Chemieunfall ? Weiter Desinformation des Umweltministeriums

Der Sprecher des NRW-Umweltministerium hatte gestern gegenüber Medien gesagt, das Ministerium habe bei seiner Informationspolitik über die Einleitung von Tonnenweise 1,2 Dichlorbenzol in den Rhein nichts falsch gemacht. „Der Grenzwert für eine Warnung der Bevölkerung wurde nicht annähernd erreicht.“ So steht es in der Frankfurter Rundschau. Zur Erinnerung: Das Ministerium hatte wochenlang die Menschen am Niederhrein nicht über den Chemie-Störfall aufgeklärt.

Minister Uhlenberg. Foto: MUNLV

Der Sprecher des NRW-Umweltministerium hatte gestern gegenüber Medien gesagt, das Ministerium habe bei seiner Informationspolitik über die Einleitung von Tonnenweise 1,2 Dichlorbenzol in den Rhein nichts falsch gemacht. „Der Grenzwert für eine Warnung der Bevölkerung wurde nicht annähernd erreicht.“ So steht es in der Frankfurter Rundschau. Zur Erinnerung: Das Ministerium hatte wochenlang die Menschen am Niederhrein nicht über den Chemie-Störfall aufgeklärt.

Minister Uhlenberg. Foto: MUNLV

Die Bild-Zeitung zitiert den Ministeriums-Sprecher sogar mit den Worten: „Eine Warnung an die Öffentichkeit durch den Minister oder die Bezirksregierung findet nur statt, wenn im Rhein ein Grenzwert überschritten wird und Gefahren für Menschen und Tiere bestehen. Davon waren wir aber weit entfernt.“

Auf Nachfrage im zuständigen Landesumweltamt (LANUV) konnte ich herausfinden, auf was der Sprecher des Ministeriums hier mit seinen Grenzwerten anspielt.

So sagte mir die Sprecherin des LANUV, Babette Winter, es gebe keine Grenzwert für 1,2 Dichlorbenzol im Rhein. Es gebe allenfalls einen Zielwert von 10 Mikrogarmm je Liter Rheinwasser.

Der wurde allerdings weit überschritten. Laut Alarmmeldung wurden 16 Mikrogramm je Liter gemessen. Auf diesen Wert kann der Ministeriums-Sprecher also nicht anspielen.

Um was geht es dem Ministeriums-Sprecher aber dann, wenn es laut LANUV keine Grenzwerte gibt? Alles nur Lüge? Oder gibt es etwas, was an den Haaren herbeigezogen werden kann?

Tatsächlich gibt es nach Auskunft von LANUV-Sprecherin Winter noch andere Gift-Werte. Und das sind zum einen Werte, bei denen keine Wirkung an Testtieren festgestellt werden kann. Und zum anderen so genannte Wirkschwellen.

Wird der erste Wert überschritten, heißt das: Es wird beobachtet, dass etliche Tiere im Wasser sofort krank werden. Ob die Tiere später Krebs kriegen, wird hier gar nicht gesagt. Nur eben, ob sie sofort erkranken.

Noch härter ist die Sache mit den so genannte Wirkschwellen. Es gibt zwei davon: EC50 und LC50.

Wird EC50 überschritten heißt das, bei 50 Prozent der Tiere und Pflanzen wird "eine Schädigung oder Verhaltensänderung" festgestellt.

Bei LC 50 schließlich sterben nach Auskunft des LANUV 50 Prozent der „Testorganismen“ unmittelbar. L steht für Lethal, sagt Winter. Der LC50 liege je nach Testorganismus zwischen 2,3 und 17 Milligramm 1,2 Dichlorbenzol je Liter Rheinwasser.

Welchen Wert will der Sprecher des Umweltministeriums überschreiten, bevor er die Öffentlichkeit informiert? Wie hoch ist LC 50 für den Testorganismus Mensch?

Warnen heißt, man informiert, bevor etwas passiert ist.

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