Computerspiele ärgern die Spieler

Lange 12 Jahre haben die Spieler auf Diablo 3 gewartet und letzte Woche war es soweit – es ist wieder Zeit für den Kampf gegen das Böse in finsteren Gemäuern. Herausgekommen ist ein tolles digitales Abenteuer, aber das Spiel hat bei Amazon in den ersten Stunden fast 1000 schlechte Bewertungen erhalten. Diablo 3 ist seit der Veröffentlichung immer wieder für viele Stunden nicht spielbar. Das Spiel funktioniert nur mit einer beständigen Verbindung zum Internet und die brach ständig ab. Der „Fehler 37“ schaffte es sogar in die Liste der Trending Topics auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Immer mehr Computerspiele brauchen die ständige Verbindung zum Internet. In der Welt der Spieler sorgen die neuen Strategien der Hersteller immer öfter für Unruhe und Ärger. Im letzten Jahr stand Electronic Arts in der Kritik, weil die Computer der Spieler nach Daten durchforscht wurden. Die Käufer mussten der Neugier des Herstellers per Mausklick bei der Installation zustimmen. Kaum jemand liest die „End User License Agreements“ (EULA), also die AGBs von PC-Spielen wirklich durch. Dabei enthält das Kleingedruckte oft Klauseln, denen die meisten Kunden nicht zustimmen würden. In den Nutzungsbedingungen von Electronic Arts Online-Plattform Origin räumte sich das Unternehmen weitreichende Datensammel-Rechte für die Spieler-PCs ein. Ein Origin-Konto ist unter anderem bei FIFA 12, Battlefield 3 und Mass Effect 3 Pflichtvoraussetzung – hier greifen weltweit viele Millionen Spieler zu. Erst nachdem Spieler und Verbraucherschützer massiv protestierten, wurde die Neugier eingeschränkt. Das amerikanische Unternehmen hat seine Deutschlandzentrale in Köln und deshalb gab es auch eine Anfrage der Landesdatenschützer.

Electronic Arts sah sich genötigt die Geschäftsbedingungen zu ändern und seine Neugier zu zügeln. Die technischen Möglichkeiten, die privaten Festplatten der Spieler zu durchschnüffeln, bleiben aber weiterhin bestehen und die Zweifel auch. „Es gibt ein sehr großes Rauschen und viele Zugriffe auf die Festplatte. Origin produziert viele Daten und die meisten sind harmlos“, sagt Nils Schönfeldt, Sprecher des Verbands für Deutschlands Video- und Computerspieler. „Mittlerweile gibt es einen sehr klaren Beweis, dass in einem Fall zwar nicht die komplette Festplatte durchsucht wird, aber zumindest verdächtige Verzeichnisse“. Die Hersteller begründen ihre Neugier damit, dass sie ihre Produkte vor unzulässigen Kopien schützen wollen. Dafür setzen sie Zusatzsoftware ein, die auf tiefer Ebene im Betriebssystem einige Rechte braucht, um diese Funktion erfüllen zu können. Das zweite Argument ist „cheating“ zu vermeiden – also das Umgehen von Spielfunktionen. Bei Diablo 3 soll die notwendige Verbindung ins Internet helfen, den illegalen Verkauf von Items – also von Spielgegenständen – zu verhindern. In Fachkreisen ist man sich sicher, dass die Hersteller problemlos alle möglichen Daten wie Name, Geschlecht, Alter, E-Mail-Adresse, Informationen zur Spieldauer oder zum Konsumverhalten herausfinden können.

Spieler, Daten- und Verbraucherschützer beklagen die fehlende Transparenz bei der Installation. Der Spieler kauft eine CD im Laden, muss sich vor dem heimischen PC im Internet anmelden und dann noch ewig warten, bis das gekaufte Spiel aktualisiert ist. Da werden kleingeschriebene und zu lange Vertragsbedingungen gerne schnell weggeklickt. „Es ist ein generelles Problem und es gab vorher schon ähnliche Bestrebungen von anderen Herstellern“, erklärt Nils Schönfeldt. „Es gibt eine Plattform von Ubisoft – einem großen Konkurrenten. Es zwingt den Spieler online zu sein, obwohl es eigentlich ein Einzelspieler-Titel ist, den man eigentlich allein zuhause spielen kann. Davon ist zum Beispiel die aktuelle „Anno“-Reihe betroffen“. Die Onlinepflicht schränkt die Möglichkeiten der Spieler massiv ein. Ein Spiel im Garten fern des Netzes ist nicht möglich und auch im Urlaub kann das schlechte Wetter nicht mit einer kleinen Monsterjagd überspielt werden.
Der Spieler hat keine Möglichkeit sich dagegen zu wehren, wenn er die Software kauft und installiert. Er kann sie nicht zurückgeben, wenn er im Nachhinein erfährt, dass die Daten unter Umständen auch für Werbezwecke genutzt werden. „Letztlich ist es für den Verbraucher nicht zu erkennen, auf was er sich einlässt. Es muss halt mit offenen Karten gespielt werden“, kritisiert Carola Elbrecht vom Verbraucherbundesverband. „Ich geh auch nicht in ein Geschäft und kaufe ein Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spiel und stelle dann fest, dass die Spielsteine fehlen und ich sie mir anderweitig besorgen muss. Ich muss vorab wissen, was ich für mein Geld kriege und welche Bedingungen an die Nutzung gestellt werden“.

Spieler, Daten- und Verbraucherschützer beklagen die fehlende Transparenz bei der Installation. Der Spieler hat keine Möglichkeit sich dagegen zu wehren, wenn er die Software kauft und installiert. Er kann sie nicht zurückgeben, wenn er im Nachhinein erfährt, dass die Daten unter Umständen auch für Werbezwecke genutzt werden. Um der Neugier zu entgehen, bleibt wohl nichts anderes übrig, als den Internetstecker zu ziehen. Das macht bei einer Vielzahl von Spielen das Spielen allerdings vollständig unmöglich.

1 Kommentar

Viel “Spaß” beim Computerspielen kann man da nur wünschen. Ich hatte vor einigen Jahren mal ein Spiel, welches ungefragt den Starforce-Kopierschutzmechanismus installiert hatte. Das Resultat: nach dem obligatorischen Neustart des Systems begrüsste mich statt dem Desktop ein Bluescreen! Glücklicherweise konnte ich einen aktuellen Backup einspielen.

Lösungen? Vielleicht ein Benutzerkonto mit minimalen Rechten (ohne Zugriff auf eigene Dateien und andere Ordner mit persönlichen Daten) erstellen, nur zum spielen. Dumm nur, wenn das Spiel irgendwelche Dienste installiert hat, die im Systemmodus gestartet werden und somit alle Rechte besitzen. Und leider lassen sich Spiele ohne Adminrechte erst gar nicht installieren, was bei dieser Politik der Hersteller per se schon ein Sicherheitsrisiko bedeutet.

Oder besser eine Parallelinstallation von Windows extra für die Spiele. Und dafür sorgen, dass von dieser Installation aus keinerlei Zugriffsrechte auf Ordner und Dateien der ersten Windowsinstallation gewährt werden. Am besten die Laufwerksbuchstaben von Partition des ersten Windowssystems im Datenträger-Management entfernen, dann sind sie unsichtbar.

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