Der Freitag: Hochzeit der Luftpumpen

Zwei die sich verstehen: Jakob Augstein und Jürgen Todenhöfer
Zwei die sich verstehen: Jakob Augstein und Jürgen Todenhöfer (Foto links: Peter Niemayer Foto rechts: Ralf Roletschek Lizenz (beide): CC BY-SA 3.0

Das Jürgen Todenhöfer Herausgeber des Freitags wird, war gestern eine aus mehreren Gründen bedauerliche Nachricht: Im Gespann mit Freitag-Chefredakteur Jakob Augstein droht die Wochenzeitung nun zum Hort der Feinde des Westens zu werden. Die beiden Bedeutungssimulanten Augstein und Todenhöfer sind sich in einem einig: An jedem Problem auf dieser Welt sind die westlichen Gesellschaften schuld, politische Überzeugung trifft hier zum Teil auf ein widerwärtiges Gefühl kultureller Überlegenheit: In seinem Buch “Inside IS” wendet sich Todenhöfer angewidert von den IS-Kämpfern ab – als er merkt, dass die gerne Hamburger essen. Todenhöfer dient sich Diktatoren wie islamistischen Terroristen in der Rolle des Journalisten an, seine Sympathie gilt den Mächtigen, solange sie gegen den Westen stehen. Noch für jeden Schlächter bringt er Verständnis auf, das sich als Menschlichkeit versucht zu tarnen.

Beide haben den selben stumpfen Blick auf die Aussenpolitik. Augstein schrieb kurz vor der  US-Präsidentenwahl auf Spiegel-Online: “Trump wäre in der Frage von Krieg und Frieden vermutlich die bessere Wahl als Clinton.” Dass Augstein drei Wochen später ebenfalls auf Spiegel-Online Trump als Faschisten bezeichnete, passt ins Bild: Augstein ist wie Todenhöfer als Publizist mit einer Luftpumpe zu vergleichen; die Inhalte sind, bis auf den Hass gegen den Westen und gegen Israel, nicht weiter bemerkenswert. Die Chancen stehen gut, dass die beiden den Freitag zu einem populistischen Kampfblatt machen. Sie haben eine Bühne für ihre Eitelkeiten und werden sie zu nutzen wissen.

Bedauerlich ist der Einstieg Todenhöfers auch für die festen und freien Mitarbeiter der Wochenzeitung. Die Auflage des Freitags ist in den vergangenen Jahren gestiegen – verkauften sich Anfang 2015 noch 18.752 Exemplare waren es Ende 2016 schon 19.708. In Zeiten zurückgehender Auflagen und Verkäufe keine ganz schlechten Zahlen. Die Redaktion hat also eine gute Arbeit gemacht. Ob sie die noch machen kann, wenn das Luftpumpengespann Augstein/Todenhöfer als Horror-Doppel an der Spitze steht, ob nicht viele Autoren und  Redakteure das Blatt verlassen werden, all das werden wir in den kommenden Tagen sehen. Aus dem Freitag ein linkspopulistisches Kampfblatt zu machen, muss verlegerisch keine schlechte Entscheidung sein: Die Auflage könnte mit diesem Kurs deutlich gesteigert werden. Es ist ja leider nicht so, dass das, was man hasst, erfolglos sein muss.

8 Kommentare

Ein Artikel über zwei Luftpumpen von einem aufgeblasenen Luftballon, dem die Luft entweicht. Da folge ich lieber weiter und nutze die Luftpumpen. Die sind für Fahrradfahrer wenigstens sinnvoll. Luftballons liegen nach dem lautstarken Ende nur platt und mit nass gesabbertem Mundstück rum.

Zum Lesen verschenkte Zeit!

„Die Auflage des Freitags ist in den vergangenen Jahren gestiegen – verkauften sich Anfang 2015 noch 18.752 Exemplare waren es Ende 2016 schon 19.708. In Zeiten zurückgehender Auflagen und Verkäufe keine ganz schlechten Zahlen. Die Redaktion hat also eine gute Arbeit gemacht.“

Die Redaktion hat gute Arbeit gemacht? Sehr witzig! Der "Freitag" ist seit Jahren das Sturmgeschütz der Israelkritik. Der Israelhass und die Kumpanei mit Islamisten dieser Zeitung ist legendär. Im Freitag schreiben die notorischen "Israelkritiker" von Mohssen Massarrat, Uri Avnery, Felicia Langer, Avraham Burg, Moshe Zuckermann bis zum ehemaligen Ressortchef des Freitags Lutz Herden.
Der Politikchef des Freitags Lutz Herden verglich einst Israel mit dem Apartheitsstaat Südafrika, er zitierte eine Aussage der PLO, die Zionismus mit Rassismus gleichsetzt, er meinte, „Israel kann sich in seiner rücksichtslosen Kriegführung gegenüber der Zivilbevölkerung bestätigt fühlen“, er behauptete, dass die israelische Armee den Gaza-Streifen eingeäschert hat, nachdem sie ihn zuvor jahrelang blockiert und belagert hat“, er schreibt vom „Vernichtungsfeldzug gegen die palästinensische Bevölkerung im Gaza-Streifen“, er fordert eine Verurteilung Israels im Weltsicherheitsrat, weil Israel „die kleine Flottille mit Hilfsgütern für den isolierten und systematisch ausgehungerten Gaza-Streifen in internationalen Gewässern“ aufbrachte und Lutz Herden beklagt sich, dass „das Existenzrecht Israels in fast jeder Hinsicht über dem Völkerrecht“ steht. (siehe: https://thinktankboy.wordpress.com/2011/07/19/unterschatzte-publizisten-10-lutz-herden/)

In Artikeln des Freitags war vor einigen Jahren zum Beispiel von der „wohlgezielten Schlachtung von Klein- und Schulkindern“ durch die israelische Armee, vom „israelischen Apartheitsstaat“ vom „Zionismus und der viehischen Gewalttätigkeit seiner realen Vertreter“ usw, usw, zu lesen. (siehe: https://thinktankboy.wordpress.com/2010/10/01/freitags-avantgarde-vol-6/)

Wenn nun Todenhöfer mit ins Boot genommen wird, dann ist das nur konsequent. Es wächst zusammen was zusammen gehört. Dieses Blatt sollte man nicht verharmlosen.

@Manfred Breitenberger: ich hab nicht geschrieben, dass die Redaktion eine gute Zeitung gemacht hat. Sie haben offenbar ein Produkt erstellt, das wuchs.

Querfront Querfront Querfront!
Wo bleibt Jürgen Elsässer ?- wie lange will der eigentlich noch einen französischen Namen tragen?

Zuerst habe ich beim Lesen gedacht, das ist Satire. Aber nein, die Realität erweist sich mal wieder als echte Spaßbremse. Davon abgesehen, hier haben sich zwei gefunden, die bestens miteinander harmonieren.

@nussknacker56

<blockquote>Zuerst habe ich beim Lesen gedacht, das ist Satire.</blockquote>

What's next bzgl. "Satire"?
Wird das Herausgeber-Board in absehbarer Zeit mit Rainer Wendt und Udo Ulfkotte ergänzt?
Jürgen Liminski hätte auch Zeit …?

Beim Blick über den Monitor aufs private Bücherregal sticht irgendwie ein zerfledderter Buchrücken ins Auge: Jurek Becker …

Manfred Breitenberger: Gibt es aktuellere Beispiele? Ich lese den Freitag seit rund einem Jahr, da ist mir nichts aufgefallen. Die "Community" genannten Leserbriefe XXL ignoriere ich allerdings, da gilt wie sonst auch im Internet: Nie die Kommentare lesen.

Wieder einmal beweist sich, dass nicht alles was hinkt, auch ein Vergleich ist. Offenbar har der Autor kein Verhältnis zum Radfahren, denn dann wüsste er, dass Luftpumpen unabdingbar nützliche Gegenstände sind. Diese also mit Nichtsnutzen wie Saugstein und Totenhöfer zu vergleichen, gar auf eine Stufe zu stellen, ist eine Diffamierung dieser für Radfahrer unentbehrlichen Utensilien.

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