Das ‚Dortmunder U‘ ist noch kein Kultur-Highlight

Das 'U' in Dortmund. Foto(s): Robin Patzwaldt
Das ‘U’ in Dortmund. Foto(s): Robin Patzwaldt

Die aktuelle Sommerpause wollte ich gestern, zusammen mit einigen Verwandten, mal für einen privaten Besuch im ‚Dortmunder U‘ nutzen, den neuen, groß beworbenen Dortmunder Kultur-‚Tempel‘ mal unvoreingenommen und ‚ergebnisoffen‘ mit eigenen Augen besichtigen.

Zurück kehrte ich etwas geschockt, ehrlich gesagt. Eine gigantische Anzahl an schon für Laien sofort erkennbaren Baumängeln und das Ausmaß der ‚Außer Betrieb‘-Schilder übersteigt dort leider (noch immer) die Zahl der sehenswerten Kunst- und Kultur-Erlebnisse bei weitem. Die Zahl der anderen Gäste war buchstäblich an einer Hand abzuzählen. Es gab tatsächlich mehr Bedienstete in den weiten Gängen des Gebäudes an diesem Donnerstag als Besucher. Ein echtes Desaster! Bei dem Gedanken an das dort versickerte Geld wurde mir ganz anders…

Große Teile des Gebäudes offenkundig leer, hunderte offensichtliche Baumängel und noch immer nicht fertiggestellte Arbeiten, die Dachterrasse und Restauration geschlossen. Es wahr wahrlich enttäuschend.  Da gibt es selbst innerhalb der Dortmunder Stadtgrenzen deutlich attraktivere Ausflugsziele in der ‘Kulturwelt’. Wenn demnächst mal wieder Besuch in der Gegend ist, dem man ein paar Highlights der Region zeigen möchte, dann mache ich um das über Jahre und für viel Geld umgebaute ‚U‘ garantiert einen Bogen. Es sei denn der erwartete Besuch wäre ein Gutachter für Baumängel o.ä… Für den wäre ein Besuch dort sicherlich ein ganz großes Erlebnis… Kunstfreunde und –Interessierte gehen im Revier aber wohl besser woanders hin…DSC09827 (580x435)DSC09826 (580x435)DSC09776 (580x435)DSC09782 (580x435)DSC09812 (580x435)DSC09816 (580x435)DSC09819 (580x435)DSC09801 (435x580)

9 Kommentare

Also ich finde die Ausstellungen teilweise sehr sehenswert. Für den schlechten Besuch sind ja die Besucher verantwortlich. Wo genau machen Sie denn die Baumängel aus?

@#1 | Donngal:
Nur *ein* Beispiel: Rauf auf die Aussichtsplattform, die ist inkl. Treppe marode und durfte so überhaupt nicht gebaut werden. Rest siehe einige Bilder von Robin oben – zersplitterte Fenster kommen nicht vom Vandalismus, sondern einfach nur von falsch eingebauten Rahmen.

Der U-Turm ist baulich eine Katastrophe, das hatte aber auch schon Prof. Gerber selbst während der Bauphase in einem WDR-Beitrag zugegeben. Grund war einfach die große Hetze, die sich wegen zu optimistischer, naiver Planung, Unkenntnis des Baukörpers und zuwenig Zeit bis zur geplanten Eröffnung breit machen musste. Dass dabei auch die Qualität der Ausstellungen, soweit sie überhaupt stattfinden können, leidet, ist ebenso zwangsläufig, wenn man sich in Museen etwas auskennt.

Nochmal zur Erinnerung: Die reinen Baukosten landen intern bei fast 100 Mio. Euronen, die jährlichen Betriebs- und Wartungskosten liegen bei 10 Mio. – in einer Stadt mit Riesenhaushaltsloch plus Arbeitslosen und Hartzer bis zur Decke.

Das Ding hat obendrein bei weitem nicht den Publikumserfolg den man sich ausgerechnet hat und das relativ unabhängig von den Baumängeln. Es wird so zunehmend zum Mühlstein am Hals derer die es zu verantworten haben. Obwohl, die müssen die Verluste ja nicht bezahlen.

Das sind keine Bauschäden, sondern Kollateralschäden der Kulturhauptstadt 😉

Bzw. ehrgeiziger / egoistischer Kommunen, die nach dem Motto: “Wir auch” ein Projekt durchdrücken.

Dazu zähle ich neben dem “U” auch die “verunglückte” Erweiterung der Küppersmühle.

Rühmliche Ausnahme ist das Folkwang-Museum, aber da gibt es ebenso das Problem der Folgekosten …

Regionales Konkurrenzdenken und kommunaler Ehrgeiz sind anscheinend guten Bauten abträglich. Was eigentlich sehr Schade ist, denn Architektur ist vielleicht das Einzige, was zukünftigen Generationen erhalten bleibt. Wobei ich in der Region ohnehin eine manifeste Ablehnung von Architektur erlebe. Lieber zelebriert man “Industriekultur” ohne zu wissen, dass der Begriff aus der Architekturgeschichte kommt. Nicht aus der Sozialgeschichte!
Der “Pulverdampf” der Event-Feuerwerke verzieht fast so schnell, wie sie abgefeuert werden.

Der Hardware Medienkunst Verein macht seit vielen hervorragende Ausstellungen. Geh doch mit Deinem Besuch noch mal in HMKV Ausstellung “Jetzt helfe ich mir selbst.”Sehr feine Sache: http://www.hmkv.de/programm/programmpunkte/2014/Ausstellungen/2014_Jetzt_helfe_ich_mir_selbst.php

Wird ihnen gefallen. Und dann stören nicht mal die Baumängel – die es ohne Zweifel immer noch zahlreich gibt. Daher wurde der gute Turm ja auch wesentlich teurer (Ein paar Mios) als geplant. Viel Kritik gab es in den zuständigen Ausschüssen plus eine Akteneinsicht durch die grüne Ratsfraktion und zahlreiche Anfragen. Ergebnis z.B. mangelhafte Bausubstanzprüfung im Vorfeld mit einer absurd geringen Anzahl an Bohrungen zur Materialprüfung. Im Klartext – “Gucken ohne Gerüst” und laut Akten eine “Inaugenscheinnahme” vom Boden aus. Ok, der Turm ist ziemlich hoch. Da kann ein Gerüst schon Sinn machen… Haftbar ist trotzdem niemand, leider nur der Bürger. Aber dafür können ja die Ausstellungsmacher nichts.
Im Moment tagt die Findungskommission für die neue Leitung im U – dann wird mit einer guten thematischen Klammer das Haus auch bald eine Kulturmarke sein. Leer ist es unter der Woche in vielen Museen. Aber die tollen fliegenden Bilder – die hat nicht jeder … ein Trost!

#5 Das stimmt, HMKV, das Museum und die ein oder andere Sache sind wirklich prima … sie hätten nur ein belebteres Umfeld verdient. Städtebaulich ist um den Turm herum nichts los, außer ein paar potemkischen (politischen) Fassaden. Schade um die zum Teil interessanten Institutionen im U-Turm.

Gerade der Kontrast zwischen den wenigen Besuchern und dem baulichen Zustand erzeugt die leicht trostlose Atmosphäre. Bei hunderten von Menschen, würde man die Spuren intuitiv dem Gebrauch des Gebäudes zuschreiben.

Bei meinem letzten Besuch waren das Enttäuschende vor allem die dicken Staubschichten auf den Schäden … daran sah man ihr offenkundiges Alter.

Wie man räumlich das Café ohne richtigen Ausblick planen konnte, erschliesst sich mir genau so wenig, wie die unzureichende Aussichtsplattform. Weder in der Dimension noch in der Zugänglichkeit ein wirklicher öffentlicher Attraktor für das Gebäude.

“Auf Phoenix” hatte der HMKV noch “Schmäh” 😉

Über die öffentlichen und halböffentlichen Institutionen mag ich eigentlich gar kein Wort verlieren 🙁

@Ulrike: Werde mich in nächster Zeit erst einmal wieder verstärkt anderen Orten und Zielen in der Region zuwenden. Irgendwann wird sich die Gelegenheit aber bestimmt wieder einmal ergeben. Vielleicht macht das Objekt dann bis dahin dann auch nicht mehr einen ganz so traurigen Eindruck auf mich, wie noch am Donnerstag…

Für ca. 100 Mio EUR hätte man sicherlich ein schöneres und funktionaleres Gebäude bauen können. Die Austellungräume sind doch wenig geeignet.

Die Videoinstallation in der Spitze ist ein Hingucker, auch wenn die Videos bisher keinen Aha-Effekt bei mir ausgelöst hatten.

Für mich ist der Gesamtkomplex am Standtor eine klare Aufwertung für die City.

Braucht man für Tutorials wirklich eine Ausstellungshalle mit vielen Monitoren etc. Eine Linkliste erfüllt doch denselben Zweck und ist sogar ökologisch sinnvoller (Raum, Monitore etc.). Ich kann mich bisher nicht motivieren, mir das in einer Ausstellungshalle anzuschauen.

Achja, die “fliegenden Bilder” vom Winkelmännchen… Da würde mich mal der Förderantrag inkl. den Detailanforderungen für die doch recht üppige Serverraum-Ausstattung interessieren. Und natürlich auch, warum die LED-“Tapeten” schon nach 3 Jahren Laufzeit saniert werden müssen und was Winkelmann jetzt schon wieder an Kohle für diese Tröterei am Turm erbetteln möchte. Schließlich sind auch die 5 Mios für die Lichtinstallation nich ma so eben Kaffeegeld frisch ausse prallen Patte…

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