Die pastafarische Jungschar Tirol

Ramen. (Bild: Nadja Entner, FOM)

Gelobet sei das Nudelige Monster und May the Fourth be with you! Höret die frohe Botschaft: Im heiligen Land Tirol wurde am 4. Mai 2018 die wahrscheinlich weltweit erste pastafarische Jungschar gegründet. Das Gründungstreffen in Breitenbach am Inn wurde von der Stellvertreterin des Obersten Maccherone Österreichs, also der Fast Obersten Maccherona (FOM) Nadja Entner organisiert, die die pastafarische Diözese Tirol/Vorarlberg bzw. die „Außenstelle West“ ehrenamtlich leitet. Unter ihrer spirituellen Aufsicht findet die Pastafizierung von Tirol und Vorarlberg statt. Obwohl die Vorarlberger und die Tiroler sich gerne übereinander lustig machen, haben sie gemeinsam in Frieden und Harmonie eine Diözese gegründet. Monsterseidank gibt es keine gravierenden subnationalen Reibereien im Westen der Republik. Dort macht man ohnehin lieber gemeinsam Witze über die Wiener.

Junge Piraten. (Bild: Nadja Entner, FOM)

Der erste Nachmittag dieser neuen religiösen Jugendbewegung war ein voller Erfolg. Die Kinder hatten sichtlich Spaß und Freude an den gemeinschaftlichen Aktivitäten. Mit Begeisterung wurden FSM-Getränkeuntersetzer aus Bügelperlen gebastelt und pastafarische Fürbitten geschrieben. „In der pastafarischen Jungschar wollen wir unseren Glauben gemeinsam leben und stärken“, so Entner. „Wir bieten den Kindern Raum, soziales Engagement und wichtige Werte für das Leben. Wertvolle pastafarische Grundprinzipien, wie Toleranz, Nächstenliebe, Gleichberechtigung und Glaubensfreiheit werden spielerisch vermittelt. Wir möchten den jungen Menschen die Faszination des Pastafarianismus in kindgerechter Art und Weise näher bringen. So sollen sie frühzeitig die richtigen Werte und nützliche Traditionen lernen, die sie auf ihrem Lebensweg begleiten und unterstützen werden.“

Beim zweiten Jungschar-Treffen, welches am 1. Juni, also mitten im Ramendan, stattfand, wurde eine köstliche Spaghetti-Torte gebacken und religiöser Schmuck aus Nudeln gebastelt. Jedes Kind hat einen wunderschönen Nudelkranz angefertigt, indem auf einer Schnur Nudeln aufgefädelt wurden. „Pastafarische Nudelkränze sind Gebetsketten, die auch zur Meditation oder zur Entspannung verwendet werden können“ erklärt die FOM. „Die Betenden lassen dabei die Kette durch die Finger gleiten und sprechen zu jeder Nudel ein ‚Gegrüßet seist Du, Monster‘“.

Eine Torte Ihm zu Ehren. (Bild: Nadja Entner, FOM)

Die Treffen der pastafarischen Jungschar Tirol finden an jedem 1. Freitag im Monat, von 14:00 bis 15:00 Uhr statt und sind für 8 bis 14-jährige Kinder ausgerichtet. Die pastafarische Jungschar der KdFSMÖ ist eine ausschließlich ehrenamtlich getragene Organisation. Bei Interesse an dieser Idee kann man sich unter fom @ pastafari.at darüber informieren. Es kann auch Hilfestellung für die Gründung neuer Jungschargruppen gegeben werden.

Die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Österreich (KdFSMÖ)

Als Prophet Bobby Henderson (geheiligt sei Sein Name) im Jahre 2005 einen offenen Brief an die Schulbehörde Kansas schrieb, in dem er forderte, dass neben der biblischen Schöpfungsgeschichte auch die Schöpfungsgeschichte, die vom Wirken eines Nudeligen Monsters mit Stielaugen erzählt, in den Biologieunterricht aufgenommen werden soll, wusste er vermutlich nicht, dass bald eine neue Weltreligion in Seinem Andenken gegründet werden wird. Wie auch die biblische Genesis ist der pastafarische Schöpfungsmythos eine wertvolle Alternative zur Darwinistischen Evolution. Der Mensch stamme vom Zwerg ab und die Piraten seien das Heilige Volk des Monsters, so die Lehre. Die frohe Kunde breitete sich äußerst schnell, vor allem durch die spaghettiartigen Strukturen des WWW, weltweit aus.

Die KdFSMÖ wurde im Juli 2012 vom ersten Obersten Maccherone Niko Alm gegründet. Internationale Aufmerksamkeit bekam sie, als Alm 2011 einen Führerschein mit einem Foto, auf dem er sein Nudelsieb trägt, ausgestellt bekommen hat. Mittlerweile hat die österreichische Kirche mehr als 666 bekennende Mitglieder, die sich dem Piratentum verschrieben haben und mit ihrem Glauben dem Klimawandel entgegenwirken wollen. Da die Piratenanzahl weltweit sinkt, während die globale Durchschnittstemperatur steigt, ist es evident, dass dieser Trend umgekehrt werden soll, indem man wieder mehr Piraten generiert.

Piraten können dem Klimawandel entgegenwirken, da man mit einer Korrelation alles erklären kann! (Bild: https://www.venganza.org/images/spreadword/pchart1.jpg)

Im April 2014 haben die Gründungsmitglieder den Antrag auf Erwerb der Rechtspersönlichkeit für die religiöse Bekenntnisgemeinschaft „Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters“ (KdFSM) beim Kultusamt eingebracht. Um den vorläufigen Status einer Rechtspersönlichkeit zu erlangen, wurde im März 2015 der „Pastafarische Verein zur Förderungen der Gedanken an das Fliegende Spaghettimonster in Österreich“ gegründet. Die KdFSMÖ kämpft seit über vier Jahren mit dem Staat um die Anerkennung als eine Bekenntnisgemeinschaft. Dies hätte nur eine reine Formsache sein sollen, entpuppte sich aber als ein Musterverfahren mit unzähligen Anträgen, Beschwerden und letztlich sogar vier Verhandlungen am Bundesverwaltungsgericht Wien.

Der Autor ist ebenfalls ein tiefgläubiges Mitglied dieser neuen Weltkirche. Ramen.

1 Kommentar

Viel Glück für den Antrag.
Religiöse Vielfalt ist klasse. Dennoch sollten Kinder nicht zu klein sein, um selbständig über ihre Religion zu entscheiden.
Ferner bleibt natürlich zu hoffen, dass diese Religionsgemeinschaft sich für Gleichberechtigung der Religionen einsetzt und auch in Klassenräumen (z.B. Lehrer) sichtbar auftritt, wenn dies Angehörige anderer Religionsgemeinschaften z.B. mit einer speziellen Kopfbedeckung tun.

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