BVB: So ist er halt, der Kloppo!

BVB-Trainer Jürgen Klopp. Foto: Robin Patzwaldt
BVB-Trainer Jürgen Klopp. Foto: Robin Patzwaldt

Es gehört wohl längst zur Normalität, dass ein Jürgen Klopp die Meinungen der Öffentlichkeit spaltet. Die einen lieben ihn, die anderen Fallen scharenweise über ihn her, wenn sich der Erfolgstrainer von Borussia Dortmund einmal wieder eine Schwäche leistet.

Aktuell ist das wieder einmal der Fall. Als emotionsgeladener Trainer hat sich Jürgen Klopp in der Vergangenheit immer mal wieder Streitigkeiten mit Schiedsrichterassistenten und den sogenannten 4.Offfiziellen an der Seitenlinie geliefert. So nun eben auch beim Champions League-Auftakt des BVB am Mittwoch in Neapel. Eine Verbannung auf einen Tribünensitzplatz war die angemessene Folge für den Dortmunder Meistertrainer.

So scheinbar regelmäßig wie die übermäßigen Gefühlsausbrüche des Fußballehrers sind inzwischen aber auch die Versuche ihn dafür öffentlich zu maßregeln. Leistet Klopp sich einen ‚Ausraster‘ fällt sofort ein großer Teil der Medien und auch der Fans anderer Vereine über ihn her, fordert eine harte Bestrafung.

Natürlich ist es nicht in Ordnung, wenn ein Trainer so heftig reagiert, wie es ein Jürgen Klopp von Zeit zu Zeit tut, wenn er sich ungerecht behandelt fühlt, wenn ein Abend für sein Team so unglücklich läuft, wie das eben auch am Mittwoch in Neapel einmal wieder der Fall war. Natürlich ist das auch zu kritisieren. Klopp selber erschreckt sich nach eigener Aussage ja auch immer, wenn er anschließend mit diesen Bildern konfrontiert wird.

Man muss zur Ehrenrettung Klopps aber ebenso klar und deutlich festhalten, dass er noch nie über ein verbales Scharmützel mit einem Schiedsrichter hinaus ausfällig geworden ist. Und man kann, wenn man Fußball als Unterhaltung sieht, ja sogar irgendwie froh sein, dass es noch solch emotionale Typen im Geschäft des Profifußballs gibt. Mir sind solche Persönlichkeiten, die mitgehen, die ihre Emotionen zeigen, jedenfalls allemal lieber, als langweilige Trainer, denen man nicht ansieht ob ihr Team gerade 3:0 führt, oder zurückliegt. Denn davon gibt es in der Trainergilde inzwischen schon viel zu viele.

Natürlich muss ein Jürgen Klopp daran arbeiten und versuchen seine Gefühlsausbrüche etwas besser im Zaum zu halten. Schließlich ist er auch ein Vorbild für andere Leute. Keine Frage! Aber wenn ihm, alle paar Jahre mal, und häufiger ist es ja gar nicht der Fall, seine Emotionen so durchgehen wie am Mittwoch, er sich einmal wieder so ungebührend verhält, dann kann ich damit ganz gut leben. Größtenteils sind es eben doch auch seine Emotionen, im Positiven, wie dann logischer Weise auch mal im Negativen, die einen Jürgen Klopp so prima zum BVB passen lassen.

Und auch wenn er so zukünftig einmal wieder zu einem kurzfristigen Nachteil, zu einem vermeintlichen ‘Imageproblem’, für die Borussia werden sollte, es ist auch genau diese Emotionalität die den Fans in und um Dortmund in den vergangenen gut fünf Jahren bereits so viel Freude und auch so viele Titel eingebracht hat. Mit einem anderen Coach hätten sich auch diese Erfolge vermutlich so nicht erreichen lassen. Das sollte man in diesen Diskussionen nicht vergessen.

Zudem spricht aus vielen nun so zahlreich auftretenden Kritikern am jüngsten Verhalten des Dortmunder Trainers vermutlich wohl auch nur eine ganz gehörige Portion Neid. Denn nicht umsonst wollten zuletzt diverse Spitzenteams genau diesen emotionalen Übungsleiter verpflichten, wird inzwischen fast jede Pressekonferenz vor den Spieltagen des BVB live im Fernsehen übertragen. Vor diesem Hintergrund finde ich die gerade stattfindende mediale Kritik an Klopp auch ein ganz schönes Stück weit verlogen.

3 Kommentare

Wir alle beklagen die zunehmende Gewalt in den Stadien, den Rassismus und die Beleidigungen von Minderheiten durch Fußballfans. Wie wäre es denn, wenn die Verantwortlichen in den Führungsetagen der Vereine, die Spieler auf dem Platz und die Trainer am Spielfeldrand mit gutem Beispiel vorangingen? Von Profis kann man das ja wohl erwarten.

Auch wenn der Beitrag Herrn Klopp Verhalten kritisiert so bleibt es doch bei einer Verharmlosung. Es gibt keinen Widerspruch zwischen Emotionen und Respekt für alle Beteiligten des Spiels. Ausserdem hat auch niemand was gegen Herrn Klopps Ausraster solange sich diese in der Coaching Zone abspielen. Da sind die sogar erlaubt.

Herr Klopp hat bei seine diversen Ausbrüchen fast jede Grenze des Respekts vermissen lassen bis hart an die Grenze des körperlichen Angriffs.
Wer es nicht glaubt kann es hier sehen
http://www.n-tv.de/mediathek/bilderserien/sport/Klopps-teure-Ausraster-an-der-Seitenlinie-article11400821.html (besonders Bild Nr. 18)

Und das bleibt nicht nur im Stadion. Ich habe meine Sohn vom Jugendfussball abgemeldet weil er und ich die “Minikloppos” mit Pöhler-Kappe leid war die die Kinder a la Kloppo zusammengeschrien haben. Kann man in der Gegend um Dortmund bei fast jedem Jugendspiel schön beobachten.

Und wie sich Schiedrichter fühlen die plötzlich in den unteren Ligen von Pöhler-Kappen umstellt sind, kann man sich auch vorstellen.

Ich nehme Herrn Klopp seine Entschuldigung und Bedauern durchaus ab. Aber ein Profi wie er sollte an seinen Defiziten arbeiten. Das verlangt er ja von seine Spielern auch und trainiert es mit ihnen.

Auch Respekt und Fairplay kann man lernen. Diesen Lernfortschritt traue ich auch Herrn Klopp zu.

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