„Dinslaken ist keine Stadt, in der der Hass zu Hause ist.“

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Der Dinslakener Stadtteil Lohberg ist eine der Hochburgen der Jihadisten in Deutschland. Wie wurden junge Männer aus dem Ruhrgebiet zu mörderischen Gotteskriegern?

Die Häuser sind in hellem Ocker gestrichen, die Vorgärten gepflegt und auf der Straße grüßen sich die Menschen. Dinslaken-Lohberg ist ein freundlicher, ein schöner Stadtteil. Doch hier sammelte in seinem Bildungsverein Mohammed K. Jugendliche um sich, impfte ihnen Hass und Fanatismus ein und schickte sie als Brigade-Lohberg für den Islamischen-Staat in den Krieg nach Syrien und in den Irak.

Dinslaken-Lohberg gehört nicht zu den heruntergekommensten Siedlungen des an Problemstadtteilen nicht armen Ruhrgebiets. Gemeinsam mit der Zeche Lohberg, die dem Quartier seinen Namen gab, entstand die Siedlung in der Tradition der engschlichen Gartenstädte: Jedes Haus unterscheidet sich vom anderen, mal ist ein Giebel anders gesetzt, mal ein Eingang an einer anderen Stelle. Hinter den Häusern liegen Gärten. Die Siedlung wurde, wie viele andere im Revier auch, längst aufwendig renoviert.

Die Zeche, die dem Stadtteil hundert Jahre lang Arbeit gab, wurde vor zehn Jahren geschlossen. Bagger arbeiten sich heute im hinteren Bereich durch das Gelände, Altlasten werden entsorgt. Wenn alles einmal fertig ist, sollen hier in einem Gewerbegebiet neue Jobs entstehen. In den alten, gut erhaltenem Bürogebäuden des einstigen Bergwerks, haben sich im Künstler niedergelassen, gibt es Ateliers, Galerien und ein Tanzstudio.

Wer hier wohnte, fand früher auf der Zeche Arbeit und der Vater besorgte dem Sohn einen Ausbildungsplatz. Die Arbeit unter Tage war hart und wurde gut bezahlt. Diese Arbeitsplätze fehlen heute in Lohberg. Aber besonders dramatisch ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt nicht. Dinslaken hat eine Arbeitslosenquote von gerade mal 7,5 Prozent – für Ruhrgebietsverhältnisse außergewöhnlich niedrig. Und auch in Lohberg sucht nur jeder zehnte einen Job. In Städten wie Dortmund oder Duisburg träumen sie von solchen Zahlen.

Peter Psiuk steht vor Haus des ehemaligen Ledigenvereins und raucht eine Zigarette. Früher haben hier alleinstehende Bergleute gewohnt, heute sind hier kleine Firmen und Initiativen untergekommen. Auch der Bildungsverein von Mohammed K. hatte sich hier eingemietet. Der Verein war die Tarnung der Lohberger Jihadisten und Psiuk kannte einige von ihnen persönlich: „Die waren als Kinder nette Jungs, so wie alle anderen auch.“ Lohberg sei ein Dorf: „Man kennt sich hier, redet miteinander. Wir haben hier kaum Probleme.“ In den vielen Artikeln, die er über Lohberg gelesen habe, seitdem bekannt wurde, dass über 20 Junge Männer hier eine Zelle militanter Gotteskrieger gebildet hatte. „Man kann hier um jede Uhrzeit auf die Straße gehen, ohne Sorgen zu haben. Lohberg ist kein Slum.“

Als die netten Jungs älter wurden, hätten sie angefangen herumzulungern. „Hier gab es nichts für sie. Sie hatten keine Arbeit, es gab keine Freizeitangebote. Niemand hat sich um sie gekümmert.“

Als es die Zeche noch gab, sagt Psiuk, seien die Halbstarken irgendwann von der Straße geholt worden und hätten Arbeit bekommen: „Und dann war es vorbei mit dem herumlungern. Dann hatten sie was zu tun und gründeten schnell eine Familie.“

Auch die Jungs, die früher einmal nett waren, wurden irgendwann von der Straße geholt. Aber nicht von der Zeche, sondern von Mohammed K.. Schon Vater war ein Lohberger Urgestein, ein türkischstämmiger, liberaler Muslim, beliebt und anerkannt.

Wenn Jugendliche ihre Freizeit mit K. verbrachten, zudem in einem Bildungsverein, klang das für fast alle in Lohberg erst einmal gut. Als der fromme Bildungsverein sich 2012 im ehemaligen Ledigenheim einmietete und die Vermieter beim Staatsschutz nachfragten, ob mit dem Verein alles in Ordnung sei, gab es von Seiten der Polizei keine Bedenken. Was sie nicht wussten: K. war nach Ansicht des Verfassungsschutzes des Landes NRW nur ein Strohmann, ein Aushängeschild, um im Stadtteil Vertrauen zu gewinnen. Hinter ihm standen Männer mit Kontakten zum Islamischen Staat. K. erfüllte seine Aufgabe. Der Bildungsverein war der Treffpunkt für junge Männer aus ganz Dinslaken, dem Ruhrgebiet und vom Niederrhein, die hier radikalisiert wurden. Die Brigade-Lohberg bestand nicht nur aus Lohbergern, aber in Lohberg trafen sie sich, lernten sich kennen und wurden zu militanten Jihadisten. Und von Lohberg aus zogen sie in den Krieg.

Ein Dutzend junger Männer hat sich als Brigade-Lohberg dem Islamischen Staat angeschlossen, um für das Kalifat in Syrien und im Irak zu kämpfen. Philip B., der sich nach seinem Übertritt zum Islam Abu Usama al-Almani nannte, ermordete bei einem Selbstmordattentat im August vergangenen Jahres 21 Iraker. Der Tod Dreier weiterer aus der Gruppe wurde Anfang des Jahres bekannt: Mustafa K., Hasan D. und Marcel L.. Einer von Ihnen, der zum Islam konvertierte Mustafa K., schockierte im Februar 2014 die Öffentlichkeit: Er posierte auf Bildern, die in der syrischen Stadt Azaz aufgenommen wurden, mit abgetrennten Köpfen.

Ein weiteres Mitglied der Gruppe, der aus dem benachbarten Voerde stammende Nils D., ein Cousin des Selbstmordattentäters Philip B., wurde Anfang Januar in seiner Wohnung in Dinslaken von einem Sondereinsatzkommando der Polizei festgenommen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Syrienheimkehrer Mitgliedschaft in einer ausländischen Terrorvereinigung vor.

„Vier Mitglieder der Brigade-Lohberg sind tot, vier traumatisiert und desillusioniert zurückgekehrt“, sagt ein Sprecher des NRW-Verfassungsschutzes.

Salafisten gäbe es immer noch in Lohberg, aber sie seine deutlich weniger aktiv: „Die Stadt engagiert sich jetzt stärker in Lohberg mit Sozialarbeitern und hat auf die Probleme reagiert.“ Auch sei Mohammed K. nicht mehr in der Stadt: „So eine Gruppe hängt auch immer von einem ab, der die Menschen verführt und der ist nicht mehr da.“ Gerüchte, Mohammed K. sein im benachbarten Duisburg, bestätigt der Verfassungsschutz nicht: „Das ist unseres Wissens nicht sein momentaner Aufenthaltsort.“

Um die vier Rückkehrer hat sich der Kinderschutzbund Dinslaken-Voerde gekümmert, aber das sei nun vorbei, sagt Volker Grans, der Geschäftsführer des Vereins. Insgesamt seien fünf Junge Männer aus Lohberg im Laufe der Zeit im Krieg in Syrien und im Irak gewesen, vier von ihnen seien als Gruppe gereist und 2013 wieder nach Hause gekommen. „Die waren aber alle nur sehr kurz im Irak. Insgesamt waren sie nur gut fünf Wochen weg, die meiste Zeit davon hielten sie sich in der Türkei auf.“

Man habe lange Gespräche mit den Jugendlichen geführt, die traumatisiert aus dem Krieg wieder gekommen wären, aber keine aktiven Kämpfer waren. Und der Kinderschutzbund hat versucht, ihnen Perspektiven zu eröffnen, hat bei der Suche nach Jobs und Ausbildungsplätzen geholfen. Mit Erfolg: Alle haben heute eine Arbeit, einer wird bald Vater. Nein, sagt Grans, man würde sie nicht erkennen, wenn sie durch den Stadtteil gehen: „Das sind wieder ganz normale junge Männer, die tragen keine langen Bärte und Kampfjacken und sind auch keine radikalen Salafisten mehr.“ Er sei sich noch nicht einmal sicher, ob sie überhaupt noch regelmäßig eine Moschee besuchen würden.

In Dinslaken erzählt man sich, die Rückkehrer seien von ihren Familien freigekauft worden. Grans hält das für Unsinn: „Die stammen alle aus Familien, die wenig Geld haben. Die hätten sich so etwas gar nicht leisten können.“ Von Freikäufen weiß auch der Verfassungsschutz nichts. Einmal, sagt ein Sprecher der Behörde, sei ein Mann aus Dinslaken nach Syrien gereist, um seinen Bruder zurückzuholen. Ob Geld geflossen sei, wisse man auch in diesem Fall nicht.

In Lohberg macht sich niemand wegen Sorgen wegen der Rückkehrer. Die Mitarbeiterin der örtlichen Apotheke lacht wenn man sie fragt, ob sie Angst habe: „Nein, warum auch? Dafür gibt es keinen Grund.“

Auch Horst Dickhäuser, der Sprecher der Stadt ist sich sicher, dass von denehemaligen IS-Kämpfern keine Gefahr mehr ausgeht: „Die wollen nur noch ihre Ruhe. Wir hoffen, dass sie uns helfen, andere Jugendliche davon abzuhalten, in den Heiligen Krieg zu ziehen.“

Die Stadt Dinslaken sei von der Existenz der Brigade Lohberg überrascht gewesen. „Es war klar, dass es in Dinslaken Salafisten gab, aber die gibt es in vielen Städten.“

Die meisten Salafisten, das bestätigt auch der Verfassungsschutz NRW, seien friedlich und würden nur ein strengreligiöses Leben führen. Puristen nennt man sie. Aber es gibt auch die anderen. Pierre Vogel und Sven Lau zum Beispiel, die wohl prominentesten Vertreter des politische Salafismus. Sie suchen Anhänger in Deutschland und werben, unter anderem durch das Verteilen von Koranen in Fußgängerzonen, um neue Gläubige. Pierre Vogel wendet sich via Facebook an Jugendliche und erklärt im launigen rheinischen Dialekt und mit religiöser Strenge den Koran. Sven Lau sorgte bundesweit für Schlagzeilen, als er im Sommer mit einer „Scharia-Polizei“ durch Wuppertal zog um junge Muslime von Alkohol, Zigaretten und Glückspiel abzubringen. Ein ganzes Land empörte sich, was im nachhinein wunderlich erscheint: Wären da nicht der Name Scharia-Polizei und Zauselbärte gewesen, die Gruppe um Lau hätte sich des Applauses der Öffentlichkeit sicher sein können. Der Kampf gegen Kippen und Bier ist im zunehmend puritanisch geprägten Deutschland allemal Mehrheitsfähig.

Alle militanten Salafisten die in den Heiligen Krieg, den Dschihad ziehen, hatten Kontakte zu den politischen Salafisten wie Lau und Vogel, aber nur ein kleiner Teil der politischen Salafisten zieht in den bewaffneten Kampf. Die Szene gilt als Durchlauferhitzer. Immer wieder werden Organisationen der politische Salafisten verboten, weil sie Terrororganisationen wie Al Qaida oder den Islamischen Staat mit Geld und Nachwuchs versorgen.

„Wir wissen heute“, sagt Dickhäuser, „dass vor dem Ledigenheim oft Autos aus anderen Städten standen. Pierre Vogel soll in Dinslaken gewesen sein, aber vieles sind nur Gerüchte.“

Eigentlich, sagt Dickhäuser, sei Dinslaken immer eine Stadt gewesen, die auf das Miteinander der verschiedenen Kulturen gesetzt hätte. Es gab und gibt zahlreiche Integrationsprojekte: „Dinslaken ist keine Stadt, in der der Hass zu Hause ist.“

Für Burhan Cetinkaya, den Integrationsbeauftragten Dinslakens, ist es klar, warum die Jugendlichen auf Mohammed K., den Hassprediger mit Kontakten zum Terror, hereinfielen: „Sie fühlten sich alle ausgegrenzt. Wer in Lohberg wohnt und einen türkischen Vornamen hat, hat ein Problem. Michael hat es bei gleichen Noten noch immer viel leichter einen Ausbildungsplatz zu bekommen als Mehmet.“

Viele, sagt Cetinkaya, hätten versucht sich zu integrieren und dann gemerkt, dass sie das nicht weiterbrachte, sie trotzdem nicht so behandelt wurden wie die Jugendlichen ohne türkische Namen. Dass sie hier geboren wurden und perfekt deutsch sprechen, habe niemanden interessiert.

„In der Gruppe haben sie endlich Anerkennung gefunden. Da reichte es fromm zu sein, es gab klare Regeln und auf alles eine einfache Antwort.“

Auch die Konvertiten, die sich der Gruppe anschlossen habe, hätten sich von den einfachen Regeln, durch deren Einhaltung man Anerkennung gefunden habe, angezogen gefühlt. Cetinkaya: „Die gehörten auch nicht zu den beliebten und anerkannten Jugendlichen der Stadt.“

Streng religiös, in einer geschlossenen Gruppe, hätten sie sich als Elite empfunden, etwas, was sie im normalen Leben nie waren.

Dazu sei wohl Abenteuerlust gekommen. Der Heilige Krieg, ein fremdes Land, der Aufbau eines neuen Staates.

Heute, bestätigt Dickhäuser die Einschätzung des Verfassungsschutzes, gäbe es in Dinslaken keine besonders aktive Jihadistenszene mehr. Und die, die es noch gibt, werden überwacht.

Aber in Dinslaken wird die Szene nicht nur überwacht. Das Projekt Wegweiser des Landes NRW, bislang in Bochum, Düsseldorf und Bonn aktiv, will helfen, Jugendliche davor zu bewahren, in die Jihadistenszene hineinzurutschen.

Eine Zweigstelle von Wegweiser wird bald in Dinslaken eröffnet. Eltern, Lehrer und Sozialarbeiter können sich dann an die Wegweiser-Mitarbeiter wenden, die mit den Jugendlichen Gespräche führen und versuchen werden sie, zum Teil mit der Hilfe muslimischer Geistlicher, davon abzuhalten, in den Krieg zu ziehen: Sozialarbeiter helfen bei Problemen mit den Eltern und der Schule, versuchen Jugendlichen Perspektiven jenseits des bewaffneten Kampfes aufzuzeigen. Für das alles bleibt oft wenig Zeit. Wegweiser-Mitarbeiter kennen Fälle, in denen es nur sechs Wochen dauerte, bis ein Jugendlicher nach dem ersten Kontakt mit Salafisten in den Krieg zog. Selbst die Eltern hatten nichts von der Wandlung ihres Kindes mitbekommen.

Systematisch würden die Werber vorgehen, von Stadt zu Stadt, von Schule zu Schule. Nicht auf der Suche nach den frömmsten, sondern nach den Verunsicherten, die man schon mit etwas Anerkennung und dem Versprechen einer wichtigen Aufgabe begeistern kann.

„Wir haben uns sofort beworben, als das Land im Sommer mit Wegweiser startete und sind jetzt in der zweiten Ausbaustufe dabei,“ erzählt Dickhäuser. Die Stadt ist jetzt noch engagierter bei Themen wie interreligiöser Zusammenarbeit. Nach den Anschlägen auf das Satiremagazin Charlie-Hebdo und einen jüdischen Supermarkt veranstalteten alle Religionsgemeinschaften zusammen mit der Stadt eine Demonstration unter dem Motto „Dinslaken wehrt sich gegen Hass und Gewalt.“ In Lohberg gibt es mehr Hilfe für Jugendliche. Die Stadt ist zusammengerückt, seitdem einiger ihrer Kinder zu Mördern und Terroristen wurden.

Der Schock sitzt tief, in Dinslaken am Westrand des Ruhrgebiets.

Der Artikel erschien in ähnlicher Form bereits in der Wochenzeitung Freitag.

16 Kommentare

1.
Ich meine,es ist in Lohberg tatsächlich möglich, daß die dort lebenden Menschen “mehr zusammenrücken”, daß das bürgerschaftliche Engagement aller dort Lebenden eine neue Qualität gewinnt, daß das Miteinander in Vereinen neuen Aufschwung erhält.
Entscheidend für die Zukunft Lohbergs,für ene friedliches Miteinander der dort lebenden Menschen dürfte jedoch sein, wenn es gelingt, für alle Jugendlichen die Möglichkeit zu schaffen, einen Schulabschluß zu erreichen, einen Ausbildungsplatz und einen Arbeitsplaltz zu erhalten.
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Zu hoffen ist, daß Letzteres nicht nur in Lohberg gelingt, sndern in allen problematischen Stadtvierteln im Ruhrgebiet. Denn letztendlich ist es Zufall (ist es Glück), daß es keine ” gewaltbereite mit dem IS solidarische isalafistischen Brigade” in Dortmund, GE,BO usw. zu geben scheint.
2.
Staat und Kommunen, die Zivilgeselschaft, die Bürgerschaft dürften jedoch nicht in der Lage sein, ausnahmslos Jugendliiche davon abzuhalten, sich gewaltbereiten mit dem IS solidarischen salafistichen Brigaden anzuschließen.
Das hat, wie bereits mehrfach von Psychologen geäußert, auch damit zu tun, daß es heutzutage für rebellische Jugendliche, für Jugendliche, die gegen alles sind, was die Mehrheitsgesellschaft für gut und richtig hält, eine Bewegung gibt, die mehr als alle anderen diesem Geist jugendlicher Rebellion entspricht, nämlich die der gewaltbereiten mit dem IS solidarischenI radikalen Salafisten.

Ich kann nicht erkennen, wie dieser Befindlichkeit von Jugendlichen letztendlcih erfolgreich begegnet werden kann. “Rebellierende Jugendliche” wird es immer geben. Ihre Rebellion wird immer (neune)Themen finden. Ob es gelingt, sie “so zu zähmen”, daß nennenswerter Schaden für Staat und Gesellschaft verhndert werrden kann, ist eine permanente Aufgabe jeder Gesellschaft, die nicht immer erfolgreich erfüllt wird, nie erfüllt werden kann.

Alles ruhig in Lohberg.Die IS Rückkehrer werden vom Kinderschutzbund betreut und beteuern nicht an aktiven Kampfhandlungen teilgenommen zu haben, von Kriegsverbrechen ganz zu schweigen. Wie alt sind denn diese Rückkehrer überhaupt? Elf oder Zwölf? Zumindest alt genug um zu wissen was man erzählt u was man besser für sich behält.
Auch das Terroristen eine unendliche Geduld haben und sich vorher dem “normalen” Leben anpassen dürfte doch inzwischen allgemeingut sein.
Wird eigentlich nach Mohammed K. gefahndet? In Belgien wurde gestern ein IS Verführer zu zwölf Jahren Haft verurteilt aber solange alles ruhig ist in Lohberg braucht man sich ja auch keine Gedanken zu machen. Hauptsache die Jugendlichen gammeln nicht auf der Straße rum.
Bleibt nur zu hoffen das noch internationale Haftbefehle aller IS Mitglieder ausgeschrieben werden um uns vor unseren Pädagogen zu schützen.

Irgendwie passt die Aussage:
> Dinslaken hat eine Arbeitslosenquote von gerade mal 7,5 Prozent – für Ruhrgebietsverhältnisse außergewöhnlich niedrig.
nicht so recht zu der Aussage:
> „Hier gab es nichts für sie. Sie hatten keine Arbeit, es gab keine Freizeitangebote. Niemand hat sich um sie gekümmert.“

Kann es sein, dass hier (wieder einmal) eine sozioökonomische Erklärung für die Radikalisierung gebastelt werden soll, die mit der Realität nicht viel zu tun hat? Die Beschreibung des Umfelds klingt eher, als hätte man eine bürgerliche Existenz aufbauen können, wenn man es denn gewollt hätte. Und als hätten die allermeisten Menschen sich auch dafür enschieden, auch ohne dass sich jemand “um sie gekümmert” hätte. Einige andere hingegen haben zugunsten des durch die Hassprediger versprochenen viel spannenderen und “sinnerfüllteren” Lebens darauf verzichtet. Resultat: Vier tot, vier traumatisiert. Von den unzähligen unschuldigen Opfern gar nicht zu reden. Aber von denen redet ja sowieso keiner, solange es traumatisierte Täter zu bemitleiden gibt, um die man sich unbedingt besser kümmern muss. Wenn man sich rechtzeitig um die Hassprediger *gekümmert* hätte, hätte man das Problem überhaupt nicht gehabt – aber von einem Innenminister, der nicht einmal auf 100 Personen genau angeben kann, wie viele IS-Legionäre in seinem Land wohnen, ist derlei wohl auch künftig nicht zu erwarten.

Uh! Vorsicht! Im vierten Absatz lobst du ja indirekt tatsächlich mal ein Kreativ.Quartier, Stefan 😉
Und dann noch eins von diesen vorstädtischen. Sah das auf dem Gelände eigentlich schon so vor ecce aus, und ecce hat sich nur mit den Lorbeeren geschmückt, oder haben die da mal tatsächlich ein bißchen was bewegt?

Ich weiß, es soll hier nicht darum gehen und eigentlich will ich auch nicht mehr darüber sprechen, aber das ist mir gerade so schön aufgefallen. Gruß

So lange die Lohberger nicht selbst von ihren Jihadisten umgebracht oder mit Mord und Totschlag bedroht werden sind sie offensichtlich sehr nett zu ihnen.Da könnte man doch fast von einer gelungenen Integration sprechen.

Die Islam-Faschisten in Dinslaken sind arme, diskriminierte Opfer die nun betreut werden. Ähnliche Betreuungs- oder Aussteigerprojekte für die nationale Faschisten in Dortmund oder anderswo stehen heftig in der Kritik oder ihnen wird das Geld gestrichen. Und gegen Unterstützern von Selbstmordattentäter demonstriert auch kein Antifa, da wird dann eher der Stuhlkreis mit Mörderfreunden gebildet…..sind ja nur selber Opfer und die zerfetzten Körper der Ermordeten sind ja weit weg….schöne neue Gutmenschenwelt….

@Thorsten Stumm: Es gab keinen Protest gegen das Aussteigerprogramm für Nazis in Dortmund. Es gab Protest gegen ein Seminar, bei dem Nazis mit anderen Jugendlichen diskutieren sollten. Aussteigerprogramme sind genauso gut und richtig wie Präventionsprogramme. Und während die Leute in der Szene aktiv sind, müssen Polizei und Sicherheitsdienste gegen sie vorgehen.

“..Die meisten Salafisten, das bestätigt auch der Verfassungsschutz NRW, seien friedlich und würden nur ein strengreligiöses Leben führen. Puristen nennt man sie…”
Was bedeutet dies genau? Das Leben nach dem Koran, das alle Bereiche regelt oder die Werte auf Basis des GG?
Es gab vor ein paar Tagen eine Doku von Rainer Fromm, der sicher bekannt sein dürfte, die Definition “friedlich” bedeutet dann nur, sie planen keine Attentate, aber das freiheitlich- gleichberechtigte Leben in Deutschland ist eben nicht konform mit dem Koran.
Hier die Doku http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2321066/ZDFzoom-Bereit-zu-sterben-fuer-Allah#/beitrag/video/2321066/ZDFzoom-Bereit-zu-sterben-fuer-Allah

“Sie fühlten sich alle ausgegrenzt. Wer in Lohberg wohnt und einen türkischen Vornamen hat, hat ein Problem. Michael hat es bei gleichen Noten noch immer viel leichter einen Ausbildungsplatz zu bekommen als Mehmet.“ und ” Auch die Konvertiten, die sich der Gruppe anschlossen habe, hätten sich von den einfachen Regeln, durch deren Einhaltung man Anerkennung gefunden habe, angezogen gefühlt. Cetinkaya: „Die gehörten auch nicht zu den beliebten und anerkannten Jugendlichen der Stadt.“

“Ausgegrenzt”, als Erklärung für alles, trifft auf Mustafa K. nur bedingt zu, ohne Schulabchluss sind die Chancen auf einen guten Ausbildungsplatz schlecht, aber wie sieht es mit Eigenverantwortung aus, Verantwortung der Eltern? Bei den Konvertierten kommt dann eben auch eine Form des “ausgegrenzten, unbeliebten” dazu, wenn nun alle “augegrenzte mit nicht-deutschem Namen” und alle “Unbeliebten” zu Dschihaddisten werden, dann wird dies aber zukünftig viele. Zusätzlich fördert diese Aussage auch “Fremdenfeindlichkeit”, fremder Name= ausgegrenzt und damit was! Mit solchen Aussagen stärkt man dann alle Vorurteile von PEGIDA.

Auf jeden Fall ist jetzt wieder alles super in Dinslaken, die Verdrängung ist eine wunderbare Tradition in Deutschland!

Man kennt sich, alles ist übersichtlich, aber was sich in der kleinbürgerlichen Vorstadtidylle hinter den Hausmauern abspielt, scheint unbekannt zu sein.
Das ist eigentlich genug Stoff für eine TV Serie.

Es geht aber nicht um Gras und kleine Geheimnisse, sondern um die Unterstützung eines menschenverachtenden Systems. Es gab viele Opfer. Alle haben die Entwicklung nicht gesehen bzw. falsch eingeschätzt.

Mir fehlt eine stärkere Perspektive auf die beweisbaren Opfer dieser Fehleinschätzung. Hierbei denke ich vor allem an die Opfer der Täter aus Dinslaken.

Wir sollten mehr auf unsere Geschichte achten.
Die Bundesrepublik hat den “Staatsbürger in Uniform” als Leitlinie gehabt. Es wurde die Verantwortung des Einzelnen auch in der Armee hervorgehoben, damit sich Menschen bewusst sind, dass SIE verantwortlich sind und nicht ein evtl. vorhandener Befehl.

Schon bei der Unterstützung von terroristischen Organisationen muss es auch Konsequenzen geben. Jeder Schüler in Deutschland muss doch wissen, wie Verführung funktioniert und wie man dann schnell dazu gebracht wird, gegen Menschenrechte zu verstoßen etc.

Heute zählt Verantwortung wohl kaum noch. Alle sind irgendwie Opfer, um die man sich kümmern muss. Für die ausgebombten und gefährdeten Menschen, die überleben und es sich leisten können, bieten wir Asyl. Wir sind ja so toll und menschenfreundlich.

Was mögen wohl die Angehörigen und Freund der Opfer im Nahen Osten darüber denken?
http://www.bild.de/politik/ausland/isis/oeffentliche-hinrichtungen-isis-39397058.bild.html

Hier geht es nicht ums Abrocken, sich zuzudröhnen, sich anders zu kleiden. Hier gibt es zu viele Opfer.

Warum gehen wir nicht stärker gegen “Werber” vor?
Frankreich ist hier in seiner Gesetzgebung und Konsequenzen weiter.

@Stefan
Schon ok…es bleibt aber dabei das Islamfaschisten völlig unbehelligt von Protesten auch in Dortmund ihre Veranstaltung abhalten konnten. Ob sie das in der Zukunft auch tun können, hoffentlich nicht. Den Opfermythos halte ich trotzdem für falsch. Wer sich mit den Jihad einlässt und die Energie aufbringt auszureisen ist ein Terroristenunterstützer und gehört als gewöhnlicher Krimineller behandelt….denn mehr ist diese Person nicht….

@Thorsten Stumm: Die Sicht dass das alles Opfer sind, hat mich auch bei meinen Gesprächspartnern gestört. Jeder ist irgendwie irgendwann Opfer – das ist nix besonderes, das ist das Leben. Eine Entschuldigung andere umzubringen ist das nicht.

Zuerst hatte ich gedacht, daß es für die Hunderttausende fehlausgebildeten Sowis immer neu ausgedachte Beschäftigungsfelder geben muß. Und wenn es dies nicht wäre, müßte es etwas anderes geben, und würde es auch.
Das ist ja auch immer die erste Idee, einige Sowis einzustellen, die sich kümmern sollen. Psychotherapeuten gingen auch. Erfolge werden nie überprüft, der Weg ist das Ziel.
Aber von diesem Projekt in Lohberg weiß ich, daß auch Leute dabei mitmachen, die im Leben gestanden haben. Nur deshalb, wirklich nur deshalb, glaube ich an einen Hauch von einer Chance, daß dieses Projekt etwas bewirken könnte.

Was mich auch stört, da gibt es dann Rückkehrer, die sind aber jetzt ganz friedlich. Nun, wer kann dies beurteilen, die Einschätzungen bisher auch zu “Schläfern” war, wie in Paris eher eine Fehleinschätzung. Der Kinderschutzbund als Organisation für Rückkehrer einzusetzen und dann solche Aussagen, die Heilsarmee gibt es wohl in Dinslaken nicht und aus Alternativlosigkeit blieb wohl nichts anderes.

Nur wer von den”Spezialisten” beim Kinderschutzbund hat Erfahrung und zieht die Möglichkeit in Betracht, dass die Rückkehrer sich jetzt erst einmal unauffällig verhalten, sobald der Fokus auf sie nicht mehr vorhanden ist, wird dann eben losgeschlagen.

Irgendwie wurstelt jeder rum, “betüttelt” die armen, gescheiterten Desillisionierten und ein Gesamtkonzept ist bundesweit nicht vorhanden.

160 yezidische Mädchen werden von Wadi e.V. betreut, Opfer evtl. auch der Rückkehrer. Traumatisiert und desillisioniert nach Vergewaltigungen, “dummerweise” hatten diese Mädchen einfach das Pech, dass die “ausgegrenzten” Dschihadisten ausgerecht sich ihr Land ausgesucht haben. Ein Bericht u.a. von Thomas Osten-Sacken http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2342076/Der-Hoelle-entkommen?ipad=true#/beitrag/video/2342076/Der-Hoelle-entkommen

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