“Deutschland tut so, als ob der Islamische Staat nicht sein Problem sei”

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Gut 6000 Demonstranten forderten auf eine Demonstration in Köln am Samstag das Ende der Angriffe der türkischen Armee auf kurdische Stellungen im Irak und Syrien. Mehrere Redner forderten ein Ende des PKK-Verbots in Deutschland und mehr Engagement der Bundesregierung beim Kampf gegen den Islamischen Staat.

Sie kamen aus ganz Deutschland, um in Köln zu protestieren. Gegen die Türkei, die ihrer Ansicht nach statt den Islamischen Staat die kurdische Truppen bekämpf und gegen eine deutsche Bundesregierung, die sich nicht klar gegen die Politik Erdogans ausspricht. Ein Großteil Demonstranten waren Kurden, Jesiden, Assyrer und Araber. Einig waren sie sich in der Ablehnung des Islamischen Staates und der Unterstützung der in Deutschland als Terrororganisation verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK. Viele Ordner trugen die Uniform der Peschmerga, der kurdischen Partisanen. Auf vielen Fahnen war das Bild von Abdullah Öcalan, dem seit 1999 inhaftiertem Führer der PKK, zu sehen.

Die Zahl der Teilnehmer wurden von Polizei und Veranstaltern unterschiedlich beziffert: Die Beamten vor Ort meldeten der Einsatzleitung 6000 Demonstranten, die Veranstalter schätzten die Teilnehmerzahl auf 15.000. Im Vorfeld war mit 10.000 Demonstranten gerechnet worden.

Die Demonstration führe vom Ebertplatz am Dom vorbei zum Heumarkt quer durch die Kölner Innenstadt und wurde von einem großen Polizeiaufgebot mehr geschützt als überwacht. Auch in Nordrhein-Westfalen ist seit dem Anschlagsaufrufen des IS-Terroristen Mohamed Mahmoud in der vergangenen Woche die Angst vor Anschlägen noch einmal gewachsen.

Ylmaz Günay, der stellvertretende Vorsitzender der Föderation der Jesidischen Vereine, erinnerte in seiner Rede an den Mord an den Jesiden im vergangenen Jahr, als Truppen des Islamischen Staates in das von Jesiden bewohnte Shingal-Gebirge eindrangen „Wir Jesiden sind die älteste Glaubensgemeinschaft des Nahen-Ostens“, sagte Günay. „Im vergangenen Jahr kam die Barbarei des Islamischen Staates über uns. Zahllose Jesiden starben, mindesten 2000 Frauen wurden als Sexsklavinnen auf den Märkten von Mossul verkauft. Damals waren es die Truppen der PKK und ihrer Schwesterorganisation YPG, welche die Jesiden davor bewahrten, vollkommen vernichtet zu werden. Heute kämpfen jesidische Einheiten gemeinsam mit der YPG und der PKK gegen den IS.“ PKK und YPG seien unverzichtbare politische und militärische Partner der Jesiden. Nur durch den gemeinsamen militärischen Einsatz sei das Überleben von Jesiden, Christen und Assyrern in der Region gesichert. „Es kann nicht sein, dass diejenigen, die das Leben von Hunderttausenden gerettet haben, jetzt mit dem Islamischen Staat auf eine Stufe gestellt und bekämpft werden. Die türkische Regierung bekämpft nicht den Islamischen Staat, sie bekämpft die PKK.“ Zahlreiche Redner verschiedener Organisatoren schlossen sich Günays an.

Gülistan Siverik, eine der Organisatorinnen der Demonstration, warf im Gespräch mit dieser Zeitung der Bundesregierung Naivität gegenüber dem Islamischen Staat vor. „Deutschland tut so, als ob der Islamische Staat nicht sein Problem sei, weil der Krieg ja tausende Kilometer weg ist. Aber über 700 Kämpfer des Islamischen Staates sind von Deutschland aus in den Krieg gezogen und haben gemordet. Viele sind bereits zurückgekehrt und stellen eine Gefahr da. Die Bundesregierung scheint nicht wahr haben zu wollen, dass der Islamische Staat Deutschland den Krieg erklärt hat. “ Allein durch die vielen Kurden und Jesiden, die in Deutschland leben, sei der Krieg auch ein deutsches Problem: „Wir sind doch beides: Kurden und Deutsche, wir gehören zu diesem Land und wollen, dass unsere Sorgen ernst genommen werden.“ Fast alle hätten sie Verwandte, die vom Krieg betroffen seien. „Deutschland muss der Türkei klar machen, dass es nicht sein kann, dass sie Krieg gegen die Kurden führt.“ Auch über das Verbot der PKK müsse diskutiert werden.

Auf dem Heumarkt sprach mit Figen Yüksekdağ auch eine der beiden Vorsitzenden der Demokratischen Partei der Völker (HDP), die seit den Wahlen im Juni auch im Parlament vertreten ist. Auch Yüksekdağ forderte ein Ende der Angriffe der türkischen Luftwaffe auf kurdische Stellungen und die sofortige Wiederaufnahme von Friedensgesprächen zwischen der türkischen Regierung und der PKK.

Nach Angaben der Polizei verlief die Demonstration, von „minimalen Zwischenfällen“ abgesehen „absolut friedlich.“

Der Artikel erschien in ähnlicher Form bereist in der Welt.

15 Kommentare

Zuerst einmal sei gesagt, dass wir die Kurden politisch und militärisch unterstützen sollten, aber nicht wegen den Punks vom IS!

Die Kurden sind säkular und nicht antiwestlich, die Kurdengebiete im (ehemaligen) Irak sind stabil, recht frei und relativ wohlhabend. Mit anderen Worten eine Oase der Ruhe im Chaos der Region.

Nun zurück zum IS. Was wäre wenn es den morgen nicht mehr gäbe? Der sunnitisch-islamische Terrorismus würde nicht verschwinden und die Region würde auch nicht urplötzlich stabiler. Der IS ist nämlich nicht die Ursache für den Zerfall diverser ab 1920 gegründeter Kunststaaten, sondern Folge des Zerfalls besagter Gebilde. Kann man im Irak am besten sehen. Zu den Zeiten des Osmanischen Reichs gab auf einem Gebiet auf dessen Teilen später der „Irak“ entstand drei Verwaltungsbezirke. Je einen mit sunnitischer, schiitische und kurdischer Mehrheit.

Bis zum Sturz Saddams haben sunnitische Herrscher das Gebilde „Irak“ mit mehr oder weniger brutaler Gewalt zusammen halten können, die jetzt herrschenden Schiiten sind dazu nicht fähig. Daher zerfällt der „Irak“ in seine natürlichen Bestandteile. Die kurdischen Autonomiegebiete, die sunnitischen Gebiete des IS und den schiitischen „Restirak“.

Ähnliches passiert in anderen Kunststaaten wie Syrien oder Libyen, der Libanon kann sich sehr leicht in diese Richtung entwickeln, Jordanien ist dank israelischer Unterstützung in einer besseren Position.

Gerd, die Kunststaatentheorie, nach der die Briten zusammengefaßt haben sollen, was nicht zusammengehört, und darum jetzt zerfällt, kann nicht stimmen. Denn historisch gesehen, nicht nur 70 Jahre als Maßstab, gab es seit Jahrtausenden dort und überall in der Welt viel größere Gebiete, die mal unter einer einzigen Herrschaft, mal separat waren. Das gilt gerade für das Gebiet des heutigen Irak.
Das gilt sogar für die Briten in Britannien selbst, gilt für Deutschland, gilt für Italien, gilt für Frankreich, gilt eben für alle Staaten. Alle Staaten waren mal größer, mal kleiner, oder gehörten zu einem anderen Herrschaftgebiet. Und jedesmal haben Eroberer, wenn sie dazukamen, die Grenzen neu definiert. Ohne Eroberer gäbe es vermutlich nur Gebiete kleiner als Monaco oder Liechtenstein als politische einheitlich verwaltete Gebilde. Selbst die USA gäbe es nicht, wäre Lincoln nicht Siegreich aus dem amerikanischen Sezessionskrieg, der meist Bürgerkrieg genannt wird, hervorgegangen. Wir müssen deshalb m.E. die Ursachen für den Erfolg der IS woanders als über die britischen Grenzziehungen suchen.
Kurz gesagt, so schlüssig Dein Vortrag klingt, so falsch ist er. Er paßt übrigens auch nicht zu der Vorstellung, daß unterschiedliche Ethnien friedlich zusammenleben können, und letztlich miteinander verschmelzen. Genau das ist aber die großangelegte Tendenz der Geschichte, die zwar immer wieder Rückschläge erleidet, letztlich aber zu den großen Staaten geführt hat, die wir heute kennen.

Helmut,
1.
könnte es sein, daß es letztendlich die Gemeinskeiten der Britten -der Engländer, Waliser, Schotten, (Nord-Iren), der Deutschen -der Preußen, der Bayern-, der Italiener, der Franzosen- waren, denen sie sich im Laufe ihrer Geschichte immer stärker bewußt wurden , nicht zuletzt wegen der gemeinsam empfundenen Bedrohung von Außen, und die zu einer staatlichen Vereinigung geführt haben ? Und gibt es bezüglich dieser Gemeinsamkeiten möglicherweise eklatante Unterschiede zu den Völkern im sog. Nahen-Osten und u.a. auch in Afrika? Ich frage mich das. Ich kenne auf diese Frage keine mich überzeugnde Antwort.
2.
Zu bedenken ist zudem, wenn man Vergleiche ansellt, der Zeitraum, der nötig war, ehe es zu diesen "Einheitsstaaten" gekommen ist. Warum sollte das in anderen Teilen der Welt "schneller gehen"?
3.
Zu bedenken ist zudem, wenn man Vergleiche anstellt, daß diese "Einheitsstaaten" oft entstanden sind nach bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen. Warum sollte das in anderen Teilen der Welt "anders ablaufen"?

4.
Zu bedenken ist zudem, daß wir aktuell eine gegenläufige Entwicklung in Europa beobachten sh.Schottland, sh. Katalonien, sh. die Separierung Ex-Jugoslaviens. Und der Hass, der z.Teil zwischen den Völkern im ehemaligen Jugoslavien zu beobchten ist,………
Zu bedenken ist zudem, daß die Idee von den Vereinigten Staaten Europa, z.B. organisiert als föderaler Bundestaat nach US-Vobild, nicht nur wegen der Euro-Krise bei der Mehrheit der Menschen in Europa nicht mehr aexistent ist, sondern die Idee der nationale Separierung zu dominieren scheint.

Die Idee vom sog. Vielvölkerstaat ist auch für mich "die überzeugende", wenn es um Friedenssicherung/Friedensbewahrung zwischen den Völkern geht,aber sie eine, der widersprochen wurde -sh.z.B.US.-Präs.Wilson nach dem II.Weltkrieg ( "Jede Nation ein Staat, jeder Staat eine Nation") , der widersprochen wird und die in Europa eine Renainssance zu erleben scheint, auf die sich u.a. die Kurden immer wieder beziehen in ihrem Bemühen um Eigenstaatlchkeit.
Nur "räumlich/zeitlich" begrenzte Rückschlage in def Realität der Vielvölkerstaaten bzw. auf dem Wege dahin?

PS
…Korrektur im vorletzten Absatz:
"…der widersprochen wird und dieser Widerspruch scheint in Europa eine Renaissance zu erleben, auf…..

Walter, unter Geschichte verstehe ich einen weit zurückliegenden Zeitraum, nicht nur die letzten 100 Jahre, die eigentlich Zeitgeschichte sind.
Meist meint man damit "geschriebene Geschichte" Für das Europa nördlich der Alpen beginnt das bekanntlich später als für den Mittelmeerraum oder den Irak. Aber immerhin ist das lange genug, um da ein paar Schlüsse zu ziehen. Und auch die Zeiten davor sind archäologisch so weit erfaßt, daß man sagen kann, daß es überall viele Einwanderungswellen ganz unterschiedlicher Kulturen gegeben hat. In Britannien ist das bis heute noch deutlich an den dort gesprochenen Sprachen zu erkennen.
In Deutschland war das auch so. Karl der Große hat dann eine offizielle Sprache verbindlich eingeführt. Das Altdeutsche. Eine Sprache, die heutzutage niemand mehr versteht, weil Sprache lebt und sich dauernd verändert. Sehr zum Leidwesen der Traditionalisten.
Eine gemeinsame Sprache verbindet. Eine gemeinsame Religion auch. Darum haben die römischen Imperatoren auch in ihrem Herrschaftsbereich nur eine Religion zugelassen. Die anderen Religionen wurden verboten. Karl der Große hat diese römische Sichtweise übernommen und damit sein eigenes Imprerium leichter regierbar gemacht. Bei seinen Nachfolgern gab es also weder wegen der Sprache, noch der Religion untereinander Zoff, sondern aus Begehrlichkeiten wegen der Erbaufteilung. Der Streit war ebenso unerbittlich. Das große Imperium Karls wurde also wieder geteilt, und die Vorläufer Deutschlands, Frankreichs und die kleinen Länder dazwischen, die es noch heute gibt, entstanden. Die Markierungen der Enkel von Karl haben bis heute im Wesentlichen gehalten. Aber es gab vor Karl auch nichtgermanische Stämme in Franken. Das war lange unterbewertet worden, wird aber jetzt doch wieder unter einem mehr europäischem Blickwinkel stärker untersucht. Die Bevölkerung der fränkischen Schweiz z.B. sprach eine slawische Sprache. Das ist schriftlich belegt, und geht auch aus den Flurnamen hervor. Aber die Leute sprechen deutsch und sind genauso Deutsch, wie die Millionen Zuwanderer hier im Ruhrpott, deren Herkunft zu 90% aus anderen Ländern ableitbar ist. In allen mir bekannten Fällen von Abtrennungsversuchen haben aber die daran interessierten Herrschaften die oben beschriebenen Besonderheiten propagandistisch hervorgehoben, weil das eine erfolgreiche Strategie zu sein scheint, eigene Macht-und Eigentumsgelüste zu befriedigen. Mals ist es die Religion, mal die Sprache, mal ethnische Eigenheiten, mal historische Bezüge, die längst vergessen waren.
Manchmal gelingt es solchen interessierten Kreisen auch größere Anhängerschaften um sich zu scharen. Oft geschieht das in Zeiten von wirtschaftlich schwierigen Zeiten, deren Ursache im Sinne der Pläne dieser Rattenfänger umgedichtet wird. Und das ist auch heute der Fakt in vielen Fällen in der Welt. Ich denke, daß ungünstige wirtschaftliche Lage ein wichtiger Faktor ist um separatistischen Bestrebungungen Erfolg oder Mißerfolg zu bescheren.

@Helmut Junge

Zuerst mal waren es nicht nur die Briten, sondern auch die Franzosen, die aus der Konkursmasse des Osmanischen Reichs diese Kunststaaten geschaffen haben.

Was Britannien, Deutschland usw angeht. In denen gibt es zwar unterschiedliche Volksgruppen wie Schwaben, Schotten, Waliser und Friesen, aber die sehen sich als Teil des britischen bzw. deutschen Volks. Diese Einstellung ist im Nahen Osten kaum vorhanden. Da ist man zuerst Schiit, Sunnit, Kurde, dann diesem oder jenem Stamm zugehörig(Gadaffa, Tikriti). Die formale Nationalität kommt ganz am Schluss.

Was die Aussage angeht, dass unterschiedliche Ethnien friedlich zusammenleben und letztlich miteinander verschmelzen können, das ist möglich, wenn die betreffenden Ethnien dazu bereit sind. Innerhalb der europäischen Staaten klappte das schon vor vielen hundert Jahren, aber im Nahen Osten ist das nicht der Fall. Da wird ganz kräftig ethnisch gesäubert! Die Juden sind schon lange vertrieben, die Christen beinahe, jetzt schaffen Sunniten und Schiiten ethnisch reine Gebiete.

PS: Im Römischen Reich herrschte (fast) absolute Religionsfreiheit. Jeder durfte da nach seiner Facon selig werden, solange er den Imperator als oberste Instanz anerkannte. Das haben die frühen Christen nicht gemacht und nur deswegen wurden sie verfolgt.

Gerd, deine These wird auch in Albert Houranis "Die Geschichte der arabischen Völker" unterstützt. Die Dominanz von Familie, Sippe und Ethnie/Religion ist im Nahen und mittleren Osten bis heute auch in der Politik wirksamer als alle anderen Kriterien von Nation und Staatenbildung.

Arnold, @Gerd, die Babylonier haben von Babylon, (90km südlich von Bagdad) den nahen Osten einschließlich des heutigen Israel beherrscht. Danach haben die Perser ein Weltreich von Indien bis Ägypten mehr als 200 Jahre beherscht, bis sie von Alexander besiegt wurden, der seinerseits dem persischen Imperium noch einige Teile hinzufügten. Auch dieses Imperium hat 200 Jahre Bestand gehabt, bis die Römer einen großen Teil dieses Gebietes eroberten. Persien war nicht dabei. Jedenfalls haben die Römer ein halbes Jahrtausend über weite Teile Arabiens geherrscht. Nach der Zwischenepisode der Vandalenzeit, die Nordafrika von den Römern erobert hatten was Auswirkungen bis nach Arabien hatte, und dort mehr Freiräume schuf, kamen bald die Araber, die später von Mongolen und dann den Türken in der Herrschaft abgelöst wurden. Briten und Franzosen kamen nicht vor der Portugiesen, die sich ihre Stützpunkte am indischen Ozean erobert hatten. Rücksicht auf die Bevölkerung hat keines dieser Eroberervölker genommen. Aber die sind auch nie von einheimischen Aufständischen vertrieben worden.
Ich denke, daß diese langen Zeiten in denen Zentralmächte regierten zeigen, daß die Versuche Kleinstaaterei zu betreiben, immer nur Zwischenepisoden sind. Ich streite ja auch nicht ab, daß es diese Versuche gibt, und denke sogar, daß das religiöse Schisma der Schiiten mit der ethnischen Frage zusammenhängt. Es ist auch schwierig, Völker mit nomadischer Lebensweise, anders als die urbane Bevölkerung, wirklich zu kontrollieren.. Diese nomadische Lebensweise vieler Volksgruppen macht diese zu etwas ganz besonderem, und sie verhalten sich auch anders, aber diese Nomaden waren schon immer dort und haben sich nie an Grenzen gehalten. Immer wenn die jeweiligen Zentralregierungen schwach waren, drangen sie vor. Und das ist jetzt auch der Fall.

#8,

Helmut,

deine Beispiel stammen aus der Zeit bevor die Idee des Nationalstaats aufgekommen ist. Seitdem sind Vielvölkerstaaten bestenfalls instabil(Österreich-Ungarn, Europäische Union) oder lassen sich nur mit Gewalt zusammenhalten(UdSSR).

Mir scheint, daß es offenkundig nicht gelingt, mittels "unserer Auffassung" von dem, was eine Nation ausmacht, was einen Staat ausmacht, was die Menschen in einer Nation, in einem Staat zusammenhält und mit einem Rückblick auf die europäische Tradition von dem Enstehen eiiner Nation, von dem Entstehen eines Staates -nebst der Praktizierung in Nord- und Südamerika- dem nahezukommen, was Sippen und Stämme, was unterschiedliche Ethnien im Nahen-Osten, in Afrika und darüberhinaus -auch im sog. Fernen Osten- in einem Staat, in einem Staatsvolk (bisher) zusammengehalten hat, noch derzeit zusammenhält und zukünftig zusammenhalten könnte bzw., zusammenhalten sollte.

Insofern muß ich zudem registrieren, daß die von mir gelernte und gelehrte Unterscheidung zwischen Nation (Volk im natürlichen Sinne) und Staatsvolk -Volk im rechtlichen Sinne – und in der Folge die Unterscheidung zwischen einem Nationalstaat -Volk im natürlichen und Volk im rechtlcihen Sinne sind weitgehend deckungsgleich) und einem Nationalitätenstaat – das Staatsvolk besteht aus verschiedenen Nationen (Völkern im natürlichen Sinne) in die Irre zu führen scheint.

Insofern würde die Idee von der Existenz einer Nation -losgelöst vom dem rechtlichen Konstrukt enes Staates – fehlgehen.

Damit stellt sich dann die Frage nach einem anderen Warum eines Staates,, der Legitimation seiner Herrschaftsgewalt über Menchen in einem bestimmten (Staats-)Gebiet
Ist ein Staat in diesem Sinne nichts anderes als Mittel zum Zweck -"zwecks Durchsetzung von Interessen-?
Geht es bei dieser Interessengemeisnchaft um das Intersse einer großen Gemeinschaft von Menschen, das sich in demokratischen Prozesse bildet und äußert und übe und mittels solcher Prozesse umgesetzt wird oder geht es um das Interesse von Mächtigen, von solchen, die es derzeit snd, von solchen, die es werden wollen? Das hätte dann zur Folge, daß alle Staaten sehr fragile Gebilde sind, denn die Interessenslage, die Machtverhältnisse bezüglich der Durchsetzung von Interssen sind keine fixe Größe.

In diese meine Überlegungen paßt dann auch die Fragwürdigkeit des Postulates vom nationalen Selbstbestimmungsrecht.

Gibt es denn weltweit überhaupt einen gemensamen Nenner für die Bestimmung dessen, was eine Nation ausmacht, der "ein nationale Selbstbestimmungsrecht" zusteht?

Wie läßt sich rechtfertigen, daß die Staatengemeinschaft, daß die UN, daß die Merheit der einzelen Staaten nicht darauf bestehen, daß die Katalanen, die Schotten, die………. -u.a.eben auch die Kurden-, einen Rechtsanspruch auf die Realisierung ihres nationale Selbstbestimmungsrechtes haben, wohl aber einzelne Völker, Volksgruppen z.B. in Russland, in China, in……………

Und wie definieren die Ideologen des IS "Nation und Staat"? Geht es ihnen um Vergleichbares mit dem sog. Heiligen römischen Reich deutscher Nation, also um ihr Heiliges islamisches Reich arabischer Nation?
Helmut, müßte diesem Reich, diesem "Vielvölkerstaat" nicht dauerhafter Bestand zugerechnet werden, wenn, wie Du festsellst -sh.-8-abschließend-, es entscheidend -nur?- auf eine "starke Zentralregierung" ankommt, denn die dürfte das IS-Regime zu gewährleisten in der Lage sein.
Ob "uns" ein solches islamitsches Großreich, ein solcher islamischer Vielvölerstaasteht "mißfällt -aus ethischen Erwägungen, aus realpolitischen Interessen, "steht auf einem anderen Blatt".

Gerd, stimmt, meine Beispiele sind älter als die Idee von den Nationalstaaten. Ich weiß aber nicht, wieso das in den Überlegungen dieser diversen religiösen Guppen im Mittleren Osten eine Rolle spielen soll. Da müßtest Du noch Erklärungen nachliefern.
Meine Überlegungen haben übrigens durchaus eine Schwäche. Und die liegt darin, daß ich nicht erklären kann, wieso es nach 3000 Jahren Zusammenleben in Vielvölkerstaaten immer noch solch starke separatistischen Bewegungen gibt. All diese Völker haben immer wieder über Jahrhunderte zusammengelebt, wenn auch unter unterschiedlichen Herren. Und oft, wenn nicht jedesmal, wenn das übergeordnete Herrschaftssystem schwächelte, gab es solche Absetzbestrebungen, die aber dann, wenn die nächsten Invasoren eindrangen, wieder umgekehrt wurden.
Daß ich nicht erklären kann, warum es nach solch langer Zeit des Zusammenlebens immer noch nicht zur Verschmelzung der Völker gekommen ist, ist sicher DIE Schwachstelle in meinem Erklärungsversuch, aber die Reduzierung des Problems auf die Grenzziehungen der Briten und Franzosen kann auch nicht richtig sein, weil die nicht willkürlicher waren, als alle Grenzziehungen vorher. Wir müssen m.E. deshalb unter der Berücksichtigung dessen, was wir uns bereits erarbeitet haben, soziale Faktoren stärker berücksichtigen. Deren Entwicklung wird bei einer rückständigen Wirtschaftsform der Landbevölkerung von erheblicher Bedeutung sein.

"Ich weiß aber nicht, wieso das in den Überlegungen dieser diversen religiösen Guppen im Mittleren Osten eine Rolle spielen soll. Da müßtest Du noch Erklärungen nachliefern."

Ich bezog mich auf Europa. Die Gesellschaften im Mittleren Osten sind mit wenigen Ausnahmen vor-moderne Stammesgesellschaften, die garnicht in 'nationalen' Kategorien denken.

Ich gebe zu bedenken, dass auch die 'Kurden' keine homogene Ethnie, oder besser gesagt Volksgemeinschaft, sind, sowie keine einheitlichen politischen und kulturellen Werte verfolgen. Die Peschmerga sind aus taktischen Gründen westlich orientiert, das wars auch schon. Dass die kommunistischen Organisationen PKK und YPG (teils 'sektenähnlich' leninistisch eingestellt) hier bei den Ruhrbaronen so unkritisch wegkommen, verwundert mich jetzt etwas.

@John Matrix, "Dass die kommunistischen Organisationen PKK und YPG (teils ‚sektenähnlich‘ leninistisch eingestellt) hier bei den Ruhrbaronen so unkritisch wegkommen, verwundert mich jetzt etwas."
Es fing damit an, daß die USA zumindest die YPG als Bündnispartner ausgewählt hat und Deutschland zumindest indirekt über die Peschmerga Waffen liefert. Die YPG stellen die Bodentruppen für die USA in Syrien und darum ist das so.
Seitdem gelten sie fast allen Medien als auf der guten Seite stehend.
Übrigens kämpfen sie gegen den IS, der zur Zeit als Böse gilt. Wenn die Amerikaner diesbezüglich umdenken, es geht ja doch um Weltpolitik wo alles möglich ist, werden auch viele Medien mitziehen.
Es gibt aber Gründe, warum die Ruhrbarone einen solchen Schwenk nicht mitmachen würden.

-13-John Matrix
"ich gebe zu bedenken, daß auch die Kurden……."

Wenn "man" diesem Bedenken nachgeht, gelangt "man" relaiv schnell dazu, sich zu fragen, ob dieses Bedenken nicht auf alle "Volksgemeinschaften", auf alle Gemeinschaften, die sich als "Nation" verstehen, zu beziehen ist.

Und damit wäre ich wieder bei der von mir unter -10-angesprochene Grundsatzfrage angelangt, ob "unser" klassisches Verständnis von einer Nation a.) noch zeitgemäß , ob es b.)auf staatliche -(staatsähnliche?)Gebilde im Nahen-Osten und in Afrika überhaupt übertragbar ist, und insofern wäre eben u.a. zu fragen, ob mit unserem Verständnis von Nation und Staat eine Antwort auf die Frage nach dem Ob, dem Wie, dem Wann eines "kurdischen Nationalstaates" gesucht werden kann.

Damit wäre ich zudem wieder bei der Idee angekommen, die hier u.a. von Helmut Junge mehrfach vertreten wurde. ob nicht letztendlich ganz generell dem Staat das Wort zu reden ist, dessen Staatsvolk aus Menschen besteht, die zu verschiedenen Ethnien zählen, die verschiedenen Relgionen angehören, die unterschiedliche Kulturen pflegen, die möglicherwiese sogar verschiedene Sprachen sprechen.
Dass dieser Staat sich aus meiner Sicht zweckmäßigerweise als föderativer Bundesstaat zu organiseren hätte, sei ergänzend angemerkt. (Das ist u.a. meine Grundlage, wenn ich für die als föderalistischer Bundestaat zu organisierenden "Vereinigten Staaten von Europa" eintrete.)

Als ein Beispiel dafür, daß solche Staatswesen auch als Demokratien und nicht nur in Dikaturen funktionieren könnte, nenne ich Kanada, namentlich mit Blick auf die Zweisprachlichkeit und die unterschiedliche Kulturen und mit Blick auf die Minderheit der sog. Ureinwohner.

Dass es in solchen Staatswesen eine permanentes Spannugsverhältnis zwischen den verschiedenen "Volksgemeinschaften" gibt -sh z.B..Kanada- ist diesen Staaten wesensgemäß.Das daraus der politische Dauerstreit resultiert, ob der jeweilige Bundestaat seine föderale Ordnung zu Gunsten seiner "Gliedstaaten" ausbauen oder ehe einschränken sollte, ist ebenso einem solchen Staatswesen immanent; speparatisches Bewegungen eingeschlossen. Eine Zivilgesellschaft und ein demokrtischer verfaßter Staat (er)-tragen diese Spannungen und gehen mit ihnen zivilisiert und in demokratischen Prozessen um, ohne völlig frei sein zu können, von partiellen gewalttägien Auseinandersetzungen der Separatisten.

Aber……
wie beretis unter -10-selbstkritisch gefragt:

Wenn es Zivilgesellschaften in diesem "meinem" Sinne nicht, noch nicht gibt, wenn es an den materiellen Voraussetzungen für eine demokratische Staatsordnung mangelt, lassen sich dann diese Gedanken überhaupt auf Konfliktregionen wie die im sog. Nahen-Ostenund in weiten Teilen Afrika anwenden?

Oder muß man hier -bis auf Weiteres- das Enstehen von Staaten, die innere Verfaßheit von Staaten, den Untergang von Staaten, die Vereinigung unterschiedlciher Volksgemeinschafte -Nationen?- in einem Staat oder eben deren Separierung in Einzelstaaten nicht denjenigen überlassen, die derzeit über die Macht verfügen, eine Ordnung durchzusetzen, die ihren Interessen dient -Religionsführern, Stammesführern, Oligarchen welche Coleur auch immer und dabei stets die Interessen Dritter nie außerachtlasssend, z.B. die Interessen sog. globaler Akteure wie USA, Rußalnds, Chinas, Europam, denn die überdecken regelmäßig oftmals ihre sog.globaen Eigeninteressen, indem sie je nachdem, einen Vielvölersstaat fordern oder die Separation einer Volksgmeinschaft -sh.Kosovo- und diese Lösung dann "verkaufen" als die am besten den Menschen dienende.
.
In diesem Sinne erscheint es mir naheliegend, ja im Interesse der Menschen in der hier diskutierten Region geboten, wenn z..B. den Kurden in der Türkei, im Irak, in Syrien im System eines jeweils föderativen Bundesstaates ein Höchtsmaß an "regionaler Eigenständigkeit"zugestanden würde und eben nicht in der Bildung eines "kurdische Einheitsstaates" die Problemlösung gesehen wird.
Die Realiserung des mir naheliegend Erscheinendem hängt allerdings m.E., wie vorstehend skizziert, nicht davon ab. ob und wie sich die Zivilgesellschaften in der betr.Region positionieren und nicht davon , ob und wie "man" sich einem solchen Ziel in einem demokratischen Prozess annähern könnte, sondern davon, was die von mir umschriebenen "Mächtigen" in der Region und mächtige Dritte wollen. Darüber läßt sich weiterhin trefflcih spekulieren.

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