Wladimir Klitschko sollte sich und uns einen Rückkampf gegen Tyson Fury ersparen

Die Klitschko-Brüder im Jahre 2012 mit ihren 'Gürteln'. Quelle: Wikipedia, Lizenz: gemeinfrei
Die Klitschko-Brüder im Jahre 2012 mit ihren ‘Gürteln’. Quelle: Wikipedia, Lizenz: gemeinfrei

Ich gebe zu, auch ich habe mich gestern mal wieder von dem medialen ‚Ballihu‘ im Vorfeld des Boxkampfes Wladimir Klitschko gegen Tyson Fury anstecken lassen, und habe zum ersten Mal seit einiger Zeit dann auch das angekündigte Boxspektakel live mit verfolgt.

Immerhin rund 50.000 Zuschauer sollen es im großen Düsseldorfer Stadion letztendlich dann auch gewesen sein, die es sich sogar nicht nehmen lassen wollten dem angekündigten ‘Zirkus’ vor Ort beizuwohnen. Im mit relativ unbekannten und/oder abgehalfterten Rock- und Popstars zusätzlich aufgehübschten Rahmenprogramm zeigte sich dann auch mal wieder, mit was für einem Eventpublikum man es hier am Ring sehr häufig zu tun hat. Der Rubel muss schließlich rollen. Mehr oder weniger wohl nur irgendwelchen Insidern bekannte B- und C-Promis ließen es sich da in Massen auch nicht nehmen sich in unmittelbarer Ringnähe medial groß und ausführlich ablichten zu lassen, wollten die große Bühne wohl auch zumindest zu einem nicht unerheblichen Teil für ihr eigenes Karriere-Wohl nutzen. Man kennt das ja.

Doch auch sportlich wurde im Vorfeld ja so einiges versprochen. Im Kampf des 39-jährigen Ukrainers gegen den erst 27-jährigen Herausforderer wäre ganz großer Sport zu erwarten. So hieß es zumindest allenthalben. Die KO-Wahrscheinlichkeit wäre an diesem Abend sehr hoch.

Was dann folgte war allerdings, wenn man mal ehrlich ist, eher ernüchternd. Ein wenig inspiriert wirkender Champ machte es seinem frech und selbstbewusst auftretenden, aber auch keinesfalls wirklich spektakulär boxenden Herausforderer überraschend einfach die Punktrichter zu beeindrucken.

Und statt des allgemein erwarteten Knockouts gab es einen eher zähen Kampf über die volle Distanz. Die meisten Sportfans hier dürften ihn ebenfalls gesehen haben. Daher erspare ich mir jetzt einfach mal Details dazu.
Am Ende war der seit fast 10 Jahren amtierende Weltmeister diverser Boxverbände seine Gürtel und Titel dann eindeutig los. Und er wirkte erstaunlich lethargisch, selbst in den anschließenden Interviews.

Viel war nach Mitternacht nicht geblieben von den vielen großen Aussagen im Vorfeld des Kampfes. Fury hingegen wirkte persönlich dann doch regelrecht überwältig von seinen Emotionen. Trotz seiner ambitionierten Kampfansagen vor dem Aufeinandertreffen schien auch er nicht wirklich mit einem Triumph gerechnet zu haben.

Und der frisch entthronte Ex-Titelträger? Klitschko ist bereits 39. War das sein letzter Kampf? Man würde es ihm wünschen, denn er wirkte gestern doch schon arg lust- und planlos.

Irgendwann ist es eben einfach auch mal vorbei mit der großen Karriere. Viele Beobachter zeigten sich von dessen Boxstil ja auch in den letzten Jahren schon nicht wirklich begeistert. Klitschko-Kämpfe wurden häufig als langweilig umschrieben. Das war es gestern, wenn man mal ehrlich und realistisch ist, ja auch irgendwie.

Vertraglich soll Klitschko zwar im Vorfeld bereits das Recht auf einen Rückkampf zugesichert worden sein, und damit dann eben auch automatisch die Chance sich ‚seine‘ Titel in einem Kampf auf der ‚Insel‘ bereits in relativer Kürze wieder zurückzugewinnen. Das wäre dann im nächsten Jahr.

Aber wäre es dann tatsächlich wohl zu erwarten, dass es dann deutlich günstiger liefe für Klitschko? Ich habe Zweifel. Der Mann ist eben inzwischen auch schon recht ‘alt’.
Man würde ihm wünschen, dass er die Souveränität hat seine lange und erfolgreiche Karriere nach diesem enttäuschenden Misserfolg zu beenden, auch wenn es sicherlich schwer fällt nicht auf dem Höhepunkt abtreten zu müssen.

Aber meiner Meinung nach hat er diesen eh schon längst überschritten gehabt. Auch ein Sieg in einem möglichen Rematch würde daran vermutlich nicht wirklich etwas ändern. Es steht jedoch zu befürchten, dass es schon alleine aus finanziellen Gründen zu diesem Rückkampf kommen könnte. Geld stinkt eben nicht. Und außer mit Klitschko ist in Deutschland aktuell eben wohl mit keinem anderen Boxer aktuell auch nur annähernd so viel Geld zu verdienen.

Wie er sich auch entscheidet, ich würde mir einen weiteren Klitschko-Kampf jedenfalls nicht mehr anschauen wollen. Alles hat einmal ein Ende. Und für die Klitschko-Ära ist es bei mir mit der großen Enttäuschung gestern gekommen.

14 Kommentare

Boxen?
Bei Olympia ist das interessant. Man liegt sich nicht in den Armen, sondern kämpft um Treffer. Der Punktestand wird angezeigt.

Sonst kann ich mit Boxen nichts anfangen, da könnte ich mir ja gleich anschauen, wie ein paar Autos aneinandergereiht 50 Runden im Kreis fahren. Das ist ebenso interessant.

OK, es gibt dann noch Bob-Rennen und Rodeln. Im Kreisel ist das an Spannung nicht zu überbieten. Für ein paar ms sieht man einen Schlitten, das war es.

Es gab bei eine bezeichnende Szene im Kampf. Fury nahm die Hände auf den Rücken und wich den Schlägen locker aus…..

Mich erinnerte das fatal an Holmes gegen Ali. Wobei Klitschko Glück hatte. Ali wurde damals fürchterlich verdroschen…und war danach nur noch ein Schatten.

Die Klitschko- Jahre, so sportlich verdient sie auch waren, haben den Boxsport sediert.

Die Klitschkos sind grosse Champions…..aber auch wie bei GOAT….die Zeit ist vorbei….

Robin,
da es wie in vielen Sportarten auch beim Boxen um viel, viel Geld geht -für alle Beteiligten, nicht nur für die beiden Boxer-ist der Rückkampf selbstverständlich.

Die Medien werden schon im Vorfeld des Kampfes mit dazu beitragen, daß der Rückkampf weltweit wesentlich größere Aufmerksamkeit finden wird als der Kampf gestern. Das gilt nichtzulezt für die Box-Nation USA, wo in letzter Zeit Kampfabende im Schwergewicht -insbesodere die mit dem angeblichen "Langweiler Klichtko"- nur noch auf relativ geringes Interesse gestoßen sind, den Kampf gestern eingeschlossen.
Ich habe mir -leider – den Kampf gestern nicht direkt angesehen, sondern nur heute am Vormittag die Aufzeichnung, weil ich zu denjenigen gehörte, die aufgrund der letzten Kämpfe von Klischko nur die übliche Show erwarteten -gegen einien unbekannten, "schwachen" Gegner mit dem "sicheren Sieger Klitschko-.
Den Rückkampf werde ich mir nicht entgehen lassen .

So wie mir wird es vielen Box-Fans weltweit ergangen sein

Ich blicke jedenfalls schon jetzt voller Spannung, voller Interesse auf das zu erwartenden Boxsportereignis Furry als Weltmeister der Verbände…… gegen Ex-Weltmeister Kitschko der Verbände….
Das wird ein box-sportliches Großereignis!

Robin,
der Kampf Klitschko – Josuha am Samstagabend hat alles das geboten, was ich von einen Weltmeisterschaftskampf erwarte, aber seit langer Zeit nicht mehr geboten bekommen habe.
Und Klitschko -der "alte Mann", der bereits "abgeschriebene Ex-Weltmeister", hat gezeigt ,was "er noch drauf hat" -großartig-!

Ich denke, daß Josuhua- spätens mit dem Sieg gegen Klitschko beweisen hat, daß er zurecht schon heute zu den "Großen im internationalen Boxsport" zu zählen ist und das er dazu beitragen kann, daß das "Schwergewichts -Boxen" international wieder den Status erlangt wie zu Zeiten von Ali, Frazier usw.

Boxen mag ich bei Olympia,. Einer gewinnt, Punkte sind sichtbar. Sonst schaue ich es nicht
Im großen Boxsport ist mir alles zu wenig transparent. Die vielen Verbände tragen zum Chaos bei.

Kein Schwein (inkl. mir;-) hat begriffen, warum A.J. sich plötzlich hat umhauen lassen. Schöne Inszenierung, hat was von seichtem Musical…;-)

Und PS: Nein, diesen ab und an von kurzen Kampfclips unterbrochenen Dauerwerbe-Loop kann man nicht als "Sportübertragung" bezeichnen…

Ja, Klaus. Auch der rund 20-minütige Gang in die Halle hat mich abgeschreckt….

Seit dem ich mich für den Boxsport interessiere sind Weltmeisterschaften im Schwergewicht in aller Regel verbunden mit einer "riesen- großen" Show. Was sich da am Samstagabend im Wembley-Stadion getan hat, gehört in diese Tradition. Ich erinnere zh.B. an an die diversen Boxkämpfe vom Ali und in dem Zusammenhang daran, daß er nicht nur der "Größte aller Zeiten " unter dem WM-Schwergewichtsweltmeistern war, sondern zugleich auch der "Größte Show-Maker" unter ihnen.

Werbung in den Ringpausen ist -leider, leider- heutzutage selbstverständlich, so selbstverständlich wie Werbung von uns alltäglichen zu ertragen ist.
Ich hatte in den Ringpausen Gelegenheit, mit einem Freund über die Geschehnisse und über das Erwartbare zu diskutieren, so daß wir von der Werbung nichts mitbekommen habe.
Der Kampfabbruch – sog.techn.KO- kam zwar plötzlich, aber für mich keineswegs unerwartet. Nach den beiden "Niederschlägen" in der 5. Runde waren doch weitere -so oder so- naheliegend.

Im übrigen:
Unbestritten, daß im Profi-Boxen mehr als in jeder anderen (?) Sportart regelmäßig begründeter Anlaß besteht, über Manipulationen zu spekulieren. Ich sehe allerdings keinen Anlaß , darüber zu spekulieren, daß die für Klitschko bitteren, schmerzhaften, nachhaltig wirkenden Niederschläge durch seinen Gegner und der m.E. im gesundheitlichen Interesse von Klitschko " zwingend gebotene" gebotene Kampfabbruch irgend wie manipuliert gewesen sein könnten.

Alles im Allem bleibe ich also trotz der Kritiken dabei, daß es am Samstagabend nach langer Zeit wieder einmal einen WM-Kampf im Schwergewicht gegeben hat, der großen Sport geboten hat -und eine große Show, auf die ich verzichten kann-und über den noch lange gesprochen werden wird.
Ich jedenfalls wünsche mir, daß Josuha sich sportlich weiter entwickeln kann -m.E. ist er in seinen Bewegungen, seinen Schlägen noch zu langsam- und daß er dann irgend wann auf neue Gegner von vergleichbaren Kaliber trifft, dh., daß uns Box-Fans wieder mehr als in den letzten Jahren Schwergewichts-Boxkämpfe geboten werden können, über die danach lange diskutiert werden kann und die über lange Zeit in Erinnerung bleiben werden.
Was wird Klitschko jetzt tun wird? Warten wir 'mal ab. Er hat Manches zu bedenken -gesundheitlich, finanziell, sportlich-.

@Walter Stach: Es macht für mich quantitativ und vor allem qualitativ einen Riesenunterschied aus, wenn ich Boxen wie "früher" in den ÖR *ohne* Werbehauptprogramm mit kurzfristiger Sportunterbrechung schauen konnte und dabei halt auch die Trainer und Protagonisten in ihren Pausen sehr genau beobachten durfte, um Rückschlüsse auf Taktik, Kondition, geistige Frische und evt. Verletzungen zu ziehen (was natürlich auch spekulativ war, aber halt fundierter;-), oder mir heutzutage in diesem Fall alleinsitzend vorm Gerät diesen unerträglichen Loop aus immer der gleichen Werbung antun zu müssen.

Nebenan gibt's einen Artikel über Facebooks Anstrengungen zur Hirn-Computer-Kopplung und Helmut Junge hatte die automatische Indoktrination von Werbung direkt in die Hirnrinde ins Spiel gebracht – RTL ist mit seinem BoxenTV schon einen Schritt weiter und braucht keine Apparate und Rechner;-))

@Klaus Lohmann, da ich diese Personenlobhudeleien deutscher Boxkommentatoren nur mit Anstrengung ertragen kann, Werner Kastor war für mich die große Ausnahme, habe ich den Ton ab der zweiten Runde abgeschaltet. Meine Frau fand das gut, weil sie sich danach nur noch die Augen zuhalten mußte, um nicht mit ansehen zu müssen, daß "ihr" Wladimir verdroschen werden könnte. Ich habe genau das aber erwartet und hatte mich gewundert, daß der nicht schon spätestens nach drei Runden wackelt. Als das nicht der Fall war, hatte ich erst an Schiebung geglaubt. Dann lag er, und ich wunderte mich über die Gelassenheit des Ringrichters mit dem Zählen anzufangen. Als dannspäter Joshua umfiel, dachte ich wieder an Schiebung. Das konnte nach meiner Einschätzung überhaupt nicht sein. Als Joshua dann später (viel zu spät) mit seinen eigentlichen Kampfstil boxte, fiel Klitschko ja tatsächlich schwer getroffen und kämpfte weiter. Diesmal hatte er mir aber deswegen imponiert und ich fing an, den Kampf als echt einzustufen. Beim zweiten Niederschlag in der 11. Runde war ich sicher, daß der Kampf echt war. Nur hatte Joshua eine zurackhaltende Taktik verordnet bekommen, die womöglich falsch war, weil er in der sechsten Runde selber runtergehen mußte. Lennox Louis fand dazu nur die Worte, daß Klitschko da hätte auf den Körper gehen müssen, daß aber nicht gemacht hat. Lewis hatte wohl Recht, und hat das bedauert, Ich nicht, denn ich werde jetzt wieder Schwergewichtsboxen sehen, das einigermaßen interessant ist. Falls Waldemar noch einmal antritt, wird niemand mehr glauben, er müsse sich seinetwegen zurückhalten. Er könnte einen Aufbaukampf gegen einen Boxer mit KO. Quote kleiner als 50%, der 10 cm kleiner als er selbst ist ,kaum gut verkaufen. Außer in Deutschland natürlich. aber die Einnahmen würden nicht reichen. Es sei denn, er tritt gegen Joshua erneut an. Das ist dann aber in Runde 3 vorbei.

Klaus Lohmann,
noch kann ich mich der Werbung in den Pausen während eines Boxkampfes entziehen -Disk. mit Freunden, Blick in die Zeitung….-. Dass auch ich "lieber" in den Pausen einen Blick " in die Ringecke(n) tun und/oder zuhören würde, was Trainer/Betreuer/Boxer sich zu haben, ist doch selbstverständlch.

Ich lasse mir aber mein Interesse nicht nehmen bzw. meine Begeisterung während eines WM-Kampfes in der Qualität wie am Samstagabend nicht durch die Werbung nicht vermiesen.

Hm, da hab ich ja noch nicht mal bemerkt, dass ich nix verpasst hab. Überhaupt: habt ihr samstags am Abend nix besseres zu tun?

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