Das studentische Leben – eine Anekdote

students – gemeinfrei

Am Tisch der Wohnküche, mit Blick auf einen vergammelten Schulhof und auf ein uraltes Gebäude, entstand eines Morgens in mir die Idee einer anarchisch philosophischen Universität, abseits der staatlichen Versorgungsstätte für Hochschullehrer. Forschung zu betreiben, war den meisten Lehrern vermutlich unbekannt. Sogar die Seminarveranstaltungen wiederholten sich über die Semester regelmäßig. Selbstverständlich blieb die Idee ein Traum, aber ein wirklicher.
Dass ich gemeinsam mit anderen Interessierten nach dem Studium das sprachanalytische Forum gründen würde, eine philosophische Forschungseinrichtung, war mir noch unbekannt, aber der Impuls dazu resultierte aus der Erfahrung mangelnder Neugierde unter Lehrenden und dem Wunsch, diesem groben Missstand etwas entgegenzusetzen.

Der Job an der Oper rief hingegen die eigene musikalische Vergangenheit in mir wach. Ich verbrachte zunehmend Zeit mit meiner klassischen Gitarre und begann, an der Entwicklung von Übungsstücken zu arbeiten. Freitonal. Und in einer klassisch ungewöhnlichen Stimmung: DAdgad’. Das erste Stück brachte mir unversehens einen studentischen Schüler ein.

Doch von der Stadt Duisburg kannte ich noch so gut wie nichts, lediglich das Autobahnkreuz Kaiserberg, die Universität, das Wohnheim und einige Kneipen im Uni-Stadteil Neudorf.
Jemand aus der Nachbar-WG machte mich auf das Café Graefen aufmerksam. Als ich das Lokal in der Innenstadt, Nähe des Dellplatzes betrat, reizte mich sein anarchisches Design. Die Innenwände waren von papiernen Versatzstücken und Dia-Projektionen kaschiert, an Wänden und der Decke hingen sonderbare Gegenstände, Aquarien ohne Fische, aber mit steigenden Luftblasen, erbastelte Stahl- und Plastikobjekte, und zu Weihnachten gab es, wie mit später auffiel, einen Baum auf der Theke: aus Rohren und Zangen. Das Café wurde zu meinem abendlichen Wohnzimmer, sobald ich Zeit hatte. Viel später widmete ich dem ehemaligen Lokal sogar eine EP.

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