Dokumentation: Bundestag stellt sich gegen BDS

Der Bundestag in Berlin. Foto: Robin Patzwaldt

Gestern hat der Bundestag fraktionsübergreifend und mit großer Mehrheit in einer Resolution die BDS-Kampagne verurteilt,  deren Ziel die Vernichtung Israels durch wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und kulturellen Boykott ist. Das Parlament setzte damit ein deutliches Zeichen gegen Antisemitismus. Anbei die von CDU, SPD, FDP und Grünen getragene Resolution:

Der BDS-Bewegung entschlossen entgegentreten – Antisemitismus bekämpfen

I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Der Deutsche Bundestag bekennt sich unabänderlich zu seinem Versprechen, Antisemitismus in allen seinen Formen zu verurteilen und zu bekämpfen, und bekräftigt ausdrücklich den beschlossenen Antrag der Fraktionen der CDU/CSU,
SPD, FDP und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN „Antisemitismus entschlossen bekämpfen“ vom 17. Januar 2018.

Laut Arbeitsdefinition der Internationalen Allianz für Holocaust-Gedenken ist
Antisemitismus eine bestimmte Wahrnehmung von Juden, die sich als Hass gegenüber Juden ausdrücken kann. Antisemitismus richtet sich in Wort oder Tat gegen jüdische oder nichtjüdische Einzelpersonen und/oder deren Eigentum, sowie gegen jüdische Gemeindeinstitutionen oder religiöse Einrichtungen. Darüber hinaus kann auch der Staat Israel, der dabei als jüdisches Kollektiv verstanden wird, Ziel solcher Angriffe sein.

Es gibt keine legitime Rechtfertigung für antisemitische Haltungen. Das entschiedene, unbedingte Nein zum Hass auf Jüdinnen und Juden gleich welcher Staatsangehörigkeit ist Teil der deutschen Staatsräson. Antisemitismus hat sich in seinen mörderischen Folgen als die verheerendste Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in der Geschichte unseres Landes und in ganz Europa erwiesen und ist heute noch eine Bedrohung sowohl für Menschen jüdischen Glaubens als auch für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung. Es ist nicht hinnehmbar, dass der Antisemitismus in den vergangenen Jahren zugenommen hat und die
jüdische Gemeinschaft zunehmend verunsichert ist.

Wer Menschen wegen ihrer jüdischen Identität diffamiert, ihre Freizügigkeit einschränken will, das Existenzrecht des jüdischen und demokratischen Staates Israel oder Israels Recht auf seine Landesverteidigung infrage stellt, wird auf unseren entschiedenen Widerstand stoßen. Durch eine besondere historische Verantwortung ist Deutschland der Sicherheit Israels verpflichtet. Die Sicherheit Israels ist Teil der Staatsräson unseres Landes. Wir halten an der Zweistaatenlösung fest, wie sie der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in zahlreichen Resolutionen bekräftigt hat: einen jüdischen demokratischen Staat Israel und einen unabhängigen, demokratischen und lebensfähigen palästinensischen Staat.

Seit Jahren ruft die „Boycott, Divestment and Sanctions“-Bewegung (abgekürzt BDS) auch in Deutschland zum Boykott gegen Israel, gegen israelische Waren und Dienstleistungen, israelische Künstlerinnen und Künstler, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Sportlerinnen und Sportler auf. Der allumfassende Boykottaufruf führt in seiner Radikalität zur Brandmarkung israelischer Staatsbürgerinnen und Staatsbürger jüdischen Glaubens als Ganzes. Dies ist inakzeptabel und scharf zu verurteilen.

Die Argumentationsmuster und Methoden der BDS-Bewegung sind antisemitisch. Die Aufrufe der Kampagne zum Boykott israelischer Künstlerinnen und Künstler sowie Aufkleber auf israelischen Handelsgütern, die vom Kauf abhalten sollen, erinnern zudem an die schrecklichste Phase der deutschen Geschichte.

„Don’t Buy“-Aufkleber der BDS-Bewegung auf israelischen Produkten wecken unweigerlich Assoziationen zu der NS-Parole „Kauft nicht bei Juden!“ und entsprechenden Schmierereien an Fassaden und Schaufenstern.

Der Deutsche Bundestag verurteilt alle antisemitischen Äußerungen und Übergriffe, die als vermeintliche Kritik an der Politik des Staates Israel formuliert werden, tatsächlich aber Ausdruck des Hasses auf jüdische Menschen und ihre Religion sind, und wird ihnen entschlossen entgegentreten.

II. Der Deutsche Bundestag begrüßt,

dass zahlreiche Gemeinden bereits beschlossen haben, der BDS-Bewegung oder Gruppierungen, die die Ziele der Kampagne verfolgen, die finanzielle Unterstützung und die Vergabe von kommunalen Räumen zu verweigern.

III. Der Deutsche Bundestag beschließt,

1. erneut jeder Form des Antisemitismus schon im Entstehen in aller Konsequenz entschlossen entgegenzutreten und die BDS-Kampagne und den Aufruf zum Boykott von israelischen Waren oder Unternehmen sowie von israelischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Künstlerinnen und Künstlern oder Sportlerinnen und Sportlern zu verurteilen;

2. Räumlichkeiten und Einrichtungen, die unter Bundestagsverwaltung stehen, keinen Organisationen, die sich antisemitisch äußern oder das Existenzrecht Israels in Frage stellen, zur Verfügung zu stellen. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf, keine Veranstaltungen der BDS-Bewegung oder von Gruppierungen, die deren Ziele aktiv verfolgen,
zu unterstützen;

3. seine Unterstützung für die Bundesregierung und den Beauftragten für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus sowohl in der Prävention als auch in der entschiedenen Bekämpfung von Antisemitismus und jeglichem Extremismus unvermindert fortzusetzen;

4. keine Organisationen finanziell zu fördern, die das Existenzrecht Israels in Frage stellen;

5. keine Projekte finanziell zu fördern, die zum Boykott Israels aufrufen oder die die BDS-Bewegung aktiv unterstützen;

6. Länder, Städte und Gemeinden und alle öffentlichen Akteurinnen und Akteure dazu aufzurufen, sich dieser Haltung anzuschließen.

Berlin, den 15. Mai 2019
Ralph Brinkhaus, Alexander Dobrindt und Fraktion
Andrea Nahles und Fraktion
Christian Lindner und Fraktion
Katrin Göring-Eckardt, Dr. Anton Hofreiter und Fraktion

5 Kommentare

Soweit die schönen Worte, aber was ist mit Taten? Abstimmungsverhalten in der UNO, Finanzierung von UNRWA und PA? Wird sich daran was ändern?

@ Gerd #1
Bei welcher Abstimmung hat Deutschland denn zum Boykott Israels aufgerufen, das Existenzrecht Israels in Frage gestellt o.dgl., so dass das Abstimmungsverhalten nicht zu dieser Resolution passt?

Gegen BDS sein, aber Terroristen Ehrenrenten finanzieren und diffamierenden Resolution zustimmen, passt nicht zusammen.

Und nun was zum Schmunzeln :

In addition, lawmakers will also vote on two other resolutions against BDS, proposed by two opposition parties: the far-right Alternative for Germany (AfD), and … The AfD draft, the only one that calls on the government to outlaw the boycott movement, has little chance of garnering a majority.

https://www.timesofisrael.com/german-parliament-to-denounce-boycott-movement-as-anti-semitic/

Wie passen solche Fakten zum Narrativ ?

Welche Fakten zu welchem Narrativ? Könnten Sie das elaborieren? So ist es nicht ganz klar.

Der AfD-Antrag geht über eine sinnvolle Abgrenzung von BDS nun mal weit hinaus. Keine BDS-Sachen zu fördern kann der Bundestag leicht beschließen; aber Vereine zu verbieten ist in einem Rechtsstaat nun mal nicht so leicht möglich (was ich erfreulich finde). Vor allem dann nicht, wenn man die Vereine gar nicht konkret benennt, sondern nur eine unkonkrete "Bewegung" verbieten will.
Aber mit der Beachtung rechtsstaatlicher Notwendigkeiten hat es die AfD ja nicht so, vor allem nicht, wenn es ums Verbieten irgendwas Muselmanischem geht, was die AfD in irgendeiner merkwürdigen Projektion ja quasi zwanghaft mit NS in Verbindung bringt.

Sollte sich der Bundestag ihrer Meinung nach die lockere Art der AfD in Bezug auf den Rechtsstaat zu eigen machen?
Für das "Narrativ", dass die BRD sich vom BDS distanziert, ist das sicher nicht notwendig.

Ebenso wenig ist es dafür notwendig, sich aller Kritik an der Politik der israelischen Regierung zu enthalten, immer an der Seite Israels zu stimmen und jede Förderung irgendwelcher palästinensischer Angelegenheiten einzustellen.

Sie mögen diese viel weitergehenden Schritte für eine gute Idee halten, das ist Ihr gutes Recht. Aber ein Beschluss des Bundestags muss nicht 100%ig Ihren Vorstellungen entsprechen, um in sich stimmig und glaubwürdig zu sein.

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