Die Erziehungsdiktatur

Die grüne Volkserzieherin Barbara Steffens hat viele Brüder und Schwestern im Geiste

In Hamburg findet am kommenden Wochenende das erste Alstervergnügen seit vielen Jahren statt – dem strengen Frost sei Dank. Doch die Buden mit Getränken und Essen stehen nicht auf dem Eis, so wie es bei früheren Gelegenheiten der Fall war, sondern am Ufer des Binnengewässers. Buden auf dem Eis? So etwas ist heutzutage angeblich viel zu gefährlich. Aus Sorge vor vermeintlichen oder möglichen Gefahren wird präventiv verboten, was gerade geht – von Eisbuden bis zu Saufgelagen in der Öffentlichkeit. Von unseren Gastautoren Patrick Gensing und Andrej Reisin/Publikative

Wieviel Sinn ergibt ein Alstervergnügen, bei dem die Buden am Ufer stehen? Eigentlich gar keinen, ist es doch gerade der Witz an dieser Veranstaltung, dass man auf dem Eis steht und an den Ständen mit anderen Menschen Glühwein, Würstchen oder Kakao konsumiert, klönt, sich die Zeit vertreibt – und nicht erst zum Ufer laufen muss, an dem es auch den Rest der Dekade Essen und Trinken gibt. Der Logik der Behörde folgend könnten im Prinzip gleich das ganze Jahr über ein paar zusätzliche Buden neben den zahlreichen Ufer-Bars und Cafés stehen – und hätte dann immer “Alstervergnügen”.

Und warum müssen die Buden ans Ufer? Weil, so die zuständige Umweltbehörde der Hansestadt, wenn das Eis später schmilzt, könnte Müll in die Alster gelangen. Nun gäbe es die Möglichkeit, den Müll vor dem Schmelzen zu entfernen, aber das ist wahrscheinlich auch zu gefährlich. Mit solch bizarren Argumenten ließen sich künftig jede andere Festivität in Wassernähe unterbinden, immerhin könnte der Müll auch ins Wasser wehen, wenn jemand am Ufer grillt oder picknickt. Nicht auszudenken, was da alles passieren kann!

Alkohol? In Bus und Bahn? Viel zu gefährlich!

Spaß haben wird in Hamburg und anderen Großstädten ohnehin schwieriger: In den öffentlichen Verkehrsmitteln der Hansestadt darf kein Alkohol mehr getrunken werden, einen konkreten Anlass für das Verbot gab es nicht. Es sei den Fahrgästen einfach nicht mehr zuzumuten, hieß es. Die als Legitimation angeführte Umfrage, wonach dieses Verbot bei den meisten Kunden auf Zustimmung gestoßen sei, warf zwar einige methodische Fragen auf, aber die stellte vorsichtshalber kein Journalist. Wer will sich schon mit der Mehrheit anlegen? Vor allem, wo doch jeder weiß, dass alles immer schlimmer wird. Wie die Abermillionen Fahrgäste des HVV in den vielen Jahrzehnten zuvor die Feierabend-Biertrinker und Feier-Jugendlichen aushalten konnten, bleibt ein Rätsel. Auch dass die Fahrgastzahlen immer weiter wuchsen, trotz des Alkohols, ficht die Verbots-Befürworter nicht an.

Auch beim Fußball sitzen die Besucher immer öfter auf dem Trockenen. Grund: Die Einschätzungen der Polizei, nach denen es sich bei vielen Partien um “Sicherheitsspiele” handele. Für Gästefans gibt es ohnehin in den meisten Stadien nur noch Alkoholfreies – schließlich ist man nur während der WM zu Gast bei Freuden. Dass diese Alkoholverbote überflüssig bis kontraproduktiv sein könnten, weil Auswärtsfans meistens auf der Fahrt schon einiges konsumiert haben, und die Heimfans dann vor dem Spiel in bester britischer Pub-Manier ins “Binge drinking” (in manchen Gegenden auch “Sturzkampftrinken” genannt) verfallen, scheint kaum einem Ordnungshüter jemals in den Sinn gekommen zu sein.

Wo man hinschaut: Rauchende Hooligans im Park

Und auch Raucher haben es nicht nur in den Familienblöcken der Arenen sowie beim Bahnfahren zunehmend schwer. Raucherabteile gibt es nicht mehr, aber auch auf offenen Haltestellen, also an der mehr oder weniger frischen Luft, ist das Rauchen nur noch in “Smoking Areas” erlaubt. Und im Hamburger Bezirk Eimsbüttel wurde das Rauchen auf Spielplätzen verboten, offenkundig ein akutes Problem, das bislang niemanden auffiel. In Nordrhein-Westfalen kämpft eine grüne Umweltministerin derzeit für das totale Rauchverbot in der Gastronomie – zum Schutz der Volksgesundheit versteht sich.

Schlägt man dann bei Bier und Zigarette zu Hause die Zeitung oder den Newsfeed auf, reibt man sich verwundert die Augen: Die Bundesliga boomt seit Jahren, es werden immer neue Besucherrekorde aufgestellt. Dabei unterliegen die geschätzten Angaben der Polizeibehörden über das gewaltbereite Fan-Potential zumindest in den letzten Jahren nur geringfügigen Änderungen. Das teilte die Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage mit. In den vergangenen zwölf Spielzeiten wurden demnach in der Ersten und Zweiten Fußball-Bundesliga insgesamt 1.165 Polizeibeamte durch Fans verletzt. Zugleich wurden 4.044 weitere Menschen – Hooligans und unbeteiligte Personen – verletzt. Das ist nicht schön, aber wenn man sich die Zuschauerzahlen in den obersten beide Ligen anschaut, relativiert sich die Gefahr, vor der öffentlich gerne gewarnt wird. Allein in der Saison 2010/2011 strömten mehr als 17 Millionen (!) Menschen in die Stadien der 36 Bundesligisten. Statistisch dürfte Schlittschuhlaufen also deutlich gefährlicher sein – es sei denn natürlich, es stehen Buden auf dem Eis.

Tödliche Gefahren lauern immer und überall

Fettes Essen, Müßiggang, Kampfhunde, Fußballgewalt, Alkoholexzesse bei Jugendlichen, Rauchen, E-Zigaretten, Fahrradfahren ohne Helm, Autofahren ohne Gurt – und neuerdings auch Aspirin – alles, alles, alles ist gefährlich – und könnte, sollte, müsste – wenn schon nicht verboten, so doch zumindest eingeschränkt, rezeptpflichtig, verordnungsbedürftig, indiziert, verbannt, mit Strafzöllen belegt, mit Fettsteuer gebrandmarkt, von Hartz-IV-Bedarfslisten gestrichen werden. Womit wir beim Punkt wären: Nicht ganz zufällig tobte sich der Ungeist des spießbürgerlichen Kontrollwahns zunächst an den bevorzugten Vergnügungen des männlichen Proleten (Fußballgewalt, Alkohol, Kampfhunde) aus und setzte bei Rockerbanden und Teenagergangs an. Über 8-Zylinder-Motoren, den ÖPNV und “gesundheitsfördernde Maßnahmen” der Krankenkassen (wer sich entzieht, zahlt mehr) hielt er schließlich Einzug ins dunkle Herz des Neo-Biedermeiers und verbreitet nunmehr seinen Erziehungsterror in der so genannten Mitte der Gesellschaft.

Denn alles Verbieten ist – so scheint es – letztlich nur die Verlagerung eines ganz anderen Sicherheitsbedürfnisses: Im gleichen Maße, in dem die Lebensverhältnisse zunehmend “entsichert“ werden – indem Lebensrisiken wie Unfall, Krankheit, Arbeitslosigkeit zu individuellem Versagen deklariert werden – statt zu gesellschaftlich zu lösenden Problemen; im gleichen Maße steigt offenbar das Bedürfnis, dann wenigstens auf anderen Feldern für “Sicherheit” zu sorgen. Zeitarbeit, Befristung, “Freie” Tätigkeit? Kein Geld für Miete, Auto, Zahnersatz? Dann aber wenigstens nicht mehr so viel saufen. Weil der gemeine Prolet leider aber zu doof ist, zu erkennen, was gut für ihn ist bzw. die Erfordernisse der Zeit sind, muss man ihn über Preiszuschläge und Verbote eben erziehen. Weniger Bier statt mehr Bildung lautet das populäre Konzept. Und weil sich das arbeitende Kleinbürgerlein derlei Missetaten schon längst selbst verboten hat, dürfen diese ja wohl erst Recht den Prolos in der Bahn oder in der Freiburger Fußgängerzone nicht erlaubt sein.

Von der Wiege bis zur Bahre – nichts als Gefahren

Dass Gewaltkriminalität seit Jahrzehnten abnimmt, wie überhaupt Kriminalität insgesamt rückläufig ist, während die Aufklärungsquoten immer weiter ansteigen, dass es immer weniger Verkehrstote, immer weniger Drogentote, immer weniger missbrauchte Kinder gibt, dass wir alle immer älter werden, immer weniger schwere Krankheiten haben – all das ficht die Kulturpessimisten der parteiübergreifenden Verbotsfraktionen nicht an. Denn für Kinder-, Jugend-, Nichtraucher-, Umwelt- und Klimaschutz ist noch lange nicht genug verboten. Lust auf Law-and-Order sowie ökologisches Bewusstsein haben hier zueinander gefunden.

Immerhin haben wir Mittelalten und Älteren noch Zeiten erlebt, in denen die Reglementierungswut noch nicht so weit fortgeschritten, bzw. gesellschaftlich noch nicht so akzeptiert war. Der heutige Nachwuchs erlebt hingegen schon früh, welche Gefahren überall lauern. Schokolade? Bitte nicht! In Kindergärten führen kleine Naschereien schon mal zu einem Eklat auf dem Elternabend – und für Psychoterror im Vorschulalter. Die Sorge vor vermeintlichen Gefahren für die lieben Kleinen treibt aber auch noch andere seltsame Blüten: Aus Angst vor Nebenwirkungen vermeiden es einige Eltern, ihre Kinder zu impfen und riskieren lieber eine satte Kinderkrankheit. Selbstmord aus Angst vor dem Tod – so lautet offenbar die Devise. Denn auch im Alter, also ab dem Jahr 2075 aufwärts, da dürfen die heutigen Kleinen sowieso nichts mehr erwarten, wegen der „demografischen Katastrophe“ und dem „maroden Rentensystemen“. Möglicherweise züchten die heutigen mittleren Generationen mit ihrem paranoiden und lustfeindlichen Weltbild aber auch gerade einen Nachwuchs heran, der wegen der angeblich mannigfaltigen Gefahren und der vermeintlich düsteren Zukunft ein altes Motto wiederentdeckt: “Jung kaputt spart Altersheime!

Crossposting: Der Artikel erschien bereits auf dem Blog Publikative

44 Kommentare

Wer aber z.B. einmal in Texas gesehen hat, wie am Eingang zu einer Hallensportveranstaltung die mitgeführten Schusswaffen an einer separaten Gaderobe abgegeben werden müssen, der fragt sich aber schon verwundert: Warum tragen die hier alle so viele Pistolen, wenn sie doch nur durch die Stadt laufen und anschliessend dann auch noch zu einer Sportveranstraltung gehen wollen. 😉

@robin: ist doch in Ordnung, kann doch jeder mit sich herum tragen, was er will, solange er kein Schindluder damit treibt. Das Problem sind ja nicht die Waffen(Besitzer), die brav ihre Pistole an der Garderobe abgeben, sondern eher die bösen Jungs.
Ich will ja auch kein Waffengesetz wie in Texas, sondern wenigstens das aktuelle in D erhalten und ggf etwas vereinheitlichen. Aber SPD, Linke und Grüne wollen ja großkaliberschusswaffen ganz verbieten.
Die SPD in Bremen will z.B. eine Waffenbesitzsteuer von 300,- pro Jahr und Waffe einführen, für mich als Student wären das 900 Euro Mehrbelastung im Jahr!

@ Hendrik

“Aber SPD, Linke und Grüne wollen ja großkaliberschusswaffen ganz verbieten.”

wozu braucht irgendeine Privatperson großkaliberschusswaffen?

(ich hab die goldene Schützenschnur, ich weiss, was man mit großkaliberschusswaffen macht)

Gelungener Beitrag! Leider nimmt man das alles einfach so hin – kein Aufbegehren, kein Protest! „Die Neigung unserer Zeitgenossen, obrigkeitliche Verbote zu fordern, sobald ihnen etwas nicht gefällt, und die Bereitwilligkeit, sich solchen Verboten selbst dann zu unterwerfen, wenn sie mit ihrem Inhalt durchaus nicht einverstanden sind, zeigt, dass der Knechtsinn ihnen noch tief in den
Knochen steckt.“ (Ludwig von Mises)

Vielen Dank für den Text. Es ist wichtig, die ganzen Verbote im Zusammenhang zu sehen um zu erkennen, worum es geht: Den Abbau der Freiheitsrechte des Einzelnen und die Schaffung eines Öko-Mustermenschen. Dahinter steckt eine Politik die auf Angst setzt und die über diesen Hebel versucht massiv in das Leben den Individuen einzugreifen und den Staat zu stärken. Die andere Seite diese Politik ist Symbolismus: Der Staat un die Politik sind kaum in der Lage reale Probleme wie die Schuldenkrise etc. in den Griff zu bekommen. Durch den neopuritanischen Aktionismus soll verschleiert werden, dass sich an die großen Probleme niemand heranwagt. Also beweist man seine Handlungsfähigkeit auf dem Feld der Verbotspolitik.

@Stefan: Da stimme ich zu. Trotzdem sollte nicht alles erlaubt sein. Wie immer, wäre ein gesunder Mittelweg hier sinnvoll. Aber auch ich sage: Was da derzeit auf uns zurollt ist Aktionismus und total übertrieben. Gerade auch die Grünen hätten genügend wichtigere Baustellen zu betreiben. Leider ist es da aber verdächtig still.

Meine zwei freiheitlichen Regelvorschläge für alle, die sich im öffentlichen Raum bewegen:

Jeder darf alles überall mit sich herumtragen, er darf es aber nicht fallen lassen.

Jeder darf alles überall zu sich nehmen, er darf es aber nur da wieder aus sich heraus lassen, wo es dafür Vorrichtungen gibt.

Die Täuschung mehr Sicherheit durch immer neue Verbote zu erlangen ist ein Unsinn der dem Gender Mainstreaming entsprungen ist und dessen Resultat dann am Ende auch wieder bejammert wird, weil “die Jungend von heute” polarisiert ist in Aggro-Proleten und verweichlichte Jammerlappen 😀 Was waren das noch für Zeiten, als wir ungestraft auf Bäume klettern und unsere Streitigkeiten nicht bei Mate Tee und Meditationskerze sondern auf dem Bolzplatz und Pausenhof ausgetragen haben…

Überreglementierungswut ist der natürliche Feind des gesunden Menschenverstandes 😉

Ich steh’ ja grundsätzlich auf “machen lassen”, und ich trinke in geraden Jahren auch gerne Hochprozentiges, aber Tatsache ist, dass ich es satt habe, Raucher auf Spielplätzen anzusprechen, sie sollen ihre Kippen mitnehmen oder in den Müll werfen, statt einfach auf den Boden, wo mein Sohn sie alle krabbelnd aufsammelt.

Wenn man sie einzeln fragt, waren sie es natürlich nie. Das ist wie mit den urbanen Hundebesitzern, die natürlich auf Nachfrage alle Schüppe und Tüte dabei haben, logo.
Verantwortungsvoller Umgang mit den handelsüblichen Giften wie Nikotin und Alkohol bedeutet auch, dass man Kindern nicht in der Straßenbahn und auf dem Spielplatz jeden Tag was vorrauchen und vorsaufen muss. Kinder lernen durch Beobachtung und Nachahmung.

Oder, um es mal in ganz anderes Licht zu rücken: Ich finde es immer fantastisch, wenn die bravsten Michel die Freiheitsfahne schwenken, nur weil ihnen jemand verklickert, dass sie sich in Bezug aufs Qualmen und Saufen doch einfach nochmal an eine gewisse Grundetikette halten sollen. Da gibt es sehr viel wichtigere Schauplätze im Kampf um die Freiheit des Einzelnen.

Prost!

@Murat Kayi: Es geht ja nicht um Säufer auf Spielplätzen und gutes Benehmen, es geht um eine immer weiter um sich greifende Verbotspolitik die auch davon ablenken soll, das die Politik bei den realen Problemen sich als kaum handlungsfähig erweist. Auf den Punkt gebracht: Wenn der Finanz- und Wirtschaftsminister versagt darf auch einmal so ein kleines Licht die Gesundheitsminsterin ihren großen Auftritt haben.

@ Stefan

Das Problem ist, dass das sogenannte gute Benehmen im öffentlichen Raum kontinuierlich abnimmt.Nicht nur, aber auch und speziell im Ruhrgebiet.

#7: Genau so sehe ich das auch! Es wird noch einiges auf uns zukommen. Dennoch oder gerade deswegen sollte man nicht müde werden, auf diese Unfreiheiten hinzuweisen! “Eine Verfassung der Freiheit wird heute in Deutschland wie in Europa nicht von der herrschenden Klasse angestrebt. Vielmehr arbeiten organisierte Interessen auf das Gegenteil hin: Zentralismus, gesetzliche Steuerung der Gesellschaft durch Experten und infolgedessen eine umfassende Regelung des Daseins ihrer Bürger in nahezu allen Lebensbereichen – von der Wiege bis zur Bahre.” (Quelle: Kleines Lesebuch über die Verfassung der Freiheit, Berlin 2008)

#8: “Trotzdem sollte nicht alles erlaubt sein.” Nein, natürlich nicht – aber alles, was andere in ihrer Freiheit und in ihren persönlichen Rechten nicht einschränkt (Stichwort: kategorischer Imperativ).

“Wie immer, wäre ein gesunder Mittelweg hier sinnvoll.” Und wie dieser “Mittelweg” aussehen soll, entscheiden unsere Volkserzieher? Damit fängt der ganze Spaß nämlich an…

#3: Wenn Waffen Menschen töten, dann machen Stifte Schreibfehler, Autos lassen Leute betrunken fahren und Gabeln machen dick…

Guter Artikel, gefällt mir. Wahrscheinlich weil ich auch mittelalt bin.

#11 Geben sie es zu, wenn ihr Kind im Bett ist oder sonstwie ausser sichtweise ist, vergessen sie mal für einen Moment ihre Vorbildsein und legen die Füße auf´n Tisch und essen vor der Glotze.
Im übrigen gibt es auch ein Leben nach der Kindererziehung.

Man kann ja darüber streiten, ob das gute Benehmen im öffentlichen Raum kontinuierlich abgenommen hat, nur wenn dem so ist, warum konzentriert sich die Diskussion ausschließlich auf einzelne Gruppen wie Alkoholkonsumenten und Raucher? Speisereste, Kaugummis, Abfälle oder Dosen scheinen nicht im Focus zu stehen. Manche merken halt inzwischen nicht mehr, dass die ständigen Diskussionen um Alkohol und Rauchen in der Öffentlichkeit ihre Wahrnehmung einseitig geschärft hat. Und das ist ja auch genau das, was die Verbotsbefürworter erreichen wollen – ständige Beobachtung und Ausgrenzung von Rauchern und Alkoholkonsumenten.
Davon abgesehen bleibt natürlich, wie im Artikel beschrieben, die seltsame “Sehnsucht” der Bürger nach staatlicher Rundumfürsorge und totaler Sicherheit.

Bzgl. #5 HKG36:

Irgendwie verwundert mich dein demokratisches Verständnis. Wieso muss man sich rechtfertigen, wenn man etwas haben will? Wir leben in einem demokratischen Rechtsstaat, hier ist es eigentlich so, dass dem Bürger alles erlaubt wird, außer es sprechen zwingende Gründe dagegen.

Wieso muss man sich also rechtfertigen, wenn man Großkaliberschusswaffen besitzt? Ich besitze sie zum Sportschießen, ist das ein legitimer Grund für dich?

Aber mal eine Gegenfrage:

Wozu “braucht” man schnelle Motorräder, Alkohol, Extremsportarten? Wieso “muss” man in Gegenwart anderer Leute rauchen, warum müssen Bierbuden auf der Alster aufgestellt werden?

Nehmen wir mal als Beispiel Alkohol in Verbindung mit Straßenverkehr:
Wir haben jährlich ca. 4000 Verkehrstote, davon passieren geschätzte 2/3 unter Einfluß von Alkohol. Verbieten wir Alkohol, so müssten theoretisch (!) die Verkehrstote auf 1350 sinken. Immer noch genug, aber hey, wir haben 2600 Leuten das Leben gerettet!
Ganz zu schweigen von den ganzen Verbrechen (Körperverletzung, etc pp) die unter Alkoholeinfluß geschehen.
Warum wird hier mit zweierlei Maß gemessen?

Was richten denn in Deutschland legale Schusswaffen an?
Bis das BKA aufgehört hat, diese in ihrer Statistik zu erfassen, lag die Zahl bei ca. 0,9% der Straftaten mit Schusswaffen. Davon war übrigens auch ein großer Teil Personen die beruflich mit Schusswaffen zu tun hatten.

Ich empfehle dir die Dissertation von Dr. Arne Niederbacher “Faszination Waffe: Eine Studie über Besitzer legaler Schusswaffen” an der TU Dortmund

Interessanterweise wird bei grassierender “Verboteritis” immer ein Bereich außen vor gelassen: das Rasen mit dem Auto (bzw. Fahren mit unangepasster Geschwindigkeit). Man darf niemanden vollqualmen, damit niemand mehr wegen Passivrauchens irgendwann mal vielleicht an Krebs erkrankt, aber sich und andere Leute darf man durchaus totfahren. Oder warum gibt es
immer noch keine Tempolimit auf den Autobahnen? Und warum sind die Bußgelder und Strafen selbst bei hohen Tempolimitüberschreitungen im internatiolen Vergleich so lächerlich moderat? Nicht einmal die Grünen wagen sich da ran.

@Murat Kayi:
Ich verstehe Ihren Unmut und teile ihn. Ihre Reaktion – die gezielte Ansprache der Verursacher – ist für sie selbst zwar anstrengend und nervig, aber genau der richtige Weg, um eine Verhaltensänderung herbeizuführen. Zivilcourage zeigt sich schließlich auch und gerade in “kleinen” Situationen. Immer mehr Verbote können nicht der Weg sein. Man kann nicht andauernd die komplette Gesellschaft für das Fehlverhalten einzelner in Sippenhaftung nehmen.

Demnächst erläßt der Staat auch eine Jackenkontrolle. Wer dann das Haus ohne die richtige Jacke verläßt wird höflich aber bestimmt darauf aufmerksam gemacht, dass es kalt draussen ist.

@narr: Eine gute Idee. Zumal jeder der erkältet ist ja auch andere Menschen gefährdet. Steffens, handeln sie!

#23: Hey, der ist von Dieter Nuhr! 🙂

Mit dem Demokratieverständnis ist das so eine Sache. Die meisten vertreten die Meinung, dass es grundsätzlich o.k. sei, wenn Mehrheiten über Minderheiten bestimmen (= Demokratie?). Ich sehe das kritisch. Vielleicht könnte man mit reichlich Agitprop auch eine Mehrheit finden, die blaue Jeans ablehnt. Es muss subjektive Rechte geben, die nicht einfach per Rechtsvorschrift willkürlich eingeschränkt werden können. Das Leben ist gefährlich, es gibt keine absolute Sicherheit. Auch ein Küchenmesser kann in Händen eines Irren grausames anrichten. Demokratie ist, wenn zwei Wölfe und ein Schaf über die nächste Malzeit abstimmen. Freiheit ist, wenn das Schaf die Entscheidung mit einer Waffe anfechten kann!

Was hier an Demokratiegefährdung herbeifantasiert wird, ist wirklich aberwitzig. Ihr habt wirklich alle keine Ahnung, wahrscheinlich nicht mal ins Grundgesetz geguckt, und meint, eure persönliche Vergnügen (Alkohol, Tabak, Schusswaffen) seien die Messlatte für die Garantie persönlicher Freiheiten im Rechtsstaat. Sowas wie Güterabwägung, Entscheidungsspielraum oder gar menschliche Empathie, die es euch ermöglichen würde, anderen Perspektiven und Wüschen nicht mit Verachtung zu begegnen, scheint euch völlig fremd zu sein.

@np: Ich wäre gerne ein grüner Öko-Mustermensch und brauche eine strenge Hand die mich erzieht, denn alleine schaff ich diese Entwicklungssprung nicht.

Ungeachtet meiner persönlichen Mühen mit Zigarettenkippen und dem (natürlich) auftretenden Einsetzen vollkommener Verwahrlosung mit Beginn der Kinderbettzeit, möchte ich nochmal unterstreichen, dass ich vor allem finde:

“Kampf um die Freiheit des Einzelnen – Jawoll! Womit legen wir los?”
“Unbeeinträchtigtes Saufen und Qualmen!”
“Ähh…”

Aber wer weiß, manche Umwälzungen beginnen ja mit unscheinbaren Dingen. Mal sehen, wohin uns die Raucher in ihrem Freiheitsdrang führen…^^

#27: Wie wärs mit einer Supervision bei Frau Steffens zur Verbesserung des personalen, ökofreundlichen Handelns! 🙂

Frau Steffens war doch die Frau Nö, sowas interessiert nicht. Wollen wir hier nicht stehen haben. Wir sind hier ja nicht in der Kirche. Der Adimn

@ NP:
Ja, wenn das so einfach wäre! Alkohol, Tabak (Schusswaffen lasse ich mal außen vor), Fast-Food, Salz und Parfüm können nicht auch die Meßlatte für die Freiheit in einer Gesellschaft sein?
Wir können die Versuche der Einschränkung von persönlichen Freiheiten ja schon in anderen Ländern erleben (besonders in den USA). Fettsteuer oder der Versuch den Armen zu verbieten, mit Lebensmittelmarken zuckerhaltige Getränke zu erwerben, der Versuch in New York per Verordnung den Restaurants das Salzen von Speisen zu verbieten, das Parfümverbot für städtische Angestellte in Detroit oder in Kanada – es gibt viele Beispiele für die Reglementierungswut von Gesundheitsfanatikern. Und in allen Fällen wischt man die Selbstverantwortung der Menschen für ihr eigenes Leben einfach vom Tisch, und ersetz sie durch eine staatliche Zwangsfürsorge.

Natürlich ist es problematisch wenn Mehrheiten über Minderheiten bestimmen.
Was dabei rauskommen kann, mag ein simples Beispiel verdeutlichen: wenn man ein Burkaverbot zur allgemeinen Abstimmung zuließe, wäre der Ausgang der Abstimmung wohl klar.

Ein Zwischenruf -mehr nicht- aufgrund meiner persönlich-beruflichen Lebenserfahrung und so mancher in vergleichbarer Situation durch mich zu treffenden Entscheidung, für die ich kraft Amtes letztlich zuständig und verantwortlich (!!) war: Wenn etwas passiert, weil nicht verboten, sondern gestattet, gab es und gibt es hernach Anschuldigungen, Vorwürfe, Diffamierungen, Prozesse gegen den Entscheider, auch und oft vor allem durch diejenigen, die vorher für das freie, nicht reglementierte, eigenverantwortliche Handeln der Bürger lauthals gestritten haben -auch in den Medien!! Ich empfehle deshalb, sich ‘mal mit der Rechtsprechung in einschlägigen zivil- und strafrechtlichen Verfahren zu befassen. Dazu gehört auch, sich ‘mal anzusehen, welche Vorgaben/Vorbehalte seitens der Versicherungen in Fällen wie dem hier diskutierten durch den Entscheidungsträger zwingend(!!) zu beachten sind. Das könnte zumindest helfen, sich argumentativ mit den Gründen für solche und ähnliche Entscheidungen intensiver als oft geschehen zu befassen. Hätte OB Sauerland in Duisburg ähnlich wie OB Dr.Scholz in Bochum zur Love-Parade seinerzeit richtigerweise -und rechtsverpflichtet?- statt JA nicht Nein sagen müssen?Wie gesagt, nur ein “Zwischenruf”. Ich will in diesem Zusammenhang nicht erneut und zum wiederholten Male meine bei den Ruhrbaronen geäußerten grundsätzlichen Vorbehalte vorbringen und begründen, indem ich kritisiere, daß in vergleichbaren Zusammenhängen wie dem aktuellen Ereignissen in Hamburg und ähnlichen Belanglosigkeiten, jedenfalls für mich, das hohe und gewichtige Lied von der Achtung und dem Schutz der Freiheit des Individuums durch den Staat angestimmt wird, und zwar in einer Lautstärke, die bezogen auf den jewiligen Anlaß für mich unverhältnismäßig erscheint.

Leider wird zu oft unterschlagen, dass diese Sorte Deutsche so nicht nur nach innen, sondern auch nach außen kolonialisiert.

@26
Unsere “persönlichen Vergnügen” sind vielleicht nicht “Messlatte für die Garantie persönlicher Freiheiten im Rechtsstaat”, aber es sind doch trotzdem persönliche Freiheiten, oder? Und was Güterabwägung, Entscheidungsspielraum und, ja, “andere Perspektiven” angeht: haben die Verbieteriche all dies angemessen gewürdigt? Wofür steht “NP” eigentlich? Nicht Politisch? Nur Propaganda? Oder NeoPuritaner?
@32
Keine Angst, ich will Sie nicht wieder brutal niederprädikatisieren, aber nehmen Sie doch bitte zur Kenntnis, das, was Inen belanglos scheint, anderen durchaus wichtig sein kann, insonderheit, wenn man anfängt es zu verbieten, einzuschränken, stigmatisieren. Die Achtung und der Schutz der Freiheit des Individuums fangen durchaus unterhalb der Ebene von Polizeifolter an.

Angst, Herr Podewitz, und zumal vor Ihnen? Ja,ich “nehme zur Kenntnis” und ich “nehme Haltung an” -mit Verlaub, nicht mit Respekt.

Ich finde schon, dass Regierungen die Bevölkerung schützen müssen.
Dafür sind Regierungen ja auch da.
Aber weil einige Problemfelder schwierig zu lösen sind, verlegen sich Regierungen immer häufiger auf die Erfindung von Scheinproblemen, die dann selbstredendend auch leicht gelöst werden können.
Ich will da mal 3 Beispiele nennen, um den Blick unserer Regierungen in die richtige Richtung zu lenken.
Die kleine Liste kann von jedem Leser nach Belieben ergänzt werden, und stellt allenfalls einen Anfang dar.
also:
Wenn Bürger ahnungslos solchen Produkten ausgesetzt sind, wie
Gammelfleisch und anderen Skandallebensmitteln
(merkwürdigerweise sollen wir da selber das Verfallsdatum ignorieren und herzhaft hineinbeißen)
Naziterrormorde ( Da gibt es von Behörden noch Unterstützung, wie man lesen kann, und unklar ist, was da noch alles rauskommen mag)

Armut, insbesondere Kinderarmut, Abgesehen von schlimmen persönlichen Lebensbedingungen und schlechten beruflichen Prognosen der Betroffenen, denke ich auch an die möglichen Folgen für die gesamte Gesellschaft.
Es geht nicht gut, wenn die Einkommensschere immer weiter auseinander klafft.

Gerade gibt ein Artikel in der Hannoverschen Allgemeinen wieder ein Beispiel dafür, wie man mit Halbwahrheiten und Lügen Prohibitionspolitik machen kann. Die Aussage lautet: Alkoholkonsum bei Jugendlichen gestiegen. Die Hauptstelle für Suchtfragen fordert schärfere Gesetze.
http://www.haz.de/Nachrichten/Panorama/Uebersicht/Mehr-junge-Erwachsene-betrinken-sich

Richtig dagegen ist, dass der regelmäßige Alkoholkonsum von Jugendlichen in Deutschland weiter rückläufig ist und im Jahr 2010 den niedrigsten Stand seit den 70er Jahren erreicht hat. Noch immer verbreitet sei das so genannte Binge Trinken (Rauschtrinken): Zwar sind auch hier leichte Rückgänge zu verzeichnen, eine generelle Trendwende lässt sich aus den Zahlen jedoch nicht ableiten. Das sind die Ergebnisse einer von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) veröffentlichten Studie: „Alkoholkonsum Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschland 2010“.

Die Absicht in diesem Artikel wird wohl klar: man möchte den Eindruck erwecken, dass der Alkoholkonsum unter Jugendlichen und junger Erwachsener immer mehr steigt. Das Gegenteil (bis auf die besagten Ausnahmen) ist der Fall. Aber so funktioniert die Prohibition. Und wir werden uns noch mit mehr “zweckdienlichen” Presseartikeln in Zukunft befassen müssen.

Lieber Stefan Laurin,

erst einmal danke, dass Du unseren Text veröffentlicht hast. Eine spannende Diskussion hier.

Was den Öko-Mustermenschen angeht: Wir haben eine andere These zu den Motiven dieser ganzen Verbots- und Jeder-ist-seines-Glückes-Schmied-Kultur. Dazu aber bald mehr.

Viele Grüße
Patrick Gensing
(Überlebender des Hamburger Alstervergnügens 2012)

@Patrick: Noch einmal danke für den Text – und auf Eure These bin ich jetzt schon gespannt. Gruß an Andrej!
Bis bald,
Stefan

“…Ein Zwischenruf (…) aufgrund meiner persönlich-beruflichen Lebenserfahrung und so mancher in vergleichbarer Situation durch mich zu treffenden Entscheidung, für die ich kraft Amtes letztlich zuständig und verantwortlich (!!) war: Wenn etwas passiert, weil nicht verboten, sondern gestattet, gab es und gibt es hernach Anschuldigungen, Vorwürfe, Diffamierungen, Prozesse gegen den Entscheider…”

Oh Mann. Und weil genau das alle Entscheider denken, wird nicht mehr entschieden sondern abgelehnt und verboten. Wann sind denn “Entscheider” denn mal WIRKLICH in der Verantwortung? Doch nur wenn sie solchen Mist bauen, dass sie dafür vor Gericht ein Urteil kassieren. Ansonsten passiert ihnen: Nix.
Wenn einer Entscheider wird, und dafür Einkommen erhält, dann muss er mit Anschuldigungen, Vorwürfen und Diffamierungen zurechtkommen. Dafür macht er doch den Job. Sonst soll er es doch sonst bitte lassen, sich Entscheider zu nennen. Entscheidungsvermeider wäre dann besser.

-41-Jens König: Es wird jeden Tag in zig-Behörden auch bei problematischen Sachverhalten genehmigt und eben nicht “im Regelfall” versagt bzw. “Nein” gesag.Und der Entscheider ist immer(!!) und “wirklich” in der Verantwortung. Wenn er sich dieser seiner Verantwortung nicht bewußt ist, ist er fehl am Platze. Mit meinem Zwischenruf wollte ich zu bedenken geben, daß ein Entscheider bei einer Ermessensmöglichkeit sich eben nicht nur danach richten kann, was mehrheitlich von der Bevölkerung gewünscht und von den Medien nachdrücklich verlangt wird, sondern daß er stets mit der gebotenen Sorgfalt alle Risiken zu beachten und in seinem Entscheidungsprozeß zu berücksichtigen hat, und ich habe angedeutet, welche Folgen es haben kann, wenn dem Entscheider nachgewiesen wird, daß er schuldhaft eben nicht mit der gebotenen Sorgfalt diese Risikoabwägung getroffen hat und das dieses jedem Entscheider selbstverständlich bewußt ist und bewußt sein muß. So hat, das Beispiel habe ich genannt,seinerzeit OB Scholz in Bochum die Love-Parade abgelehnt, OB Sauerland in Duisburg hat sie genehmigt.Und OB Scholz hat “Nein” gesagt trotz massiven öffentlichen Druckes, “Ja” zu sagen. OB Sauerland hat seinerzeit “Ja” gesagt . Und er -niemand sonst – hat sein “Ja” politisch und rechtlich zu verantworten und zu vertreten. Niemand von denen, die seinerzeit massiv dieses Ja von Sauerland eingefordert haben, tragen für das “Ja” von OB Sauerland Mit-verantwortung in rechtlichem Sinne. Ich habe also lediglich versucht, Verständnis zu reklamieren für diejenigen, die die Entscheidungsverantwortung bei problematichen Sachverhalten tragen und im Rahmen dieser ihrer Verantwortung NEIN sagen. Dieser Versuch eines solchen Zwischenrufes ist augenscheindlich daneben gegangen,sh.Ihr Beitrag- 41 -; sei’s drum.

#42 -Walter Stach:
Ob Entscheider hin oder her, liegt das Problem nicht auch an unserem Verlangen, für jedes “unglückliche” Ereignis einen Schuldigen zu finden? Und hat die Presse nicht auch Mitschuld an dieser Situation? Was wäre denn geschehen, wenn eine Bude beim Alstervergnügen eingebrochen wäre und womöglich jemand zu Schaden gekommen wäre? Die Presse hätte sofort nach einem Schuldigen gesucht (wie konnten es die Behörden zulassen…) und der “Entscheider” sähe sich einer gerichtlichen Überprüfung ausgesetzt.
Aus meiner Erfahrung im Ausland kann ich nur sagen, in manchen anderen Ländern hätte man einen solchen Unfall als tragisches Ereignis angesehen und wäre dann zum normalen Alltag übergegangen. Wir engen unseren Alltag durch rechtliche Vorgaben und der Suche nach Verantwortlichen für jedes und alles immer mehr ein und offensichtlich fühlen wir uns auch noch gut dabei.

-43-Nansy: Ohne Wenn und Aber mit dem Kommentar, den gestellten Fragen und den gefundenen Antwort einverstanden.Ja, so “schaukeln” sich stets neue, stets noch detailierte Anforderungen an Sicherheit/vorbeugenden Gefahrenabwehr hoch:immer öfter und immer schneller wird von Bürgern, die sich geschädigt fühlen,geklagt, immer öfter geben Gerichte ihren Klagen statt, immer öfter tritt die Staatsanwaltschaft auf, weil sie Anfangsverdachte sieht, wenn Behörden vor der Erteilung von Genehmigungen nicht hinreichend geprüft haben könnten, und es werden “höchstrichterlich” immer neue und höhere Anforderungen an die Behörden gestellt, wenn sie über einschlägige Genehmigungen befinden müssen, , die Versicherungen, die im Schadensfall zahlen müssen, entwickeln permanent neue, noch höhere Standarts bezüglich der Sicherheitsvoraussetzungen, z.B. bei Volksfesten, die Medien skandalieren immer öfter und immer heftiger jedes Ereignis, wenn durch sie vermutet, manchmal auch fahrlässig unterstellt werden kann, damit einhergehende Schäden könnten ihre Ursachen in “Behördenversagen” haben.Und von alldem wird leider immer öfter, menschlich verständlich und folgerichtig, die Bereitschaft von Enscheidungsträger beeinträchtigt, risikobehaftete Entscheidungen zu treffen.Besonders nachdenkenswert, wenn ich das feststellen darf, ist Ihr Hinweis darauf, daß es ursächlich an uns Bürgern liegen könnte, wenn in Sachen Sicherheit/vorbeugende Gefahrenabwehr staatlicherseits in Exekutive, Legislative und Judikative quantitativ und qualitativ immer restriktiver entschieden wird -präventiv und repressiv-.Und sie merken, m.E.ebenfalls nachdenkenswert an, daß die Bürger, wenn sie sich nicht unmittelbar in ihren Interessen, in ihrem Egoismus eingeschränkt fühlen, das alles mehrheitlich für “gut und richtig” halten.

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