Der Tag der Befreiung in Duisburg – gegen Duigida und populistische Parolen im Stadtrat

Duisburg, 8. Mai, spätnachmittags. Der Tag der Befreiung

Duispunkt am Tag der Befreiung vor dem Hauptbahnhof (Bild: Mupfl)
Duispunkt gegen Duigida am Tag der Befreiung vor dem Hauptbahnhof (Bild: Mupfl)

Gestern ist heute: Erbittert erörtert der Stadtrat auf seiner Sitzung im neogotischen Rathaus, verhandelt wird eine Schicksalsfrage. Diese historische Debatte wird in die Annalen der sterbenden Eisenhüttenstadt eingehen. Vor 72 Jahren endete der rassistische Vernichtungskrieg der Nazis mit der Kapitulation der deutschen Wehrmacht.

Und in Duisburgs Mitte – beschliesst man ein Alkoholverbot in der Innenstadt.

Die kommunale grosse Koalition von SPD und CDU befleissigt sich kurz vor der nordrhein-westfälischen Landtagswahl am nächsten Sonntag populistischer Parolen: Ein „Angstraum“ (SPD-Fraktionsvorsitzender Herbert Mettler) müsse endlich terminiert werden. Vertreibung wäre das Gebot der Stunde, es störe eine „Trinkerszene“ die öffentliche Ordnung. Doch die schnöde Wahrheit ist: Das Problem ist riesig aufgebauscht. Und rund ein Dutzend Alkoholkranke werden sich demnächst von Duisburgs zentraler Einkaufsstrasse aus einen anderen Treffpunkt suchen müssen.

Dieweil versammeln sich an der Ostseite des Hauptbahnhofes circa 70 junge Leute zu einem Stadtspaziergang.

Der Tag der Befreiung müsse „gegen jede geschichtsrevisionistische Vereinnahmung verteidigt werden“, sagen sie. Und besuchen auf ihrer anderthalb Stunden währenden Demonstration geschichtsträchtige Orte in der Innenstadt, das Mosaik der Stolpersteine vor den Eingang weist den Weg: 2002 wurde die kupferne Intarsie im Rahmen der jüdischen Kulturtage eingepflastert, sie zeigt diverse Orte, die an das Schicksal von Verfolgten des Nationalsozialismus erinnern. Angesteuert werden etwa das Landgericht, das Areal der ehemaligen Synagoge und das Gewerkschaftshaus.

Dann schliesst sich der Aufzug einer Kundgebung an – der Standdemonstration zweier Bündnisse gegen Rechts.

Denn heute, immer wieder Montags, erwartet Duisburg zum 70. Mal Duigida. Am anderen Haupteingang des Hauptbahnhofes. Ein eingespieltes Ritual: Die Rechten geben Deutschlandfahnen aus, sie schwingen wirre, freie Reden, marschieren einmal um den Block, singen die Nationalhymne und schwirren ab. Sie werden immer weniger, heute Abend sind es rund 50. Rund ein Jahr traf sich das Häuflein Ottos wöchentlich in Duisburg, jetzt reicht die Mobilisierungsstärke nur noch für monatliche Veranstaltungen.

Duigida am Tag der Befreiung in Duisburg (Bild @Infozentrale)
Duigida am Tag der Befreiung in Duisburg (Bild @Infozentrale)

Was bleibt, sind ihre wirren Reden. Man hat schon viel gehört in Duisburg bei Duigida, doch heuer schiesst die ultrarechte Christin Heidi Mund den Vogel ab, in Frankfurt am Main ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen die Politaktivistin wegen Volksverhetzung. „Wir werden Deutsche sein, solange die Erde existiert“, betet sie nun ihren Jüngern vor und fordert Bibeln für alle.

Dagegen macht ne Combo höchst säkulare Tanzmusik im Polkarythmus – die Resistanzen2. Denn in Hörweite hat sich der Duispunkt versammelt, eine eher feierfreudige Gegenveranstaltung gegen das hiesige Duigidaritual. Die Bühne wurde von einem SPD-Bezirksvertreter aufgebaut, sie stammt aus Stadtbeständen, die Musik wurde von Konzertveranstaltern gebucht. Die Linkspartei spendiert Tee, die Jusos bieten pappige Semmeln feil, die Grünen schwenken froschfarbige Banner.

Ja, ist denn diese Sause überhaupt politisch? Doch, ist sie: Der Duispunkt will mit dem hedonistischen Sound seiner Demonstration Verständigung und Völkerfreundschaft betonen. Die Generation der Jack-Wolfskin-Träger, etliche Kommunalpolitiker darunter, neigt altersbedingt nur zum Schwoofen. Rund 200 Menschen der bürgerlichen Linken vermochte Duispunkt zu mobilisieren.

Und nur wenige hören abschliessend den rituellen Reden der Linkssektierer zu, „Duisburg stellt sich Quer“ nennt sich deren Bündnis. Im schwäbelnden Hautgout der MLPDler wird die Kommunistenfeindlichkeit als Weltübel beschworen, auch eine DKPlerin redet irgendwas.

Das war der Tag der Befreiung in Duisburg: Keine besonderen Vorkommnisse – bis auf die populistischen Parolen aus dem Rathaus.

1 Kommentar

Der Antikommunismus ist die "Grundtorheit unserer Epoche" soll ein gewisser Thomas Mann in meinem Geburtsjahr gesagt haben, nun ja. Er ist sozusagen der leibhaftige Marxseibeiuns für im Klassenkampf gestählter Kommis. Nur haben die sich als Vorhut und Erzieher der Arbeiterklasse verstehenden Klassenkämpfer bis heute nicht verstanden, dass für den Antikommunismus in erster Linie Lenin, Stalin, Mao u.a. "Führer" der kommunistischen und Arbeiterparteien links von der Sozialdemokratie verantwortlich sind und erst in zweiter Linie deren politische Gegner. In Anlehnung an den Köln/Leverkusener Schneemann Daum kann man sagen: Im Kommunismus wäre alles gut, gäbe es die Kommunisten nicht.

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