Das Elend Bochums, des Ruhrgebiets und Norbert Lammert

 

Norbert Lammert Foto: Gerd Seidel Lizenz: CC BY-SA 3.0
Norbert Lammert Foto: Gerd Seidel Lizenz: CC BY-SA 3.0

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) wird im kommenden Jahr nicht mehr für den Bundestag kandidieren. Wenn es für ihn und uns gut läuft, wird der Bundespräsident, wenn nicht wird er sich aus der Politik zurückziehen, dass es ganz ruhig um ihn werden wird glaube ich nicht, das würde nicht zu ihm passen.

Lammert ist ein kluger, redegewandter Politiker, gebildet und witzig, eine Kombination die man, zumal unter Abgeordneten aus dem Ruhrgebiet, selten findet. Für eben dieses Ruhrgebiet setzte er sich immer ein, dass es sowas wie einen Regionalverband Ruhr heute noch gibt, dass er sogar mehr Kompetenzen besitzt als seine Vorgängerorganisation, wäre ohne Lammerts Einsatz undenkbar.

Nun könnte man meinen, dass es die Wähler in Bochum zu schätzen wussten, jemanden wie Lammert in den Bundestag schicken zu können. Aber das haben sie direkt nie getan. In seinem Wahlkreis unterlag Lammert immer gegen Axel Schäfer, einen SPD-Apparatschik. Schäfers Wahl zeigt, das der alte Satz, im Ruhrgebiet wird jeder Besenstiel gewählt, solange er rot ist, nicht an Gültigkeit verloren hat.  Das Elend Bochums, ja des Ruhrgebiets, kann man daran festmachen: Talent, Intelligenz, Leistung und Erfolg zählen nicht, werden nicht einmal wahr genommen. Das einer wie Schäfer gegen Lammert gewinnen konnte ist der traurige Beleg dieses Gedankens. Das hier ist übrigens Axel Schäfer, der Liebling der Bochumer Wähler. Nicht die hellste Kerze auf der Torte, aber auch nicht böse. Der Kumpeltyp, von dem man so wenig erwartet wie von sich selbst:

6 Kommentare

Lammert ist einer der wenigen Politiker, die ohne hysterischen Angstvibrationen in der Stimme, ein Bundestagsabstimmungsergebnis selbstbewußt vertreten können, auch wenn ein Alleinherrscher und "wichtiger Verbündeter" der Kanzlerin, dieses Abstimmungsergebnis nicht mag, und für Null und Nichtig erklärt hat.
Alle Achtung, das traue ich keinem einzigen derzeitigen Regierungsmitglied zu. Wenn der in Zukunft fehlt, haben wir davon keinen mehr. Dann komme ich aus der Fremdschämerei überhaupt nicht mehr raus.

Was ich an Herrn Schäfer sowohl erheiternd, als auch bezeichnend finde, ist sein Bart: Damit liefen in den 80ern im Ruhrgebiet alle Sozialdemokraten und Gewerkschaftsfunktionäre gleich welchen Vereins herum. Daß Herr Schäfer immer noch so aussieht, zeugt zumindest von einer gewissen Traditionsverbundenheit.

Einer Wahl von Herrn Lammert zum Bundespräsiten würde ich immer und voller Überzeugung zustimmen. Aber ich befürchte eher, daß er nicht zur Verfügung stehen wird.

Bezeichnend für den Abgeordneten Schäfer ist übrigens auch, daß er – obwohl stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender und Chef der theoretisch einflußreichen NRW-Landesgruppe seiner Fraktion – noch von niemandem als Kanditat für das höchste Amt der Republik vorgeschlagen worden ist!

Lammert gehört auch für mich zu den wenigen Spitzenpolitikern in Deutschland, die als Persönlichkeiten zu überzeugen wissen, die insofern für mich Teil dessen sind, was ich politische Elite zu nennen pflege und die ich für das Funktionieren und den (Fort-(bestand) der Demokratie für unverzichtbar halte.
Ich habe -als "Sozi"- bei Gelegenheit , u.a. hier bei den Ruhrbaronen, schon 'mal angemerkt, daß ich mit einem Bundespräsidenten Lammert sehr einverstanden wäre – auch im "Abgleich" mit Gauck .
Ob Lammert Präsident werden wird?
Was wird er "ansonsten" tun?
Ich denke, darüber kann jeder, der das will, spekulieren; ich mache das nicht.

Stefan Laurin,
daß Du Deine und die wohl mehrheitlich in Deutschland geteilte Wertschätzung von Lammert zur Wählerschelte nutzt -Deiner sattsam bekannten politischen Gegnerschaft entsprechend die SPD-Wähler in Bochum betreffend, die regelmäßig Axel Schäfer und nicht Lammert wählen, ist "Dein Bier".
Ich bin mir allerdings sicher, daß eine solche Schelte nicht dem politischen Grundverständnis von Demokratie entspricht, das ich mit Norbert Lammert verbinde.

Will Lammert…..?
Chancen für Lammert, sollte er wollen?

Durch die Aussage von Bodo Ramelow -Linkspartei/MP in Thüringen-, er würde sich Lammert als Bundespräsident wünschen, erhält das Nachdenken über mögliche Antworten auf die gestellten Fragen eine neue, für mich sehr interessante Nuance.

Welche lebendige, hochspannende politische Diskussion käme in Gang, wenn SPD/Grüne/Linke gemeinsam öffentlich Lammert bitten würden, für das Präsidentenamt zu kandidieren? Nur 'mal so rhetorisch gefragt.

Ich befürchte, daß die politischen Verkrustungen in der SPD, bei den GRÜNEN, bei der LINKEN und deren politische Taktiken mit Blick auf die nächste Bundestagswahl einschlägige Erwägungen unmöglich machen, geschweige denn, ein gezieltes politisches Gespräch miteinander zulassen. Das gilt auch für CDU/CSU, wo das "Merkel-Syndrom" eine gezielt auf die Kandidatur Lammerts ausgerichtete innerparteiliche Diskussion im Wege stehen dürfte.

Ja, Arnold heutzutage muß man als Nichtgläubiger, oder Anhänger einer kleineren religösen Gruppe, schon positiv vermerken, wenn ein Religiöser ihm gegenüber tolerant ist. Aber ich bin ja aus noch ganz anderen Gründen für Lammert. Siehe Kommentar 1.

Kommentar verfassen