Die soziale Frage wird am Grill entschieden

Grillmeister am Werk Foto:  US Navy Lizenz: Gemeinfrei
Grillmeister am Werk Foto: US Navy Lizenz: Gemeinfrei


Die Grünen wollen die soziale Frage lösen. Mit der Aufhebung des Grillverbots im Dortmunder Fredenbaum. So steht es sinngemäß in einer Pressemitteilung der Partei. Die Grüne Grill-Politik richtet sich dabei an „einkommensschwache Personen mit Zuwanderungsgeschichte“ (wörtliches Zitat aus der Mitteilung).

Freies Grillen für geknechtete Bürger – so lässt sich die grüne Grill-Politik knapp zusammenfassen. Um diese lange vernachlässigte Forderung durchzusetzen, riefen die Grünen den Dortmunder Integrationsrat (gibt’s tatsächlich). Inhalt des Antrags: Weil viele Bewohner der Nordstadt keinen Balkon haben, soll das Grillverbot im Fredenbaumpark aufgehoben werden. So weit – so richtig.

Der von einigen Grünen vorgebrachte Vorschlag, die UNO-Vollversammlung einzuberufen, weil Grillen schließlich Menschenrecht sei, wurde allerdings verworfen. So durfte sich der Integrationsrat mit dieser politisch ebenso relevanten wie brisanten Forderung befassen. Und winkte den integrationspolitischen Antrag, der mittels Bratwurst die Gräben zwischen Migranten und Ureinwohnern zuschütten soll, erwartungsgemäß durch. Ein großer politischer Erfolg für die Grünen.

Im Ortsverband Nordstadt träumen sie seither schon von einer großen Werbekampagne zur nächsten Kommunalwahl. Mit Plakaten wie „Grillen ist Menschenrecht“, „Bio-Bratwurst für alle“, „Alle sind vor dem Grill gleich“ oder „Mein Bauchfleisch gehört mir“.

Nachdem die Grünen also die soziale Frage in der Nordstadt durch die Aufhebung des Grillverbotes gelöst haben, sollten dringend die nächsten Schritte folgen: Zuerst müssen in basisdemokratischen Versammlungen Grundfragen geklärt werden: Ist die Bratwurst vielleicht ein Symbol für den Weltfrieden? Und ist es sexistisch, wenn eine grillende Dame zur nächtlichen Stunde über das Phallus-Symbol Wurst philosophiert?

Und wie sieht es mit der Gleichstellung am Grill aus? Schließlich ist Grillen heute eher Männersache. Mutti macht die Saucen, Papa wirft das Steak auf den Grill. Darf das so bleiben im Fredenbaum-Park? Wäre es nicht sinnvoll, wenn wir eine Frauenquote zur Förderung weiblicher Grillmeisterinnen einführen würden? Grüne PolitikerInnen gehen nachts Streife in Dortmunder Parks Streife, um die Umsetzung der Quote durchzusetzen.

Ein weiteres Problem: Ist Grillen an sich nicht per se ungrün? Der ganze Gestank, die armen Tiere, die geschundene Holzkohle. Kann man ernsthaft fürs Grillen mit Holzkohle, aber gegen Braunkohle aus Garzweiler sein? Eine Frage, die auf die Tagesordnung der nächsten Parteiversammlung in der Nordstadt gehört. Mit quotierter Rede-Liste.

Die Lösung könnte in staatliches Förderprogramm für erneuerbare Grill-Energie liegen. Gefördert wird die Entwicklung eines Grillanzünders mit Solarzellen und von Windrädern, die den Grill anblasen. Auch Holzkohle-Ersatzstoffe müssen erforscht werden. Zum Beispiel Kuhfladen, Pferde-Lasagne oder noch besser Tofu-Buletten. Die hätten den Vorteil, dass sie vom grün-ökologischen Bürgertum verspeist und vom Rest verbrannt werden könnten.

Doch bevor die Grünen sich intensiver mit den vielfältigen Fragen des Grillens befassen können, müssen sie noch NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens anrufen: Die soll entscheiden, ob der Grill demnächst nur in speziell gekennzeichneten Raucherzonen aufgestellt werden darf.

16 Kommentare

Die Dortmunder SPD hat sich jetzt auch dem Thema Grillen im Fredenbaumpark angenommen.

Ratsherr Dirk Goosmann beschwert sich: “Die Grünen tun so, als würde das Grillen im Fredenbaumpark nur Menschen mit Migrationshintergrund etwas angehen. Das Thema hat aber deutlich mehr Facetten, wie wir alle wissen“.

Stimmt, Herr Goosmann. Unter anderem die von uns oben beschriebenen Aspekte.

Typisch Ruhrbarone, dass hier die Ärzte gepostet werden, wo doch Schorsch was viel Aktuelleres zum Thema “mit Autorität gegen Konsumismus” zu sagen hat:

Dabei spricht der mittlerweile ja schon fast Oberhausenerisch!

Das geht ja nun gar nicht – Passiv-Grillrauch spielt jetzt bei den Grünen keine Rolle mehr? Viele haben sich jetzt schon auf vegetarisch umgestellt, weil die Fleischbratdämpfe in der Küche das Leben verkürzen können – in die Kirchen geht auch keiner mehr, weil die Kerzen-Verbrennungsrückstände das Leben der Passiv-Kerzenraucher gefährdet ist – und nun kommen die Grünen und wollen das Grillen für einkommensschwache Personen einführen – womöglich zwangsweise? Darüber steht allerdings nichts im Beitrag…

@M.W.: Vielleicht schreibt Boris Gott ja jetzt schon ein Lied darüber! Er muss es ja nicht zwingend selbst singen, dann klappt es auch endlich mit dem europaweiten Sommerhit. Hier ein Vorschlag wie ein Video etwa sein könnte, man muss nur “Trödelmarkt” durch “Grillplatz” ersetzen (und Neukölln durch Nordstadt):
http://youtu.be/r4CDc9yCAqE
(Aber jetzt mal off. P.S.@Boris: 10% nehme ich für so etwas. Bitte monatlich bei Kay abgeben.)

Auch als Nicht-Dortmunder freue ich mich natürlich über diese Idee. In den meisten Fällen passiert doch eh nichts und es ist ganz harmlos, ich weiß gar nicht warum, die Leute immer alles regulieren wollen…

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