Gulnara surft auf der Deutschen Welle

Die Deutsche Welle Akademie arbeitet mit einer Partnerorganisation in Usbekistan zusammen, deren Leiterin Gulnara Babadschanowa in einem Hassfilm gegen Radio Free Europe zitiert wird. Die Deutsche Welle glaubt der Erklärung Gulnara Babadschanowas, dass ihr Interview aufgrund einer Täuschung in diesen Hassfilm gekommen ist und hält weiter zu ihr.  Zapp vom NDR hat dazu gestern einen Film gemacht: klack 

Am 18. Juli 2008 erhielt ich die Kopie eines usbekischen Filmes über „Radio Free Europe“.

Die Deutsche Welle Akademie arbeitet mit einer Partnerorganisation in Usbekistan zusammen, deren Leiterin Gulnara Babadschanowa in einem Hassfilm gegen Radio Free Europe zitiert wird. Die Deutsche Welle glaubt der Erklärung Gulnara Babadschanowas, dass ihr Interview aufgrund einer Täuschung in diesen Hassfilm gekommen ist und hält weiter zu ihr.  Zapp vom NDR hat dazu gestern einen Film gemacht: klack 

Am 18. Juli 2008 erhielt ich die Kopie eines usbekischen Filmes über „Radio Free Europe“. Er wurde in zwei usbekischen Provinzen am 9. und 10. Juni zur Primetime zwischen 20:30 – 21:30 ausgestrahlt, und danach nochmals in ganz Usbekistan. Der Film ist ein übler Hetzfilm gegen die Journalisten von Radio Free Europe, in dem die Journalisten wie Terroristen gezeigt werden. Die Adressen der Journalisten und ihrer Familienmitglieder werden genannt. Die Journalisten von Radio Free Europe leben im Exil in Europa, aber deren Familien wohnen überwiegend noch in Usbekistan. Radio Free Europe berichtet auf seiner Webseite ebenfalls über diesen Film unter dem Titel: State TV Threatens RFE/Rl Journalists, klack

Der Film ist eine direkte Bedrohung. Im August 2007 sendeten die usbekischen Provinzsender einen Hassfilm über den usbekischen Journalisten Alischer Saipow, der im benachbarten Kirgistan eine Zeitung druckte, die nach Usbekistan geschmuggelt wurde. Am 24.Oktober 2007 wurde Alischer Saipow mit drei Kugeln ermordet. Und es besteht kaum Zweifel, dass der usbekische Geheimdienst hinter diesem Mord steht.

Usbekistan ist ein brandgefährlicher Platz für Journalisten. Usbekistan steht bei der von Reporter ohne Grenzen herausgegebenen Rangliste der Pressefreiheit seit Jahren immer ganz unten. In diesem Jahr auf Platz 162. Den letzten Rang hat Eritrea auf Platz 173 inne.

In Usbekistan bekämpfen die Sicherheitsorgane jede Form einer unabhängigen Berichterstattung. Usbekische Journalisten werden getötet, außer Landes vertrieben oder ins Gefängnis geworfen. Usbekischen Staatsbürgern ist es seit 2006 verboten ohne vorherige Genehmigung des usbekischen Staates mit internationalen Medien zusammenzuarbeiten. So steht es auf der Webseite des usbekischen Außenministeriums, klack.

"Eine professionelle Tätigkeit eines Staatsbürgers der Republik Usbekistan als Vertreter eines ausländischen Mediens ist verboten, wenn er zuvor keine Akkreditierung des Außenministeriums der Republik Usbekistan erhalten hat und führt bei Verstoß gemäß der Gesetzgebung zur Strafverfolgung".

2007 wurden die lokalen Journalisten der Deutschen Welle in dem zentralasiatischen Land verfolgt. Diejenigen, die nicht außer Landes fliehen konnten, mussten sich öffentlich demütigen und verloren die Akkreditierungen. Am Mittwoch, den 19.11.2008, bestätigte ein Berufungsgericht in Usbekistan die 10jährige Gefängnisstrafe gegen den Journalisten Salidschon Abdurachmanow. Dem Journalisten wurden im Juni von der usbekischen Polizei Drogen untergeschoben und er wurde danach im Oktober zu 10 Jahren Haft verurteilt. Salidschon Abdurachmanow ist kein Drogendealer, sondern er hat gegen die oben beschriebene Verordnung verstoßen und ohne Genehmigung des usbekischen Staates für ausländische Webseiten und Radiostationen gearbeitet.

In dem Hassfilm gegen die Journalisten findet sich folgendes Interview von Gulnara Babadschanowa:

"Erstens gibt es einen entsprechenden Auftrag. Wir wissen, wer diese Aufträge erteilt. Zweitens gibt es die innere Position des Journalisten selbst, seine Denkweise, seine Meinung. Ich würde sogar sagen, dass einige diese Arbeit machen, um Geld zu verdienen. Ich glaube nicht, dass viele es aus persönlicher Überzeugung nur machen, weil sie dieser Ansicht sind. Ich habe auch mitbekommen, dass ein Journalist ins Mikrofon das eine und sonst etwas ganz anderes sagt. Das gibt es auch. Und drittens ist es womöglich einfach Sensationshascherei, Jagd nach brenzligen Fakten. Auch das kann einen Journalisten treiben, der so etwas tut. Die Konkurrenz nimmt im Informationsraum stets zu. Aber die alten, weltbekannten Stationen halten sich an die ethi-schen Normen. Diejenigen, die sich nicht daran halten, fallen (etwas unverständlich), weil sie ihr Ansehen verlieren. Die Leute werden solchen Stationen keinen Glauben schenken.“ 

"Ein Journalist stellt Fragen und bekommt Antworten. Er kann sie jedoch so zusammenschneiden, dass er einen ganz anderen Text bekommt, eine andere Färbung, einen ganz anderen Klang. Diese Methode wird von unehrlichen Journalisten genutzt, die im Auftrag arbeiten. Dafür, dass vieles gefälscht wird, gibt es eine Menge Beispiele. Ich wundere mich nicht, dass viele unserer Leute, unserer Journalisten, ich persönlich auch, sich weigern, Interviews zu geben, weil ich nicht weiß, was daraus wird. Da die neue Technik es erlaubt, das Gesagte zu ändern, den Sinn insoweit zu ändern, dass er um 180 Grad von dem abweicht, was ich gesagt habe.

Gulnara Babadschanowa ist nicht irgendwer. Sie leitet das In-Service-Training Center for Journalists“ in Usbekistan und das Institute ist auf der Webseite der Deutschen Welle als regionales Partnerinstitute der Deutsche Welle Akademie aufgeführt, klack.

Die Deutsche Welle Akademie bildet in einem Land, in dem Journalismus unter Strafe steht, in dem Journalisten verhaftet, bedroht und ermordet werden, in dem es keinerlei legale unabhängig veröffentlichte Meinung gibt, Journalisten aus. Allein dieser Umstand ist fragwürdig, da die Deutsche Welle in Zentralasien ohne weiteres nach Kirgistan oder Kasachstan ausweichen könnte. Das strategische Konzept, ausgerechnet in einem der schlimmsten Despotien weltweit Journalisten auszubilden, habe ich nie verstanden. Nicht nur ich. Auch in der Deutschen Welle selber stellen Kollegen hinter der Hand diesen Ansatz in Frage. Viele Kollegen dort verdrehen die Augen, wenn man über die Regimenähe Gulnara Babadschanowas spricht.

Und nun auch noch dieser Hassfilm. Seit dem 24 Juli frage ich die Deutsche Welle um eine Stellungnahme zu dem Auftritt Gulnara Babadschanowas in dem Film. Monate passierte nichts, trotz vieler Anmahnungen. Im Oktober interessierte sich die Zapp Redaktion vom NDR für die Angelegenheit, und wir machten dazu einen Film. Er wurde am Mittwoch, den 19.11.2008, gesendet. Und erst auf die Anfrage von Zapp hin meldete sich auch die Deutsche Welle zu Wort.

Die Deutsche Welle erklärte:

"Frau Babadschanowa hat sich im Telefonat mit der Deutschen Welle von diesem Film distanziert. Das erste staatliche Fernsehen habe sie anlässlich des internationalen Tags der Pressefreiheit (3. Mai) und des Tags der usbekischen Medien (26. Juni) interviewt und nur in diesem Rahmen habe sie sich geäußert. Dass das Interview in einem massiv gegen Radio Liberty gerichteten Film verwendet werden sollte, habe sie erst nach der Ausstrahlung erfahren. Ihre beiden Äußerungen zu denen sie inhaltlich nach wie vor stehe, seien durch die Konfektionierung völlig entstellt worden.

Frau Babadschanowa empfindet es als äußerst kritisch, dass in diesem Film in Usbekistan lebende Verwandte von Radio Liberty Mitarbeitern nicht nur namentlich genannt, sondern auch deren Adressen angegeben werden. Solche Methoden widersprächen der journalistischen Ethik, über die sie in dem Interview gesprochen habe. Sie bedauert die Ausstrahlung dieses Films.

Das Interview mit Frau Babadschanowa ist unter Vorspiegelung falscher Tatsachen zustande gekommen. Ihre Aussagen, die der Deutschen Welle in Übersetzung vorliegen, sind für sich gesehen vertretbar. Erst in Verbindung mit den übrigen Sequenzen des Films werden Richtung und Inhalt entstellt."

Deweiteren schreibt die Deutsche Welle: "Frau Babadschanowa arbeitete bisher ohne jegliche Beanstandung seitens der DW-AKADEMIE mit dieser zusammen."

Gulnara Babadschanowa wurde dem nach also Opfer des usbekischen Fernsehens. Dabei ist sie doch super vorsichtig."Ich wundere mich nicht, dass viele unserer Leute, unserer Journalisten, ich persönlich auch, sich weigern, Interviews zu geben, weil ich nicht weiß, was daraus wird", sagt sie doch selber im Interview

Aus diesem Satz, schließe ich, dass sie wohl nur selten ausgewählten und vertrauenswürdigen Sendern und Journalisten Interviews gibt und dazu gehört anscheinend auch das usbekische Staatsfernsehen, ein düsteres Propagandainstrument der usbekischen Despotie.

Und dieser usbekische Staatssender, dem Frau Gulnara Babadschanowa allen Anschein nach vertraut, denn sonst hätte sie ihm ja kein Interview gegeben, soll sie nun betrogen haben?

Der usbekische Journalist Khurmat Babadschanow(das der ebenfalls Babadschanow heißt, ist echt Zufall) von Radio Free Europe, der durch den Film bedroht wurde, traut diesem Dementi nicht und sagt gegenüber Zapp:

"Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass sie sich bewusst war, was sie sagte, gegen wen sich das Gesagte richtet. Natürlich hat sie nicht Radio Free Europe oder meinen Namen genannt, aber es ist klar, dass sie sich auf unabhängige und kritische Journalisten bezieht."

Können wir uns aber mal die Leichtgläubigkeit, schließen die Augen und glauben ganz fest, daß Gulnara Babadschanowa von dem usbekischen Fernsehen reingelegt wurde. Dann muss man festhalten, daß die Deutsche Welle es offenbar für vertretbar findet, dass in einem Land, in dem Journalisten getötet, verhaftet und gedemütigt werden, eine Leiterin des Partnerinstitutes der Deutsche Welle Akademie in einem Interview für den Tag der Pressefreiheit nicht über die Verfolgung von Journalisten in Usbekistan redet, sondern die potenzielle Fälschungsmethoden von unehrlichen Journalisten herausarbeitet und den Berufsethos von Journalisten anzweifelt.

Begreift die Deutsche Welle es wirklich nicht, dass die Pressefreiheit in Usbekistan nicht von „unehrlichen Journalisten“ bedroht ist, sondern von einem brutalen und zynischen Regime in Taschkent, das vor Folter und Mord nicht zurückschreckt? Natürlich kann Gulnara Babadschanowa so etwas denken und auch sagen. Aber mit solchen Aussagen dürfte sie sich wohl kaum für die Deutsche Welle Akademie als Partnerin qualifizieren.

Die Erklärung Gulnaras Babadschanowas, wie sie in den Hassfilm gekommen ist, weckt noch viele andere Zweifel. Die Geschichte von der Deutsche Welle und deren Nibelungentreue am Rhein zu dem Partnerinstitute in Usbekistan hat noch eine Fortsetzung…..

 

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