Crowdfunding: Auf der Suche nach dem Spirit of Gezi

Foto: Felix Huesmann

Die Gezi-Proteste waren für viele in der Türkei ein Hoffungsschimmer. Hunderttausende sind für Demokratie und Bürgerrechte auf die Straße gegangen. Seitdem hat sich vieles verändert: Es tobt erneut ein Krieg in den kurdischen Gebieten und gerade nach dem Putschversuch wird es immer gefährlicher, Kritik an der AKP-Regierung zu äußern. Ich will mich in Istanbul mit Aktivisten, Journalisten, Wissenschaftlern und Politikern treffen und herausfinden, was geblieben ist vom rebellischen Spirit of Gezi. Um das zu finanzieren habe ich ein Crowdfunding gestartet – und hoffe auf eure Unterstützung!

Die Gezi-Proteste haben als Demonstrationen gegen die Abholzung des Gezi-Parks im Stadtzentrum Istanbuls angefangen. Schnell ging es aber um viel mehr. In verschiedenen Städten der Türkei sind hunderttausende für Demokratie und Bürgerrechte auf die Straße gegangen – und gegen eine Regierung die zunehmend autokratischer wurde.

Auch nach der Niederschlagung der Proteste blieb bei den Demonstranten das Gefühl, etwas großes geschaffen zu haben. Verschiedene politische und soziale Bewegungen sind aus den Protesten entstanden. Auch der Wahlerfolg der linken prokurdischen Partei HDP im Juni 2015 hatte viel mit dem “Spirit of Gezi” zu tun.

Etwas mehr als drei Jahre nach den Gezi-Protesten hat sich in der Türkei jedoch vieles verändert. Im Südosten des Landes tobt erneut ein Krieg des türkischen Staates gegen die PKK und die kurdische Zivilbevölkerung. Regierungskritische Wissenschaftler, Journalisten und Aktivisten werden reihenweise angeklagt und verhaftet.

In dieser Situation möchte ich für zehn Tage nach Istanbul fliegen und mich unter anderem mit Aktivisten, Journalisten, Wissenschaftlern und Politikern treffen, um herauszufinden, was vom Spirit of Gezi noch geblieben ist.

Foto: Felix Huesmann

Durch die Gezi-Proteste sind viele Soziale Bewegungen und Projekte entstanden oder haben neuen Aufwind erfahren. Im Istanbuler Stadtteil Yeldeğirmeni haben Aktivisten 2013 ein lange leerstehendes Haus besetzt und zu einem sozialen Nachbarschaftszentrum gemacht. Nachdem die lokale Stadtteilverwaltung das Projekt unterstützt hatte, wurde das Haus bereits 2014 auf Geheiß der AKP-Stadtverwaltung geräumt. Ich will wissen: Was machen die Aktivisten heute? Haben sie resigniert, oder haben Sie neue Räume für ihre Ideen gefunden?

Während der Gezi-Proteste waren Gezi-Park und Taksim-Platz ein sicherer Ort für Frauen und LGBT. Wenige Wochen nach der Räumung des Gezi-Parks nahmen mehrere zehntausend Menschen an der Istanbuler Gay Pride Parade teil. In den letzten beiden Jahren wurden die Demonstrationen für LGBT-Rechte verboten und von der Polizei gewaltsam aufgelöst. Ich will wissen: Wie gehen feministische Gruppen und LGBT-Organisationen mit Demonstrationsverboten und Gewalt um?

Die größte Oppositionspartei CHP war 2013 eine große Unterstützerin der Gezi-Proteste. Anfang August 2016 sprach der Vorsitzende der kemalistischen Partei jedoch ebenso wie Staatspräsident Erdoğan vor hunderttausenden auf einer Anti-Putsch-Kundgebung der AKP. Ich will wissen: Nähert sich die CHP aufgrund des politischen Drucks der AKP an? Und lebt der Geist von Gezi in der Partei heute immernoch weiter?

Dies sind nur drei der vielen Fragen, die ich stellen möchte. Ich will ein möglichst umfassendes Bild davon bekommen, wie sich die Stimmung seit 2013 verändert hat. Am Ende möchte ich versuchen eine Antwort auf die Frage geben zu können, was passieren muss, damit die türkische Demokratie überlebt.

Ich werde das Ergebnis meiner Recherche als Reportage auf Correctiv.org veröffentlichen und außerdem für weitere Medien berichten.

Damit ich das finanzieren kann habe ich gemeinsam mit Correct!v ein Crowdfunding gestartet. Das Funding-Ziel sind 1800€ – mehr als 1000€ sind schon drin und es verbleiben noch sechs Tage. Ich würde mich freuen, wenn ihr mich auf dem Endspurt noch unterstützt!

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