Doping-Verdacht ohne Folgen

Heute gehen Meldungen durch die Nachrichten, dass die Welt-Anti-Doping-Agentur laut Kommunikationsdirektor Mark Adams 30 Sportler an der Teilnahme an den Olympischen Winterspielen in Vancouver hindern will. Sie seien im Vorfeld positiv gestestet worden. Angeblich soll es gegen 20 Uhr MESZ auf einer Pressekonferenz Neuigkeiten geben. Auch sollen in Zukunft Listen erstellt werden, auf denen Athleten die Namen ihrer Ärzte, Manager und Betreuer angeben müssen, damit das dopende Umfeld besser verfolgt werden kann. Hat das IOC in Sachen Doping dazugelernt? Vielleicht. Betrachtet man die Doping-Anschuldigungen der letzten Tage, vor allem durch Recherchen von ARD und ZDF ans Tageslicht geholt, kann aber auch ein anderer Eindruck entstehen. Denn obwohl sich die Ermittlungen der Turiner Winterspiele bis heute ziehen und tausende Seiten Ermittlungsakten zusammen gekommen sind – Sportler werden offenbar kaum bestraft.

30 italienische Polizisten umstellen im Dunkeln zwei Häuser österreichischer Sportler, Räume werden durchsucht, Säcke voller Beweismaterial abtransportiert. Die Szenen aus San Sicario und Pragelato, wie aus einem Kriminalfilm, immer wieder werden sie im Fernsehen gezeigt. Die Botschaft: Hier wird aufgeräumt, Polizei und Sport arbeiten zusammen, die Betrüger werden bestraft.

Heute, knapp vier Jahre nach der spektakulären Turiner Doping-Razzia stehen in Wien tausende Seiten Ermittlungsakten im Schrank: Zur Blutbank Humanplasma und zum österreichisch-europäischen Doping-Geflecht. Dutzende Namen von Sportler sind an die Öffentlichkeit gekommen. Es gibt Geständnisse, eingeleitete und eingestellte Verfahren. Und es gibt, noch einmal verschärft durch die Doping-Dokumentationen von ARD und ZDF (in den nächsten Tagen noch in den Mediatheken zu finden), schwere Anschuldigungen gerade auch gegen erfolgreiche deutsche Wintersportler.

Heute gehen Meldungen durch die Nachrichten, dass die Welt-Anti-Doping-Agentur laut Kommunikationsdirektor Mark Adams 30 Sportler an der Teilnahme an den Olympischen Winterspielen in Vancouver hindern will. Sie seien im Vorfeld positiv gestestet worden. Angeblich soll es gegen 20 Uhr MESZ auf einer Pressekonferenz Neuigkeiten geben. Auch sollen in Zukunft Listen erstellt werden, auf denen Athleten die Namen ihrer Ärzte, Manager und Betreuer angeben müssen, damit das dopende Umfeld besser verfolgt werden kann. Hat das IOC in Sachen Doping dazugelernt? Vielleicht. Betrachtet man die Doping-Anschuldigungen der letzten Tage, vor allem durch Recherchen von ARD und ZDF ans Tageslicht geholt, kann aber auch ein anderer Eindruck entstehen. Denn obwohl sich die Ermittlungen der Turiner Winterspiele bis heute ziehen und tausende Seiten Ermittlungsakten zusammen gekommen sind – Sportler werden offenbar kaum bestraft.

30 italienische Polizisten umstellen im Dunkeln zwei Häuser österreichischer Sportler, Räume werden durchsucht, Säcke voller Beweismaterial abtransportiert. Die Szenen aus San Sicario und Pragelato, wie aus einem Kriminalfilm, immer wieder werden sie im Fernsehen gezeigt. Die Botschaft: Hier wird aufgeräumt, Polizei und Sport arbeiten zusammen, die Betrüger werden bestraft.

Heute, knapp vier Jahre nach der spektakulären Turiner Doping-Razzia stehen in Wien tausende Seiten Ermittlungsakten im Schrank: Zur Blutbank Humanplasma und zum österreichisch-europäischen Doping-Geflecht. Dutzende Namen von Sportler sind an die Öffentlichkeit gekommen. Es gibt Geständnisse, eingeleitete und eingestellte Verfahren. Und es gibt, noch einmal verschärft durch die Doping-Dokumentationen von ARD und ZDF (in den nächsten Tagen noch in den Mediatheken zu finden), schwere Anschuldigungen gerade auch gegen erfolgreiche deutsche Wintersportler.

Zur Rechenschaft gezogen wurde bisher jedoch kaum ein Sportler. Und geht es nach den verantwortlichen deutschen Doping-Bekämpfern, wird es vermutlich auch nicht mehr dazu kommen. Die Begründung: Rechtliche Probleme. Das Blutdoping-Verfahren gegen Humanplasma ist bereits seit längerem eingestellt, weil Blutdoping im betreffenden Zeitraum bis 2006 nicht strafbar war.

Bei der Wiener Staatsanwaltschaft laufen aber noch zwei weitere Verfahren. Zum einen ermitteln die Beamten gegen Humanplasma wegen Steuerhinterziehung und versuchen so, die Verantwortlichen der Blutbank doch zu bestrafen. Zum anderen steht ein übergeordnetes Dopingverfahren vor dem Abschluss: 8000 Seiten Ermittlungsakten über Doping in Österreich und Europa. Trainer, Manager und Dealer sollen angeklagt werden.

Angeblich dauert es nicht mehr lang, bis die Verfahren starten. Die zuständige Staatsanwältin habe die meisten Abschlussberichte vorliegen. „Jetzt muss nur noch entschieden werden, wo wir Anklage erheben und wo nicht“, sagt Pressesprecher Gerhard Jarosch. Um Humanplasma geht es dabei aber nur am Rande. Und dopende Sportler, die nicht selbst mit Substanzen gehandelt haben, bleiben unbehelligt.

Die 8000 Seiten der bisherigen Ermittlungen wollen trotz erteilter Akteneinsicht nun weder die Bonner NADA noch die Münchner Staatsanwaltschaft haben. „Sowohl die Wiener Staatsanwaltschaft, als auch die österreichische NADA haben uns bestätigt, dass keine deutschen Sportler in den Akten zu finden sind“, sagt NADA-Geschäftsführer Göttrik Wewer. Und auch Barbara Stockinger von der Münchner Doping-Staatsanwaltschaft verzichtet auf Akteneinsicht. Die österreichischen Behörden würden sich melden, falls es neue Erkenntnisse gibt. „Ich gehe aber nicht davon aus, dass noch etwas nachkommt.“

Das Problem: Die österreichischen Ermittler hatten lediglich den Auftrag, österreichische Sünder zu verfolgen. Deutsche Athleten, so zahlreich sie auch immer bei Humanplasma gewesen sind, werden nicht verfolgt. Schlüpfen also all die verdächtigen Ski-Jäger, Radsportler, Leichtathleten einfach durchs Netz? Zuletzt bestätigten österreichische Insider in der ARD und im ZDF erneut, dass deutsche Sportler verwickelt seien. Behörden und Sportverbände jedoch scheinen machtlos. Oder liegt es daran, dass eine vollständige Aufklärung gar nicht mit letzter Macht verfolgt wird?

In der ARD gab Montagnacht ein anonymisierter Top-Langläufer Einblick in die dopingverseuchte Szene: Vor allem im Skilanglauf habe er mitbekommen, dass es ohne Epo oder Blutdoping unmöglich sei, vorne mitzulaufen. Der Film zeigt gleichzeitig, dass Sportverbände vor diesen Tatsachen die Augen verschließen. So gibt es keine Nachtests der Turin-Proben auf das Epo-Mittel Cera, obwohl es schon Jahre zuvor im Einsatz gewesen sein soll.

In Vancouver nun wird nicht auf das Muskelmittel S107 getestet, das im Ausdauersport bis zu 20 Prozent Leistungszuwachs bringen soll. Dabei konnten die ARD-Reporter die Forschungssubstanz sogar innerhalb Deutschlands bestellen und ein Test wäre vergleichsweise einfach. Im ZDF berichtete der Lübecker Epo-Forscher Horst Pagel von so genannten Hif-Stabilisatoren, die dem Körper einen Sauerstoffmangel vortäuschen und vermutlich sogar noch wirksamer seien als herkömmliches Epo. Und sie sind kaum nachzuweisen.

Behördliche Ermittlungen wie im Fall Humanplasma wären deshalb ein Goldgrube für jeden Dopingbekämpfer. Doch seit Jahren werden in Deutschland härtere Dopinggesetze mit aller Macht verhindert. Der Sport bekomme das Problem selbst in den Griff, heißt es immer wieder. Doch wie oft sind zuletzt deutsche Top-Sportler des Dopings überführt worden? Stellt man journalistische Recherchen und Aktivitäten der Sportverbände gegenüber, kommen starke Zweifel auf. Bleibt abzuwarten, was das IOC auf seiner heutigen Pressekonferenz bekannt gibt.

Der Text erscheint in geänderter Fassung auch bei ZDFonline und in der Augsburger Allgemeinen. Auf ZDFonline findet sich von mir auch eine ausführliche Chronik der Humanplasma-Affäre.

Das Foto ist von Joachim Berga/pixelio.de

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