Die NASA, die Feuer und die Macht der Bilder

Man kann auch Italien brennen lassen.
We acknowledge the use of data and imagery nfrom LANCE FIRMS operated by NASA’s Earth Science Data and Information System (ESDIS) with funding provided by NASA Headquarters.

Im Amazonasgebiet brennt es. Das wahre Ausmaß dieser Brände wurde mir erst bewusst, als ich heute ein unter anderem vom Focus und dem Merkur verbreitetes NASA-Bild sah. Dachte ich. Das eindrucksvolle Satellitenbild machte auch in Social Media schnell die Runde. Dort sieht man gewaltige rote Feuer, die sich lavartig über den ganzen Subkontinent zu walzen scheinen.
Erst wenn man den Text liest, erfährt man, dass das kein Foto vom Feuer ist, sondern eine Grafik, auf der jeder Punkt einen Brandherd kennzeichnet. Diese Punkte müssen nicht rot sein. Tatsächlich kann jeder hier selbst auf das Werkzeug der NASA zugreifen, mit dem sich die Feuer auf der Erde sichtbar machen lassen . Man kann dort alles einstellen wie man will. Es gibt verschiedene Systeme, um die Feuer zu erfassen. Es gibt Konfigurationen für Wissenschaftler. Es gibt verschiedene Farben und Größen. Das erschreckende Bild wirkt sofort anders, wenn man statt großen roten Punkten kleine türkise Punkte wählt. Man kann auch Italien in Flammen stehen lassen. Denn überall gibt es Brandherde.

So sieht es schon freundlicher aus. We acknowledge the use of data and imagery from LANCE FIRMS operated by NASA’s Earth Science Data and Information System (ESDIS) with funding provided by NASA Headquarters.

Nun bedeutet das nicht, dass in Brasilien nicht wirklich katastrophale Feuer wüten. Aber es ist ein Beispiel unter vielen für die Kraft der Bilder und dafür, wie Informationen für den raschen und schnellen Effekt heruntergebrochen werden. Es wurde nicht verheimlicht, dass dies eine Grafik ist. Wenn man den Text dazu gelesen hat, konnte man sich das erschließen. Aber was wirkt, was die Klicks bringt, was auch in mir vorübergehend das spektakuläre apokalyptische Gefühl heraufbeschworen hat, der ganze Kontinent stehe in Flammen, das ist das Bild, das vermeintliche Foto. Und viele werden sich nicht die Mühe machen, den Artikel zu öffnen und zu recherchieren, wie es zustande kam.
Es ist ehrenwert und richtig, über die schlimmen Brände zu berichten. Zumal sie vermutlich wirklich Folge von Klimawandel einerseits und Bolsonaros Umweltpolitik anderseits sind. Aber wenn man es mit unlauteren Mitteln tut, dann gibt man den Bolsonaros dieser Welt einen weiteren Hebel in die Hand.

Gerade erst wurde die Berichterstattung dadurch in Misskredit gezogen, dass jahrealte Bilder von Waldbränden benutzt wurden, um das aktuelle Geschehen zu illustrieren. Die spektakulären “Bilder” aus dem All sind der nächste sensationshungrige Ersatz für besonnene Aufklärung, der einmal mehr zur Spaltung führen wird: Auf der einen Seite jene, die Live-Aufnahmen vom Ende der Welt zu sehen meinen und auf der anderen Seite jene, die das alles als Lügen über einen Kamm scheren werden.

7 Kommentare

Ich habe mir die Daten mal angeguckt. Hat Bolsonaro ganz Südamerika besetzt? Bolivien und Paraguay brennt auch.

Dann markieren sie sich die Brandherde doch mit einem weißen Edding auf weißem Papier und schon können sie ruhiger schlafen.

Natürlich ist es eine Katastrophe, dass der Regenwald zerstört wird.

Dennoch wundert es mich, wie sehr manche Menschen/Medien sich aktuell darüber empören. Haben sie die letzten Jahrzehnte, in denen überall Wälder mit Brandrodung gerodet wurden, komplett ignoriert? Die Problematik ist alles andere als neu.

@KE, @Robin Patzwaldt, Katastrophen gab es viele und werden meist schnell vergessen, sobald das Leben weitergeht. Krankheiten auch, egal wie schlimm die mal waren.
Z.Zeit werden wir überfüttert mit schlimmen Nachrichten.
Du, Robin hast dich vor 3 Tagen noch darüber gewundert, daß es um Herrn Tönnis still geworden ist. Geht schnell, so etwas heute. Gibt es doch neue Aufreger in Hülle.
Erst wenn es ans Eingemachte geht, ja dann….

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