Es war nicht alles schlecht 2.0

Stets zukunftsorientiert und humorvoll: die "DDR". Ein Land in dem es Wahlplakate aber keine Wahlen gab.
Stets zukunftsorientiert und humorvoll: die “DDR”. Ein Land in dem es Wahlplakate aber keine Wahlen gab.

Der Autor dieser Zeilen macht es den Linken oft nicht leicht. Vor allem jener Linken in Großbuchstaben, die versucht ressourcenorientiert zu benennen, wo die Stärken eines Unrechtsregimes  real existierenden Sozialismus vom Typus “DDR” lagen. Doch heute ist es anders.

Jährt sich an diesem 3. Oktober doch, wie allseits bekannt ist, die Zwangaussiedlung von 3.175 Menschen aus dem Sperrgebiet im Rahmen der Aktionen Festigung und Kornblume doch zum 53zigsten Mal. Ein wichtiger Tag für die Etablierung der internen Diktatur Freiheit in der “DDR”. Deswegen möchte ich der LINKEN fünf Sprachgeschenke (denn Eigentum ist ja bekanntlich Diebstahl) aus der imperalistisch besetzten Zone machen, die schon der Generation meiner Großeltern dabei halfen, Unrecht zu Recht die Vergangenheit ein wenig freundlich klingend zu machen.

1. “Jeder hatte sein Auskommen: es gab Arbeit, Wohnungen und Jugendtreffs für alle.”

Richtig. Genau so war es. Wo der Staat die Wirtschaft lenkte, ging es immer allen gut. Dabei ist nachrangig, dass dies hier nur mit dem Aufrüsten für einen Krieg und dort nur dadurch ging, dass man massive Schulden aufnahm und immer mehr am Tropf des großen, roten Bruders hing. Lassen Sie sich dabei auch nicht von angeblich existierenden Personen wie Alexander Schalck-Golodkowski verwirren. Es hat sie nie gegeben, ebenso wie ein Albert Speer ein aufrechter Mann war, der nur schöne Strassen und Häuser bauen wollte. Gerade den Aspekt der “Arbeit” sollten Sie immer und immer wieder betonen – Arbeit ist nämlich ein Selbstzweck; ob sie sinnvoll für eine Gesellschaft ist oder nicht, ist dabei irrelevant. Wichtig beim Ausspielen der “Jugendtreffs”: es ist immer besser wenn der Staat die Jugend erzieht, als wenn dies die Eltern selbst tun. Läßt man die Mädels in einem Bund Sticken lernen oder alle Jugendlichen mit der Hand zum Gruß einen Irokesenschnitt über dem Kopf formen, der von einem zart blau leuchtendem Tuch gerahmt wird, steht niemals zu befürchten, dass die Bildung von den Eltern übernommen wird. Sie können dann auch darauf hinweisen, dass “man ja sieht, was man davon hat” und dann leise flüsternd hinzufügen “Nein, ich finde das auch nicht gut mit Mundlos und so – aber es wundert mich nicht!”

2. “Damals gab es weniger Kriminelle, v.a. Ausländer.”

Seien wir doch ehrlich: früher gab es nicht soviel Morde, soviel Amokläufe, soviele Diebstähle. Und nein, das hatte nie etwas mit Überwachung oder Lenkung der Presse zu tun. Das hatte vielmehr damit zu tun, dass man noch unter sich war. Nur wer nicht einer von uns war, den nahm man besonders unter die Fittiche. Dabei war man nie juden- oder ausländerfeindlich, man wusste eben nur wo man hingehörte. Ganz wichtig: Fallen Sie nicht darauf herein, wenn ihr Gegenüber Ihnen versucht mit Statistiken das Gegenteil zu beweisen. Diese sind immer manipuliert – also die der BRD GmbH natürlich. Verweisen Sie in solch einem Argument immer auf das Churchill-Zitat: “Trau keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast!” (Und kümmern Sie sich auch nicht darum, dass es gar nicht von Churchill stammt.) Wer brauch schon Statistiken, wenn er stattdessen doch Recht hat?

3. “Was hätten wir denn machen sollen?”

Einer der schönsten Sätze, der als Allzweckwaffe seit den Kriegsverbrechertribunalen in Nürnberg eingesetzt wurde. Zum einen schließt der Fragende durch das “wir” eine Reihe mit all den anderen, die so wie er untätig gegen Unrecht lupenreine Demokratie blieben. Außerdem suggeriert er, dass alle sich so verhalten haben wie er: stromlinienförmig, sich dabei hilflos fühlend, wenn auch mit einem leichten Anflug von Reue. (Auch hier dürfen Sie sich von vermeintlichen Helden wie Sophie Scholl oder Josef Kneifel nicht verwirren lassen; was haben die denn letztlich verändert? Und haben die mal an ihre Familien gedacht? Und wie schlecht sie den Rest ihrer Mitbürger darstehen liessen? Eben.)

4. “Hier ist ja auch nicht alles Gold, was glänzt.”

Unerläßlich bei jeder Relativierung Richtigstellung. Klar gab es Probleme in der “DDR”. Na und? Was ist denn mit TTIP, Guantanamo, Axel Springer, NSA, BND, Chemtrails, 9/11, Irak, Afghanistan, jüdischen Siedlungen in Palästina, Abschiebehaft, Edward Snowden, dem Verbot der Homoehe, Hartz IV? Und während sich Ihr Gegenüber auf die Einzeldiskussion eines jeden Themas einläßt, gerät das eigentliche Thema in Vergessenheit.
Doch Achtung: selten einmal wird das Gegenüber Sie darauf hinweisen, dass Sie mit einer Form des “Tu quoque” arbeiten. Hierauf entgegen Sie dann immer (!): “Das sagst Du nur, weil Dir die Argumente ausgehen. Bleiben wir dabei, dass es für Deine und meine Sicht gute Gründe gibt.”
Sollte Ihr Gegenüber dann wieder zur ursprünglichen Diskussion zurückkommen wollen, wiederholen Sie stumpf Ihre Listung. Irgendwann wird er dann das Gespräch abbrechen, woraufhin Sie das gute Gefühl verkünden können, dass man mit “BRD-Desinformationstrollen” einfach nicht vernünftig diskutieren kann.

5. “Die Meisten haben einfach ihr Leben gelebt.”

Und was war falsch daran? Kann ein Staat schlecht gewesen sein, in dem so viele ein ganz normales Leben führen konnten? Naja, halbwegs normal, nun gut, ein sich-arrangiertes-Leben. Gut an diesem Argument: Sie suggerieren Normalität, legen nahe, dass nur eine Minderheit sich aktiv an den Verbrechen dem Staatsapparat beteiligten. Auch hier ist es wieder wichtig, sich nicht durch Fakten ablenken zu lassen, wie den Umstand dass ein Stasi-Mitarbeiter auf 180 Bürger kam (KGB: 600; Gestapo: 8500) oder dass 11% der “DDR”-Bürger Mitglied der SED waren. Wiederholen Sie statt dessen stets, dass die Meisten nichts mit der “DDR” am Hut hatten, sondern einfach nur ein unpolitisches Leben führten. Positiv für Ihre Beweisführung wirken sich dann die kleinen Anekdoten aus: Erzählen Sie von Urlauben in Kroatien, von den Puhdys und davon, dass “Über Sieben Brücken musst Du gehen” von Ihnen und nicht von Peter Maffay stammt, davon wie man mit Freunden in der Datscha am See einen getrunken hat oder auch davon, wie kinderfreundlich das Sandmännchen war. (Dies gibt Ihnen auch eine gute Option zu Argument Nummer 4 überzuleiten.)

Keiner dieser fünf Punkte überzeugt ihr penetrant demokratisches Gegenüber davon, wie es früher ™ war? Nun gut, ich bin in Geberlaune.
Hier dann das ultimative Argument:

6. “Du warst ja nicht dabei!”

[Sie sollten nun in der Lage sein, diese Klammer selbst mit Leben zu füllen.
Wenn nicht, finden Sie hier eine Anlaufstelle.]

53 Kommentare

@ Sebastian Bartoschek

seltsam … ich hab gerade nicht das Gefühl, dass Sie meine Frage beantwortet hätten … ich wiederhol sie vorsichtshalber nochmal (vielleicht taucht Ihre Antwort aber auch zwischenzeitlich auf):

“Haben SIe zumindest mal die DDR besucht, als es Sie noch gab ?”

Ich würde mal sagen, dass dies ein polemisch, dümmlicher Artikel ist, der es nicht wert ist weiter diskutiert zu werden.

@Wolfgang Wendland

Man könnte Ihnen eventuell Recht geben, wären da nicht in den letzten Tagen beispielsweise die Auftritte eines Gregor Gysi oder einer Gesine Lötzsch gewesen. Der eine hat zu DDR-Zeiten seine Rolle im Justizwesen perfekt gespielt obwohl er ganz genau wusste dass die Urteile insbesondere in “politischen” Prozessen nicht vom Gericht, sondern bereits vor der Verhandlung von der Partei gesprochen wurden. Die andere wurde durch Wolfgang Wieland als „Heilige Johanna der Alt-Tschekisten“ treffend beschrieben.

Wieso wandern die Verehrer des Deutschen Diktatorischen Regimes nicht nach Nordkorea aus? Da ist die Welt doch noch in Ordnung 😉

@ Thomas Weigle es ging um den Gesamteindruck des Artikels. Er wirkt so, als habe der Autor seit seinem DDR-Besuch nichts dazu gelernt.

Wolfgang Wendland Sehen Sie, ich habe die DDR sowohl privat als auch Gast der SED kennen gelernt. Und von 77 bis zum Mauerfall ganz persönlich als Einreiseverbotsstaat. Nicht etwa, weil ich damals so schlecht über die DDR gedacht und gesprochen habe wie heute,ganz im Gegenteil sondern weil ich für eine DDR-Freundin den Verlobten zwecks Ausreise gemacht habe. Noch 89 hat man mir als Mitglied einer Bethelreisegruppe kein Einreisevisa erteilt. Es gibt noch einen weiteren, ebenfalls ehrenwerten Grund, davon ein andermal.
Daher finde ich den obigen Artikel durchaus nicht dümmlich, polemisch ja, na und? Was ich mir nicht anmaße ist den Stab über Leute zu brechen, die nicht widerständig waren. Wer weiß, wie ich mich dort verhalten hätte. Gar nicht polemisch ist allerdings der Hinweis auf das Verhältnis von 1Stasi auf 80 Bürger. Dafür alleine ist jede Kritik und jede Polemik erlaubt.

@ Sebastian Bartoschek #4

Bartoscheck, Zitat: “Ich dachte Sie haben schlicht meine Polemik fortgeführt.”

Haben Sie WIRKLICH gedacht, ich würde die “Polemik” eines flat earthers weiterführen ?

@Thomas Weigle ich habe überhaut kein Problem damit die Stasi und das Unrecht in der DDR zu kritisieren, aber ein Großes, wenn auch nur im Ansatz eine Ähnlichkeit zwischen 3. Reich und DDR konstruiert wird. z. B. “…vermeintlichen Helden wie Sophie Scholl oder Josef Kneifel… “

@ Sebastian Bartoschek

“Erkenntnisgewinn”

bin noch nicht so geistige Elite wie Sie – aber vielleicht werde auch ich irgendwann begreifen, dass die Erde eine Scheibe ist …

@ Sebastian Bartoschek

“… niemand wird Ihr Weltbild erschüttern!”

für mein “Weltbild” – wenn ich denn eins habe ? welches ? – würde ich wohl kaum auf einen “B.” mit “s” und “c” zurückgreifen …

Hihi – die tollsten Argumente der Ostalgiker und Demokratiefeinde aufgeführt. Die freuen sich natürlich

“Waren Sie überhaupt mal da?”
Köstlich!

Als dmals die Leute aus der DDR hierhin zu uns kamen, quollen sie fast über vor Kritik am DDR-Sytem. Gysi wollte mit seiner Parteineugründung (!) einen neuen Start (Staat) machen. Warum wohl? Ich denke, daß das als Bestätigung der Kritik am System seitens der Einwohner durch Gysis Partei gelten darf. Das kann man nicht zurücknehmen und jetzt sagen, daß das System trotzdem Klasse war. Will das denn jemand sagen? Kann ich mir nicht vorstellen. Mir zeigt die Diskussion um den Begriff “Unrechtsstaat” nur, daß a) noch längst nicht alle Linksparteimitglieder kapiert haben, was vor 25 Jahren beseitigt wurde, oder es sind einzelne wenige Kräfte, die mit wenig eigener Leistung, bzw. wenig eigenem Risiko einen schweren Streit provozieren wollen, der die bestehende Isolation der (ihrer) Partei dauerhaft fortsetzen würde. Was das ist, kann ich von außen nicht erkennen. Aber klar ist, daß ich mir nicht vorstellen kann, daß jemand glaubt, diese Frage mit “jein” beantworten zu können, ohne in alle Fettnäpfchen zu treten. An der Antwort zu dieser Fragestellung hängt die demokratische Glaubwürdigkeit der ganzen Partei.
Wie Sebastian Bartoschek als Außenstehender, und vermutlich sogar Gegner der Linken die Debatte um diese Frage in seinem Artikel formuliert, ist dabei völlig gleichgültig. Der darf das und hilft mit seiner kritischen Position sogar denjenigen Kräften innerhalb der Linkspartei, die ein demokratisches Konzept verfolgen, besser zu erkennen, wo ein unkittbarer Riß quer durch die Partei läuft. Genau diesen Riß gibt es nämlich, und genau darum gibt es immer wieder Streit innerhalb dieser Partei. Selbst wenn Sebastian gar nie die Absicht hatte, sich einem Fügel der Linkspartei hinzuzugesellen, hat er es doch getan. Ist doch gut, denn ich hätte ihm das gar nicht zugetraut.

Wenn euch das hier nicht mehr passt Leute,
dann geht doch nach drüben!

(Achtung: dieser Kommentar könnte Spuren von Pälzer Saumagen enthalten)

@Andreas Lichte
“Der Arbeiter- und Bauernstaat hatte eine der höchsten Suizidraten der Welt. Im Vergleich zur Bundesrepublik Deutschland war die Zahl der Selbstmorde im Osten etwa anderthalb Mal so hoch. Es gebe kein anderes Land in Europa, vermutete der DDR-Experte Ehrhard Neubert Ende der 90er Jahre, in dem so viele Selbstmorde im Zusammenhang mit der Politik der Kommunisten stünden. Tatsächlich hatte es den Anschein, als ob das SED-Regime selbst einen Zusammenhang zwischen politischem System und Suiziden sah, denn seit den 60er Jahren behandelte die Parteiführung das Thema Selbstmord wie ein Staatsgeheimnis.
[…] Nur einmal in 40 Jahren DDR befasste sich die SED-Führung mit der Frage der Selbsttötungen, allerdings nicht, um den Ursachen nachzugehen, sondern um den Kreis der Eingeweihten weiter zu verkleinern. 1977 erging die Anordnung, dass die fünf medizinischen Institute, die bis dahin die geheimen Zahlen für Forschungszwecke verwenden durften, die Informationen nicht mehr bekamen.
[…] Udo Grashoff hat verschiedene Konfliktfelder in der DDR-Gesellschaft untersucht, wo er aufgrund des dort ausgeübten Zwangs und Terrors erhöhte Suizidraten vermutete. Doch in den Akten fand er keine Hinweise darauf, dass sich in der Nationalen Volksarmee oder bei den Grenztruppen, in den Gefängnissen oder in den Stasi-Haftanstalten mehr Menschen umbrachten als anderswo. Im Gegenteil, in den DDR-Gefängnissen zum Beispiel war die Selbstmordrate etwa drei- bis viermal niedriger als in der alten Bundesrepublik. Dies lag jedoch nicht an einem humaneren Strafvollzug im Osten, sondern an der schärferen Kontrolle und Überwachung der Gefangenen. Wie verzweifelt die Menschen tatsächlich waren, lässt sich daran ablesen, dass zum Beispiel im Stasi-Gefängnis Leipzig jeder Fünfte, der dort eingeliefert wurde, einen Selbstmordversuch unternahm.”
http://www.deutschlandfunk.de/tod-als-ausweg.730.de.html?dram:article_id=102759

@ Herr Karl #25

das habe ich Ihnen GEGLAUBT, dass es in der DDR eine hohe Suizidrate gab. Warum auch immer:

erklären Sie mir mal die hohen Suizidraten in all den Ländern, die ganz weit vom Kommunismus entfernt sind …

@Andreas Lichte
Puuh – Sie sind aber ein ‘kritischer’ Zweifler, was? Vielleicht waren es Lebensmüdigkeit, Depressionen etc.?

Aber: Immer die richtigen dummen Fragen stellen, nicht wahr?

Ich war übrigens da – und es war nicht schön…

Die Suizidrate der DDR ist ja nun eher ein Nebenaspekt eines alles in allem unschönen Gesamtthemas. Die Gründe mögen in der Politik gelegen haben, was man vermuten kann oder auch nicht. Nur: wieso wurde sie wie ein Staatsgeheimnis behandelt?

@ Sebastian Bartoschek #27

Zitat Sebastian B.: “… eine Variante von Argument Nummer Vier bringt….”

da musste ich dann doch mal nachschauen, was denn mit “Argument Nummer Vier” gemeint sein könnte

war mir gar nicht aufgefallen, dass es hier irgendwo “Argumente” gab, wofür, oder wogegen, auch immer

aber sicher ist das “Wissenschaft”, die Sebastian B. hier betreibt, und ich bin der einzige, der es noch nicht verstanden hat

Ich kann von mir sagen, dass ich gegen die DDR war, als sie noch bestand, und ich habe mich (in einem SHB/MSB-Umfeld) damit nicht beliebt gemacht. Das hat mich nie gehindert, ihr (wie allem auf der Welt) auch konkrete gute Seiten zuzubilligen. Der Fehler der DDR lag nicht in der Schlechtigkeit der Menschen, auch nicht in allerlei wirtschaftlichen und ähnlichen (oft umständebedingten) Nickligkeiten; sondern in ihrer Verfassung, die bürgerliche Freiheiten nur unter einem Gesinnungsvorbehalt zuließ und damit effektiv jede grundsätzliche Kritik und Opposition ausschloss.

“Neokonservative” wie Bartoschek scheint das ziemlich anders zu sehen. Dass bürgerliche Freiheitsrechte nur für Gleichgesinnte gelten sollen, regt sie nicht weiter auf; zumal sie ohnehin mit Andersdenkenden nicht umgehen können. (Lustig finde ich diese Strategie, jeden rationalen Einwand gegen seine Thesen schon im vorhinein als unvertretbar zu deklarieren und dann anschließend einfach auf diese Deklaration zu verweisen.) Bloß die Menschen in der DDR waren halt schlechter als die Bartoscheks.

Ich halte es für gar nicht für so abwegig unter dem Aspekt des Totalitarismus National- und Internationalsozialismus als ähnlich widerliche Systeme zu betrachten.

@ Andreas Lichte … In der DDR / Ostblock gab es keine Waldorfschulen. Ist das der Grund für die ostalgische APO-logie des “Kommunismus”?

@ abraxasrgb #34

Zitat abraxasrgb: “… Ist das der Grund für die ostalgische APO-logie des “Kommunismus”?”

Wessen Apologie? Kann nicht sein, dass Sie mich meinen. Wo habe ich den Kommunismus “entschuldigt” ? Wo ist bei mir “Ostalgie” ?

Was soll eigentlich Ihr Pseudonym bedeuten ? Finden Sie das toll: http://de.wikipedia.org/wiki/Abraxas ?

(was soll das Pseudonym? sind Sie Gnostoker):

“Was ist denn mit TTIP, Guantanamo, Axel Springer, NSA, BND, Chemtrails, 9/11, Irak, Afghanistan, jüdischen Siedlungen in Palästina, Abschiebehaft, Edward Snowden, dem Verbot der Homoehe, Hartz IV? ”
Mega chemtrails in the morning, 28/09/2014, Yvelines, France

.
Es könnte hilfreich sein, bei dieser Diskussion zu unterscheiden:

1.
Zunächst sollte davon ausgegangen und festgehalten werden, wie der Staat DDR verfaßt war und wie dort Staatgewalt ausgeübet wurde -in allen drei klassischne Handlungsfeldern staatlicher Tätigkeit -Legislative, Exkeutive,Judikative- , und wie sich die Staatsgewalt legitimiert hat, auf welchen wesentlichen Prinzipien sie sich gründete, welche pirmären Staatsziele sie verfolgte.

Und um dazu Wesentliches zu wissen, sollte nicht spekuliert werden, sollte nicht auf sekundär Literatur, sollte nicht auf subjektive Erkenntnisse zurückgegriffen werden. Ich empfehle deshalb “dringend”, a.) die 1. und die 2.Verfassung der DDR gründlich von a) bis z) zu lesen und b.) sowohl das Programm als auch das Statut der SED zu lesen-z.B. diejenigen, die auf dem IX.Parteitag der SED in Berlin (Ost) -18.bis 22.Mai 1976-einstimming beschlossen wurden.

Ich korriegiere mich:
Nach dem Selbstverständnis einer marxistisch-leninistischen (stalinistischen ?) Partei sind zunächst die Texte zu b.) und dann die zu a.)lesen, nicht umgekehrt, wie es dem (Selbst-)Verständnis einer rechtstaatlichen Demokratie entspricht.

Und über das Alles läßt sich dann relativ objektiv diskutieren, egal, ob “man” in der DDR gelebt hat oder nicht, ob man überzeugter und engagierter SEDler war oder eben nicht.

(Es geht dann eben “nur” um Texte, Textanlasyen, Auslegungen -Letzteres setzt allerdings voraus, Grundkenntnisse über den Marxismus-Leninismus zu haben; ansonsten wird man relativ schnell feststellen, daß permanent anenander vorbei geredet wird, so wie das aktuell ‘mal wieder bezüglich der Begrifflichkeit Unrechtstaat der Fall ist.)

2.

2.1
Dann wäre -auch wenn die vorangegange Lektüre zu 1. nicht auszublenden ist- aufzugreifen und zu analysieren , wie die Menschen -die große Mehrheit und/oder erkennbare Minderheiten- i h r Leben in diesem Staat gelebt haben, wie sie i h r Leben in der DDR seinerzeit empfunden haben, wie sie mit
i h r e m Leben und in i h r e m Leben in der DDR seinerzeit zurechtgekommen sind. S i e sind dann die Objekte und sie sind dann die Subjekte der Nacherzählung.
2.2
Wenn heutzutage damalige DDR Bürger auf i h r Leben in der DDR zurückblicken, sind nur s i e , nicht Außenstehende, in der Lage, dieses i h r Leben im nachhinein und angesichts ihrer heutigen Lebenssituation zu betrachten und zu (be-)werten:”…….es war nicht alles schlecht; es gab ein größeres subjektives Sicherheitsempfinden, die KITAS waren gut, in Sachen Gleichberechtigung…., es gab keine Arbeitslosen ” oder eben :………..tagtägliche Angepaßtsein an ein System; kein Zugang zum Studium, wenn………….; keine Reisefreiheit dahin, wo man hin wollte……

Ich als Außenstehender registriere , daß dieser Rückblick ehmaliger DDR-Bürger auf i h r Leben in der DDR unterschiedlich ausfällt.

2.3
“Und erst dann sh.2.1 udn 2.2- kommen wir”!!

Und was machen wir?

Dann stellen wir fest, dann (be)werten wir, die wir nicht in der DDR gelebt haben,
wie die DDR-Bürger seinerzeit ihr Leben in der DDR empfunden haben müßten.

Dann stellen wir zudem fest, daß die rückblickende Bewertung ihres damaligen Lebens durch Bürger der DDR uns aktzeptabel, inakzeptabel, glauchwürdig, unglaubwürdig erscheint.

Wie ist das zu begründen? Wer oder was legitimiert uns dazu?

3.
Und wiederum gesondert von 1-2 wäre ggfls. gemeinsam – ehemaligen DDR-Bürger und alle Anderen- über den sog.”inneren Widerstand” gegen die Staatsmacht in der DDR zu reden -über das Ob,das Wann, das Wie, das durch Wen-, aber z.B. auch darüber, wie der Umgang des sog. Westens mit der Staatsmacht DDR -der USA (sh. z.B. Akzeptanz des Mauerbaues- ; der BRD -Millionkredtivermittlung durch F.J.Strauss,Aussöhnen statt Spalten, Annäherung beider Staaten..- seinerzeit begründet wurde und heute rückblickend bewertet werden kann.

Solange alles das, was ich von 1.-3. versucht habe anzudeuten und zu separieren, “in einen Topf geworfen und dann zu einem nicht durchschaubaren, nicht zu definierenden Brei” verrrührt wird, gibt es weder einen klare “Durchblick” noch einen Diskurs, der diese Bezeichnung verdient – “.Schauplatz rationaler Kommunikation (Habermas)”.

Kurz zum Thema: Ich kann zwar nicht von mir behaupten, DDR-Experte zu sein. Aber ein Teil meiner Verwandtschaft ist es, denn die haben dort gelebt. Und es ist erschütternd, mit welcher Dialektik da die immensen Missstände weggeredet werden. Und das natürlich nicht von den kleinen Leuten, nein, sondern von denen, denen es unverhältnismäßig gut ging, da sie Parteimitglieder waren und sogar zum Studieren nach Russland durften. Die Leute, die sich damals schon dem System verschrieben haben um besser leben zu können als der Durchschnittsbürger, die tönen heute, dass durchaus alles in Ordnung war und man auf jedenfall immer Arbeit und genug Essen aufm Tisch hatte.
Und jetzt habe ich noch eine kleine Kritik – Rechtschreibung und Kommaregeln und auch so ein bisschen Grammatik. Ich finde es immer ein bisschen schwierig, wenn solche fundamentalen Dinge bzw. Einstellungen diskutiert werden und dann der Text selbst so arglos hingeklatscht wirkt. Welche Rechtschreibprüfung lässt einem denn heute noch “Strassen” und “unerläßlich” durchgehen? Und dann Anderen die korrekte Schreibweise des eigenen Namens um die Ohren hauen, das ham wa gerne!

@ A. Lichte #35

Zu den ersten Fragen: Nun Sie stellten ja selbst weiter oben mehrfach fest, dass Sie nicht der Hellste sind (trotz des Nachnamens). Ich empfehle mehr Terry Pratchett, statt dieser versteinerten Science Fiction 😉

Da Sie zweimal nachfragen (Variante des Argumentum ad nominem ?) und es Ihnen mein Pseudonym ja anscheinend so angetan hat:

Ad 1) WIe ich das finde, dass Sie die deutsche Wikipedia verlinken können? Na ja, HTML ist nicht wirklich schwer. Und nein, das bin ich nicht.

Ad 2) Ein Pseudonym ist ein Pseudonym ist ein Pseudonym (frei nach Gertrude Stein). Auch die zweite Spekulation ist leider falsch. Tja, weiter versuchen … wenn Sie mein Pseudonym am 21. März – Hochmittag – durch einen Sonnenstein betrachten, sehen Sie meinen Vornamen. Wenn Sie das am 21. Dezember Hochmitternacht wiederholen, sehen Sie meinen Nachnamen. 😉

Bevor die nächste persönliche Frage kommt, ich war häufiger in der DDR 😉

Wenn die DDR kein Unrechtsstaat gewesen sein soll und alles so wunderbar, warum hatten die Flüchtlinge, die aus der deutschen Botschaft in Prag in die BRD ausreisen konnten, soviel Angst, als sie noch einmal über DDR-Staatsgebiet reisen mussten und der Stasi ausgesetzt waren? Ist doch ein einfaches Beispiel …

Naja, Andreas Lichte hat jedenfalls bewiesen, dass er auch außerhalb von Waldorfdiskussionen nicht ohne Beleidigungen und Überheblichkeit auskommt.

Ja, Andreas, ich habe gezeichnet und Sebastian hat den Cartoon reingestellt. Das wissen wir. Und dass du ganz ganz toll Copy ‘n’ Paste oder doll kreative Wortsspiele kannst, wissen wir sogar noch länger.

Aber was willst du damit sagen? Ist es so schwer, eine einfache Frage zu beantworten?

Sebastian Bartoschek,

nein, Neokonservatismus ist schon der richtige Ausdruck.
Unter einem “Neoliberalen” versteht man im engsten Sinn einen Anhänger der Mont Pelerin Society. Also Leute wie Hayek, Popper, Aron, Natürlich muss man die Grenzen aber auch weiter fassen und Sektierer wie Ayn Rand oder lokale Größen einbeziehen. Oder einen individuellen Romancier wie Orwell, der den Geist der Sache sehr gut erfasst.

Diese Leute haben Maßstäbe gesetzt. Es ist ja schön, wenn sich heute wieder jemand auf eigene Faust in Richtung Liberalismus bewegt; aber ich denke, er muss sich schon an dem damals gesetzten Niveau messen (lassen).

Es reicht nicht, wenn man einfach ein paar Parolen der Liberalen aufgreift, um sie für seine Zwecke – für den Endsieg der eigenen Partei im Weltbürgerkrieg – zu benutzen. (Ein Beispiel ist diese oberflächliche Parole vom “Freihandel”, wenn es bloß um die globale Vereinheitlichung von Vorschriften geht.) Und genau das kennzeichnet den Neokonservatismus.

Ein Neokonservativer beschäftigt sich angelegentlich mit mangelnden Freiheiten in fremden/feindlichen Ländern. Freiheiten im eigenen Land interessieren ihn nur, wenn es ihn selbst betrifft; in vielen Fällen ist er bereit, die Freiheit im eigenen Land abzubauen und den Konformitätsdruck zu vergrößern (schließlich herrscht ja ein Weltbürgerkrieg zwischen guten und bösen Menschen, und die guten Menschen sind immer in existentieller Gefahr!) Ein Liberaler sucht in fremden Ländern vor allem nach Mustern, aus denen man positiv oder negativ lernen kann, um das eigene Land freier zu machen.

Neokonservatismus ist im wesentlichen Rooseveltismus – Wiederbelebung der Rooseveltschen Kriegs(vorbereitungs)Politik mit ihrer hypokritischen Übertreibung der Systemunterschiede, ihrer charakterologisch/rassistischen Essentialisierung des Konflikts (Kriminalisierung und Pathologisierung von Feindvölkern), ihrer Delegitimierung und Unterdrückung der Opposition im eigenen Land. Es wird Sebastian Bartoschek vielleicht überraschen, aber die amerikanischen Neoliberalen (und ihre Nachfolger, die Libertarians) waren gar keine Freunde Roosevelts. Im Gegenteil – gerade am Thema Roosevelt lassen sich die Unterschiede zwischen Neocons und Libertarians sehr deutlich herausarbeiten!

@Rainer Möller, Sie sind in dieser Frage offenbar sachkundig. Deshalb würde ich von Ihnen gerne mal hören wie Sie den Umstand bewerten, daß ausgerechnet die Partei, die den freien Markt, freie Wirtschaft und überhaupt Freiheit jeder Art nicht nur im Namen führt, sondern bei jeder Gelegenheit als politisches Ziel propagiert, bis auf wenige Ausnahmen alle Wirtschaftsminister in Deutschland gestellt hat. Nicht nur, daß ich das als krassen Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit empfinde, scheint es mir auch ein Fehlschluß der Anhänger dieser Partei zu sein, die es hier im Blog zahlreich zu geben scheint, daß ausgerechnet sie deren wunschtraumartig erhoffte “wirklich freie Marktwirtschaft” einführen könnte.
Das Gegenteil scheint mir der Fall zu sein, denn dann hätte sie es seit 1972 unter 9 (neun) Wirtschaftsministern ihrer Partei längst tun können.
Und wenn jemand der Wirtschaft gerne freien Lauf garantieren möchte, ist dann für den dieses Wirtschaftsministerium eigentlich nicht sofort überflüssig? Was meinen Sie?

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