Der Absturz des Chlorhühnchens

Es ist das Symbol aller Ökodeutschen und Paniacs gegen das Freihandelsabkommen  TTIP: Das Chlorhuhn. Unser Gastautor Patrick Gensing hat sich den Absturz des angeblichen Killerhuhns als Angstmacher näher angeschaut:

10 Kommentare

Schöner Artikel. Bringt es auf den Punkt (Publikative ist eh mein Lieblingsblog, sry Ruhrbarone 🙂 ). Und bei den Videos packt mich das kalte Grausen. Davon abgesehen verstehe ich es einfach nicht, warum es gesünder sein sollte, mit Antibiotika vollgepumptes Fleisch zu essen, als “Chlorhühnchen”. Na dann, hoch lebe die doitsche Fleischindustrie 🙂

Das Chlorhühnchen ist lediglich ein Symbol!
Die Einführung von gemeinsamen Standards zur Lebensmittelsicherheit im Rahmen des geplanten europäisch-amerikanischen Freihandelsabkommens TTIP hängt sich vor allem an kulturell geprägten Unterschieden auf. In den USA orientiert man sich “nur” an der direkten Verbrauchergefährdung (End of the Pipe), während man in der EU den gesamten Herstellungsprozess (from Farm to Fork) sicher und nachvollziehbar haben möchte. Das sind zwei völlig verschiedene Herangehensweisen.

Als Verbraucher möchte ich auf dem Produkt klar lesen können, wie es produziert wurde – das allerdings ist wohl kaum im Sinne der Konzerne….

Der Mensch muss nicht keimfrei leben, denn Keime gehören zu uns und unserer Immunabwehr – keinesfalls aber Chlor.

Wir müssen nur gefährliche Keime im Zaum halten. Wenn unser “täglich Brot” zu einem Chemiecocktail mutiert, dann sind wir auf einem sehr gefährlichen Irrweg an Abhängigkeit von Chemie- und Pharmaindustrie.

Eigentlich sollten sich eher die US-Amerikaner vor europäischen Standards fürchten oder was wir dafür halten.

Meiner Meinung nach haben sich die Amerikaner vor europäischen Standards zu fürchten oder das was wir dafür halten. Hochmut kommt vor dem Fall.

@#2 | Nansy: Symbol für was genau? Für den spätestens seit Hanse-Zeiten ewig geführten Krieg zwischen Lobbyisten verschiedener globaler Handelsstrukturen? Das war aber auch der Hamburger, die Chiquita, der Reis und dutzende andere Lebensmittel, deren industrielle Varianten wir heute ohne Murren schlucken.

@Klaus Lohmann:

An diesem “Symbol” kann man so schön die Emotionen hochschaukeln, ohne auf die kulturell geprägten Unterschiede bei der Lebensmittelsicherheit zwischen den USA und der EU eingehen zu müssen (siehe oben). Auch die anderen Folgen des TTIP sind eher schwer zu beschreiben – somit ist das Chlorhuhn ein emotionaler Aufhänger…

Was nun die Schädlichkeit von Chlor bei Lebensmitteln angeht – ich kenne mich da zu wenig aus! Die einen behaupten es sei völlig unschädlich, andererseits kann ich mich an einen Fernsehbericht über die USA erinnern (finde ihn leider nicht mehr), in dem Kritiker aus den USA zu Wort kamen, die das ganz anders sahen (von den Beschäftigten der Fleischindustrie und ihren gesundheitlichen Problemen mit Chlor ganz zu schweigen).
Ich habe da zu wenig Kenntnisse…

Warum wird nicht einfach ein QR-Code auf jedes Nahrungsmittel gesetzt? Der Verbraucher scannt seine Ware mit dem Handy und kriegt alle Details der Wertschöpfungskette, Zutaten und deren Produzenten auf sein Handy. Bis hin zum Livebild vom Stall oder Schlachthof aus dem das Hühnchen kam.
Dann hätte der Verbraucher alle Infos um zu entscheiden: Für den einen ist halt “Bio” ein Qualitätsmerkmal, für den anderen garantiert keimfreies Chlorhuhn, der nächste findet Tierschutz wichtig, aber Genfutter stört ihn nicht und den nächsten interessiert einzig der Preis.

Jeder der schonmal ne Einführungsveranstaltung in BWL hatte kenn das doch mit der vollständigen Markttransparenz zum Preisfindungsprozess blablabla undsoweiter. Letztlich wird sich dann die Produktionsweise mit den meisten Käufern durchsetzen. Nichts von Oben verordnet, Freihandelsabkommen hin oder her, politische Moden spielen keine Rolle. Der Verbraucher entscheidet.

Das Problem ist, das wäre ja echter Liberalismus und soweit wollens die sogenannten “Liberalen” dann auch nicht kommen lassen. Wo kämen wir denn da hin, wenn plötzlich der Verbraucher mitentscheidet?

@Peter:

Schöner Gedanke – geht aber an den vermutlichen Ergebnissen der TTIP-Verhandlungen vorbei. Da man sich in den USA bei der Lebensmittelsicherheit “nur” an der direkten Verbrauchergefährdung (End of the Pipe) orientiert (d.h. ist das Endprodukt sicher?), und dies auch bei den Verhandlungen durchsetzen will, ist die europäische Vorgehensweise, den gesamten Herstellungsprozess einzubeziehen und nachverfolgbar zu machen, für die USA nicht akzeptabel…
Nicht das Chlorhünchen selbst ist das Problem, sondern die verschiedenen Herangehensweisen – und wer sich da durchsetzen wird, darüber darf man dann spekulieren….

komisch, was potentielle Gefahren durch Chemikalien angeht ist Kalifornien deutlich strenger als die EU oder Deutschland.

Ansonsten kann ich die Jungs von Campact nur bewundern, und jeder populistischen Partei nur empfehlen dieses gut bestellte Feld weiter zu beackern.
Auf den Rücken des Chlorhuhns in die Parlamente, warum nicht.

@#9 | Alreech: Die Frage ist dann, ob Deutschland mit Kalifornien wirklich soviel Handel tätigt, dass es irgendwie wichtig wäre….

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