Der Zoo in Dortmund: Gefangen zwischen Tradition und Moderne

 

Im Dortmunder Zoo. Foto: Robin Patzwaldt
Im Dortmunder Zoo. Foto: Robin Patzwaldt

Der Dortmunder Zoo, welcher früher, noch etwas bescheidener, schlicht ‚Tierpark‘ hieß, ist für mich schon Zeit meines Lebens ein Ort wo ich mich gerne aufhalte.

Für mich repräsentiert er bereits seit vielen Jahren ein liebgewonnenes Stück meiner Heimat. Komme ich durch das Eingangstor in die Anlage, dann fühle ich mich fast wie bei einem Besuch bei Verwandten oder guten Freunden. Und ein Besuch dort ist inzwischen für mich auch ebenso mit sehr vielen schönen Erinnerungen an frühere Zeiten verbunden.

Bereits Anfang der 1970er-Jahre, damals wohnten wir mit der Familie noch in Dortmund, haben mich meine Eltern mehrmals im Jahr dorthin gebracht. Es entstand im Laufe der Jahre langsam eine feste Tradition, die bis in die Gegenwart anhält.

Auch heute, mit Anfang 40, kehre ich immer noch gerne und regelmäßig dorthin ‚zurück‘. Mindestens zwei Mal im Jahr, einmal im Frühjahr, einmal im Herbst, das muss irgendwie so sein. Und dabei spielte es über die Jahre auch gar keine Rolle ob ich gerade in Frankfurt oder Münster gearbeitet habe.

Inzwischen komme ich allerdings naturgemäß nur noch recht selten zusammen mit meinen Eltern, häufiger begleite ich inzwischen meine beiden kleinen Nichten in den Dortmunder Zoo. So ist halt der Lauf der Zeit.Zoo 10

Was ich am Dortmunder Tierpark bzw. Zoo in all den Jahren immer schon besonders geschätzt habe, das war die gewachsene Parkstruktur, die schönen, alten Pflanzen, die Gemütlichkeit und Ruhe welche die Anlage im Ganzen ausstrahlt.

Meine beiden Nichten (9 und 12 Jahre alt) finden die Anlage allerdings inzwischen leider eher ‚öde‘, wie sie mir bei unserem letzten Besuch in dieser Woche noch ganz aktuell erzählt haben.

Kinder und Jugendliche heutzutage sind offenbar deutlich schwerer zu begeistern als ich in den 1970-er Jahren. Der Vergleichsmaßstab ist offenbar inzwischen aber auch ein ganz anderer. Während ich früher als Kind einfach froh war mal ein paar exotische Tiere aus der Nähe zu sehen, ist die heutige Jugend offenbar im vergleichbaren Alter bereits deutlich ‚verwöhnter‘. Was mich als Kind begeistert hat, ist für die beiden jungen ‚Damen‘ in meiner Begleitung im Jahre 2013 nur noch ein ‚alter Hut‘.

Und so hat sich die Konkurrenzsituation für den Dortmunder Zoo inzwischen eben auch deutlich zu dessen Ungunsten verändert.

Zoo 9Meine Nichten z.B. schwärmen vom Allwetterzoo Münster, von der neuen Anlage in Gelsenkirchen, waren schon in den Zoos von Wuppertal, Köln, Duisburg usw.. Überall sei deutlich mehr los für Kinder als in Dortmund, sagen sie.

Auch ich kenne diese Anlagen, habe in den letzten 40 Jahren so einige zoologische Gärten gesehen, komme aber immer noch am liebsten nach Dortmund zurück, da es für mich eben ein Stückchen eigene Jugend und Kindheit ist, wenn ich dort mal wieder meine ca. 2 stündige Runde drehe.

Diesen Vorteil hat Dortmund bei meinen Nichten allerdings nun nicht mehr. Diese Generation ist mobiler und hat von der Welt offenkundig auch schon deutlich mehr gesehen als ich früher.

Wenn man das mal berücksichtigt, dann wird einem auch rasch ziemlich klar, warum der Dortmunder Zoo in den letzten Jahren häufiger von schlechten Besucherzahlen berichten musste.Zoo 1

Da helfen auch die zuletzt neu errichteten Gebäude wie das ‚Affenhaus‘ und das Nashornhaus nicht wirklich. Klar, der Zoo bietet in diesen Bereichen nun etwas mehr als zuvor, auf Augenhöhe mit den Zoos der Nachbarschaft bringt ihn dies allerdings nun auch nicht gerade.

Es scheint, als müssten sich die Verantwortlichen mal grundsätzlich entscheiden, wo die Reise in den nächsten Jahren hinführen soll. Will man ein gemütlicher Park mit einigen Tieren sein, in den man mal kurz und auch günstig gehen kann, oder will man die inzwischen entstandene große Lücke zu den Konkurrenzanlagen wirklich mit Macht wieder schließen, Kindern und Jugendlichen etwas Aufregendes bieten, etwas was sie wirklich begeistert?

Solange man hier keine Grundsatzentscheidung getroffen hat, sich nicht wirklich festgelegt hat, welchen Weg man denn nun konsequent bestreiten will, solange kommt der Zoo aus der entstandenen Zwickmühle zwischen Tradition und Moderne wohl auch nicht heraus. Und solange wird er dann auch weder in der einen, noch in der anderen Richtung eine Erfolgsgeschichte werden.

Zoo 3Denn für die ‚Traditionalisten‘, so wie mich, die hier gerne mal einen schönen Spaziergang machen, wird die Sache auch langsam etwas zu teuer (2 Erwachsene und 2 Kinder bezahlen inzwischen als ‚Kleingruppe‘ immerhin stolze 20 Euro), während die Kinder und Jugendlichen sich allzu häufig eher gelangweilt wegdrehen, und so wie meine beiden Nichten am Dienstag, schon nach knapp 60 Minuten leicht genervt fragen werden, wann es denn endlich wieder zurück nach Hause geht.

Keine leichte Aufgabe für die Planer des Dortmunder Zoos. Nur den bisher eingeschlagenen ‚Mittelweg‘ den sollten sie möglichst rasch wieder verlassen, denn sonst wird auch mir der Dortmunder Zoo für einen Spaziergang durch die eigene Kindheit bald zu teuer. Da helfen dann auch die süßen Tierbabys, welche hin und wieder (so wie zuletzt in dieser Woche das niedliche Giraffenkalb) für einen kurzfristigen Extra-Ansturm an Besuchern sorgen werden, auf Dauer nicht weiter.

 

 

(Alle Fotos: Robin Patzwaldt; zum Vergrößern doppelt anklicken)

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4 Kommentare

“2 Erwachsene und 2 Kinder bezahlen inzwischen als ‚Kleingruppe‘ immerhin stolze 20 Euro”.

Stolze 20 Euro für 4 Personen also. Herr Patzwaldt, schon mal die Preise anderer Zoos angeguckt? In Herne-West kostet die Karte 17,50 Euro, in Hannover sogar 25 Euro. Für eine Person, nicht für eine vierköpfige Familie. Der Dortmunder Zoo ist nicht zu teuer, sondern zu günstig.

Wie es mit dem Dortmunder Zoo weitergehen könnte, ist hier nachzulesen:

https://dosys01.digistadtdo.de/dosys/gremrech.nsf/%28embAttOrg%29/C989424C7DE0A6C5C12579F3003A98F6/$FILE/Anlagen_06435-12.pdf?OpenElement

@Dortmunder: Natürlich ist es z.B. auch in Münster deutlich teurer. Aber dort wird einem mit Kindern aber auch ganz etwas anderes geboten. Da kann Dortmund mit den vielen anderen, häufig inzwischen deutlich moderneneren Anlagen eben heutzutage nicht (mehr) mithalten. Und 20 Euro sind für einen Spaziergang mit ein paar Tieren, wo mich meine Nichten schon nach ca. einer Stunde darum bitten doch bitte wieder nach Hause zu fahren, dann eben doch ziemlich teuer. Das ist die Lage die ich hier zu beschreiben versucht habe. Für die Zukunft: Entweder ein schöner, alter Tierpark mit allerdings recht wenig Attraktionen, dann wieder deutlich günstiger beim Eintritt, oder eben zukünftig auch modern und spektakulär. So irgendwo in der Mitte ist es, aus meiner Sicht, problematisch. Ich empfinde den Zoo von Dortmund da inzwischen, bei aller persönlicher Verbundenheit, als wirkliche Attraktion (auch und gerade für Kinder) deutlich zu schwach, als netten Spaziergang aber inzwischen zu teuer….

Also 20 € sind heute leider wirklich nicht gerade viel für einen Zoo – und das ist und bleibt die Anlage. Spazieren gehen kann man in reinen Parks auch umsonst aber da wird es einigen Kindern schon nach 5-10 Min langweilig…

Ansonsten ist es aber wirklich eine gute Frage wo es mit den Zoos/ diesem Zoo hingehen soll. Muss es so innovativ und damit auch teuer werden (mit Blick auf die vermeintlich technik-verwöhnte oder natur-entwöhnte Jugend), oder wäre weniger mehr (mit Blick auf Familien)? Ich denke nicht unbedingt, dass alle Kinder Zoos wie den in Dortmund öde finden. Aber in zeitgemäße Anlagen (aus Sicht der Tierhaltung) sollte man schon setzen und hier und da auch den Besucher noch mehr ansprechen. Das kostet nicht immer Unsummen wie peppige Kunstfelslandschaften mit Deko-Elementen aber kann schon einen Unterschied machen.

@Paul B. aus M: Und genau dieses Konzept vermisse ich ja. Zwar gab es eben in Dortmund in den letzten Jahren unübersehbar ein paar Bemühungen durch neue Tierhäuser an Attraktivität zu gewinnen, in der Praxis hat sich jedoch nur der Eintrittspreis verdoppelt. Auch die neuen Häuser hinken den Zoos in der Umgebung noch deutlich hinterher, was die Attraktivität betrifft.
So wird es also wohl nicht gelingen den Dortmunder Zoo zu einem Highlight unter den Anlagen der Gegend zu machen.
Und 100.000 verlorene Besucher jährlich, wie die Zahlen von ‚Dortmunder‘ in #1 zeigen, sprechen da ja auch eine ganz klare Sprache.
Und noch kurz am Rande bemerkt: Auch wir haben familienintern schon beschlossen beim nächsten Mal lieber wieder nach Münster (natürlich ist das dort teurer, aber auch deutlich größer und eben viel schöner für Kinder) und dann auch bald noch mal in den Aquazoo nach Düsseldorf zu fahren.

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