Der entscheidende Mann

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Drew Brees mit der Nummer 9 gehört mit seinen New Orleans Saints und zwei Startsiegen noch zu den erfolgreichen unter den Quarterback-Veteranen.

von Mario Thurnes 

Nach drei Spieltagen deutet sich in der NFL ein Generationswechsel bei den Quarterbacks an. Das führt auch dazu, dass in der Frühphase der Saison andere Teams in den Mittelpunkt geraten. Auch welche, mit denen nur wenige gerechnet haben.

Der Mann der Stunde ist Patrick Mahomes II. Der Post-Rookie bricht gerade sämtliche Startrekorde für Anfänger und trägt so entscheidend dazu bei, dass die Kansas City Chiefs mit einer Siegesbilanz von 3:0 gestartet sind. Dabei warf er 13 Touchdown-Pässe, aktuell der Spitzenwert in der Liga.

Sein Talent war bereits am College zu sehen: Er verfügt über einen starken Arm und bringt auch die Pässe in die Tiefe sicher an. Gelupfte Pässe über die Abwehr gehören zu den Waffen des 22-Jährigen. Und er hat auch die Nerven, ruhig zu bleiben, wenn die Verteidiger auf ihn zugestürmt kommen.

Doch der Schritt vom College in die NFL ist groß. Das Spiel ist schneller, die Verteidigungen sind härter und der Druck ist höher. Sodass junge Quarterbacks oft eine Zeit der Gewöhnung in der NFL brauchen.

Ein gutes Beispiel dafür ist Carson Wentz. In seiner Rookie-Saison zeigte er durchaus, was er kann. Doch wenn es hinten raus im Spiel eng wurde, flatterten ihm die Nerven. Sodass seine Philadelphia Eagles eben diese engen Spiele verloren und Gruppenletzter in ihrer Division wurden.

Nur ein Jahr später hatte Wentz seine Nerven gestählt. Er führte die Eagles eindrucksvoll durch die reguläre Saison. Als er sich dann in der Spätphase das Kreuzband riss, sahen viele Experten – und sogar eingefleischte Fans – die Chancen der Eagles auf den Super Bowl dahingegangen. Mit Wentz‘ Backup Nick Foles galten die Eagles in den Playoffs als „Underdogs“. Doch die Franchise aus Philadelphia nahm diesen Ball auf, kokettierte mit dem Image des Außenseiters und brachte das Märchen des Backups, der den Bowl holt, zu seinem Happyend.

Die ersten beiden Spiele dieser Saison verpasste Wentz noch, weil sich seine Reha hinzog. Die Bilanz von 1:1 in diesen beiden Partien ist eher auf die starke Defensive des Titelverteidigers zurückzuführen. Wentz‘ Comeback gegen die Indianapolis Colts hat gezeigt, dass seine Rückkehr dem Team gut tut. Im Vorfeld gab es durchaus Spekulationen, ob Super-Bowl-Held Foles Wentz den Rang als Starter abgelaufen hat. Doch diese Debatte hat Wentz spätestens mit dem Colts-Spiel eindrucksvoll für sich entschieden.

Das Gleiche gilt für Baker Mayfield. Die Quarterback-Position war bei den Cleveland Browns jahrelang eine Reise nach Jerusalem. Nur dass niemand lange auf seinem Platz geblieben ist. Zu Beginn dieser Saison setzte Headcoach Hue Jackson auf eine Doppelstrategie: Den erfahrenen Tyrod Taylor ranlassen und währenddessen den Rookie Mayfield aufbauen.

Doch das ging schief. Zwar war die Truppe, die in den vergangenen zwei Jahren eine Bilanz von 1:31 eingefahren hat, mit Beginn der neuen Saison wieder wettbewerbsfähig. Doch ausgerechnet der erfahrene Taylor gehörte zu denen, denen in den entscheidenden Momenten die Nerven versagten. Als die Browns gegen die New York Jets zurücklagen, brachte Jackson Mayfield. Der drehte die Partie und im Gegenzug erklärte der Coach den Rookie zum neuen Starter der Browns.

Während die jungen Quarterbacks für Schlagzeilen sorgen, schwächelt die Garde der Superstars: Ben Roethlisberger (Pittsburgh Steelers), Matt Ryan (Atlanta Falcons) und Tom Brady (New England Patriots) kommen jeweils nur auf einen Sieg. In den drei Startpartien haben zwar alle gezeigt, welch Klassespieler sie nach wie vor sind – aber halt auch, dass sie angreifbar sind.

Auf die Rückkehr eines Quarterbacks haben viele Fans des Footballs gewartet, auch viele, deren Lieblingsteams nicht die Green Bay Packers sind: Aaron Rodgers. Er gilt vielen als der eigentlich stärkste Quarterback der Gegenwart: Seine Nerven sind so stark wie die Bradys, aber anders als der „Goat“ schafft Rodgers auch unter Zeitdruck die tiefen Pässe in die Endzone – besser bekannt als „Hail Mary“. Kein anderer Quarterback drückt dem Spiel seines Teams derart den Stempel auf, wie es Rodgers tut.

Doch in der Frühphase der vergangenen Saison verletzte sich Rodgers in der Partie gegen die Minnesota Vikings. Trotz eines eisernen Willens zurückkehren zu wollen, kam er nur noch zu sporadischen Einsätzen. Und verletzungsbedingt erreichte er dabei dann nicht sein übliches Leistungsniveau. Ob er das jetzt wieder liefern kann, scheint fraglich. Denn auch Rodgers und die Green Bay Packers sind mit nur einem Sieg aus drei Spielen gestartet.

Wie wichtig ein Quarterback für sein Team ist, zeigt die Geschichte von Ryan Tannehill. Er riss sich zu Beginn der Vorsaison das Kreuzband und seine Miami Dolphins entwickelten sich in der Folge derart zum Loser-Team, dass niemand sie für dieses Jahr auf dem Schirm hatte. Zwar steht er mit 687 erreichten Yards Raumgewinn nur an 22. Stelle des Quarterback-Vergleichs.

Doch aktuell stehen die Dolphins bei 3:0 und was noch wichtiger ist: erstmals seit kurz nach der Erfindung des Feuers liegen die Dolphins in der AFC East vor den Dauer-Champions, den New England Patriots. Tannehill strahlt Sicherheit aus – und überträgt diese auch auf den Rest des Rosters.

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