Die Empörung des BVB über die UEFA ist scheinheilig

Thomas Tuchel spricht von einem Gefühl der Ohnmacht, weil die UEFA das Spiel gegen Monaco nur 24 Sunden nach dem Anschlag auf Dortmunder Spieler anpfeifen ließ – ohne jede Rücksicht auf Widerspruch aus Dortmund. Die UEFA sieht das anders: Die Entscheidung sei in enger Abstimmung und mit Billigung des BVB gefallen. Ganz egal wer hier lügt: Letztlich war es die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA, die ihren Arbeitnehmern nicht einen freien Tag ermöglicht hat, als diese in Ausübung ihres Jobs angegriffen worden sind.

Der Aktienkurs des BVB im Moment: -4,48%. Natürlich wäre das Minus noch dicker, wenn der BVB mit möglicherweise harten Konsequenzen “Nein” zur UEFA gesagt hätte. Auch, weil bei einem Ausscheiden aus dem Wettbewerb “UEFA Champions League” weitere Gelder ausgeblieben wären. Trotzdem hätte der Arbeitgeber BVB natürlich diese Entscheidung treffen können – und müssen. Stellen Sie sich mal vor, irgend ein anderes Unternehmen hätte die Opfer eines Terroranschlags schon Stunden später wieder zum Dienst – und obendrein vor ein Millionenpublikum – gezerrt. Undenkbar. Der Anschlag auf den Mannschaftsbus war keine Lapalie, sondern ein traumatisierendes Erlebnis für die Arbeitnehmer des BVB. Aber hier geht’s ums Geschäft.

12 Kommentare

Vielleicht hat der Autor ja selbst noch nie in einer Firma gearbeitet, falls doch könnte er wissen, dass es ein Unterschied ist was der Chef (Watzke und Co.) entscheidet und was die Angestellten (Tuchel und Co.) dann daraus machen müssen.

Sorry, Felix, das kann ich so jetzt nicht nachvollziehen. Es beschwert sich ja nicht 'der BVB', sondern einzelne Personen. Und wie die das jeweils empfunden haben bzw. es empfinden, das hat genau so viel oder wenig mit 'Geschäft' zu tun wie bei anderen Angestellten auch. Und wenn Tuchel oder einzelne Spieler sich ohnmächtig oder übergangen fühlen, dann kann ich da echt keine Scheinheiligkeit erkennen. Also, 'Empörung des BVB' geht hier als Formulierung gar nicht, wie ich finde. Und Watzke hat die Entscheidung der UEFA zumindest nach aussen ja mitgetragen. Der 'empört' sich nicht, hielt das Vorgehen in der Öffentlichkeit sogar für alternativlos.

Dieser Artikel ist so schlecht, dass man ihn eigentlich nicht mal kommentieren sollte.

Weil ich die Ruhrbarone aber mag tue ich es trotzdem. Wenn die UEFA festlegt, dass das Spiel stattzufinden hat, muss der BVB antreteten. Tut er das nicht wird er nicht nur für zwei Jahre aus den europäischen Wettberwerben ausgeschlossen, sondern er muss auch alle Prämien zurückzahlen.

Das würde den BVB Nicht nur massiv schädigen, es würde Aki Watzke wahrscheinlich auch schadensersatzpflichtig machen.

Total abstrus.

So sehr ich die Ruhrbarone auch mag, aber

Der Artikel hat sich spätestens mit dem letzten Statement von Watzke dann auch erledigt.
Oder ist das die angesprochene "Empörung" des BVB?

@Felix Möser: Tuchel hat seinen Spielern definitiv und mehrfach ohne irgendwelche Konsequenzen freigestellt, zur Wiederholung anzutreten, insofern hat der Verein über diese "dotted line" der Personalverantwortung genau das gemacht, was Du hier verneinst.

Jenseits aller Empörung muss man doch festhalten, was zwischen den Fans stattgefunden hat. Walther Bensemann, der Mitbegründer des DFB und Vertreter der Meinung, dass Fußball auch völkerverbindend sein muss, wäre sicher begeistert gewesen von den Szenen in Dortmund, der Gastfreundschaft, die BVB-Fans zeigten. Gerade nach den Vorfällen beim Spiel gg. RBL bewiesen zahllose BVB-Fans dass es auch anders geht. Chapeau Dortmund.

"Die UEFA muss verstehen, dass wir keine Tiere sind. Wir haben Familien mit Kindern zu Hause und wir sind keine Tiere. Ich bin froh, dass alle Spieler und Vereinsmitarbeiter am Leben sind. Ich fühle mich wie ein Tier und nicht wie ein Mensch. Wer das nicht durchgemacht hat, weiß nicht, wie schlimm das für uns war." – Sokratis

So oder so gab es einfach nur zwei Varianten. Auf das Spiel verzichten und mit den Konsequenzen leben oder spielen. Letzteres war sicherlich die bessere Alternative und terminlich war es nunmal nur innerhalb dieser 24 Stunden möglich.
Dass das für die Spieler (durchaus nicht nur die des BVB) bestimmt nicht optimal war ist vollkommen klar. Mangels Alternativen ist das Gejammer darüber aber völlig sinnlos. Zumal auch niemand sagen kann wann denn der Anschlag bewältigt ist. Wäre Samstag schon früh genug gewesen, hätte das "Rückspiel" stattfinden können, hätte Borussia die ganze Saison aufgeben müssen und erholen sich die Spieler möglicherweise nie mehr davon oder war es vielleicht hart aber letztlich selbst zur Überwindung dieses Schocks vielleicht sogar das Beste möglichst schnell wieder auf dem Platz zu stehen und somit eine gewisse Normalität einkehren zu lassen? Kann letztlich niemand beantworten aber das heutige geheule erweckt doch etwas den Eindruck als ginge es eher darum eine Entschuldigung für die Niederlage zu finden.

@#7: Der Verein wird auch keinem Spieler verbieten, über seine Rolle im Circus Maximus der Freizeit- und Unterhaltungsindustrie nachzudenken und die entspr. Schlüsse zu ziehen. Allerdings ist ein Sokratis Papastathopoulos in seinen über 20 Jahren als Fußballer überwiegend gern ein "Tier" mit den dazugehörenden Annehmlichkeiten und Erfolgen gewesen. Oder wurde er zu seinem Beruf gezwungen?

Vielleicht hatte der frühabendliche Mittwoch wenigstens die eine positive Konsequenz, dass die Spieler in – hoffentlich sie nie wieder direkt treffenden – ähnlichen Situationen sich nun anders entscheiden können und ihre Teilnahme an "Jetzt erst recht!"-Events absagen.

1.
Ich habe nach allen Beiträgen -hier und an anderer Stelle- nach wie vor den Eindruck, daß der interne Entscheidungsfindungsprozess beim BVB -Einbindung von Spielern, Spielervetretern Trainer- nicht so abgelaufen ist, wie er im Interesse des BVB hätte ablaufen müssen. Das kann etwas zu tun haben mit der derzeitigen Unternehmenskultur beim BVB, was mich veranlaßt, erstmals kritisch über diese Unternehmenskultur nachzudenken, und das kann Auswirkungen auf den Bestand und auf die Entwicklung der Unternehmenskultur und damit auf den Erfolg des Unternehmens BVB haben.
2.
Ich habe zudem nach allen Beiträgen -hier und an anderer Stelle-den Eindruck gewonnen, daß die Öffentlichkeitsarbeit/die Medienarbeit des Unternehmens BVB in diesem Falle hätte besser sein können.
Warum hat es -z.B.-keine kurze (und kleine) Pressekonferenz am Dienstagvormittag gegeben, und zwar mit Rauball/Watzke, aber eben auch mit Tuchel und Spielervertretern, in der alle gemeinsam die getroffene Entscheidung hätten begründen und vertreten müssen?

3.
Wie in jedem anderen Unternehmen auch, hat der Vorstand jetzt darüber nachzudenken, ob angesichts der Niederlage gegen Monaco und ob angesichts der Kritik von Trainer und Spielern an der kurzfristigen Wiederholung des Monaco-Spieles die Vorteile der getroffenen Entscheidung für das Unternehmen BVB auch im nachhinein weiterhin als gewichtiger einzustufen sind als die
Nachteile – kurz- und mittelfristig.
Ich würde es im Unternehmensinteresse für wünschenswert halten, wenn der Vorstand über das Ergebnis seines diesbezüglichen Nachdenkens zuerst alle seine Mitarbeiter informieren würde -vor allem die Spieler- und danach die Öffentlichkeit -möglichst einer PK mit dem Trainer und mit Spielervertretern, und das möglichst bald.
4.
Es ist unbestritten so, wie in einigen Beiträgen angesprochen, daß das "Gesetz eines gnadenlosen Konkurrenzkampfes" der Unternehmen, eben auch derjenigen, die mit dem Profi-Fußball ihr Geschäft machen, diesen nicht gestattet, auf menschliche Empfindlichkeiten ihrer Mitarbeiter Rücksicht zu nehmen, hier auf traumatisierte Spieler.
Das ändert nichts daran, daß ich das in jedem Falle für moralisch inakzeptabel halte, wohlwissend, daß "moralische Empfindsamkeiten" weder im Fußballgeschäft noch in anderen Geschäftsbereichen interessieren, geschweige denn, letztendlich für sich genommen
bestimmend sind für die Unternehmensentscheidung. "So und nicht anders" läuft auch das Fußballgeschäft: "ett iss wie ett iss". Die Aussage von Sokratis -sh.7- erinnert mich an zahlreiche literarische Beiträge über das Los der Arbeiter in der II.Hälfte des 19. und in der ersten Hälfe des 2o. Jahrhundertes : "……wie die Tiere hatten die Arbeiter……………..". Nun ist der Profifußballer beim BVB kein ausgebeuteter, kein rechtloser Arbeiter, aber es stimmt mich schon nachdenklich, wenn sich Sokratis -und andere Spieler- so wie von ihm geschilderter "wie Tiere behandelt fühlen. Und hier wiederum kann ich einen Teil meiner vorangegangenen Fragen anknüpfen, konkret die, ob und wie dieses emotionale Empfinden der Spieler (der wichtigsten Arbeitnehmer im Unternehmen BVB) die Ziele des Unternehmens beeinflussen wird -so oder so-.

Als BVBer wünsche ich mir sehr, daß das Unternehmen BVB -Spieler, Trainer, Vorstand, Fans-
nicht dauerhaft und nachhaltig geschwächt, sondern in seinem Erfolgswillen gestärkt die akutell problematische Lage bewältigen wird. Die Leistung der Spieler gegen Monaco -vor allem in der II.Halbzeit- und das Verhalten der Zuschauer geben Anlaß, darauf hoffen zu dürfen!

@#10 Walter Stach
"… diesen nicht gestattet, auf menschliche Empfindlichkeiten ihrer Mitarbeiter Rücksicht zu nehmen, hier auf traumatisierte Spieler."

Ich bezweifle grundsätzlich, dass das in einer seltsam "küchenpsychologisierten" Gesellschaft von sozioemphatischen Laien generell überstrapazierte Modeadjektiv "traumatisiert" hier auf mehr als knapp 10% der Borussenspieler zutreffen kann. Lt. Tuchel hatten sich bis Mittwoch zur Spielvorbereitung nur 2 von den 25 zum Monaco-Spiel gemeldeten Spielern mehr Bedenkzeit erbeten.

Klaus Lohmann,
"traumatisiert" = überstrapaziert.
Ja, das ist so.
Mir ist beim Abfassen meines Beitrags "auf die Schnelle", um meiner Nachdenklichkeit Ausdruck zu verleihen, "nichts Besseres" eingefallen.

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