Das üble Nachkarten gegenüber Jens Keller beim FC Schalke 04 ist besorgniserregend

In der Arena auf Schalke. Foto: Michael Kamps
In der Arena auf Schalke. Foto: Michael Kamps

Manchmal muss man sich als Beobachter der Geschehnisse im modernen Profifußball ja schon extrem wundern. Da arbeitet zwei Jahre lang der von vielen Leuten aufgrund seiner eher mäßigen Ausstrahlung kritisierte Cheftrainer Jens Keller beim großen FC Schalke 04. Dieser erreicht mit dem Team immerhin zweimal in Folge einen Champions-League-Platz.
Bei Niederlagen gerät Keller jedoch immer wieder rasch und heftig in die Kritik, gilt aber unbestritten allgemein als exzellenter Fachmann und zweifellos ‚guter Trainer‘.

Dann wird Keller nach zwei Jahren, in denen man beim Team nicht so wirklich nennenswerte spielerische Fortschritte erkennen kann, zumindest wirft man ihm das am Ende vor, von seinen Aufgaben entbunden, mir Roberto Di Matteo ein Nachfolger in seinem Amt installiert, der eine stärkere Persönlichkeit, mehr Ausstrahlung in der Öffentlichkeit zu versprechen scheint. Doch auch dieser vermag mit dem Team, mitten in der laufenden Saison, natürlich nicht sofort ‚Wunderdinge‘ zu vollbringen. Es hakt und ruckelt noch immer beim S04-Express. Und was passiert?

 
Spieler und Verantwortliche kritisieren plötzlich indirekt und ungewohnt heftig den zuvor geschassten Jens Keller und seine Trainingsarbeit. Zuletzt Horst Heldt, der Manager, nun offenbar auch Benedikt Höwedes, der amtierende Mannschaftskapitän der Knappen.
Bei ‚der Westen.de‘ wird Höwedes, nach der gestrigen 2:4-Niederlage in Lissabon, aktuell mit den Worten zitiert: “Uns fehlt die körperliche Frische. Wir müssen da natürlich noch einiges aufholen, ganz klar. Da müssen wir alle durch. Wir werden im Winter noch ausgiebiger daran arbeiten, um fit zu sein.”

 
Die Gründe für die momentanen Defizite sieht Höwedes, lt. WAZ, in der Trainingsarbeit der vergangenen Monate: “Ich glaube, wir hätten ein bisschen mehr machen können. Wir können nicht in jedem Spiel über 90 Minuten gehen. Besonders nicht in intensiven Phasen. Wir arbeiten jetzt daran, dass wir wieder auf ein gutes Level kommen. Da bin ich guter Dinge.”

 
Schon ein starkes Stück, aus meiner Sicht! Höwedes ist doch Mannschaftskapitän. Warum hat er diese Problematik denn dann nicht schon eher thematisiert? Warum hat er nicht schon wesentlich eher dafür gesorgt, dass er und seine Mannschaftskameraden mehr bzw. härter trainieren?
Wenn es intern nichts gebracht hätte, hätte er ähnliche Andeutungen in Richtung Keller doch auch schon früher machen können. Und auch freiwillig mehr in diese Richtung zu tun ist ja sicherlich nicht verboten gewesen.

 
Ist es nicht sogar seine Aufgabe als Sprachrohr des Teams diese Dinge rechtzeitig auf den Tisch zu packen? Jetzt, wo Keller entmachtet ist, da erscheint mir das ebenso billig, wie die Aussagen von Horst Heldt vor ein paar Tagen, als dieser Keller ebenfalls für dessen Trainingsarbeit indirekt kritisierte.
Dies erst jetzt im Nachhinein zu tun ist übrigens auch höchst ‚unfair‘ gegenüber Keller, der sich nun gegen diese Vorwürfe, ob berechtig oder nicht, nicht mehr entsprechend zur Wehr setzen kann.

 
Ein absolut unwürdiges Schauspiel aktuell in Gelsenkirchen. Roberto Di Matteo sollte sich das ganz bewusst anschauen. Eventuell droht ihm ja irgendwann mal ein ganz ähnlicher Umgang….

10 Kommentare

Man hat doch immer wieder mal den Eindruck, dass einige unserer “Millionares” kleine Kinder sind, die offenbar nicht in der Lage sind, Fehlentwicklungen, so es sie gibt, zu benennen. Sehr seltsam.
Was bei S.04 passiert, ist ganz übler Stil, nur leider auch nicht neu oder nur auf die Bierschüsselkicker beschränkt.

psychobabble (Küchenpsychologie):

Höwedes leidet am “Weltmeister-Syndrom”

(akute Selbstüberschätzung aufgrund zu großen Erfolges)

Wann wird schalke der Tatsache ins Auge blicken, dass der Kader völlig durchschnittlich ist? Nix da zu wenig Fitness, was Höwedes kritisiert oder mangelnde Kommunikation durch Keller (wie Papa es anmerkte). noch ein paar Wochen und man wird wohl sehen, dass Keller offenbar wirklich das letzte aus diesem Anhäufung von überbezahlten Söldnern rausgeholt hat. Keller ist jetzt auch nicht der Über-Trainer, aber ich hoffe, dass das Karma dieses unwürdige Nachtreten bestraft. Es ist inzwischen nur noch lächerlich!

Volle Zustimmung meinerseits zur Überschrift. Ich als Schalker würde mir wünschen, dass eine Nachbetrachtung im internen Kreis besprochen wird. Vielleicht lernt ja jemand etwas daraus. Bei Höwedes bin ich etwas toleranter. Da kriegst du gegen Lissabon vier Buden und das obwohl der Trainer auf eine stabile Defensive setzt. Der hat sich ob seiner Leistung geschämt und einen “Strohmann” aufgebaut. Was aber Heldt angeht, bin ich sehr enttäuscht. Er hat genau den Trainer gewollt, hat ihn bekommen und ist ihn nicht mehr gesichtswahrend losgeworden. Ok, passiert. Aber aus Fehlern darf man lernen. Nur so als Angebot. Und es geht noch weiter. Da wird der formschwache Nachwuchskicker Avdijajs in der Öffentlichkeit kritisiert. “Talent alleine reicht nicht”. Genau Herr Heldt. Aber Sie haben ihm die 49 Mio Ablöse in den Vertrag geschrieben. Dann passen Sie gut auf das Juwel auf, statt ihn bloss zu stellen. Schande, dass ich das schreiben muss, aber sowas hätte es bei Bayern nicht gegeben.

es ist die leichteste Möglichkeit, eine kritische Analyse zu umgehen, wenn man den Ex-Trainer Schuld gibt.

Bisher spielt Schalke unter DiMatteo so gut oder schlecht wie unter Keller. Mal schauen, ob sich das ändert… Schalke rettet sich allein über die Qualität der einzelnen Spielern die Punkte. Das Zusammenspiel dieser einzelnen Spieler ist jedoch verbesserungswürdig.

es ist zumindest der richtige Ansatz von DiMatteo sich zuerst um die Defensive zu bemühen. Wenn das mannschaftsdynamisch mal gut wird, kann man darauf aufbauend sich auch um weiteres kümmern…

ich denke, da wird auch an der Kaderzusammenstellung gebastelt werden… man sollte sich drauf einstellen, dass es etwas dauern könnte, bis man wieder ganz oben angreifen kann… d.h. man muss auch die finanzielle Situation kritisch beäugen… lieber im Kader etwas sparen und mehr Jugendspieler einbauen, wenns passt… auch vom Image her brauch man nicht unbedingt ein Star-Ensemble…

Höwedes praktizier nur das, was seit “altersher” dem “typisch deutschen Untertan” zugeordnet wird:

Nicht sagen, nichts tun demjenigen gegenüber, der Macht hat und der diese gegenüber einem “ungehörigen” Untertan nutzen könnte.
Wenn der tatsächlich oder als ein solcher wahrgenomme Mächtige ins Wanken gerät, wenn er gefallen ist, wenn er weg ist, dann……………….
-sh.unzählige Beispiele in der Poltik, im Sport -.
Es gibt keinen Anlaß, von Höwedes anderes erwarten zu können.

Dass Höwedes seine Kritik öffentlich macht, ist übel. Ändert aber nichts daran, dass sie stimmt. Wenn Di Matteo als eine seiner ersten Maßnahmen damit beginnen muss, Konditionstraining anzuordnen mitten in der Saison, dann spricht das für sich. Ebenso wie die Tatsache, dass Di Matteo in den ersten Wochen seines Amtes nichts anderes getan hat, als für eine defensive Stabilität zu sorgen. Leider gestern mit sehr mäßigen Erfolg,

Jens Keller hat in 22 Monaten diese Mannschaft heruntergewirtschaftet, so dass sie heute als Kollektiv nicht mal mehr weiß, wie man ein einigermaßen ordentliches Aufbauspiel organisiert, um den Ball möglichst schnell in die Sturmspitze zu kriegen.

Das ist allerdings nicht die ganze Wahrheit. Einer hat viel zu lange tatenlos zugeschaut und viel zu spät darauf reagiert, dass eine der teuersten Mannschaften der Liga von einem Lehrling trainiert wurde. Immerhin hat Schalke jetzt wieder einen richtigen Trainer und ich denke, eine komplette Vorbereitungszeit in der Winterpause sollte man ihm schon geben, um seine Handschrift erkennen zu können.

@Klaus Lohmann;

Sehe ich auch so. Heldt und Tönnies wissen allmählich nicht mehr, wen sie noch für ihr Missmanagement verantwortlich machen können.

Wäre ich Schalker würde ich sagen: Die müssen weg und ein neuer AR muss her.

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