Der Westverbund der ‚Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte‘ (BAG) fordert Dialogbereitschaft der Politik mit den Fußball-Fans ein

Das Stadion der Gelsenkirchener. Quelle: Wikipedia Foto: Friedrich Petersdorff Lizenz: cc
Das Stadion der Gelsenkirchener. Quelle: Wikipedia Foto: Friedrich Petersdorff Lizenz: cc

Die in letzter Zeit vermehrt umstrittenen Polizeieinsätze in Fußballstadien bewegen weiterhin die Fanszene im Lande.

Nun tritt auch die ‚Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte‘ (BAG) mit ihrem Westverbund in die Öffentlichkeit. Ihre Sprecher rufen die Politik zu einem verstärkten Dialog mit den Fans auf:

„Letzte Woche stand die Fußballkultur wieder im öffentlichen Fokus.

Beim Europapokalspiel Schalke 04-PAOK Saloniki gab es einen massiven Polizeieinsatz, der einige Verletzte forderte, darunter sogar in einem Fall lebensgefährlich.

Hintergrund dieses Einsatzes war eine Nationalflagge Mazedoniens, welche beim griechischen Anhang nach Einschätzung der Polizei zu schwersten Ausschreitungen hätte führen können. Der Polizei Gelsenkirchen wurde durch die PAOK Saloniki Fans und durch die griechische Polizei die Empfehlung gegeben diese Flagge zu entfernen, sonst würden Platzsturm und Spielabbruch sowie Verletzte drohen.

Für die BAG der Fanprojekte ist es in keinster Weise nachvollziehbar, welche kausalen Zusammenhänge die vor Ort agierenden Sicherheitskräfte zu solch drastischen Maßnahmen bewogen haben mögen, dass man die Verletzung von Ordnungskräften sowie von Unbeteiligten, darunter auch Rettungskräfte und mehrere Kinder, billigend in Kauf nimmt.

Nach zahlreichen Augenzeugenberichten war die von den Einsatzkräften gewählte Maßnahme nicht im Ansatz verhältnismäßig und ist deshalb auf das Schärfste zu verurteilen. Die daraufhin von den Polizeiverantwortlichen veröffentlichten Presseerklärungen, welche nicht mal im Ansatz auf die durch diesen Einsatz verletzten Personen eingeht, grenzt an Ignoranz und Respektlosigkeit vor den Betroffenen und deutet zudem auf Unwillen oder gar Unfähigkeit zur Selbstkritik hin.

Im diesem Zusammenhang muss festgestellt werden, dass sich in NRW, aber nicht nur dort, die Polizeieinsätze gegen Fans bzw. Fanszenen in einem augenfälligen Ausmaß verschärfen. Auch die Maßnahmen gegen vermeintlich kriminelle Fußballfans werden zunehmend drastischer, Hausdurchsuchungen scheinen mittlerweile zum üblichen Repertoire der Gefahrenabwehr zu gehören.

Auch erscheinen die Umstände in der fünften Liga, wo der Wuppertaler SV nun ausschließlich Heimspiele austragen soll, weil die ZIS mit Gewalttäter-Zahlen operiert, die selbst Vereinsoffizielle nicht bestätigen können und wollen, als kaum noch seriös recherchiert. Dort wird die gesamte Niederrhein-Liga einem polizeilichen Sicherheitsdenken unterworfen, welches einem noch vernünftig zu realisierenden Spielbetrieb sowie einem verhältnismäßigen Sicherheitsanspruch im Wege steht.

Die BAG hält all diese Vorgehensweisen ebenso wie die in Gelsenkirchen, Dortmund und anderswo getroffenen Maßnahmen für komplett ungeeignet, nicht nur im Hinblick auf diese konkreten Fälle, sondern auch im Sinne eines von allen eingeforderten gewaltpräventiven Ansatzes.

Wir fordern hiermit den zuständigen Innenminister auf, sich ganz klar hinter rechtsstaatliche Grundsätze zu stellen, auf Dialog statt auf Eskalation zu setzen und nicht zuletzt auch die Verantwortlichen in die Pflicht zu nehmen.

i.A.

Ralf Zänger / Ole Wolff

BAG WestSprecher“

1 Kommentar

[…] Best of… Rainer Wendt (david-schmitz.net) – Rainer Wendt (Deutsche Polizeigewerkschaft) ist immer wieder mal für einen Spruch gut, wie sich hier zeigt. Siehe auch HSV Supporters Club erklärt Vorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft zur ''Persona non grata'' und Westverbund der Bundesarbeitsgemeinschaften der Fanprojekte (BAG) fordert Dialogbereitschaft. […]

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