Causa Modeste: Don’t hate the player, hate the game!

Das Stadion in Köln.
Quelle: Wikipedia, Foto: Sascha Brück, Lizenz: CC-BY-SA-3.0

In Köln droht der Fall Anthony Modeste, Unruhe in den Verein zu bringen. Dabei hat sich womöglich keiner der Beteiligten falsch verhalten.

Diesmal möchte ich als FC-Fan mich mit dem Transfer-Wirrwarr um Anthony Modeste beschäftigen. Eins vorweg: Natürlich kann ich genauso wenig wie alle anderen, ob Fans oder Journalisten, wissen, was genau hinter den Kulissen vorgefallen ist und daher werde ich hier auch keine moralische Bewertung vornehmen. Das haben aber leider schon zu viele getan.

Klar, die Medien haben Modeste nicht als Söldner bezeichnet, dem es nur um’s Geld statt um das Wohl des Vereins geht. Dass die Situation von vielen Fans dementsprechend eingeordnet wurde, liegt aber sehr wohl auch an der medialen Darstellung des Ganzen. Die Schuldigen waren ohne Frage entweder Modeste oder seine Berater, und so wird es eigentlich jedes Mal dargestellt, wenn ein Spieler den Verein wechselt. Entweder, der Spieler wollte mehr Geld oder den nächsten Schritt in seiner Karriere machen, oder er hatte einfach den falschen Berater.

Das mag oft den Tatsachen entsprechen. Doch Modeste behauptet nun, er wollte nie weg, vielmehr sei es der FC gewesen, der seinen besten Stürmer verkaufen wollte. Wie gesagt, ob das so stimmt, wissen nur Modeste und die FC-Verantwortlichen. Es wäre aber durchaus denkbar und auch gar nicht moralisch verwerflich, wenn diese bei einer Ablösesumme von 35 Millionen Euro für einen Spieler, der mit 29 Jahren auch nicht mehr der Jüngste ist, schwach geworden wäre. Schließlich muss so ein Verein wie ein Unternehmen geführt, Schäden und Nutzen eines solchen Transfers gegeneinander abgewogen werden.

Modeste hat in den letzten beiden Jahren alle 68 Ligaspiele bestritten und dabei 40 Tore erzielt. Ohne ihn wäre der FC niemals in den Europapokal eingezogen und dafür sollten die Fans ihm dankbar sein, unabhängig davon, ob er sich nun korrekt verhalten hat oder nicht. Aber sein Ansehen in Köln wird durch diese Geschichte natürlich beschmutzt, und sie bringt Unruhe in den Verein, der erfreulicherweise in den letzten Jahren frei von Skandalen war.

Daher ist es zwar verständlich, dass Modeste seinen Ruf retten wollte und deshalb seine Version der Bild-Zeitung erzählt hat. Im Interesse aller Beteiligten wäre es aber das Beste, wenn diese nun miteinander reden, statt in der Presse übereinander, wie auch ein Autor des Blogs effzeh.com anmerkte.

Was ich an der ganzen Sache bemerkenswert finde, ist aber auch der Gedanke, dass in der öffentlichen Wahrnehmung wie bereits erwähnt eigentlich nahezu immer die Spieler oder ihre Berater als Sündenböcke ausgemacht werden. Dass auch Spieler von manchen Vereinsfunktionären als Ware betrachtet werden, ist allerdings kein Geheimnis. Der FC Chelsea hat z.B. eine besonders hohe Anzahl an Spielern, die aktuell an andere Vereine verliehen sind, die sogenannte “Loan Army”. Sinn und Zweck dieser Leihgeschäfte ist es nicht mehr in erster Linie, Spielern Spielpraxis zu geben, damit sie sich weiterentwickeln und in Zukunft für das eigene Team spielen, sondern Spieler möglichst günstig einzukaufen und nach einer erfolgreichen Leihe mit entsprechender Wertsteigerung möglichst teuer weiter zu verkaufen.

Das ist nur ein Beispiel von vielen, das einem bewusst machen sollte, dass natürlich nicht nur die Spieler, sondern auch die Funktionäre Teil eines Systems sind, in dem es längst nicht mehr nur um sportlichen Erfolg, sondern auch um Profite geht, die wiederum die Wettbewerbsfähigkeit der Vereine sichern sollen. Aus diesem Kreislauf kann man nicht ausbrechen, ohne letztlich den sportlichen Erfolg zu gefährden, und daher hat jeder Spieler seinen Preis. Auch, wenn Modeste wechseln wollte, wäre das angesichts eines Jahresgehalts in Höhe von über 11 Millionen Euro durchaus nachvollziehbar.

Mein Fazit lautet daher: Egal, was nun genau vorgefallen ist – statt irgendeiner Seite die moralische Integrität abzusprechen, sollte man sich lieber fragen, wie man selbst in einer solchen Situation gehandelt hätte. In diesem Sinne: Don’t hate the player, hate the game!

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