Der Mut zum Alkoholverbot in Innenstädten ist beeindruckend

Ein Bild des Bösen: Alkohol in öffentlichen Räumen. (Foto: Sebastian Bartoschek)

Erst Herne, jetzt Duisburg: Das Alkoholverbot in Innenstädte ist eine Idee, an der Kommunalpolitiker zunehmend gefallen finden. OK, wer keine Ideen hat, wie er die Lage seiner Stadt verbessern kann der verbietet gerne mal etwas, in der Hoffnung, die simulierte Handlungsfähigkeit könnte ein paar Wähler beeindrucken.
Aber mit dem Alkoholverbot in den Innenstädten ist das so eine Sache. Das kann ganz schnell nach hinten losgehen. Viele Kommunalpolitiker im Ruhrgebiet haben ihre Posten doch schlicht der Tatsache zu verdanken, dass ihre Wähler selten nüchtern  sind und gar nicht mitbekommen haben, was den Innenstädten in den vergangenen Jahrzehnten angetan wurde. Wer weiß, was sie sagen, wenn sie sich künftig die verquollenen Augen reiben und erkennen, wie die Stadt, in der sie leben, wirklich aussieht.

10 Kommentare

Vielleicht ist das Alkoholverbot in den SPD-geführten Kommunen auch einfach nur der Versuch einer sozialdemokratischen Selbsttherapie: "Es gab SPD-Oberbürgermeister, für die ein jährlicher Alkoholentzug so normal war wie für andere Leute ein Skiurlaub."

So richtig nachvollziehbar ist das nicht. Bier ist böse, aber bei Cannabis ist immer mehr möglich.

Es ist eigentlich eine Zumutung, dass ein nichttrinkender Mensch an Wochenenden kaum einen RE oder eine S-Bahn benutzen kann, ohne sich von gröhlenden Horden Betrunkener umgeben zu wissen.

Wenn dann noch das Schlagerfedtoval in Dortmund mit einem BVB-Heimspiel zusammen trifft, trifft man bereits morgens um zehn Uhr fast nur noch zum Teil schwerst alkoholisierten Menschen an. Man könnte an solchen Tagen den Eindruck gewinnen, dass das Ruhrgebiet im kollektiven Alkoholrausch ersäuft.

Wie friedlich konnte ich 8m Gegensatz hierzu vor einigen Jahren während des Ramafans durch Istanbul schlendern. Zehntausende rund um die Blaue Moschee, doch keine Betrunkenen, die einem wie im Ruhrgebiet taumelnd und gröhlend mit ausufenden Bewegungen ihrer Extremutäten ihre Weisheiten " Oläääh, nur der BVBäääääh" entgegenprusten.

Es ist zum Teil erschreckend, wie sich auch Jugendliche an den Wochenenden gruppenweise mit Wodka und anderem Fußes, dazu ein wenig Grass und Crystal Meth um ihren noch so jungen Verstand saufen und ihr Hirn irreversibel schädigen.

Alkohol ist eine fürchterliche zerstörerische Droge. Es gibt keinen Anlass, dies auch nur im Geringsten zu verharmlosen.

@aber dennoch ist Ihre Erwiderung leider bezeichnend für Ihre Vorstellung von Toleranz gegenüber anderen Meinungen. Sie bewegen sich argumentativ auf dem Niveau eines Reaktionärs aus den siebziger und achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts-nur hieß es da"geh doch nach drüben"

@Voss-doch natürlich, das war ein Scherz.
Man muss aber nicht zur Ausreißer nach Riad seitens des Verfassers aufgefordert werden, wenn man den exzessiven Alkoholabusus im Ruhrgebiet beklagt.

Es ist in der Tat herrlich, sich durch Städte zu bewegen oder mit dem ÖPNC zu fahren, ohne permanent betrunkenen aggressiven Gröhlern ausweichen zu müssen.

Und die katastrophalen sozialen und psychischen Folgen für Kinder und Partnern, die mit einem oder kehreren alkoholkranken Menschen zusammen leben, zerstören nahezu alles, was Menschen für ein ein7germaßen psychisch gesundes Leben brauchen.

Insofern wird man den Alkoholmissbrauch in unserer Gesellschaft zwar nicht mit prohibitionistischen Maßnahmen beseitigen können- aber das offene Zelebrieren und Bewerben und Glrorfizieren des Suffs muss auch niemandem zugemutet werden-weder den Antialkoholikern noch den trockenen Alkoholikern

Dass weitergehende Prohibition zum Scheitern verurteilt ist, weiß man zur Genüge und kann man auch tagtäglich am Beispiel der unsäglichen Auswirkungen bspw. des Cannabis-und Heroin Verbots begutachten.- wobei gerade das Verbot von Heroin einen enormen wirtschaftlichen Nutzen für die Rüstungsindustrie aufweist und somit Arbeitsplätze in Deutschland sichert.- Sarkasmus Ende.

Das Trinkverbot dient doch vorwiegend dazu, die heimische Gastronomie zu schützen. In der Kneipe, auch auf genehmigten Tischen davor, darf man sich ruhig zusaufen und dann durch die Innenstadt torkeln. Die Jugendlichen aber, denen das zu teuer ist, dürfen sich nicht mal mehr gemütlich an den Brunnen setzen und ein Bier trinken.

@Tilleulenspiegel. Ich bewege mich oft durch das Ruhrgebiet und benutze gelegentlich auch den ÖPNV, morgens, mittags, abends und nachts. Dabei muß ich eigentlich nie „betrunkenen aggressiven Gröhlern“ ausweichen, schon gar nicht permanent.

Auch wenn ich abends mit der letzten S-Bahn, im Volksmund „Lumpensammler“ genannt, nach Hause fahre, bin ich nicht von „gröhlenden Horden Betrunkener“ umgeben. Daß betrunkene Personen mit mir in der S-Bahn sitzen, stört mich nicht. Es würde mich mehr stören, wenn diese Personen mit ihrem Auto nach Hause fahren würden.

Und egal welche Festivitäten gerade stattfinden, noch nie habe ich „morgens um zehn Uhr fast nur noch zum Teil schwerst alkoholisierten Menschen“ angetroffen, wirklich niemals!

Ich frage mich woran es wohl liegt, daß wir so unterschiedliche Wahrnehmungen haben? Bin ich zu ignorant oder sind Sie einfach überempfindlich?

Und zu guter Letzt, wie wäre den Angehörigen alkoholkranker Menschen denn durch ein Alkoholverbot in der Öffentlichkeit geholfen? Über das diskutieren wir hier schließlich. #Nebelkerze

@Roland. Ich denke nicht, daß Alkoholverbote in der Öffentlichkeit die Gastronomie schützen sollen. Das Wohlergehen der Gastronomie scheint der Politik relativ egal zu sein, siehe das totale Rauchverbot in der Gastronomie. Ich sehe in den Alkoholverboten vielmehr einen wachsenden Hang zu Puritanismus und Sanitarismus in der Politik.

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