Das Glück ist zurück in Dortmund: Der unerklärliche Stöger-Effekt beim BVB

Sechs Punkte in sechs Tagen in Dortmund: Peter Stöger. Foto: Robin Patzwaldt

Fußball ist schon verrückt. Herrlich verrückt sagen die Sieger. Im negativen Sinne sprechen die Verlierer von dieser Tatsache. Zu sehen war dieses Kuriosum wieder einmal am gestrigen 17. Bundesligaspieltag, dem letzten in diesem Kalenderjahr.

Da gewann der BVB mit Neu-Trainer Peter Stöger in den Schlussminuten durch einen Treffer von Christian Pulisic in der 89. Spielminute noch glücklich gegen die TSG Hoffenheim mit 2:1 (0:1). Es war bereits der zweite Sieg in Folge für die Schwarzgelben, nachdem sie unter der Woche auch schon mit 2:0 (0:0) in Mainz mit dem Glück im Bunde gewinnen konnten. Beide Spiele unter Stöger hätten dabei auch ganz leicht anders ausgehen können. Und unter einem Trainer Peter Bosz wären sie das wohl auch.

Nachdem der Klub seit Ende September in der Liga zuvor kein Spiel mehr gewinnen konnte, fuhr man so in nur vier Tagen also sechs wichtige Zähler ein. Stöger wird von den Fans dafür gefeiert. Erst eine Woche zuvor wurde Vorgänger Bosz mit vielen Flüchen aus der Stadt verabschiedet. Die von der Vereinsführung dringend erhoffte Trendwende ist durch diesen Wechsel des Übungsleiters gerade noch rechtzeitig eingetreten, wie es scheint.

Dass der Anteil des ‚Neuen‘ dabei in erster Linie im Psychologischen liegen kann sollte auch klar sein. Seit dem vergangenen Montag hatte Stöger ohnehin kaum Zeit die Mannschaft großartig zu verändern. Es war kaum Zeit für Training. Der Österreicher dürfte noch immer damit beschäftigt sein seine neuen Jungs kennenzulernen.

Trotzdem hat Stöger, auch mit dem notwendigen Quäntchen Glück im Bunde, es geschafft die Handbremse des BVB zumindest ein Stück weit zu lösen. Über den Jahreswechsel liegt der Pokalsieger mit aktuell 28 Zählern somit lediglich zwei Zähler hinter dem FC Schalke 04 (30), der sich nach seiner guten Vorrunde noch immer im Stimmungshoch befindet.

Dass der zuletzt kriselnde BVB so nah hinter den Schalkern liegt, trotz der wochenlangen Durststrecke zuletzt, dass ist allerdings kein Ruhmesblatt für die gesamte Liga. In der Vorwoche war bereits zu lesen, dass seit Jahren schon kein Tabellenzweiter in der Bundesliga zu diesem Saisonzeitpunkt so wenige Zähler auf den Konto hatte. Auch daraus kann der BVB, unabhängig vom Ausgang des DFB-Pokalspiels in München am kommenden Mittwoch, in der Rückrunde zusätzlich Kraft ziehen, ist ein Sprung auf den allgemein erhofften Tabellenplatz zwei für die Dortmunder also weiterhin gut möglich.

Auch Stöger äußerte gestern im Sky-Interview, dass er im Frühjahr, wenn in Dortmund viele derzeit verletzte Spieler wieder in den Kader zurückkehren dürften, eine wirklich gute Mannschaft des BVB auf dem Platz erwarten würde.

Erfrischend zudem, wie gelassen der Österreicher in der Öffentlichkeit aktuell mit der Tatsache, dass sein Vertrag in Dortmund (vorerst) nur bis zum Sommer geht umgeht. Selbst die gestern erstmals aus Köln zu vernehmende massive Kritik an seiner Arbeit dort, als Armin Veh ihn plötzlich aus der Domstadt in ungewohnt heftiger Form für die vielen Verletzten und die schlechte körperliche Verfassung des Teams vom Rhein verantwortlich machte, ließ Stöger souverän an sich abprallen, schickte im Gegenzug schlicht Grüße zurück nach Köln.

Auch daran sieht man, wie unlogisch es in diesem Geschäft zeitweilig zugeht. Nichts ist entscheidender als der Tageserfolg. Liegt man hier im Soll, dann ist man der große Held, gibt es seit Wochen nichts mehr zu bejubeln, dann macht der Trainer scheinbar alles falsch.

Dass das so nicht ganz so einfach zu erklären ist, das konnte man in den letzten Tagen an Stöger selber nachvollziehen. In Köln über Monate noch ohne das notwendige Fortune, in Dortmund auf Anhieb eine Art Glücksbringer. So eng liegen Erfolg und Misserfolg beieinander.

Den BVB-Fans wird es aktuell egal sein. Sie haben seit Amtsantritt des sympathischen Coaches das notwenige Glück vorerst wieder auf ihrer Seite. Die eigentliche Arbeit Stögers in der neuen Umgebung wird ohnehin erst in der kurzen Winterpause so richtig beginnen können.

In diesen Tagen muss sich der Übungsleiter noch darauf beschränken dem neuen Team Vertrauen zu schenken, den Jungs gut zuzureden und ihnen das Glück zurückzubringen. All das hat er geschafft in den ersten sechs Tagen in Dortmund. Und mehr war da wahrlich nicht zu erwarten.

Glück gehabt, BVB!

10 Kommentare

Ja @Robin, Fußball ist schon auch etwas verrückt, auch ein Stück weit unberechenbar, aber das macht das alles auch spannend und interessant.
Du hast Recht, in Köln agierte Stöger die letzten Monate ohne Fortune, der FC hatte in mehreren Spielen einfach auch Pech. Und kaum ist Stöger beim BVB, ist er der Glücksbringer, gewinnt der BVB beide Spiele unter ihm. Unter Bosz hätte sich der Abwärtstrend vermutlich weiter fortgesetzt.

Stöger hat aber nicht nur im psychologischen Bereich gearbeitet, er hat der Mannschaft durch eine andere Anordnung auf dem Platz wieder mehr Sicherheit und Stabilität gegeben, hat das Team tiefer und kompakter angeordnet. Außerdem stellt er Spieler nur auf Positionen, auf denen sie sich auch wohl fühlen und mit denen sie nicht fremdeln. Bartra musste nicht wieder den Rechtsverteidiger geben, sondern Toljan durfte zeigen, dass er Potenzial hat und das Vertrauen des Trainers braucht. Er ist noch jung und wird sich weiter eingewöhnen und Schritte nach vorne machen. Weigl durfte auch wieder seine alte Rolle vor der Abwehr einnehmen und so seine Stärken als Ballverteiler ausspielen, hat das Spiel wieder vor sich und muss nicht weiter vorne eine Rolle ausfüllen, die ihm nicht liegt.
Man hatte nicht mehr das Gefühl, dass der BVB jederzeit hätte ausgekontert werden können. Und vor allem gegen Hoffenheim war auch das Spielglück wieder auf Seiten des BVB, wobei der BVb in den ersten 20 Min. aber auch schon führen können, wenn Yarmolenko nicht mehrfach falsch entschieden hätte. Die Mannschaft zeigte sich bis zum Schluss auch wieder als Einheit auf dem Platz und man konnte erkennen, dass sie bis zum Schluss noch gewinnen wollte.
Die Mannschaft war derart in eine Abwärtsspirale geraten und derart verunsichert, dass der Trainerwechsel unausweichlich geworden ist und dieser neue Impuls notwendig war. Bosz hat sicherlich Fehler gemacht, hatte aber auch Pech.

Wenn man jetzt die Phasen des Peter Bosz beim BVB und des Peter Stöger beim 1. FC Köln vergleicht, dann besteht der große Unterschied darin, dass Stöger für FC-Verhältnisse sehr lange 4 1/2 Jahre dort war und Bosz erst wenige Monate als BVB-Trainer agierte.
So lange wie Peter Stöger war – wenn überhaupt – schon ewig kein Trainer mehr beim FC und das spricht klar für Stöger, der den FC zurück in die Bundesliga führte und dann gleich Richtung Mittelfeld und zuletzt sogar in die Europa League. Das hat in ganz Köln Euphorie ausgelöst, nach Jahrzehnten spielte der FC erstmals wieder international. Aber genau das war in der aktuellen Situation das Problem. Man hatte erstmals mit einer Dreifachbelastung zu kämpfen und musste vor Saisonbeginn Topstürmer Modeste abgeben, der aber nicht gut ersetzt wurde. Schmadtke ist es nicht gelungen, den Kader im Rahmen der begrenzten Möglichkeiten des FC für diese Dreifachbelastung gut genug aufzustellen.

Aus den genannten Gründen ist das, was jetzt Veh machte, einfach nur schlechter Stil und in dieser Form indiskutabel. Zudem machte der FC gerade in den letzten Spielen nicht den Eindruck als ob die Mannschaft nicht fit sei. Dass man der Dreifachbelastung mit einem dafür nicht optimal ausgerichteten Kader und der einen ode anderen zusätzlichen Verletzung aber Tribut zollen muss, ist klar. Selbst die wesentlich besser besetzten Leipzig und Hoffenheim machten ja deutlich, dass man die Dreifachbelastung sehr spüre und froh sei, wenn jetzt die Winterpause komme.
Dass ausgerechnet Veh jetzt die Klappe groß aufreißt, ist ein Unding. Denn der hat sich auf seinen letzten Trainerstationen nicht gerade mit Ruhm bekleckert, hat es mehrfach nicht lange ausgehalten und mehrfach einfach die Brocken hingeworfen als es ihm zu schwierig wurde oder nicht mehr passte. Veh wurde teilweise heftig kritisiert.
Stöger reagierte cool und souverän und ließ Veh dabei recht alt aussehen.

Die Bosse des BVB hatten Glück, dass sich die Konstellation jetzt so ergeben hat und Stöger zum passenden Zeitpunkt verfügbar war. Beide Seiten profitieren von dieser Lösung und es war auf jeden Fall richtig, den Vertrag zunächst nur bis Saisonende zu terminieren, nach dem man ja zuletzt zwei Trainer vorzeitig entlassen hat.
Der BVB hat jetzt wieder etwas Rückenwind und in der Vorbereitung auf die Rückrunde kann Stöger dann richtig mit der Mannschaft arbeiten, auch der eine oder andere noch verletzte Spieler kehrt zurück.
Stöger unterscheidet vor allem von Bosz, dass er nicht auf ein bestimmtes System festgelegt ist, sondern sich nach den Spielern richtet, die er zur Verfügung hat. Er ist taktisch fexibel und wird mit dem BVB nacxh der Winterpause sicherlich offensiver spielen lassen als er das mit dem FC tun konnte. Dass er auch das kann, hat er z. B. in seiner Zeit bei Austria Wien gezeigt als er mit Offensivfußball Meister wurde.

Stöger kommt bei den Fans gut an, er zeigt sich clever bei seinen öffentlichen Auftritten und hat auch einen trockenen Humor. Er hat viel Erfahrung als Trainer und ist taktisch flexibel und versiert. In den nächsten Wochen und Monaten kann er nun zeigen, ob er auch der Aufgabe als Trainer eines europäischen Topklubs wie des BVB in vollem Umfang gewachsen ist. Kann er überzeugen, sollte man mit ihm verlängern. Aber das muss man jetzt mal abwarten.

Jetzt steht ja noch als Jahresabschluss das Pokalspiel beim FC Bayern in München an. Da wird der BVB jetzt mit mehr Selbstbewusstsein hinfahren, aber in diesem Spiel sind die Bayern natürlich Favorit. Ene Niederlage des BVB würde jetzt nicht mehr als Rückschlag gewertet, ein Sieg würde weitere Kräfte freisetzen.
Wichtig ist, dass der BVB nach einem zu ereignisreichen Jahr mal wieder zur Ruhe kommt und sich keine neuen Baustellen, Probleme oder gar Krisenherde auftun. Die Chancen, dass das gelingt, sind mit Stöger gewachsen.

Für die Mannschaft und für Stöger konnte es mit 6 Punkten aus den beiden letzten Spielen nicht besser laufen; Glückwunsch!

Der für jedermann spür- und erkennbare Verunsicherung der Mannschaft wird damit wirkungsvoll begegnet. Total verschwunden sein kann sie m.E. damit aber noch nicht!

Auch gestern gab es neben " sehr viel Licht", aber eben auch weiterhin "einigen Schatten". Das gilt für die subjektive Leistung der meisten Spieler und für die Gesamtleistung der Mannschaft.
Ich bin mir nicht sicher, ob es, wie es, wann es gelingen könnte, konstant die Leistung der einzelnen Spieler und der Mannschaft auf hohem Niveau zu stabilisieren, so daß "am Ende" ein Champ.lig-Platz ( zwei bis vier) herauskommen kann. Derzeit sollte kein Borusse vergessen, daß die Mannschaft vor diesen beiden gewonnen Spielen bis auf 7 Punkte dem Relegationsplatz nahegekommen war.

"Wir" haben gestern einen sog. "glücklichen Sieg" verbuchen können. Für mich wäre, wenn ich denn die Floskel gebrauche, Hoffenheim der verdienter Sieger gewesen.

Insgesamt, so scheint es mir, sind 7/8 Mannschaften hinter den Bayern in der Lage, auf den Plätzen 2-4 zu landen!
Insgesamt, so ebenfalls meine momentane Wahrnehmung, ist das Niveau aller sog. Spitzenclubs hinter den Bayern im bisherigen Verlauf der Spielzeit 2o17/2o18 deutlich niedriger als in den letzten 5 Jahren. Das stelle ich wöchentlich nach den Bundesligaspielen fest. Das hat sich bekanntlich auch in den europäischen Wettbewerb gezeigt.
Mittwoch in München? Alles Andere als ein deutlicher(!!) Erfolg des FCB wäre für mich eine riesen Überraschung, aber die sind ja im Fußball nicht undenkbar.

Jedenfalls wird die 2.Hälfte der Spielzeit 2o17/2o18 -abgesehen von der Meisterschaft- eine sehr, sehr spannende werden. Für "unseren" BVB scheint alles möglich zu sein -Negatives wie Positives-!

PS
1.
Für mich war gestern erneut Mannschaftskapitän Schmelzer ein Schwachpunkt in der Mannschaft -nicht nur wegen des Zustandekommens des ersten Tores der Hoffenheimer, sondern aufgrund seiner gesamten Abwehrarbeit bei jedem Angriff der Hoffenheimer über deren rechten Seite -offensichtlich bewußt so von Nagelsmann gewollt . Und seine "Flankenbälle"……???
Bin ich gegenüber Schmelzer voreingenommen? Ich habe ihm bei der "Spielerbewertung" die Note 5 gegeben, während die Mehrheit der Fans ihn mit 3 bzw. 3,5 bewertet hat.

2.
Veh……?
Sein Kommentar zur Trainer-Arbeit von Stöger beim 1.FC sollte -ohne Weiteres- im Papierkorb landen, dh. ohne Erklärungsversuche und ohne "Wertung"; was soll`es?

3.
Auba hat seinen Vertrag mit dem BVB verlängert; eine sehr erfreuliche Meldung, die das schöne Wochenende abrundet.

@Walter: "Auba hat seinen Vertrag mit dem BVB verlängert; eine sehr erfreuliche Meldung".

Freut mich auch. Doch viele Auswirkungen erwarte ich dadurch nicht. Er bekommt mehr Geld, was ihn zufriedener macht. Wechseln wird er vermutlich im nächsten Sommer trotzdem. Wenn der BVB Glück hat bekommt er so etwas mehr Ablöse.

Was Watzke (Sportstudio ZDF) und Zorc (Wontorra Sky) gestern und heute so vor den Kameras abgeladen haben, macht nicht mehr den Eindruck einer souveränen Mannschafts- und Vereinsführung.

Zorc eiert wegen Nagelsmann völlig enerviert durch die Runde, Watzke schleudert wie ein 40-Tonner um jede heikle Frage inkl. Bitte um inhaltlich wertvolle Antworten herum.
Beide müssen eingestehen, dass sie – aktiv und passiv – in den letzten Monaten eigentlich nichts unternommen haben, um die nachweislich bestehende Unruhe und Irritation in der Mannschaft zu bekämpfen. Den Eindruck, Bosz sei im Sommer – wie damals schon aus Ajax-Kreisen behauptet – wirklich nur wegen der Kohle zum BvB gekommen und hätte ansonsten keinen echten Gegenwert zu bieten, konnten weder Aki noch Susi widerlegen, was deren Führungskompetenzen an der Vereinsspitze natürlich arg ankratzt.

Ob da der 6-Punkte-Minierfolg eines Peter Stöger nicht einfach nur gestreckte Kaviarsoße überm ansonsten müffelnden Graupeneintopf ist, wird evt. das Bayernspiel zeigen. Ansonsten ist nichts wirklich tutti und kein Problem ernsthaft gelöst – auch nicht mit verlängertem Auba-Vertrag, wenn momentan kein anderer Club ernsthaft Interesse zeigt.

@Klaus: Das Watzke-Gespräch im ZDF fand ich zu unkritisch. Zorc hat sich bei Wontorra ganz gut verkauft, wie ich finde. Klar, wirklich Neues gab es von beiden nicht, ausser, dass Zorc das mit der Auba-Verlängerung ausgeplaudert hat. In Sachen Nagelsmann sind wir heute tatsächlich so schlau wie zuvor….

@Robin: Ja, das Sportstudio hat sich langsam aber stetig zur "Bäckerblume" des deutschen Sportjournalismus herunter entwickelt. Trotzdem bekam man ein ganz gutes Gefühl dafür, wie aalglatt Aki doch geworden ist, seitdem "Echte Liebe" allgemein als pures Marketing entlarvt wurde;-)

Mir fehlen da die Vergleiche in letzter Zeit, Klaus. War das erste Mal in der Hinrunde, dass ich das geschaut habe, wenn ich mich nicht täusche. Früher Pflichtprogramm, heute entbehrlich. Soweit stimmen wir diesbezüglich in jedem Fall überein.

Aube hat verlängert? Na und, ist doch nur eine Wasserstandsmeldung.
Wäre ich Hauptverantwortlicher der "Bäckerblume" würde ich die Ruhrbarone wg. böswilliger Rufschädigung vor den Kadi zerren. Oder zumindest @ Klaus Lohmann(#6), hehe. Das Sportstudio dauerte schon vor Jahren gefühlte vier Stunden, zog sich wie Käse auf `ner kalten Pizza. Nee, mach`ich schon lange einen großen Bogen rum.

@Robin Patzwaldt zu #3 und #5
Was die Auftritte von Watzkle und Zorc angeht, hatte ich den gleichen Eindruck wie Du. Das Interview, welches Moderator Voss im Sportstudio des ZDF führte, war Larifari, war Zeitverschwendung. Die Einladung Watzkes hätte man sich da auch sparen können. Wenn das ZDF auf diesem schwachen sportjournalistischen Niveau Interviews führt, dann lohnt es sich nicht, einzuschalten.
Man hat den Eindruck, dass dieses ereignisreiche, unruhige und schwierige Jahr Watzke schon zugesetzt hat und man ist schon etwas überrascht, dass er in der Außendarstellung und Kommunikation immer wieder Schwächen zeigt und Fehler macht, sich auch selbst widerspricht. Dennoch ist es ihm bei aller berechtigter Kritik zuzutrauen, dass er sich wieder fängt und wieder auf einen überzeugenderen Kurs kommt. Das kommende Jahr wird zeigen, ob Watzke das gelingt. Mit Kritik besser umzugehen als zuletzt wird er aber vermutlich nicht schaffen, das bleibt wohl ein Schwachpunkt.
Der Wontorra-Talk auf Sky, in dem Sportdirektor Zorc zu Gast war, war dagegen auf sportjournalistisch gutem Niveau und es wurden auch fast alle sich aufdrängenden kritischen Fragen behandelt. Zorc hat sich auch nach meiner Wahrnehmung recht gut geschlagen und in mehreren Punkten auch für vertiefende Einblicke gesorgt, z. B. was den Ablauf mit Stöger angeht, die fast heimliche Vertragsverlängerung mit Zorc usw. Weltbewegende Neuigkeiten gab es aber nicht.

In Sachen "Nagelsmann" hat man nach wie vor das Gefühl, dass der in den Köpfen der BVB-Bosse schon eine Rolle spielt und dass evtl. über dessen Berater mal abgeklopft wurde, ob ein grundsätzliches Interesse bestünde.
Neu ist auf jeden Fall, dass Herr Hopp indirekt bestätigte, dass der Vertrag mit Nagelsmann bis 2021 laufe, aber wohl für 2019 eine Ausstiegsklausel enthalten sei. Man werde den Trainer nicht auf Dauer halten können, so Hopp, aber bis 2019 müsse er auf jeden Fall in Hoffenheim bleiben. Das ist eine klare Aussage ohne Hintertürchen. Und Watzke meinte im Sportstudio, das müssten dann alle Klubs auch so akzeptieren, denn ohne Zustimmung Hoffenheims sei der Vertrag nicht vorzeitig auflösbar, der Vertrag gelte nun mal.
Ob das jetzt das letzte Wort ist, weiß man in diesem Profigeschäft nicht, aber Hopp hat auf jeden Fall mal einen Pflock eingerammt und ohne ihn geht das in Hoffenheim nicht.

Mein Eindruck ist, dass sich die Bosse des BVB alle Optionen offen halten und sich keinen denkbaren Weg verbauen wollen. Man muss auch erstmal abwarten, wie es mit Stöger läuft und da wäre jede Festlegung in die eine oder andere Richtung verfrüht.
Wie oben schon beschrieben, traue ich Stöger zu, den BVB wieder flott zu bekommen. Aktuell geht es nur darum, den BVB in der Kürze der Zeit zu stabilisieren, die Trendwende zu schaffen.
Der Abwärtstrend ist bereits gestoppt und in der Vorbereitung auf die Rückrunde kann Stöger endlich mal intensiver mit der Mannschaft arbeiten und wir werden sie dann auch wieder offensiver sehen.
Stöger ist ein guter Typ, authentisch, hat Humor und kommt bei den Fans gut an. Sollte er auch sportlich überzeugen, sollte man mit ihm verlängern.

Was Nagelsmann angeht, ist mein Eindruck, dass eine deutliche Mehrheit der Fans nicht für ihn ist. Unter anderem hängt das natürlich auch mit seinen Aussagen pro FC Bayern vor einigen Wochen zusammen, als er in einem Interview sagte, er träume vom FC Bayern und ein Engagement beim FCB würde ihn glücklicher machen. Außerdem sei München seine Heimat und baue er dort gerade ein Haus für seine Familie.
Viele BVB-Fans hätten da Probleme, sich mit ihm zu identifizieren. Auch sein Auftritt im roten Mantel in der Münchener Allianz-Arena ist unvergessen.
Er ist erst 30 und trainiert erst seit 2016 das Profiteam der Hoffenheimer, hat einen Vertrag bis 2021. Trotzdem eiert er immer wieder rum und vermeidet klare Aussagen zu seiner Zukunft. Es macht keinen guten Eindruck, wenn ein so junger Trainer jetzt bereits ständig Ausschau nach anderen und größeren Möglichkeiten hält.
Nimmt man alles zusammen, finde ich, dass Nagelsmann nicht gut zum BVB passt und das sieht eine Mehrheit der Fans ähnlich, zumindest nach meinem Eindruck.

Auba scheint ja mittlerweile wieder besser gelaunt zu sein. Das könnte zum einen mit der Vertragsverlängerung um ein weiteres Jahr bis 2021 und einem höheren Gehalt zusammenhängen und zum anderen mit dem Trainerwechsel, denn Auba gehörte erkennbar zu denjenigen, die sich mit der Spielphilosophie des Peter Bosz nur schwer anfreunden konnten.
Ich denke auch, dass die Vertragsverlängerung nicht mehr Sicherheit schafft, was den Verbleib Aubas angeht. Sie macht es ihm angenehmer, falls kein passendes Angebot reinkommt. Bietet aber ein für ihn interessanter Klub eine Ablöse in Höhe der Vorstellungen des BVB, ist Auba nach Ende dieser Saison weg. Die Wahrscheinlichkeit, dass er evtl. noch eine weitere Saison beim BVB spielt, hat sich aber zumindest leicht erhöht. Gut gelaunt und in Form ist Auba ein Eckpfeiler des BVB-Teams, ein Spieler, der den Unterschied ausmacht.

Kommentar verfassen