dortmund – mein Verein‘ hatte von diesem Tage an für mich eine andere Bedeutung.

Und tatsächlich lohnte sich das Investment finanziell zunächst so gar nicht. Keine Dividende in Sicht, und der Aktienkurs rauschte direkt und zunächst dauerhaft mächtig in den Keller.
Mir machte das nichts aus, erhielt ich doch von diesem Tage an Einladungen zur Aktionärsversammlung, fühlte mich so enger an ‚meinen‘ BVB gebunden.

Die Berichte über BVB-Fans welche damals ihr komplettes Gespartes in die Aktien investierten, teilweise sogar noch einen Kredit aufnahmen um sich möglichst viele der BVB-Aktien kaufen zu können, die lösten eher ein mitleidiges Kopfschütteln bei mir aus.

Der sportliche Absturz der Borussia in den Jahren danach, der bekanntlich auch fast in der Insolvenz endete, störte mich persönlich da vielmehr. Nun ja, das Alles ist inzwischen auch längst schon wieder Geschichte.

Der Club erholte sich, neue Titel konnten nach ein paar Jahren Wartezeit bekanntlich dann auch wieder gefeiert werden. Und inzwischen hat sich auch die Aktie wieder etwas erholt. Bei vier Euro liegt ihr Preis aktuell wieder, wie ich anlässlich der diesjährigen Aktionärsversammlung nun erfahren durfte. Immer noch ein kräftiger Verlust in Bezug auf meine damals ursprünglich investierte Summe. Wird sich der Kurs jemals wieder dem Ausgabewert von 11 Euro annähern? Aber da ich ohnehin nicht vor habe mich von meinen Anteil am Verein zu trennen, ist das für mich eh nicht viel mehr als ein Gedankenspiel.

Doch immerhin gibt es jetzt seit einiger Zeit tatsächlich doch auch eine Dividende für ‚uns‘ Aktionäre. 5 Cent pro Aktie! Sobald sie gutgeschrieben wurden kaufe ich mir wieder einmal ein Dosenbier auf Kosten des BVB. Dann kann man damit gleich passend und stilecht auf die nächsten Jahre mit diesem Verein anstoßen. Immerhin!

Prost BVB! 😉

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