Dieter Bohlen und Bomben über Engeland

Das Musiktheater in Gelsenkirchen spart die Zuschauer ein und will damit Kosten reduzieren. In Zukunft werden die Produktionen nur noch per Livestream ins Netz übertragen. Den Anfang macht die Produktion „Feeds. Hören TV“ mit der Premiere am 18. September.

Das stimmt natürlich nur zum Teil: Sparen muss man zwar, aber auf das Publikum soll vorerst nicht verzichtet werden. Das Internet spielt im MiR allerdings eine immer größere Rolle und jetzt wagt man sich an einen Livestream ins Netz. Ausgewählt wurde dafür das experimentelle Musiktheater des Komponisten Johannes Kreidler: „Herzlich Willkommen zu „Feeds. Hören TV“, dem Musiktheater der Medien! Mein Name ist Johannes Kreidler, ich bin Hörarbeiter, genau wie Sie, verehrte Damen und Herren, denn Hören ist Arbeit!“. Der Komponist ist auch der Moderator und führt durch eine TV Show in fünf Themen über das Hören in der Gesellschaft. Angela Merkel ist da und auch Dieter Bohlen plaudert gedankenlos drauflos. „Es ist eine Talkshow, in der es um das Hören allgemein geht, aber auch um Musik. Von der Renaissance bis zur Moderne kommen alle Medien vor“, sagt Kreidler, der einen „hohen Anteil an elektronischen Sounds verspricht“.

Der Berliner Komponist hat schon mit der Aktion „Product Placements“, bei der für ein 33sekündiges Stück 70.200 GEMA-Formulare ausgefüllt wurden, für große Aufmerksamkeit gesorgt. Für ihn stellt sich die Frage nach der Wertigkeit der Musik in immer neuen Spielarten.

Die Verwertung und die Urheberrechte spielen bei Feeds eine wichtige Rolle. In der Produktion wird zum Beispiel thematisiert, dass Stücke wie „Bomben auf Engeland“ oder das „Lied der Panzergruppe Kleist“ von Norbert Schultze noch unter der Lizenz der GEMA laufen. Der verstorbene Komponist hat in seinem Testament alle Tantiemen dem Deutschen Roten Kreuz vermacht und das funktioniert noch heute.

„Feeds.Hören TV“ hat satirische Momente und das Bühnenbild ist eine typische Studiolandschaft, inklusive der klassischen Studioband als Orchester. Das „zeitgenössische Musiktheater“ inszeniert Kreidler als den Ort, wo Aktion, Installation, Information, Live-Elektronik und Talk aufeinanderprallen. Bei der Vorstellung der Produktion sprachen die Verantwortlichen im Theater von Experimentierfreudigkeit, Diskursfähigkeit, elektronischen Medien und dem „neuen Musiktheater“. Der im Kanon fehlende Begriff der Interaktivität wurde bewusst ausgelassen, denn der Komponist will die Rezeptionsarbeit vorgeben und setzt auf Interpassivität. Ob von den sehr modern klingenden Ansprüchen beim Publikum etwas ankommt, werden die drei geplanten Vorstellungen zeigen. Die klassischen Besucher des Musiktheaters gelten als nicht sehr experimentierfreudig und neue Zuschauergruppen sind bisher die noch die Ausnahme.

Die Termine werden von der Kölner Kunsthochschule für Medien als Live-Stream ins Internet übertragen. Ein Bildregisseur steuert die vier aufzeichnenden Kameras, die auf der Bühne sichtbar sind und in den Ablauf eingebaut werden. Wer also keine Karten für die Premiere oder die weiteren Vorstellungen (25. Und 26. September) bekommt, der kann den Computer anschalten und sich füttern lassen (www.internetoper.de, www.nrw-kultur.de und www.khm.de). Das MiR würde in Zukunft gerne weitere Produktionen live ins Internet übertragen, aber die anfallenden Lizenzgebühren machen das zu einer kostspieligen Angelegenheit. Das ist unter den gegebenen Rahmenbedingungen nicht machbar und damit wären wir wieder beim Ausgangspunkt.

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