Der Ruhrpilot

WDR-Inendant Tim Buhrow © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)


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10 Kommentare

"Was der Islam gebracht hat…"
Der Artikel stellt manches in notwendigerweise richtig. Ergänzend kann man noch anmerken, die Universität von Bagdad, über die ganz wesentlich Wissen der griechisch-römischen Antike in die muslimische Welt vermittelt wurde, ist eine nestorianische, also christliche Gründung.

Interessant ist die Unfähigkeit des Autors das ambivalente Wechselspiel zwischen Religion (die er nicht von Kirche unterscheiden kann) und "Wissenschaft" (etwas das im engeren Sinne erst im Zuge der Aufklärung erfunden werden mußte) zu rationalisieren. Eine vergleichbare Rationalisierungsleistung gelingt hingegen bei der Darstellung der politischen Verhältnisse zwischen Byzanz und Venedig oder Fränkischem Reich.
Auch bei der Frage ob Wissen christlich oder muslimisch sein kann, macht er es sich etwas einfach. Wissen und Rezeption von Wissen findet in soziokulturellen Räumen statt. Genderwissenschaften sind genau wie rassistische Evolutionswissenschaft von einem sie tragenden Umfeld abhängig. Das hätte dem Autor auch der Fall Galileo verdeutlichen können, der weniger wegen seiner "Irrlehren" verknackt wurde, wie die Inquisitionsprotokolle zeigen, sondern wegen Majestätsbeleidigung in einer Welt von der behauptet wurde, die irdische Ordnung sei ein Abbild der himmlischen.
Der Widerruf des heliozentrischen Modells, das zeitgleich beteits an Jesuitenhochschulen gelehrt wurde, war mehr Kollateralschaden als alles andere. (Daß die von Galileo behaupteten Kreisbahnen der Planeten obendrein schon damals beweisbar falsch waren, was Galileo selbst, dank der ihm bekannten Zahlen von Kopernikus, bewusst gewesen sein muß, ist ein Treppenwitz der Geschichte obendrein.) Pech für Kopernikus, weil Galileo auf "dicke Hose machte" konnte er später nur incognito veröffentlichen, was der Kopernikanischen Wende dennoch kaum den Drive nahm.

Wolfram, was ist eigentlich deine " rassistische Evolutionswissenschaft" genau?
Du hast diesen Ausdruck mindestens bereits einmal vorher benutzt. Damals habe ich mich schon gefragt, was das sein soll.
Die von Darwin verwendete Formulierung the fittest" heißt exakt die an die jeweilige Umgebung bestens angepaßten (Individuen.) Daran könnte sich eigentlich keine rassistische Auslegung andocken. Nur wenn jemand "the fittest" mit der "Stärkste" bewußt oder unbewußt falsch übersetzt, kann das gelingen. Aber das wäre dann ja keine Wissenschaft. Weil dir das klar sein wird, frage ich mich jrtzt wiederholt, was du meinen könntest.

Es gibt insbesondere im angelsächsischen Raum eine ungebrochene Tradition rassistischer Deutungen der Evolutionstheorie. Die erklärt u.a. warum man wegen seiner hochnotwohlgeborenen britischen Herkunft schon aus biologischen Zuchtwahlgründen in der City die Einkommen generiert, die einem NATÜRLICH zustehen. Auch der Schwarz-Weiß Rassismus wird in letzter Zeit gerne mit Neandertalererbgut begründet.
Und spätestens seit Dawkins Einlassungen zu Ahmed Mohamed (der Junge der wegen einer selbstgebastelten Uhr als Bombenbauer verhaftet worden ist) müssen auch seine Fans erklären, wieso sie glauben er sei kein Rassist (der Junge als Lügner und Agent Provocateur Teil einer muslimischen Verschwörung).

Jetzt wirst Du wahrscheinlich, auch nicht falsch, einwenden, das wäre gerade keine Wissenschaft. Wissenschaft ist aber zunächst mal Methode. Es gibt Leute die beherrschen sie und die anderen gibts auch zuhauf und tun so als würden sie sie betreiben. Letztere kann man natürlich ausschließen, das ist aber nicht viel anders als das, was im Umgang mit Religion zubeobachten ist. IS ist kein Islam und Hexenverbrennungen haben nichts mit dem Christentum zu tun. Haben sie natürlich doch, so wie Fusch am Bau mit Bauhandwerk zu tun hat.
Genauso hat la terreur mit der Aufklärung und der wissenschaftliche Sozialismus und auch die in ihrer Zeit hochmoderne Rassenlehre etwas mit Wissenschaft zu tun. Das von sich zu weisen ist bestimmt richtig, so zu tun, das hätte nix mit einander zu schaffen, ist Wunschdenken.
Konkret im Umgang mit Wissenschaft steht die Frage nach einem szientistischen Wissenschaftsverständnis im Raum.
Bei Religionen würde man von bekloppt und gemeingefährlich reden.

Wolfram, dieser Sozialdarwinismus oderSpencerismus hat mit Evolution nichts zu tun. Bei der Evolution geht es um Vermehrung. Und bei den Sozialdarwinisten eben nicht. Wenn deren "Philosophie" stimmen würde, hätte sich deren feine Supereleite ja die Mehrheit auf dem Planeten sichern müssen. Aber hat sie nicht. Folglich ist es Quatsch und keine Wissenschaft und hat mit Evolution nichts zu tun. Es wäre angebracht, wenn du sie nicht unter dieser Bezeichnung nennen würdest.

Sie verbuchen sich selbst in dieser Kategorie und von der "echten" Evolutionswissenschaft erfolgen bestenfalls halbherzige Abgrenzungen.
Außerdem geht es nicht nur um Sozialdarwinismus (Schwarz-Weiß-Rassismus ist schon noch was anderes).

Ich halte es immer noch für notwendig die Scharlatane als Teil des Wissenschaftsbetriebs zu bezeichnen, weil sie es sind. Das Sein weicht in nicht akzeptabler Weise vom Soll ab.
Ähnliche Diskussionen könnten wir übrigens auch über Hirnforschung, Ernährungswissenschaft oder dem beliebten Gender führen.

Wolfram, der Mensch fittet sich an. Er bringt sich in die Form, die das Überleben und damit die Fortpflanzung garantiert. Und um die Fortpflanzung geht es bei der Evolution. Es geht nicht darum, ob sich jemand für besser hält, sondern darum, ob es ihm gelingt, sich fortzupflanzen, Darwin hat das so gesehen. Wenn Leute wie Spencer und ähnliche , das umdrehen, ist es falsch, wenn deren Verdrehungen mit dem Namen Darwin in Verbindung gebracht werden. Einmal Darwin zuliebe, aber auch, weil es zu Verwirrungen führt. Kreationisten, die die Evolution im Ganzen ablehnen, haben den Trick mit der Verwirrung besonders gut drauf.

Versuchst Du mir die Evolutiontheorie zu erklären? Brauchst Du nicht, für meinen Biotechniker mußte ich auch 4 Semester Bio und Biochemie belegen.
Aber vielleicht wird es so etwas deutlicher:
1. Die Origins von Darwin erklären, abweichend von deinen Beschreibungen und wie der Titel der Veröffentlichung auch sagt, die Entstehung von Arten.
2. "Evolution" im Sinne der Biologie ist der Prozeß, der das beschreibend erklärt.
3. Leider ist von Biologen der Begriff der Evolution aufgeweicht worden. Zur Zeit werden mindestens ein Dutzend seriöse und bestimmt zwei Dutzend unseriöse Definitionen von Evolution verhandelt. Der hauptsächliche Gund für die unterschiedlichen Definitionen ist das Verständnis von "Art". Es kann aber auch nur eine Verhaltensänderung sein.
4. Hier schon paßt übrigens auch Spencer ins Spektrum, leider.
5. Gehört zum wissenschaftlichen Arbeiten eine klare Definition der verwendeten Begriffe. Wenn sich die Biologie da nicht einigen kann, ist das nicht unproblematisch aber auch kein Beinbruch. Ein Biologe der nicht klar macht, welchen Evolutionsbegriff er verwendet, arbeitet aber bereits unwissenschaftlich (und macht ggfs. Spencer anschlußfähig).
6. Und erst hier kommen die von dir heißgeliebten Kreationisten ins Spiel. Der schlampige Umgang mit Begriffen, der dann auch komplexe kulturelle Techniken in mehr affirmativen den kausalen Bezügen auf genetische Grundlagen zurückzuführen sucht, hat die Kreationisten erst auf den Plan gerufen. Und nebenbei völlig unnötig die argumentativ offen Flanke eröffnet.

Wolfram, alles klar. Du hast übrigens die Epigenetik nicht erwähnt. Deren Anteil ist überhaupt noch nicht geklärt, wird sogar von vielen Biologen bestritten.
Artengrenzen wurden bisher definiert, jetzt aber erst erforscht.
Aber ich sehe, daß wir in dieser Frage nahe beieinander sind.
Sorry Wolfram, ich wollte herausfinden, ob du nicht doch heimlich ein Kreationist bist. Bist du aber nicht. Darum hab ich es versucht, war aber noch nicht so weit, muß auch nicht weitermachen, weil du mir die weiteren Stunden erspart hast.

Die Fähigkeit sich trotz widriger Umstände zu vermehren. erfüllen nur wenige Individuen einer Art. Bei Tieren ist das meist genetisch bedingt, was dazu führt, daß über den Selektionsdruck allmählich oder vielleicht sogar schnell, neue Varianten dieser Art entstehen. Wie das abläuft ist nicht wirklich erklärt. aber der Prozeß läuft so ab. Wann eine neue Art entstanden ist, ist unklar. Auf jeden Fall ist die Fähigkeit zur Vermehrung die absolute Voraussetzung. Beim Menschen gibt es auch Evoltion, aber da der Mensch über Fähigkeiten, sich über Hilfsmittel wie Kleidung oder Waffen an neue Umstände anzu passen (anzufitten), ist der Selektionsdruck sehr viel kleiner. Was genau Intelligenz ist, ist auch unklar. Sicher aber ist, daß weder Hautfarbe noch Schädelform dafür als Maßstäbe genommen werden können. Als der hochgelobte Homo Sapiens Asien erreichte traf er dort auf Menschen, die diesen Weg schon eine halbe Million Jahre vor ihm gefunden hatten, wie Homo Erectus mit flachem Schädel und nach bisheriger Auffassung genau deswegen weniger intelligent. Die Vermischeung untereinander zeigt aber, daß es keine andere Art war. Es dauert halt lange bis Vorurteile abgebaut sind.

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