Die Wahrheit, und wie sie mir zerfiel – eine Anekdote

puzzle -gemeinfrei

Anekdoten könnten mit Wahrheit nicht einmal etwas aus der Ferne zu tun haben, auch dann nicht, falls es Wahrheit geben würde, zumindest der logischen Möglichkeit nach. Anders in den Wissenschaften: Gleich im ersten meiner Duisburger Semester, im Analysekurs „Formen des Wissens“, einer Seminar-Veranstaltung, die ehemalige Schüler auf die wissenschaftliche Arbeit vorbereiten sollte, stieß ich in einer der Fußnoten eines erörterten Textes auf den Verweis zu Tarskis semantischer Wahrheitstheorie. Es erstaunte mich, wie relativ direkt ich an der Duisburg Uni zu einer wissenschaftlich zentralen Sache gelangen konnte. Ich entschloss mich, dem Verweis zu folgen, zeitlich bis in die Weihnachtsferien hinein.
Natürlich war zu diesem Engagement eine Eigeninitiative erforderlich, und eine Wissbegierde, die besonders nach der leidigen Erfahrung rationaler Esoterik in mir hemmungslos war. Diese emotionale Komponente wird bildungspraktisch häufig unterschätzt. Der junge Mann gierte nach Wissen!

Über die Weihnachtszeit gelang mir eine schriftliche Erläuterung von Tarskis Ansatz, der auf einer Erfüllungsfunktion beruht: ‚Die Aussage ‚x ist der Fall‘ ist wahr, wenn x der Fall ist‘.
Ernsthafte Probleme, die bereits mit der Metapher ‚erfüllt‘ beginnen können, oder durch eine fehlende Zeitangabe historisch entstehen könnten, ganz zu schweigen von dem unendlichen Progress, der im Kontext metasprachlicher Vorgaben zu erwarten wäre, denn jede Sprache, auch eine Metasprache, wäre ebenso als Objektsprache zu behandeln, ernsthafte Probleme sah ich noch nicht. Ich fügte meiner Darstellung zwar eine Kritik an, doch diese blieb, einer Notiz auf meinem Manuskript zufolge, dem Professor unverständlich. Auch ich weiß bis heute nicht, was der junge Erwachsene damals kritisch erwog.

Entbehrlich wurde mir das Wort ‚Wahrheit‘ wissenschaftlich erst, als ich die Uni verlassen hatte und meine Studien im sprachanalytischen Forum fortsetzte. Konkret kommt sprachlich ein prüfbarer Bezug in Betracht. Zeichen, ob mathematische, logische, oder gar musikalische wären völlig anders zu behandeln. Bezüge sind zeichentheoretisch unrelevant. Mit einer Erörterung von Anekdoten haben all diese Probleme jedoch nichts zu tun.

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