BVB: Wenn einem die Lust auf Fußball eigentlich vergeht und trotzdem gespielt werden muss

Thomas Tuchel im Interview vor dem BVB-Mannschaftsbus. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Obwohl mir eigentlich noch immer irgendwie die rechten Worte fehlen, es mir auch an Lust darüber zu schreiben noch immer mangelt, will ich dann doch einmal kurz an dieser Stelle versuchen ein paar Zeilen darüber auf das Papier bzw. in diese Datei zu tippen, auch um das Thema hier bei uns im Blog natürlich nicht völlig auszulassen, zudem auch eine Diskussionsmöglichkeit für unsere Stammleser anzubieten:

Da freut man sich als Fußballfan also auf einen besonders schönen Fußballabend an einem  echten Sportfeiertag, und dann das. Plötzlich entwickelt sich vor den ungläubigen Augen Tausender ein sprichwörtlicher ‚Krimi‘.

An ein Fußballspiel war eigentlich schon Sekunden nach Bekanntwerden der Geschehnisse rund um die BVB-Mannschaft vor dem gestrigen CL-Kracher gegen den Tabellenführer aus Frankreich aus meiner Sicht nicht mehr zu denken. Zu gestört war innerhalb von Sekunden die für das aus sportlicher Sicht so bedeutende und attraktive Spiel notwendige Konzentration. Und wenn das schon bei mir als Zuschauer so der Fall war, wie mag es dann erst den Spielern ergangen sein?

Die zu übermittelnden Nachrichten verfinsterten sich dann bekanntermaßen im Laufe des Abends immer mehr, tun es gerade noch immer. Über die Details und Hintergründe verkneife ich mir dann hier vom heimischen Schreibtisch auch erst einmal noch jeden weiteren Hintergrund. Wir wissen derzeit wohl alle noch nicht wirklich, was dort tatsächlich los war, wer dahinter steckt, was das Alles bedeutet. Mein großer Respekt gilt allen, die gestern von den Geschehnissen direkt zu berichten hatten. Das wird naturgemäß nicht einfach gewesen sein.

Klar ist wohl, dass man auch heute Abend, wenn das Spiel der Dortmunder gegen den AS Monaco in der UEFA Champions League neu angesetzt wurde, nicht wirklich viel über Fußball reden kann und wird. Der sportliche Wert des Spiels steht plötzlich ganz weit hinten an.

Die Gedanken aller sind woanders, natürlich auch beim verletzten Verteidiger Marc Bartra, der noch in der Nacht operiert werden musste, inzwischen nicht mehr als ‚leicht‘ sondern als ‚schwer verletzt‘ gilt. Auch ein Polizist ist betroffen. Auch ihm gilt natürlich die Anteilnahme aller, auch wenn er mangels eigener Prominenz derzeit nicht so sehr im Fokus der breiten Öffentlichkeit steht.

Ob es nun aus psychologischer Sicht gut oder schlecht ist bereits heute wieder zu spielen, darüber mag ich hier derzeit auch gar nicht groß philosophieren. Auch darüber werden die Meinungen sicherlich, wie immer bei solchen Anlässen, ziemlich weit auseinandergehen. Man kann das sicherlich in beide Richtungen auch triftig begründen. Schließlich ist da ja auch jeder Mensch etwas anders veranlagt.

Toll war natürlich in jedem Falle, an diesem schrecklichen Abend, die sich gestern Abend spontan gezeigte Solidarität unter den Fans, unter den Vereinen. Und das quasi weltweit. Das macht Mut in komplizierter werdenden Zeiten.  Dies zeigt aus lokaler Sicht aber auch, dass die häufig beschworene BVB-Familie noch immer, trotz aller Diskussionen und Streitigkeiten in letzter Zeit rund um die Fankultur usw., durchaus gut zusammenhält und in Krisenzeiten alle vorhandenen Differenzen überwindet.

Nach Fußball steht mir persönlich allerdings heute nun so gar nicht mehr der Sinn. Dortmund gegen Monaco und Bayern gegen Madrid, das sind eigentlich absolute Höhepunkte des Fußballjahres. Heute ist mir das das allerdings, wie wohl vielen anderen auch, egal. Die Gedanken kreisen gerade um andere, um wichtigere Fragen des Lebens. Der Fußball ist halt nur die schönste Nebensache der Welt. Und es gibt Tage, da steht einem der Sinn nicht danach.

Trotzdem ist es wohl alternativlos, dass heute gespielt wird. Einerseits aufgrund des im modernen Fußball eng getakteten Terminkalenders, andererseits aber natürlich auch um ein starkes Zeichen zu setzen, dass man sich solchen Taten nicht beugen wird.

Mein Respekt gilt daher heute allen die sich nachher ins Stadion begeben wollen, sich den Kick unter völlig veränderten Vorzeichen anschauen wollen. Besonders die Spieler werden sicherlich selten so wenig Lust auf Fußball gehabt haben wie an diesem Tage. Wahrlich unwürdig für diese herausragende Bühne. Einfach nur traurig. Doch es muss natürlich auch irgendwie weitergehen.

36 Kommentare

Robin,
ich respektiere j e d e Entscheidung, die die unmittelbar Betroffenen treffen -Spieler, Trainer, Vereinsführung-.

Wenn die allesamt oder in großer Mehrheit gemeint haben, spielen zu können bzw. spielen zu sollen = mein Respekt.

Hätten die erklärt, nicht heute und auch nicht " morgen" spielen zu können bzw. spielen zu wollen=mein Respekt, und dabei wäre es mir völlig egal, ob und ggfls. welche Konsequenzen das für den BVB haben würde.

"Wir" als bestenfalls/schlechtestenfalls mittelbar Betroffene, sollten uns mit einem "Urteil" zumindest zurückhalten.
Insofern frage ich mich nach der sachlichen Begründung und noch mehr nach der moralischen Rechtfertigung für die zum Teil heftige Kritik gegenüber den unmittelbar Betroffenen, weil diese der Meinung waren und der Meinung sind, heute Abend spielen zu können und spielen zu wollen.

Robin, ich kann mir im Moment nicht vorstellen, dass der BvB seitens der UEFA irgendwelche Sanktionen zu befürchten gehabt hätte, wenn er sich für Mittwoch aus Sicherheitsgründen verweigert hätte. Fakt ist, dass es am Dienstag anderthalb Stunden vor Anpfiff halt keine Zeit mehr gab, irgendein VerschiebeSzenario noch allumfassend und mit allen möglicherweise auch noch Betroffenen zu diskutieren, man hat sich dann schlicht und kurz für das Naheliegendste und für Monaco-Fans sinnvollste geeinigt. Und die Spieler haben ebenso und freiwillig ihren Segen gegeben, also worüber jetzt aufregen?

Dass damals die UEFA am Tag nach NineEleven auch alle Teams der CL zu ihren angesetzten Spielen "nötigte", hat meines Wissens Niemanden ernsthaft gefährdert oder geschädigt. Das seitdem immer wieder betonte Mantra "Lasst sie nicht gewinnen, lebt weiter!!!" sollte sich in seiner schlichten Wahrheit mittlerweile auch bei Fußballspielern und Fans rumgesprochen haben.

Naja, Klaus. Da wurde gestern ja auch wieder so ein scheinbarer vereinsinterner Riss zwischen Watzke und Tuchel deutlich. Während Watzke betonte, dass man es den Tätern zeigen wolle indem man sich von ihnen nicht einschränken lässt bei der Ansetzung von Fußballspielen, sagte Tuchel ja schon ganz klar, dass er sich ungefragt bzw. bei der Entscheidung weitestgehend übergangen fühlte.

Ich denke, Patentlösungen gab es in dieser Ausnahmesituation nicht. Es gibt wohl genausoviele Gründe, die dafür gesprochen haben, schon einen Tag nach dem feigen Anschlag wieder zu spielen als dagegen. Von daher fand ich es eigentlich ganz gut, dass diese denkbaren unterschiedichen Sichtweisen in den Statements der BVB-Bosse, der Spieler und des Trainers zum Ausdruck kamen.

Während ein Vereinsboss auch das große und ganze im Blick haben muss und hat, auch in Ausnahmesituationen kühlen Kopf bewahren sollte und appelierte, der Gesellschaft zu zeigen, dass man vor dem Terror nicht einknicke und Terror und Hass nicht unser Leben und Handeln bestimmen dürften, denken die von dem Anschlag direkt betroffenen Spieler und Trainer vor allem an die menschliche Seite, daran, dass alles erstmal verarbeitet werden muss, empfinden alles so als müssten sie ohnmächtig zuschauen, wie andere entscheiden und dass sie dann einfach gleich wieder funktionieren sollen.

Spieler und Trainer konnte man an dem Abend des Anschlages auch unmöglich in den Entscheidungsprozess einbinden. Wie hätte man auch mit den gerade einen Anschlag erlebten Trainern und Spielern besprechen sollen, wie es jetzt weitergehen soll, wie man das jetzt organisatorisch auf die Reihe bekommt? Unmöglich! Das mussten die UEFA, die Behörden, Sicherheitskräftevertreter, Clubbosse usw. besprechen und klären, haben sie ja auch in einer Krisenbesprechung getan.
Hätte man das menschliche mehr in den Vordergrund stellen und einfach mal ein, zwei Tage abwarten sollen? Wäre das gegangen? Man befindet sich mitten in englischen Wochen, alles ist komplett durchterminiert, alle drei Tage ist ein Spiel. Nächste Woche sind schon die CL-Rückspiele terminiert. Die Termine in den Meisterschaften Frankreichs und Deutschlands stehen, ebenso im Pokal. Hätte man einfach den gesamten Terminplan der Ligen in Deutschland und Frankreich, der CL, des Pokalwettbewerbes Terminplan sein lassen und noch ein oder zwei Tage unter Einbindung der Mannschaft und des Trainerteams des BVB beraten sollen, wie es jetzt weitergeht? Leider kaum machbar!

Ich finde es gut wie Trainer Tuchel und die Spieler reagiert haben, was sie vor und nach dem Spiel sagten. Es waren ehrliche Worte der direkt betroffenen und zum Glück haben sie keine Show für die Öffentlichkeit abgezogen und so getan als müsse es einfach so weitergehen, stecke man einfach alles weg, sei man eben Profi, müsse immer funktionieren.

Ich habe mal versucht, mich in die Lgae der Spieler und des Trainers zu versetzen. Da steht ein toller CL-Abend bevor, ein Fußballfest mit der Chance, ins CL-Halbfinale zu kommen. Und dann wird man auf dem Weg zum Spiel Opfer eines Anschlages, gezielt ausgelöste Explosionen treffen in unmittelbarer Nähe den Mannschaftsbus und wie durch ein Wunder ist nicht mehr passiert. Aber der Spieler Bartra hat Splitter im Arm, blutet, muss ins Krankenhaus. Alle stehen unter Schock, sicherlich auch die Angehörigen, die die Spieler später zu Hause empfangen. Dann schläft man nachts nicht, kann die Ereignisse so schnell auch unmöglich verabreiten, vielmehr wird jedem deutlich, dass es ihn viel schlimmer hätte treffen können.
Und dann soll man nur einen Tag später ein CL-Viertelfinale spielen? Eigentlich unmöglich!

In der ersten Halbzeit hat man das dem Team angemerkt, die Spieler wirkten fahrig und unkonzetriert. Wie sollte es auch anders sein. Und nicht genug mit allem, erkennt der Schiedsrichter ein Treffer Monacos an, der nicht hätte zählen dürfen und unterläuft Bender, der für Bartra spielte, auch noch ein Eigentor. Wie schlimm sollte es denn noch kommen?
Nach der ersten Halbzeit dachte man, O. K., es gibt ein 0 : 3 oder 0 .: 4, aber nichts anderes war zu erwarten. Dann aber bäumt sich das Team doch nochmals auf, will sich nicht in diese Schicksal ergeben, zeigt unglaubliche Willenkraft, spielt sich sogar eine halbe Stunde lang frei, ist die klar bessere Mannschaft, hätte noch gewinnen können. Respekt!

In der zweiten Halbzeit konnte man sehen, dass bei einem normalen Ablauf vor dem Spiel und ohne den Anschlag der Sieger wohl BVB geheißen und beste Chancen für den Einzug ins Halbfinale gehabt hätte. Bitter, aber ausgeschieden ist der BVB noch nicht, ein kleine Chance besteht trotz allem noch.

Nach dem Spiel brachen bei den Spielern die Dämme, selbst ein so starker Kerl wie Sokratis weinte. Das machte deutlich, unter welche Anbspannung die Spieler gestanden haben müssen.

Bemerkenswert und toll fand auch ich die Solidarität unter den Fans beider Klubs. Als das Spiel vorgestern abgesagt wurde und im Stadion der Grund dafür deutlich wurde, haben die Monaco-Fans "Dortmund, Dortmund" gerufen. Viele Dortmunder Bürger haben den Monaco-Fans spontan Übernachtungsmöglichkeiten angeboten, die Berichte und Bilder dazu gingen um die Welt. Das waren beeindruckende Zeichen der Gastfreundschaft, Mitmenschlichkeit und des Friedens.

Sehr erfreulich war auch, die Bild- und Textbotschaft Bartras zu sehen, der sich zum Glück auf dem Weg der Besserung befindet. Alles Gute Marc!

Und ja, die BVB-Familie hat gezeigt, dass sie gerade in schwieirgen Zeiten, in Krisen zusammenhält, dass auch das Band zwischen Fans und Mannschaft besonders eng gezogen wird, dass die Fans ein feines Gespür dafür haben, was jetzt zu tun ist.

Das Leben muss weitergehen und wir alle wollen auch, dass die schönste Nebensache der Welt, der Fußball, nicht durch menschenverachtende Täter, nicht durch Terror und ähnliches zerstört wird. Es geht um die Freiheit unserer Gesellschaft, die nicht zu einer Geisel des Terrors werden darf.

Aber so schnell wird man nach diesen schrecklichen Ereignissen nicht zur Tagesordnung übergehen können, Spieler und Trainer werden ohnehin noch einige Zeit benötigen, um das alles verabreiten zu können. Deshalb ist es so wichtig, den großen Zusammenhalt der BVB-Familie jetzt noch mehr zu zeigen als ohnehin schon, Spieler und Trainer auf ihrem Weg zurück in die Normalität zu unterstützen.

Klaus Lohmann, Robin,
ergänzend zu Euren Ausführungen:
Leider, leider scheint vereinsintern beim BVB eine Entscheidungsfindung stattgefunden zu haben, die im wesentlichen nicht dem entspricht, was ich in meinem Beitrag -1- vorausgesetzt hatte, um der getroffenen Entscheidung -so oder so- Respekt zollen zu können.

Aus einem aktuellen Beitrag bei SPIEGEL online entnehme ich, daß die UEFA für die kurzfristige Wiederholung das Einverständnis beider (!!) Vereine erhalten hat.
Aus dem betr. Beitrag entnehme ich zudem,, daß Rauball und Watzke von Anfang an f ü r die kurzfristige Wiederholung waren (Rauball sinngemäß",,,,,daß sind Profis, die verkraften das; Watzke sinngemäß: "Jetzt erst trecht . Wir beugen uns nicht dem Terror". )

Aus dem Beitrag entnehme ich ferner, daß weder die Spieler noch der Trainer vor dem Votum des Vorstandes angehört, geschweige denn um ihr Votum gebeten worden sind. Aus den Worten von Tuchel ist zu schließen, daß weder er noch die Spieler (die meisten?) für die Spielwiederholung am nächsten Abend waren.

Robin,
wenn die Entscheidungsfindung tatsächlich so wie berichtet beim BVB abgelaufen sein solltet, zeugt das nicht nur von einem "gestörten Verhältnis" zwischen Rauball/Watze und Tuchel, sondern belegt einen autoritären Führungsstil von Rauball und Watzke, besser wohl eine bemerkenswerte Arroganz der Beiden im Umgang mit den Spielern und zudem einen bemerkenswerten Mangel an Einsichtsfähigkeit in die Gefühlswelt von Menschen, die so eben einen tiefgreifenden und tiefsitzenden Schock erlitten haben.
Gestern war jedenfalls in der ersten Halbzeit zu sehen, daß die Spieler erhebliche, ungewohnte Probleme hatten, in dieses wichtige, in dieses schwere Spiel gegen einen international guten Gegner hineinzufinden.
Kompliment deshalb an Spieler und Trainer für die Leistung gestern, die in der II.Halbzeit eine sehr gute war.
Vielleicht denken Rauball/Watzke und Co., für die das Geschäft offenkundig wichtiger ist als die Befindlichkeit der Spieler, jetzt darüber nach, ob es ihrem Geschäftssinn nicht ehe dienlich gewesen sein könnte, das Spieler "später" zu wiederholen -größere Siegchancen, größer Chancen auf ein Erreichen das Halbfinales?
Zu hoffen bleibt im Interesse eines für den BVB weiterhin befriedigenden Saisonverlaufes, daß die Mannschaft fähig und willens sein wird, so wie gestern in der 2.Halbzeit die restlichen Spiele der Saison 2o16/2o17 ( -Meisterschaft, Pokal, Rückspiel in Monaco und…..? ) zu bestreiten, daß der anzunehmende konkrete Konflikt zwischen Rauball/Watzke und Tuchel intern beigelegt und nicht öffentlich eskaliert zu Lasten des Vereines.

Kurzum:
Ich bin tief enttäuscht, vom Verhalten der Herren Rauball und Watzke.
Meine Solidarität gilt den Spielern und Trainer Tuchel und zugleich mein Kompliment an deren Adresse für ihr Auftreten gestern "auf und neben dem Platz".

@#4 Robin: Seltsam ist vor allem, dass Tuchel das alles erst *nach* dem Spiel in die Luft schmeißt und es noch am Dienstag unisono hieß, dass die Spieler die Entscheidung geschlossen mittragen würden und dass trotzdem auch Tuchel allein jedem Spielern die freie Wahl lässt, ob er Mittwoch auflaufen will oder nicht.

PS: Spielen die Borussen denn jetzt Samstag und wenn ja, warum? Sind 2 oder 3 Tage Pause nach Tuchelschem Einfühlungsverständnis ausreichend? Ist der DFB auch nur geldgeil (ok, rhetorische Frage;-))??

PPS: Der Inhaftierte Iraker aus Wuppertal hat wohl nix mit dem Anschlag zu tun und wird wg. anderer IS-Kontakte in Haft bleiben und angeklagt (http://www.waz.de/staedte/dortmund/haftbefehl-gegen-festgenommenen-iraker-nach-anschlag-auf-bvb-bus-id210251363.html).

Der Anschlag wird nun noch rätselhafter – obwohl mir persönlich die Beteiligung von Dortmunder Rechtsradikalen, z.B. aus dem "0231Riots"-Umfeld, nicht unlogisch erscheint.

Und PPPS: Auch wenn es jetzt ein Ausnahmezustand war – die PR-Arbeit des Vereins sollte wohl dringend mit dem Ziel besserer Koordination Trainer<->Geschäftsführung u. Vorstand überarbeitet werden. Von Sascha Fligge hatte ich mir ehrlich gesagt mehr versprochen.

Dass Tuchel es erst nach dem Spiel öffentlich sagt erscheint mir durchaus logisch. Er wollte und musste halt das bestmögliche Ergebnis im Spiel erzielen. Er hätte sich ja schlecht weigern können anzutreten, wenn es denn die Entscheidung pro Anpfiff schon von 'Oben' gab. Und so hat er es ja geschildert, in der Schweiz wäre das entschieden worden, er hätte sich ohnmächtig gefühlt usw.. Dann hatte er ja keine Wahl. Und es vorher in die Medien zu geben hätte seine Position (auch im Verein, wenn Watzke denn spielen lassen wollte) vermutlich nicht verbessert.

Robin, ich weiß nicht, warum Tuchel sich vor dem Spiel derart verdrehen sollte, wenn es ihn wie jetzt so drängt, seinen echten Frust loszuwerden. Auch als Angestellter des Vereins kann ich mich mit einer fundierten Öffentlichkeitswirksamkeit – und die wird Tuchel niemand absprechen – hinstellen und zumidest sagen: "Ich hole die Jungs am Dienstag aus diesen und jenen Gründen nur unter Protest auf den Platz und finde die Entscheidung aus sportlicher Sicht katastrophal." Ich kenne Niemand, der ihm das übel genommen hätte und Watzke/Rauball hätten das schon allein aus PR-"Friedensgründen" akzeptieren, ja sogar unterstützen müssen.

Dass die Entscheidung entgegen Tuchels Mutmaßung *nicht* allein in der Schweiz gefällt wurde, sondern dass es einen Stab mit allen Akteuren an einem Tisch gab, war eigentlich schon am Dienstag abend bekannt. Außer Tuchel hat das bislang wohl auch Niemand bestritten.

Stephan Schäuble berichtet gerade auf SSNHD aber auch davon, dass der BVB gar keine Wahl hatte das Spiel zu spielen. Ansonsten wäre er von der UEFA bestraft worden…

Ich kann weder wissen noch beurteilen, wer was wann gesagt oder gewußt oder entschieden hat. Was ich aber weiß: Ich als bekennender BM-Sympathisant habe dem BVB die Daumen gedrückt (hätte mir das jemand vor drei Tagen prophezeit…)
Es erfüllte mich mit Genugtuung, wie die Spieler & Zuschauer sowohl nach den Attentat als auch bei der Wiederholung reagiert haben. Der post des Verletzten Spielers war doch der schönste Schlag in das Gesicht der Attentäter, den man sich vorstellen kann.
Und zu den Äußerungen der Spielern/Tuchel: Meiner persönlichen Meinung nach- die niemand teilen muß- gibt es Situationen im Leben eines jeden Menschen, in denen es um mehr geht als nur die einzelne Person. Man kann immer viel reden, aber manchmal muß man auch Situationen schlicht durchstehen, mit Würde hinter sich bringen, kämpfen und die persönlichen Befindlichkeiten verdrängen. Trauern kann man immer noch.
Das haben die Spieler großartig getan.

@Klaus Lohmann zu #8 und 9
Deine Argumentation kann ich nicht teilen, sie entspricht auch nicht den Fakten und ich verweise zunächst auf meinen ausführlichen Beitrag unter #5.
Am Abend des Dienstag handelte es sich um eine extreme Ausnahmesituation, die man insgesamt aber erstaunlich gut bewältigt hat. Man hat es geschafft, dass im Stadion alles ruhig geblieben ist, keine Hektik oder Panik ausbrach und die Fans beider Clubs dann auch ruhig und friedlich die Spielabsage akzeptiert haben. Auch die Sicherheitskräfte haben alles gut gemanagt.

Zum weiteren Vorgehen tagte wohl eine Art Krisenstab, beteiligt waren u. a. UEFA, Sicherheitskräfte und Vertreter der Clubs BVB und Monaco. Eine Einigung muss ja unter Berücksichtigung aller Beteiligten stattfinden, z. B. muss ja auch der Gegner Monaco einverstanden sein und man hat sicherlich auch terminliche Ausweichmöglichkeiten gecheckt. Über die Absage des Spieles am Dienstag war man sich dann wohl schnell einig und dazu gab es keine Alternative. Man kann Des Weiteren davon ausgehen, dass die UEFA auf die Austragung des Spieles einen Tag später drängte, weil alles andere wohl organisatorisch und logistisch in so kurzer Zeit kaum hätte gelöst werden können. Die Teams spielen im 3-Tages-Rhythmus, kommendes Wochenende steht schon wieder die Liga in Deutschland und Frankreich an, Mitte nächster Woche sind die CL-Rückspiele terminiert, dann folgen Liga und Pokal.
Mit Sicherheit hat auch Monaco seine Interessen vertreten bzw. musste man auch Rücksicht auf den Gegner des CL-Spiels nehmen.

In dieser Gemengelage hatte der BVB kaum Möglichkeiten, ohne für den Club sehr nachteilige Folgen, Strafen usw. ein Spiel am nächsten Tag zu verweigern. Ein Clubboss wie Aki Watzke muss ohnehin auch in Krisensituationen kühlen Kopf bewahren und trotz der dramatischen Situation pragmatisch abwägen, was geht und was nicht, inwiefern man sich noch wiedersetzen kann und inwieweit nicht mehr. Zudem appelierte Watzke, der Gesellschaft zu zeigen, dass man vor dem Terror nicht einknicken dürfe und Terror und Hass nicht unser Leben und Handeln bestimmen dürften. Der BVB setze dann auch mit dem Spiel nur einen Tag später ein Zeichen an die gesamte Gesellschaft. Er hat wohl auch im Trainingszentrum noch einen Appell an die Mannschaft gerichtet und versucht, ihr Mut zuzusprechen.

Trainer und Spieler konnte man am Abend des Anschlages unmöglich in einen Disksussions- und Entscheidungsprozess einbinden, die wären dazu nach diesem Schockerlebnis auch nicht in der Lage gewesen. Noch ein oder zwei Tage ins Land gehen lassen, Monaco nach Hause zu schicken, um in Abstimmung mit Trainer und Mannschaft eine gemeinsame Lösung zu finden, war aus den schon – auch im Beitrag oben – genannten Gründen kaum möglich. Dennoch ist es verständlich, wenn Spieler und Trainer alles so empfinden, dass ohne ihre Einbindung entscheiden wird und sie dann einen Tga später schon wieder funktionieren sollen, sich also ein Stück weit ohnmächtig fühlen in dieser Ausnahmesituation.

Laut Schilderung der Beteiligten hätten die meisten Spieler lieber eher nicht gespielt und Tuchel bestätigte, dass er es jedem Spieler beim Zusammentreffen am Spieltag im Trainingszentrum frei gestellt habe, zu spielen. Es sei aber dann kein Spieler auf ihn zugekommen mit der Bitte, ihn nicht aufzustellen. Vermutlich wollte trotz dieses Schockes auch kein Spieler die Mannschaft im Stich lassen, man hat sich wohl innerhalb des Teams darauf verständigt, dieses Spiel jetzt einfach über die Bühne zu bringen, wie auch immer.

Ich fand es bemerkenswert, wichtig und auch beeindruckend, wie Trainer und Spieler ihre Gefühlslage nach dem Spiel offen und ehrlich schilderten. Alles andere wäre ja auch nicht normal und nur Show gewesen.

Tuchel hat übrigens im Sky-Interview schon vor dem Spiel sehr deutliche Worte gefunden, ähnliche wie nach dem Spiel. Er hat das also keineswegs nur nach dem Spiel gesagt.

Es war doch so völlig authentisch, dass einerseits die Clubbosse ihren Teil der Verantwortung wahrgenommen haben, auch in Krisensituationen kühlen Kopf bewahren müssen, das große und ganze, auch das machbare im Blick haben und pragmatisch handeln müssen, während auf der anderen Seite Spieler und Trainer als direkt betroffene ihre Gefühls- und Gedankenwelt ehrlich zum Ausdruck brachten und teilweise beeindruckend schilderten.

Hätte man denn im Rahmen einer "besseren Koordination" Trainer und Spieler dazu verdonnern sollen, ihre Gefühls- und Gedankewelt auszublenden, um ohne Wenn und Aber einer offiziellen Sprachregelung zu folgen und ihre Gefühlslage auszublenden? Nein!
Spieler und Trainer haben mit viel Glück einen Anschlag überstanden und selbst der verletzte Spieler Bartra kam noch einigermaßen glimpflich davon. Alle waren geschockt, auch deren Angehörige und nachts geschlafen hat wohl kaum einer. Innerhalb eines Tages kann man das auch nicht verarbeiten und muss dann ohne Schlaf, noch unter Schock stehend und alles andere im Kopf habend als Fußball am nächsten Tag ein CL-Viertelfinale spielen. Wie es in den Spielern aussah, hat man in der unkonzentrierten und fahrigen Spielweise in der 1. Halbzeit sehen können und an den Tränen selbst eines so starken Kerles wie Sokratis.

Hätte die Mannschaft wenigstens einige Tage zum durchschnaufen, zu einer ersten Verabreitung der Ereignisse, auch im Kreise ihrer Angehörigen gehabt, die eine oder andere Nacht auch wieder gut durchschlafen können, wäre sie sicherlich eher bereit und ausreichend konzentriert gewesen, um das CL-Viertelfinale in einigermaßen Normalverfassung bestreiten zu können. So haben es ja auch Spieler und Trainer zum Ausdruck gebracht.

Tuchel hat diese Saison sicherlich auch schon Fehler in der Kommunikation nach außen gemacht, aber generell finde ich es gut, dass er nicht ständig darauf achtet, mit allen auf Linie zu sein und nicht alles wohlfeil darstellt, sondern die Dinge so auf den Punkt bringt, wie er sie empfindet und sieht, selbst wenn das mal von der Clubführung abweicht. Das halte ich auch grundsätzlich und trotz einiger Fehler in seiner Kommunikation diese Saison für eine Stärke von ihm. Vom Pressesprecher des BVB, der sicherlich auch nicht immer fehlerfrei arbeitet, wird sich Tuchel da kaum Vorgaben machen lassen. Wie gesagt, finde ich es gut und authentisch, wie die unterschiedlichen Sichtweisen zum Ausdruck gebracht wurden. Alles andere wäre gekünstelt und eine unglaubwürdige Show gewesen.

@Robin: Die UEFA hat in ihrem Regelwerk den Artikel 27 "Weigerung zu spielen und ähnliche Fälle" (http://de.uefa.org/MultimediaFiles/Download/Regulations/uefaorg/Regulations/02/23/69/58/2236958_DOWNLOAD.pdf). Soweit man das von hier aus beurteilen kann, bezieht sich das aber nur auf das *Verschulden eines Vereins*. Da der BvB weder an dem Anschlag Schuld trägt noch sich über z.B. Sicherheitswarnungen seitens der Behörden hinweggesetzt hat – was man dann als "selbstverschuldet" interpretieren kann -, ist es äußerst unwahrscheinlich, dass die UEFA diesen Artikel 27 in seiner ganzen Konsequenz gezogen hätte. Für die Medien ist solch eine zunächst abstrakte Drohung mit Strafen natürlich ein gefundenes, ausschlachtbares Eigeninteresse.

@#15: Tuchel hat kurz vor dem Anpfiff am Mittwoch, also nicht am Dienstag abend, im Sky-Interview (https://www.welt.de/sport/article163669406/Tuchel-kritisiert-Uefa-Haben-uns-ohnmaechtig-gefuehlt.html) von einem "mulmigen Gefühl" gesprochen und davon, dass die Spieler und er sich "mehr Zeit" zum Überlegen gewünscht hätten. Die UEFA widerspricht vehement seiner Aussage, man hätte nur in der Schweiz entschieden und ich sehe außer Tuchel momentan auch Niemanden, der seine Version öffentlich stützt.

Das Leben ist nun mal eins der härtesten und selten werden Entscheidungen, die ein Mensch in dessen Lauf treffen muss, mit ausreichend Zeit zum Nachdenken und Grübeln gefällt. Es ist also müßig von Tuchel, über fehlende Zeit zum Denken zu jammern, wenn die Entscheidung für 66.000 Zuschauer im Stadion und mehrere hundert Angestellte und sonstige Dienstleister zeitnah gefällt werden *muss*, um nicht noch mehr Chaos zu produzieren.

@Klaus Lohmann zu #16
Deine Darstellung zu Artikel 27 der Statuten der UEFA ist völlig falsch. Denn dort ist klar geregelt, dass ein Verein bestraft wird, der sich entweder weigert, zu einem Spiel anzutreten oder der daran Schuld ist, dass ein Spiel nicht ausgetragen werden kann.

Folge einer Weigerung zu spielen ist demnach, dass die zuständige Kommission der UEFA den Verein, der sich weigerte, zu einem Spiel anzutreten, aus dem Wettbewerb ausschließt und das betreffende Spiel wird als Niederlage gewertet. Zusätzlich gibt es noch eine Geldstrafe.

Hätte der BVB also erklärt, zu einem festgesetzten Spieltermin nicht antreten zu wollen, wäre er aus dem laufenden CL-Wettbewerb ausgeschlossen worden, das Spiel wäre als Niederlage gewertet worden und eine Geldstrafe wäre auch noch fällig gewesen.

Um Wiederholungen zu vermeiden, verweise ich zur Gesamtproblematik ansonsten auf meine ausführlichen Kommentare unter #5 und #15.

@#18: Es ist juristisch kein "Verschulden eines Vereins" (Zitat), wenn nicht beeinflussbare Umstände zu Ausfällen führen. "Höhere Gewalt" in Form von z.B. schweren Unwettern hat auch schon zu Abbrüchen und Spielabsagen geführt, ohne dass die UEFA irgendwelche Sanktionen verhängt hat. Deswegen steht vor dem Artikel 27 auch der Artikel 26, der "irgendeinen Grund" für straffreie Absagen nennt. Und deswegen wurde ja auch im Krisenstab zusammen mit der UEFA über einen Ersatztermin diskutiert, statt sich kategorisch zu verweigern. Ich habe außer Tuchel immer noch Niemanden gehört oder gelesen, der diese Diskussion für erstunken hält. Und mindestens von den auch anwesenden behördlichen Kräften erwarte ich keine Falschaussagen zugunsten des BvB.

@Klaus: Ich vermute, er ist schlicht nicht direkt gefragt worden. Die Entscheidung mit der UEFA haben Watzke/Rauball für die Vereinsseite getroffen. Dann hätten alle aus ihrer Sicht irgendwie Recht und die Geschichte wäre soweit erklärt.

Robin, klar, könnte so gewesen sein. Aber dann muss er das mit *seinen* Chefs klarbekommen und nicht öffentlich die UEFA anschei.en. Die geht natürlich davon aus, dass die am Tisch sitzenden Vereinsvertreter das Sagen haben und sich für ihre Angestellten schlau machen, denn sonst kann man so einen Krisenstab schon im Ansatz wieder einstampfen. Der Bruch in der Kommunikation mit Watzke & Co. bliebe in dieser Geschichte offen bestehen.

Sehr beeindruckende Pressekonferenz übrigens jetzt gerade von Tuchel vor dem Frankfurt-Spiel. Wer kann, unbedingt noch einmal in voller Länge anschauen bzw. hören. Gibt es ja auch nachher immer noch im Internet….

@Klaus Lohmann
Ich habe eigentlich angenommen, dass Du Dir nach meinem Hinweis unter #18 den Artikel 27 des Statutes der UEFA nochmals genauer ansiehst, statt dessen wiederholst Du unter #19 erneut Deine falsche Darstellung.

Nochmals: Artikel 27 der Statuten der UEFA enthält zwei unterschiedliche Fälle. Der eine Fall betrifft die Weigerung eines Vereines, zu einem festgesetzten Spieltermin anzutreten und der andere betrifft ein Verschulden eines Vereines, welches dazu führt, dass das Spiel ganz oder teilweise nicht durchgeführt werden kann.

Hier geht es aber um den ersten Fall einer evtl. Weigerung. Würde sich der BVB weigern, zu einem durch die UEFA festgelegten Spieltermin anzutreten, dann hätte das laut Statuten der UEFA den Ausschluss des BVB aus dem laufenden CL-Wettbewerb zur Folge, plus Wertung des Spiels als Niederlage plus Geldstrafe.
Ich hoffe, dass Dir diese doch sehr eindeutige Rechtslage jetzt klar ist.

Was soll Dein Hinweis im ersten Absatz unter #17, Tuchel habe nicht am Dienstag, sondern erst am Mittwoch vor dem Spiel gesagt, dass man mehr Zeit benötigt hätte als schon am Tag nach dem Anschlag wieder antreten zu müssen?
Natürlich am Mittwoch vor dem Spiel. Denn am Dienstag war Tuchel ja zusammen mit den Spielern vom Anschlag betroffen, war noch eine ganze Zeit lang dort in der Nähe des Busses, bevor dann alle nach Hause gebracht wurden, auch Tuchel.

Dass Tuchel am Dienstag Abend nicht in den Krisenstab mit eingebunden war, der sich u. a. damit befasste, wie es jetzt weitergeht, der geprüft hat, welche möglichen Ausweichtermine denkbar wären und ob es überhaupt welche gibt, ist ja auch klar, denn wie soll man jemand in eine solche Abstimmung einbinden, der gerade erst einem Anschlag entgangen ist?

Die genauen Abläufe in der Abstimmung mit der UEFA kennen wir auch gar nicht, wissen nicht, ob die UEFA den Beteiligten gar keine Wahl gelassen hat (siehe Folgen des Artikels 27) oder ob alles einvernehmlich entschieden wurde.
Auf jeden Fall hat BVB-Boss Watzke die Entscheidung nach außen mitgetragen und auch gesagt, dass man angesichts des extrem dicht gedrängten Terminkalenders der nächsten Wochen, ständig Spiele im 3 Tages-Rhythmus und der bereits für kommende Woche terminierten CL-Rückspiele sowie bald danach folgenden Halbfinalspiele keine Terminalternativen hatte, wollte man nicht den gesamten Terminplan der CL sowie der Liga- und Pokalspiele in Deutschland und Frankreich auf den Kopf stellen.
Wenn die Mannschaft unter diesen Umständen keine entsprechende Leistung bringen könne, so Watzke, werde man ihr bestimmt keinen Vorwurf machen.

Ansonsten sind doch die Funktionäre auf der einen Seite, die trotz der schwierigen Situation kühlen Kopf bewahren und pragmatisch handeln, im Krisenstab alles abwägen, auch die Spielpläne berücksichtigen müssen, zu unterscheiden von den vom Anschlag direkt Betroffenen, also den Spielern und dem Trainer.
Tuchel hat das zum Ausdruck gebracht, was die Spieler und das Trainerteam fühlen, dass sich die Spieler eigentlich nicht in der Lage fühlten, schon einen Tag nach dem Anschlag wieder zu spielen und lieber etwas mehr Zeit für eine erste Verarbeitung gehabt hätten, damit sie wieder einigermaßen konzentriert und fokusiert zu einem so wichtigen Spiel antreten. Er schilderte, dass man ja nicht in den Entscheidungsprozess eingebunden gewesen sei (war aber wie geschildert auch kaum möglich war) und sich dem weiteren Ablauf ohnmächtig ausgeliefert sehe. So äußerten sich auch einige Spieler. Es war richtig, dass Tuchel den Schulterschluss mit seinen Spielern herstellte.

Dass er jetzt besonders der für die Spielansetzung zuständigen UEFA Vorwürfe machte, sollte man angesichts der schwierigen Ausnahmesituation, in der sich Spieler und Trainer befanden, nicht auf die Goldwaage legen. Was Tuchel im Interesse der Mannschaft und des Trainerteams zum Ausdruck bringen wollte, ist ja deutlich geworden und das ist auch nachvollziehbar.
Einen Bruch in der Kommunikation zwischen Tuchel einerseits und Watzke und Co. andererseits bedeutet das meiner Ansicht nach nicht. Sondern die Vereinsfunktionäre haben eine andere Aufgabe als Trainer und Spieler und sie waren im Gegensatz zu den Spielern und dem Trainer auch nicht vom Anschlag betroffen. Watzke hat in den Abstimmungen mit UEFA, Monaco, den Spielplänen usw. sicherlich erkannt, dass es keinen anderen gangbaren Weg gibt als am nächsten Tag zu spielen, aber dass Tuchel und die Spieler sich lieber mehr Zeit gewünscht hätten, ist auch nachvollziehbar und verständlich. Im Übrigen kennen wir die genauen Abläufe und die konkrete Rolle der UEFA dabei ja gar nicht.
Der neue Sicherheitsbeauftragte des internationalen Fußballs sagte übrigens, dass man bei noch schwerwiegenderen Folgen des Anschlages, z. B. bei mehreren verletzten Spielern oder gar Todesfällen, selbstverständlich nicht am nächsten Tag das Spiel hätte ansetzen können und dürfen. Dann hätte es zwangsläufig einen massiven Eingriff in die Spielpläne der Ligen und der UEFA geben müssen.

@#23: Kurz: Der Verein weigert sich nicht, wenn Spieler aus Angst um die eigene Gesundheit und Sicherheit nicht zum Spiel antreten, was in diesem Fall ja Jedem vom Verein freigestellt wurde – trotz und in voller Kenntnis der UEFA-Regel 27. Höhere Gewalt, da nicht vom Verein beeinflussbar. Punkt. Und jetzt hab ich keine Böcke mehr auf diese sinnlosen Endlospingpongs mit Deinen persönlichen Unterstellungen in den Eingangssätzen.

@Klaus Lohmann zu #24
Warum so empfindlich? Deine Darstellung der Rechtslage ist nun einmal komplett falsch und darauf habe ich hingewiesen, habe Dir das auch erläutert. Unter #19 bringst Du neben dem Artikel 27 auch noch Artikel 26 ins Spiel, der "irgendeinen Grund" dafür nenne, ein Spiel nicht beginnen zu können.

In Artikel 26 geht es z. B. um Fälle wie Unbespielbarkeit des Platzes. Kann dann ein Spiel nicht stattfinden, ist es in der Regel am folgenden Tag zu wiederholen. Geht auch das nicht, ist ein anderer Ausweichtermin in Abstimmung mit der UEFA und Beteiligung beider Vereine festzulegen und zwar innerhalb von zwei Stunden nach Spielabsage.

Diese Regel hat man hier sinngemäß auch angewendet, wobei die UEFA laut Regularien immer das letgzte Wort hat, z. B. einfach einen Termin festlegen kann, wenn sich die beteiligten Vereine usw. nicht einigen können.

Da das Spiel in Übereinstimmung aller Beteiligten am Dienstag Abend nicht stattfinden konnte, suchte man nach einem Ausweichtermin und legte den Mittwoch fest.

Wie gesagt, liegt das Letztentscheidungsrecht bei der UEFA und ist dann ein Ausweichtermin festgelegt, entweder in Übereinstimmung aller Beteiligten oder nach Letztenscheidungsrecht der UEFA und weigert sich dann ein Verein (Artikel 27), zu diesem Spiel anzutreten, dann wird der Club vom laufenden CL-Wettbewerb ausgeschlossen, das Spiel wird als Niederlage gewertet und eine Geldbuße bekommt der Club auch noch.

Hätten also Tuchel und die Spieler gesagt, nein, wir akzeptieren den neu festgelegten Termin nicht und treten nicht an, wäre der BVB vom weiteren CL-Wettbewerb ausgeschlossen und das Spiel wäre als Niederlage gewertet worden plus Geldstrafe. Ähnliches wäre passiert, wenn BVB-Boss Watzke angebotene Lösungen nicht akzeptiert und die UEFA von ihrem Letztentscheidungsrecht Gebrauch gemacht hätte.

Ich hoffe, dass die Rechtslage nach dieser noch detaillierteren Erläuterung endgültig klar ist. Ich kann ja nichts daran ändern, dass Du in der Darstellung der Rechtslage falsch liegst und ich kenne mich zufälligerweise in juristischen Fragen sehr gut aus. Deshalb erläutere ich das auch.

@Robin Patzwaldt zu #22
Habe mir die heutige Tuchel-PK eben ansehen können. Du hast Recht, das ist wirklich beeindruckend. Es gibt wohl kaum einen anderen Trainer der Bundesliga, der auf diesem Niveau formulieren und inhaltlich fundiert etwas erläutern kann. Wenn man das gehört hat, muss man auch die Frage stellen: Und der soll angeblich nicht emotional sein?
Sein Englisch ist übrigens ziemlich perfekt, das spricht er fließend, beantwortete die Fragen der englischen Journalisten souverän.

Einverstanden
mit der Anmerkung von Lukas N -25 abschließend- zu Robin Patzwald -22-.

Meiner Nachdenklichkeit nützlich:
Beitrag von Marcus Bank bei SPIEGELonline " Ärger zur …"; -zu empfehlen.

Auch im Fußball sind Regeln nicht gleich Regeln, soll heißen, dass sie je nach (politischer) Wetterlage nicht in ehernen Buchstaben stehen. Diese Erfahrung haben 68 die Mannschaften aus den Staaten gemacht, die der CSSR brüderlich zur Hilfe geeilt waren, als die Konterrevolution in unserem Nachbarland ihr schmutzig Haupt erhob und die Errungenschaften des sozialistischen Aufbaus bedrohte (Ironieschalter jetzt aus).Was tat die UEFA: sie gab dem Protest der diesen Mannschaften zugelosten Gegner statt und nahm völlig statutenwidrig eine spezielle Neuauslosung vor, vorauf die Sportfreunde aus den Interventionsstaaten auf ihre Teilnahme 68/69 verzichteten, was aber für diese keinerlei satzungsgemäße Sanktionen hatte. Slovan Bratislava holte anschließend den EC2 in die CSSR, 3:2 gegen Barca, das damals noch Barcelona bei Fußballfreunden hieß.

@Walter Stach zu #26
Die von Dir empfohlene "Spiegel"-Online-Veröffentlichung mit Schilderung der Abläufe am Dienstag-Abend habe ich gelesen und sehe darin auch meine hier mehrfach getroffenen Einschätzungen größtenteils bestätigt.

In dieser Veröffentlichung wird auch deutlich, dass ich die Rechtslage laut UEFA-Regularien vorstehend korrekt eingeordnet habe. Denn laut diesen Regularien ist innerhalb von 2 Stunden nach einer Spielabsage über das weitere Verfahren und vor allem über einen Ausweichtermin zu entscheiden. Dabei sind auch beide betroffenen Clubs in diesen Entscheidungsprozess einzubinden. Das Letztentscheidungsrecht liegt bei der UEFA, vor allem dann, wenn sich die Beteiligten nicht einigen können. Die Entscheidung der UEFA über einen neuen Spieltermin ist dann endgültig und muss von den Clubs befolgt werden.
Weigert sich ein Club, zu einem festgelegten Spieltermin anzutreten, wird das Spiel laut UEFA-Regularien (Artikel 27) mit 3 : 0 für den Gegner gewertet und diese Weigerung hat auch in der Regel den Ausschluss des Clubs vom weiteren CL-Wettbewerb zur Folge plus Geldstrafe.
Das Spiel hat laut diesen Regularien grundsätzlich am nächsten Tag stattzufinden, aber es ist auch zulässig, einen anderen Ausweichtermin festzulegen, wenn das so nicht umsetzbar sein sollte und sich alle Beteiligten darauf einigen können.

Nach diesen UEFA-Regularien ist man auch am Abend des Dienstag verfahren, musste also auch innerhalb von nur 2 Stunden eine Lösung finden, vor allem einen Ausweichtermin.
Das besondere war aber, dass es nicht um eine Unbespielbarkeit des Platzes oder ähnliches ging, sondern um einen Anschlag auf den Team-Bus und somit auf die Mannschaft. Die Regularien der UEFA sehen aber keine Differenzierung vor, das heißt, egal aus welchem Grund ein Spiel nicht stattfinden kann, muss innerhalb von 2 Stunden eine Entscheidung getroffen werden, wobei immer die UEFA das Letztentscheidungsrecht hat.

Laut Regularien der UEFA hätte man also nicht sagen können, wir warten jetzt mal den nächsten Tag ab und sehen dann mal weiter. Zudem wäre dann ein Spieltermin am nächsten Abend kaum noch realisierbar gewesen. Kommendes Wochenende sind schon die Ligaspiele in Deutschland und in Frankreich terminiert, Mitte kommender Woche die CL-Rückspiele, dann die Auslosung des Halbfinales und weiter folgen Spiele in der Liga, im Pokal, alles im 3-Tages-Rhythmus.

Zu berücksichtigen ist also, dass sich alle Beteiligten in einer Ausnahmesituation befunden haben, die man so noch nicht kannte und der Ablauf wurde laut UEFA-Regularien abgewickelt, was insbesondere für die Spielabsage und Neuansetzung (Ausweichtermin) unter Berücksichtigung der Spielpläne angeht. Laut "Spiegel"-Bericht hatte die UEFA zunächst erwogen, das Spiel mit Zeitverzögerung doch noch am Dienstag-Abend stattfinden zu lassen oder am Mittwoch-Nachmittag, aber das hat man dann zum Glück auch wegen Protestes der BVB-Vertreter doch verworfen.
Aber es war eben kein üblicher Fall einer Spielabsage, sondern es war die Folge eines Anschlages auf einem Teambus. Im Sinne der Menschlichkeit und mit Rücksicht auf diese Ausnahmesituation und die direkt betroffenen Spieler und Trainer wäre es im nachhinein gesehen besser gewesen, die UEFA hätte gesagt, man müsse jetzt nicht innerhalb der vorgesehenen 2 Stunden eine Lösung finden, sondern berate das weitere Vorgehen am nächsten Tag, denke auch über völlig unkonventionelle Lösungen nach, auch wenn kurzfristig die Spielpläne der Ligen und der UEFA ins Wanken geraten und es sehr schwierig ist, eine Lösung zu finden, die nicht alles auf den Kopf stellt.

Aber im nachhinein und mit etwas Abstand lässt sich das eher so sagen als am Abend des Dienstag in einer Ausnahmesituation für alle Beteiligten.

Jürgen Klopp hat in seiner Reaktion etwas treffendes gesagt: "Ich bin mir ziemlich sicher, wenn einer der Leute, die das entschieden haben, im Bus gesessen hätte, hätten sie die Partie nicht gespielt. Wenn man nicht im Bus sitzt, kann man sich nicht genau vorstellen, wie das war."

So ist es, man sollte mal versuchen, sich in die Situation der Spieler und des Trainerteams zu versetzen, die gerade einem Anschlag entkommen sind, die durcheinander sind, deren Angehörige auch geschockt sind, die nachts nicht geschlafen haben, die sich unmöglich am nächsten Tag schon wieder auf eine Fußballspiel konzentrieren und fokusieren konnten, die zunächst mal wenigstens einige Tage für eine erste Verarbeitung gebraucht hätten, sich wenigstens etwas hätten erholen müssen, einschließlich Schlaf.

Hinzu kommt, dass das Team so evtl. auch um seinen Traum gebracht wird, ins CL-Halbfinale einziehen zu können. Und als hätte das Team nicht schon genug Last zu tragen, hat der Schiedsrichter auch noch zwei irreguläre Tore gegen Borussia anerkannt, wobei vor allem das Abseits vor dem 0 : 1 so offensichtlich war, dass es der Assistent an der Linie hätte sehen müssen. Warum hat er es übersehen? Auch ein Schiedsrichter muss diese Ausnahmesituation berücksichtigen und sensibel genug sein, um zu erfassen, unter welchen Umständen die Borussia da angetreten ist.

Die Bosse des BVB waren in diese ganzen Regularien und festgelegten Abläufe eingebunden, hatten das zu beachten, die Terminlage der Ligen und der UEFA-Spiel der nächsten Wochen einzubeziehen, mussten auch die Interessen des gegnerischen Teams, also Monaco, berücksichtigen, deren Kompromissbereitschaft hinsichtlich möglicher Ausweichtermine auch begrenzt gewesen sein dürfte und die die Folgen des Anschlages natürlich bei weitem nicht so intensiv wahrgenommen haben wie das BVB-Team selbst. Die Frage war auch, ob eine Verschiebung von Ligaspielen beider Ligen, in Abstimmung mit der Ligaverbänden und den anderen dann betroffenen Clubs der Ligen kurzfristig überhaupt zu realsieren gewesen wäre, ob das überhaupt umsetzbar gewsen wäre. Das wäre zumindest sehr schwierig geworden, verbunden mit erheblichen Auswirkungen auf die Spielpläne der Ligen, die Zuschauer, die auch schon Karten für die Spiele hatten usw.
Die Bosse berücksichtigten auch die politische Dimension des ganzen, auch die Frage, inwieweit man jetzt auch ein Zeichen setzen musste und wenn ja, welches.
Auch dazu kann man unterschiedliche Meinungen vertreten, für die es jeweils gute Gründe gibt.
BVB-Watzke sagte denn auch "Rein technisch ist der Nachholtermin zwar zu realisieren und terminlich ist im engen Rahmenterminplan kaum eine Alternative zu finden, aber klar ist auch, dass sich die Mannschaft in gewissen Schockstarre befindet und das nicht einfach für sie wird. Vorwürfe an das Team wird es nicht geben, falls es sportlich nicht klappt."

Laut des von @Walter Stach genannten "Spiegel"-Artikels war BVB-Boss Watzke am Mittwoch-Vormittag um 10 Uhr im Trainingszentrum, um nochmals mit Mannschaft und Trainer zu reden, habe auch gefragt, ob sie sich in der Lage fühlten, am Abend zu spielen. Offenbar trauten sich die Spieler aber zu diesem Zeitpunkt nicht, klar zu sagen, dass die große Mehrheit von ihnen nur einen Tag nach dem Anschlag nicht antreten möchte. Für die Spieler war das auch eine ausgesprochen schwierige Situation und sie mussten sich wie in einer Zwangslage vorkommen, wollten wohl den am Abend zuvor festgelegten Termin nicht kippen, wobei man auch riskiert hätte, dass das Spiel mit 3 : 0 für Monaco gewertet wird, falls die UEFA nicht kompromissbereit sein sollte.

Trainer Tuchel hat es den Spielern dann ausdrücklich feigestellt, zu spielen und sie gebeten, ihm mitzuteilen, wenn sie nicht auflaufen möchten. Aber kein Spieler hat sich bei Tuchel abgemeldet, alle sagten sich dann wohl, wir bringen das jetzt irgendwie gemeinsam über die Bühne, wie auch immer.

Und so gehen auch die Einschätzungen in den Medien weit auseinander. Das geht von " Das Spiel war eine notwendige Zumutung, musste am nächsten Abend stattfinden" über "Dieses Zeichen des Spieles schon am nächsten Abend musste gesetzt werden" oder "Das war ein wichtiges Signal, zu sagen, wir geben nicht auf" bis hin zu "Eine unmenschliche Hatz für den BVB"" oder "Zum Fußball gezwungen" oder "Die Spieler wurden einfach vergessen".

Es war am Dienstag-Abend eine Extremsituation, eine Ausnahmesituation, für die es keine Handlungsanleitung in irgendeinem Lehrbuch gibt und es gab eine Reihe von Beteiligten mit unterschiedlichen Sichtweisen, Wahrnehmungen, Interessen und einer unterschiedlichen Wahrnehmung der Ereignisse, auch unterschieldichen Vorstellungen, wie es jetzt weitergehen soll und welche Zeichen man evtl. setzen müste oder nicht setzen sollte.

Das muss man berücksichtigen, wenn man das alles einzuordnen und zu bewerten versucht.

Ich denke, es war wichtig, dass sowohl die Spieler als auch Trainer Tuchel als vom Anschlag direkt Betroffene nach dem Spiel keinen Hehl aus ihrer Gefühlslage machten und nicht versucht haben, der Öffentlichkeit irgendetwas vozuspielen, irgendeine Show nach dem Motto abzuziehen, dass ja alles in Ordnung sei und man wie Maschinen funktioniere.
Es war sehr wichtig, dass die Spieler und der Trainer ihre Gefühle und Emotionen ehrlich und ungeschönt mit der Öffentlichkeit geteilt haben.
Und wie sagte doch Nuri Sahin so treffend: "Ich weiß, wir verdienen viel Geld, haben ein privilegiertes Leben. Aber wir sind Menschen, und es gibt so viel mehr als Fußball auf dieser Welt. Das haben wir letzte Nacht gespürt. Gestern Abend haben wir gespürt, wie es ist, selbst in einer solchen Situation zu sein. Dieses Gefühl wünsche ich keinem."

Und wie schon von @Robin Patzwaldt erwähnt, hat Tuchel gestern nochmals auf der PK mit einer ehrlichen, authentischen und nachdenklichen Sicht auf die Dinge beeindruckt. Ich glaube es ist sehr wichtig für die Spieler, zu spüren, dass ihr Trainer bei ihnen ist, dass er als ein Betroffener genauso fühlt wie sie, dass sie in einem Boot sitzen und dass ihr Trainer auch öffentlich klare und eindringliche Worte findet, auch um Verständnis für die Spieler und ihre Situation wirbt. Das hat allen nochmals klargemacht, das es einen großen Unterschied in der Wahrnehmung derjenigen gibt, die direkt betroffen waren und aller anderen, die nicht direkt betroffen waren. Tuchel hat die Öffentlichkeit und auch die Medien nochmals für diese Ausnahmelage sensibilisiert.

Ich finde, Tuchel hat damit dem BVB und vor allem der Mannschaft einen wichtigen Dienst erwiesen. Die Bosse hatten eine andere Aufgabenstellung zu bewältigen, müssen auch in einer solchen Ausnahmesituation möglichst kühlen Kopf bewahren und es mussten kurzfristig Lösungen unter Berücksichtigung aller Beteiligten gefunden werden. Wenn man z. B. den Trainer Monacos nach dem Spiel gehört hat, zeigte sich, dass die Wahrnehmung und Interessenlage da eine ganz andere ist und er fand, dass alles so richtig und korrekt abgelaufen ist und auch der Nachholtermin am nächsten Tag die richtige Entscheidung gewesen sei.

Es bleibt zu hoffen, dass alle Beteiligten, auch die UEFA, aus dieser Ausnahmesituation und aus den Abläufen lernen und für die Zukunft die richtigen Schlüsse ziehen, im Interesse des Fußballs, nicht im Interesse des Geschäftes und der Show.

Hier noch eine sehr realistische Einschätzung des immer problematischer werdenden Verhältnisses zwischen Tuchel und Vereinsführung vom wirklichen BvB-Experten Thomas Hennecke: http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/675686/artikel_tuchel-stellt-sich-gegen-die-bosse.html

"Wie so häufig bei der Einordnung wichtiger Ereignisse traf Tuchel eine komplett andere Sprachregelung als die am Gründonnerstag um Schadensbegrenzung bemühten Dortmunder Macher. Dem von Bundeskanzlerin Merkel und Innenminister de Maiziere in seinem Handeln bestärkten Watzke und den anderen Entscheidern der Borussia werden die Äußerungen Tuchels und der dadurch ausgelöste Konflikt mit der UEFA vermutlich schwer im Magen liegen. Das ohnehin problembeladene Verhältnis zwischen dem Trainer und seinen Vorgesetzten dürfte sich einer weiteren ernsten Belastungsprobe ausgesetzt sehen."

Hört sich nicht so an, als hätte Tuchel aus den negativen "Begleitakkorden" seines Abgangs bei Mainz etwas gelernt.

Lukas N.,
-28-
sehr positiv werte ich -sh.SPIEGEL-online und Verweis im Beitrag -28 – den mir erst jetzt bekannt gewordenen Besuch von Watzke im Trainingszentrum und das Gespräch von Watzke mit den Spielern am Mittwochmorgen! Damit ist einem Teil meiner bisherigen Kritik am Entscheidungsfindungsprozess wegen der kurzfristigen Wiederholung des Spieles die Berechtigung genommen.

Zudem , so meine ich, sollte bedacht werden:
Bei aller Kritik -auch meinerseits-, muß sich jeder Kritiker bewußt sein, daß die Verantwortlichen beim BVB, daß die betroffenen Spieler und der Trainer sich in einer Ausnahme- Situation -sh. auch Lukas N. -28-befanden und noch befinden, die für sie absolut nicht vorauszusehen war, auf die sie sich nicht vorbereiten konnten, die lebensdrohenden war , die insofern emotional die unterschiedlichsten Reaktionen produzieren mußte , weshalb auch der unverzügliche " Umgang" mit ihr im nachhinein nur bedingt einer rationalen Kritik zugänglich sein kann.

@Walter Stach zu #30
Respekt vor Deiner Haltung und davor, dass Du Erkenntnisse und Informationen in Deinen Meinungsbildungsprozess einfließen lässt und so Stück für Stück zu einer konkreteren Einschätzung und Bewertung kommst. Mit dem, was bedacht werden sollte, stimmen wir ja auch weitgehend überein. Meine Sicht der Dinge habe ich ja bereits sehr ausführlich dargelegt.

@Klaus Lohmann zu #29
Herr Hennecke ist also Deiner Meinung nach ein wirklicher BVB-Experte, der es realistisch einschätze, dass das Verhältnis zwischen Tuchel und der Vereinsführung immer problematischer werde, auch wegen der von Tuchel jetzt verwendeten Sprachregelung.

Ich finde es immer erstaunlich, was da so alles in manche Dinge hineininterpretiert wird und wie einige Journalisten wissen wollen, wie genau es im Innenverhältnis aussieht und wie Konflikte konstruiert werden, die so kaum anzunehmen sind.

BVB-Boss Watzke hat dem "Spiegel" jetzt ein Interview gegeben und einige Passagen daraus wurden vorab veröffentlicht. Watzke u. a. wörtlich:
"Man muss den unmittelbar Betroffenen (Spieler, Trainer) zugestehen, dass in einer solchen Stresssituation nach einem solchen Spiel Emotionen geäußert werden. Da sollte man nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Am Ende des Tages gab es einfach nur die Möglichkeit, das Spiel am Mittwoch nachzuholen. Ich habe auch überlegt, ob wir uns nicht ganz aus dem Wettbewerb verabschieden sollen, aber dann wäre es ein Sieg für die Täter gewesen. Ich habe der Mannschaft am Mittwoch klar gemacht, dass wenn einer sich nicht in der Lage sieht zu spielen, das dem Trainer sagen soll. Von uns hätte es dafür vollstes Verständnis gegeben und jede Form der Unterstützung. Es war eine Herculesaufgabe, der sich unsere Mannschaft gestellt hat. Die Stimmung in der Kabine nach dem Spiel gegen Monaco war sehr bedrückend."

Damit sind doch konstruierte Zerwürfnisse entkräftet.

Spieler und Trainer waren direkt vom Anschlag betroffen und es war gut, richtig, authentisch, ehrlich und vor allem verständlich, dass sie ihre Gefühlswelt dargestellt und sehr emotional reagiert haben. Es wäre doch sehr befremdlich gewesen, wenn diese Ausnahmesituation nicht auch in den Aussagen Tuchels emotional zum Ausdruck gekommen wäre, wenn Tuchel also mit beschönigenden Floskeln alles sozusagen im Diplomatendeutsch politisch korrekt hätte darstellen wollen. Das hätten vor allem seine Spieler nicht verstanden, die der Trainer so auch mitgenommen hat.

Die Bosse wiederum waren in dieser extremen Ausnahmesituation als Krisenmanager gefragt, mussten trotz allem irgendwie kühlen Kopf bewahren. Und wenn man bendenkt, was am Dienstag-Abend nach dem Anschlag alles bedacht werden musste und zu regeln war, ist das Krisenmanagement gelungen. Der BVB konnte auch nicht alleine etwas bestimmen, sondern man musste sich auch mit Monaco und vor allem mit der UEFA einigen, die ohnehin das Letztentscheidungrecht hat, laut deren Regularien innerhalb von 2 Stunden nach einer Spielabsage ein Nachholtermin gefunden werden muss, der möglichst am nächsten Tag sein soll. Für diesen nächstenTag plädierte auch Monaco. Und wie die nationalen und internationalen Terminpläne für die nächsten Wochen aussehen, in denen die Teams im 3 Tages-Rhythmus verplant sind, wissen wir ja alle.

Watzke machte jetzt deutlich, dass auch ein freiwilliger Rückzug des BVB aus dem Wettbewerb Gegenstand der Überlegungen gewesen sei. Aber das wäre nicht nur ein Sieg für die Täter gewesen, sondern das wäre ein schwerer Schlag für Mannschaft und Trainer gewesen, denn dann wäre ihr Traum vom erreichen des Halbfinales der CL endgültig vorbei gewesen und ein Rückzug hätte das Team zusätzlich getroffen, es wäre noch schwerer gewesen, alles zu verbarbeiten.

Generell gesehen darf man nicht den Fehler machen alles so zu bewerten als handele es sich um einen ganz normalen Fall einer Spielabsage (z. B. wegen Unbespielbarkeit des Platzes), für die dann schnell ein neuer Termin gefunden werden muss. Hier hatte man es mit einer extremen Ausnahmesituation zu tun.

Habe übrigens auch heute noch keine Lust auf Fußball-Bundesliga. Wie mag es da wohl erst den Spielern des BVB gehen? 🙁

@Robin Patzwaldt zu #32
Ja, die Spieler müssen eigentlich schon fast unmenschliches leisten, wobei es für die Verarbeitung der Ereignisse besser ist, wieder in den Fußballalltag zurückzukehren als sich einige Zeit davon zu verabschieden. So traurig und hart es klingt, aber das Leben muss weiter gehen und man muss versuchen, den Weg zurückzufinden in die Normalität, wie lange das auch immer dauern mag. Für die Spieler ist das Training und das Spiel vermutlich auch eine Ablenkung.

Sollte die Mannschaft in den nächsten Wochen keine Topleistungen mehr abliefern können, wäre das verständlich, wenn auch sehr bitter für das Team, das dann durch einen feigen Anschlag vom Erfolgsweg abgebracht worden wäre. Wenn das Team in dieser schwierigen Verfassung, in Halbzeit 1 unkonzentriert und fahrig wirkend, dann in Halbzeit 2 Monaco beherrscht, kann man sich vorstellen, was erst losgewesen wäre, hätte die Mannschaft unbeschwert und in Normalverfassung antreten können.
Ich bin mal gespannt, wie die Mannschaft, der Trainer, der gesamte Club in den nächsten Wochen mit allem umgeht und wie stark und wie lange die Auswirkungen haften bleiben

Als Zuschauer und Fan verspürt man tatsächlich noch nicht wieder eine Freude auf Fußball. Auch als Fan und Zuschauer muss man sich sozusagen auch erst wieder in die Normalität zurückarbeiten, wobei das leichter fallen sollte als bei den Spielern.

Auf jeden Fall darf es solchen Tätern und Anschlägen nicht gelingen, uns das freiheitliche Leben und die Freude z. B. am Fußball auf Dauer kaputtzumachen.

Ich hoffe, dass die Täter und die schwer greifbaren Hintergründe des Anschlages bald ermittelt werden können, damit man endlich weiß, wer und was genau dahintersteckt. Mir fehlt derzeit die Vorstellungskraft, was das genau sein könnte und an Spekulationen sollte man sich nicht beteiligen, bringt ja auch nichts.
Es wird in alle Richtugnen rund um die Uhr ermittelt und da muss man einfach abwarten, was da rauskommt.

3:1 gegen Frankfurt!
Großes Kompliment an Trainer und Mannschaft.

Ich wünsche den Spieler und dem Trainer, daß die Vorbereitung auf das Rückspiel in Monaco alle physisch und psychisch so beanspruchen wird, daß nicht viel "Zeit und Kraft" übrig bleiben, sich zu sehr mit dem Terrorakt befassen zu müssen . Die Spieler wissen, daß sie in Monaco nicht chancenlos sind. Und das dürfte dazu beitragen, daß sie sich besonders konzentriert auf das Spiel vorbereiten, also gedanklich nur mit diesem Spiel beschäftigt sein werden. Dass das weitestgehend gelingt,, wünsche ich jedenfalls den Spielern und dem Trainer.

Auf die Frage, welche Folgen der Terroranschlag mittel- oder gar langfristig für die unmittelbaren Betroffenen haben kann -Spieler, Trainer…..-, kann ich keine fachlich qualifizierte Antwort geben. Mittlerweile gibt es dazu ja schon einige fachkompetenten Antworten, u.a. mit dem Hinweis darauf, daß es individuell kurz-, mittel- und langfristiger sehr unterschiedliche Auswirkungen geben dürfte -so wie das für jedermann gilt, wenn ein nahestehender Angehöriger plötzlich stirbt.

Lukas N.,
wer war der Täter, wer sind die Täter?
Bemerkenswert, daß "man" sich momentan nicht mehr nur oder nicht mehr primär auf einen Terrorakt radikal-fanatischer Islamisten zu konzentrieren scheint -Deutsche Rechtsextremisten oder….??
Ist es völlig daneben, wenn ich mir heute Gedanken darüber gemacht habe, ob es für Polizei und Staatsanwaltschaft hilfreich sein könnte, wenn der BVB z.B. 100.000 € demjenigen zusagt, dessen "sachdienliche Hinweise" zur Ergreifung der Täter entscheidend waren?
Ich würde das , wenn ich Verantwortung beim BVB zu tragen hätte, zumindest mit Kollegen diskutieren.

Ganz ganz wichtig heute, obwohl Fußball gerade so gar nicht wichtig ist. Eine irre Situation. Obwohl ich mir das Spiel gar nicht live angesehen habe, bin ich nun extrem erleichtert. Großes Kompliment an alle Beiteiligten, auch die Fans im Stadion. Als dort nach dem Schlußpfiff gesungen wurde: "Aber eins, aber eins, das bleibt bestehen, Borussia Dortmund wird niemals untergehen", standen mir echt die Tränen in den Augen. Schon verrückt… Schön, dass die Mannschaft den möglichen Leistungsknick so erst einmal abwenden konnte, auch wenn es natürlich (wie immer) deutlich wichtigere Dinge gibt. Als Dortmunder tut das so aktuell einfach richtig gut.

@Robin Patzwaldt zu #35
Ja, man kann und muss wirklich von Erleichterung sprechen. Wow, kann man da nur sagen, was für eine Leistung nach diesen Ereignissen! Damit konnte man so nicht unbedingt rechnen. Ich habe das Spiel auf Sky komplett gesehen und vor allem in der 1. Halbzeit war das ein tolles Spiel, in der zweiten Halbzeit sah es mehr nach verwalten aus, aber auch da wirkte der BVB recht stabil und immer wieder mal gefährlich.

Ich freue mich besonders für Papa Sokratis, denn was der da defensiv und offensiv spielte, war Extraklsse und sein Tor in den Winkel nach vorherigem Solo war einfach ein Traumtor, ich glaube sogar es war das erste, das er per Fuß für den BVB erzielte.
Sehr positiv war auch der erste Auftritt von Marco Reus nach seiner Verletzung. Er wirkte spielfreudig und präsent, erzielte schon nach wenigen Minuten ein sensationelles Tor.
Und auch Auba machte nach super Vorarbeit durch Dembélé noch ein Klasse-Tor und hat somit wieder zu Lewandowski aufgeschlossen.
Die zuletzt angeschlagenen Castro und Durm standen wieder im Kader, Castro wurde eingewechselt. Ja und Sahin machte erneut ein gutes Spiel. Das wird ihm nach seiner langen Leidenzeit mit Verletzungen gut tun.

Man hatte den Eindruck, dass Fans und Mannschaft jetzt besonders zusammenstehen und die Fans haben das 90 Minuten lang und nach dem Spiel großartig gemacht. Das war eine tolle Unterstützung für das Team und dann auch noch die Geste für Marc Bartra.

So ein Spiel mit diesem Ablauf und einem Sieg hat man jetzt auch gebraucht und das gibt dem Team bestimmt Rückenwind. Dennoch kann man noch nicht sagen, ob das Team auch die nächsten Wochen auf hohem Niveau bestreiten kann oder ob es doch zwischendurch einen Knick gibt.

Toll fand ich auch, dass in der Halbzeitpause Stefan Kilmer von der Sky-Reporterin interviewt wurde, der die weltweit beachtete Aktion #bedforawayfans mit ins Leben gerufen hat und der einen symphatischen Auftritt hinlegte. Diese Gastfreundschaft der Dortmunder, die viele Monaco-Fans zur Übernachtung aufgenommen haben, war beispielgebend.

Du hast Recht, das tut jetzt richtig gut! Vielleicht gibt das dem BVB doch noch einen Schub für das CL-Spiel in wenigen Tagen. Wenn nicht, ist das aber auch in Ordnung, denn in der Tat gibt es wichtigere Dinge.

@Walter Stach zu #34
Wer die Täter dieses feigen Anschlages sind, ist leider nach wie vor offen. Du hast Recht, dass die ursprüngliche Annahme nicht mehr so im Zentrum steht und man die Bekennerschreiben, die man vor Ort gefunden hat, eher für ein Ablenkungsmanöver hält.
Wie schon oben geschrieben, denke ich, dass man nicht spekulieren sollte, wer es gewesen sein könnte, weil dazu konkrete Anhaltspunkte fehlen und die Ermittlungbehörden ja auch sagen, dass in alle Richtungen ermittelt wird. Die große Sonderermittlungsgruppe, die man gebildet hat, arbeitet ja weiter rund um die Uhr an der Aufklärung und man kann nur hoffen, dass man die Täter möglichst bald findet und den Hintergrund der Tat aufklären kann, denn das Motiv gibt ja Rätsel auf.
Es wäre sicherlich für alle Beteiligten, aber auch für die gesamte Öffentlichkeit und speziell auch für die Fans sehr hilfreich, wenn man die Ungewissheit über Täter und Motiv bald beenden könnte. Drücken wir mal die Daumen, dass das gelingt.

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