DCVDNS und der “Anti-Antifa”-Song

DCVDNS © Benjamin Ballack , CC BY-SA 2.0
DCVDNS © Benjamin Ballack , CC BY-SA 2.0

Der Rapper DCVDNS hat mit seiner ehemaligen Gruppe „Coole Gang“ ein Lied mit dem Titel  „Anti-Antifa“ gemacht, in dem zum Mord an Punks, Hippies und Emos aufgerufen wird. Hat der Rapper eine rechte Vergangenheit?

Es ist ein Lied, dass in Playlists mit Namen wie „Gegen die Roten, gegen die Antifa und gegen Anti-Deutsche“ auftaucht. Mit Textzeilen wie „Punker, Bastard, Arschloch/ Schlagstock auf den Schwanzkopf“ oder „die coole Gäng gibt keine Mark/ wir sind die Anti-Antifa“  scheint das Anti-Antifa-Lied bei dem rechten Publikum punkten zu können. In seinem Part rappt DCVDNS unter anderem: “Ihr seid politisch korrekt und wollt Stress ausdiskutieren/ Die zwei von der Coolen Gang werden euch die dreckigen Fressen polieren/ Denn wir kacken auf euren Wortschatz/ Uns genügen Wörter wie ‘Vollspast’/ Bei der Coolen Gang spricht die Knarre”.

Auch der Titel ist deutlich vorbelastet. Der Begriff „Anti-Antifa“ wird so gut wie ausschließlich  von der rechten Szene benutzt. Dass DCVDNS bei einem Lied mit einem so eindeutigen Text und einem so vorbelasteten Titel mitwirkte, steht allerdings auch im Gegensatz zu seiner späteren Solokarriere. So wirkte er unter anderem bei dem Lied „Normale Freunde“ von Audio88 & Yassin mit, die mehrfach gegen Rechte Stellung bezogen haben. Im Interview mit Audio88 & Yassin äußerte sich Audio88 zu dem Anti-Antifa-Lied und ihrer Zusammenarbeit mit DCVDNS: “Wir kennen den Song nicht, ich höre davon zum ersten Mal. Ich kenn‘ nur die zwei Soloalben. Höre ich jetzt zum ersten Mal dass es so einen Song gibt. Die Zusammenarbeit kam daher, dass wir schon vor Jahren gemeinsame Auftritte hatten und uns sehr gut verstanden haben. Und dass Wertschätzung da war für den Teil seines Werkes, den wir kennen.”

Weder DCVDNS noch Pro7 antworten auf Presseanfragen

Geäußert hat sich der Rapper bisher nicht zu dem Lied. Jedoch spricht er in seinem Lied „Wie ich“ ein Auftrittsverbot der Antifa an, das vermutlich wegen des “Anti-Antifa”-Liedes ausgesprochen wurde.

Besorgniserregend ist allerdings, dass ein Rapper mit so einem musikalischen Hintergrund beim Bundesvision Songcontest mitmachen konnte, ohne sich davon distanziert zu haben. DCVDNS trat 2013 bei dem Wettbewerb auf. Auf eine Anfrage reagierte Pro7 allerdings nicht. Ob den Verantwortlichen das Musikstück überhaupt bekannt war, bleibt deshalb fraglich.

Natürlich kann das Lied ironisch gemeint sein, allerdings finden sich im Anti-Antifa-Songs keinerlei Anzeichen dafür. Vielleicht war es auch eine Art „Jugendsünde“? Aber warum hat sich DCVDNS dann nie davon distanziert oder das Lied thematisiert? Alles Fragen, auf die es bisher keine Antworten gibt. Auf eine Anfrage von Ruhrbarone.de reagierte DCVDNS nicht. Wir wollten unter anderem von ihm wissen, wie er den Liedtext und den Titel rechtfertigt, wie er zu den in dem Lied getätigten Aussagen steht und ob er rechtem Gedankengut nahe steht.

Da DCVDNS weder auf unsere Fragen reagiert, noch sich von dem Anti-Antifa-Song distanziert hat, wirft das Lied ein schlechtes Licht auf den Rapper. Aber damit hat er ja, so scheint es, schon Erfahrung. So rappt er in “Wie ich”: “Und wurde schon als Nazi abgestempelt wie Kool Savas/
Aber trotzdem bin ich nicht auf dem JUICE-Cover”.

8 Kommentare

Auch als normaler Bürger kann man die Antifa nicht mögen, schließlich sind diese, auch wenn sie links sind, Extremisten. Und Extremismus ist in jeder Hinsicht nicht gut. Vielleicht wollte DCVDNS genau darauf aufmerksam machen, da man nur die rechte Szene als negativ ansieht und die linksradikalen gar nicht auf dem Schirm hat.

Mit dieser Kotz- und Würgsprache gegen Extremismus? Es wundert mich nicht, dass das die Neonazis ganz anders sehn,Tom.

Ach, Tom. Es gibt 'die' Antifa gar nicht und Extremist*innen sind das auch maximal nur, wenn man zu viel von Backes & Jessen gelesen hat. Die demokratische Mitte, umzingelt von extremistischen Rändern, ist auch nur ein Phantasma.

Ohje, nicht nur der Autor bekommst nicht auf die Reihe "ein Auftrittsverbot der Antifa an, das vermutlich wegen des „Anti-Antifa“-Liedes ausgesprochen wurde.", auch "Tom" schafft es anscheinend nicht vermeintliche Begriffsinhalte mal zu hinterfragen. So etwas wie DIE "Antifa" gibt es nicht. Antifa bezeichnet grundsätzlich, als Begriff einer inhaltlichen falschen Gruppenzuordnung, Menschen die aktiv antifaschistisch agieren. Also Menschen die Faschismus in jeder Form ablehnen und daraus auch ihr Handeln ableiten. Das Spektrum ist breit und vielfältig, bedient sich vieler unterschiedlicher Aktionsformen und, man höre und wundert sich nicht, überspannt so ziemlich alle bürgerlichen und nicht bürgerlichen Schichten. Antifaschismus ist alles aber sicher nicht "extremistisch". Was braucht es, außer ein wenig Geschichtskenntnis, Menschenverstand und demokratischen Grundsatz, um autoritäre, militaristische, rassistisch, militant neoliberale, totalitäre, etc. pp. Strömungen aktiv abzulehnen und dagegen vorzugehen?
Mit Radikalismus hat Antifaschismus nicht im geringsten was zu tun.

"Mit Radikalismus hat Antifaschismus nicht im geringsten was zu tun." Das werden die 250.000 politischen Gefangenen der "antifaschistischen" DDR anders sehen, ebenso die Angehörigen der Toten am "antifaschistischen Schutzwall."

@ #5 thomas weigle: Die "DDR" hatte nicht nur einen "antifaschistischen Schutzwall", sondern nannte sich auch "demokratisch" und "Republik". Und nun?! Naja, immerhin das "deutsch" im Namen passte. Aber zurück zum Topic: Der Begriff "Anti Antifa" ist eindeutig und ausnahmslos rechtsradikal bis neonazistisch besetzt. Das sollte man wissen.

Tom und thomas weigle

Sehr schlechte Argumentation, Anti-Faschismus ist nicht automatisch Linksextremismus im Sinne von Autos anzünden oder Feuerwerkskörper auf Polizisten schmeissen. Es ist mir ja ein grosses Rätsel, wie man überhaupt nicht Anti-Faschist sein kann, denn das bedeutet ja eigentlich, dass man einer ist. Eigentlich müsste jeder Mensch, der kein Anti-Faschist ist, die NPD wählen. Selbst die würde wahrscheinlich den Vorwurf, faschistisch zu sein, weit von sich weisen.

Die DDR hat sich zu Propagandhazwecken natürlich als antifaschistisch betitelt. Trotzdem war die DDR, wie andere Ex-Soviet Staaten oder heute Nordkorea, eigentlich auch ein faschistischer Staat. Heutige Antifaschisten haben das erkannt, ich kenne niemanden, der sich Antifaschist nennt und die DDR feiert. Im Gegensatz zu den Rechtsextremen, die immer ihren alten Ruhm glorifizieren(Nazi Demos vor Wehrmachtsdenkmälern bspw.), setzt sich die heutige Linke also durchaus kritisch mit Ihrer Vergangenheit und dem Unrecht vergangener so bezeichneter linker totalitärer Regime auseinander.

Ein Anti-Faschist kann z. Bsp. auch gleichzeitig Kapitalist zu sein. Beides schliesst sich nicht unbedingt aus, obwohl für viele Linke der Kapitalismus durch gezielte Verarmung und Ausbeutung bestimmter Bevölkerungsschichten den Nährboden für faschistisches Gedankengut liefert. Über all das lässt sich diskutieren. Die Gemeinsamkeit aller Anti-Faschisten ist, dass die Toleranz eben beim Fascho aufhört.

Ich frage mich, wieso es DCVDNS es nötig hat, auf Links-Extremismus hinzuweisen, wo nahezu jede Band hierzulande, die offen links ist und in Jugendzentren auftritt, vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Gleichzeitig konnten Neo-Nazis hier über mehr als ein Jahrzehnt chillig Menschen dunklerer Hautfarbe willkürlich töten, verüben Anschläge mit Tötungsabicht auf Polizisten und rufen ihr eigenes Staatsgebiet im Vorgarten aus und schaffen sich national befreite Zonen.

Ich halte nichts von Spinnern, die sich auf linke Ideologie berufen und Feuerwerkskörper auf Polizei und Zivilisten schmeissen, Autos abfackeln oder Geschäfte einschmeissen, denn diese Aktionen treffen in der Regel auch noch dazu immer die falschen, nämlich die normalen Mitarbeiter, die die Scheisse aufräumen müssen. Wenn sich Linke zusammenfinden, um Nazis zu klatschen, dann ist dass sicherlich nicht der zivilisierteste Weg der politischen Konfrontation, andererseits kann es mir recht egal sein, wenn sich gewaltbereite Hornochsen gegenseitig verprügeln. Insgesamt stellt rechte Gewalt linke Gewalt eindeutig in den Schatten.

Diese Art der Relativierung nach dem Motto "die benehmen sich wie Schweine, also muss ich mich schlimmer benehmen, bin ja bedroht von denen!" ist typisch für Rechte. Ich kenne keinen Linken, der seine Haltung nur als notwendiges Gegengewicht zur Rechten sieht, die meisten wären auch ohne Nazis links. Rechte aber sind nicht in der Lage Verantwortung zu übernehmen, sie behaupten immer, die Umstände würden sie zum Handeln zwingen.

Ich denke manchmal, dass Menschen wie ihr noch nie mit echten Nazis konfrontiert wart. Ich bin auf einem Kuhkaff grossgeworden und es gab kaum eine Grillfeier bei der nicht die jeweils örtliche Skinhead-Crew dazukommen musste. Ich kann nicht sagen, dass ich jedesmal gegen diese Typen anging. Da gehts auch um meine Sicherheit. Aber mich, weil offensichtlich südländischer Einschlag, haben die sich gerne mal rausgesucht, und wenns nur war um mich mit dummen Sprüchen zu piesacken. Wenn ich eins gelernt habe, dann dass solche Menschen sich sowieso nur für sich selbst interessieren, meistens nicht über ihre Dorfgrenze hinausgucken, sofern Sie alles im Griff haben, selbst fast nie Probleme mit Ausländern hatten, weil es in Ihrer Nähe meist keine gibt, aber natürlich stark gegen diese sind. Argumente sind da immer zwecklos. Am Ende oft noch der Spruch
"Beim Führer hätten Sie dich duschen geschickt, du dreckiger Kanacke" und 5 Min später den Holocaust leugnen. Sorry, selbst die dämlichsten und dogmatischsten Linken Spiesser kriegen so einen intellektuellen Frevel nicht hin. Mir ist völlig klar, dass es solche Menschen immer geben wird. Und die sollen gerne die gleichen Rechte geniessen wie Alle und ihre abgefuckten Parteien wählen. Von mir aus können die auch Ihre hanebüchenen Verschwörungstheorien unter sich verbreiten. Wenn die aber versuchen wollen, uns weisszumachen, Faschismus ist ne ganz normale politische Einstellung und anhand gefakter Geschichte sich zum ewigen Opfer stilisieren, obwohl sie selbst nichts anderes als den Tod eines jeden zu wünschen, der anders denkt, dann muss ich schon allein aus Selbst-Schutz, und nicht nur aus Anti-Faschismus handeln.

Und was DCVDNS betrifft, der ist wahrscheinlich kein Faschist, aber weiss halt, dass das derbe edgy rüberkommt, wenn man so einen Track macht, will/wollte provozieren. Wenn ihm was an einer Message liegen würde, dann würde er politische Inhalte angehen. Es geht aber in dem Track doch einfach nur ums möglichst harte Dissen und bedrohen einer ihm verhassten Subkultur. Niveaumässig liegt er damit keinen mm über den meisten Punks, denen er so gerne seine Knarre zeigen würde.

Kein TL;DR weil wer zu faul ist, dass zu lesen, den interessierts nicht, und da kann ich wenig machen.

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