BVB: Dortmund im Freudentaumel – Anerkennung und Respekt für Malaga

Der Pott. Quelle: Wikipedia Foto: Jprw Lizenz: cc
Der Pott. Quelle: Wikipedia Foto: Jprw Lizenz: cc

Ohne Zweifel. Das war mal wieder eine dieser legendären Fußballnächte, wie sie noch in Jahren zum beliebten Gesprächsthema unter Fußballfans taugen wird.

Der BVB liegt, nach vergleichsweise mäßiger Leistung, in der 90. Minute mit 1:2 gegen Malaga hinten, ist eigentlich faktisch seit dem zweiten Treffer der Spanier wenige Minuten zuvor schon ausgeschieden.

Vielen hier wird es Gestern wohl wie mir gegangen sein, sie hatten sich von der diesjährigen Champions League Saison innerlich schon verabschiedet. Dass es aber häufig ein Fehler ist tendenziell eher negativ zu denken, das bewiesen dann in der Nachspielzeit der Begegnung mal wieder die scheinbar unbekümmert weiterkämpfenden Jungspunde im BVB-Team auf eindrucksvolle Art und Weise.

Der Ausgleichstreffer von Marco Reus in der 91. Minute veranlasste mich zuerst zu der recht bitteren Erkenntnis, dass die Borussia dann tatsächlich ungeschlagen aus der Champions League ausscheiden müsste. An einen Siegtreffer vermochte ich dadurch eigentlich zunächst auch nicht mehr ernsthaft zu glauben. Doch nein, von Zeit zu Zeit geschehen im Fußball tatsächlich sportliche Wunder. Und Gestern war mal wieder so ein besonders kostbarer Abend. Der Siegtreffer durch Felipe Santana, nur 65 Sekunden später, war sicher einer der emotionalsten Momente im Westfalenstadion seit Jahren. Wahnsinn, was da abging!

Doch bei aller Freude, man sollte auch in solchen Situationen den Gegner nicht ganz vergessen.

Man, wie müssen sich die Profis vom FC Malaga wohl gefühlt haben? Brutal, was ihnen da gestern wiederfahren ist. Da spielt man mit diesem Club zum ersten Mal überhaupt in der Champions League, der Verein sieht nach dem Ausstieg seines Hauptgönners einer finanziell unsicheren Zukunft entgegen. Das Team spielt trotzdem eine phantastische Königsklassensaison, trifft im Viertelfinale auf eine Mannschaft mit der man sich durchaus noch auf Augenhöhe sieht, kann nach einem 0:0 im Hinspiel auswärts zwei Mal in Führung gehen, führt selbst bis zur 90. Minute, und dann das….

Härter kann es einen als Fan und Spieler wohl kaum treffen.

Von den weiteren ungünstigen Umständen im Vorfeld dieser Begegnung für die Spanier, wie den privaten Schicksalsschlag für den Trainer, dem von Pannen und Zwischenfällen überschattete Flug zum letzten Auswärtsspiel, über die man im Vorfeld in den Medien lesen durfte mal ganz zu Schweigen. All das Pech gipfelte Gestern für den FC Malaga in der Nachspielzeit der Begegnung in Dortmund.

Also, bei aller Freude über das Erreichte aus Sicht der Borussia, sollten wir hier in der Region auch mit einem Teil unserer Gedanken heute beim FC Malaga sein.

Während man in Dortmund heute feiert und auch in Jahren wohl noch mit leuchtenden Augen von diesem ‚magischen‘ Abend berichten wird, denkt man in Spanien sicher auch noch lange, lange an diesen Abend. Aber aus einer ganz anderen Richtung.

Fragen Sie beispielsweise mal in München nach, wie man dort die letzten Minuten aus dem Champions League-Finale 1999 gegen Manchester United in Erinnerung hat, als man dort durch zwei Tore in der Nachspielzeit noch mit 1:2 verlor, und den sicher geglaubten Triumph noch herschenkte.

Ähnlich wird man sich heute auch in Malaga fühlen. Das haben weder Team noch Fans so verdient. Und auch für meinen Respekt, für eine unerwartet couragierte Leistung der Spanier, können sie sich heute aber mal so gar nichts kaufen…. Gesagt haben wollte ich es hier aber trotzdem kurz mal.

9 Kommentare

So sehr mich das Weiterkommen des BVB freut, so muss in jeder ernsthaften journalistischen Betrachtung ohne BVB-Fan-Brille doch die katastrophale Schiedsrichterleistung erwähnt werden.
Eine solche Häufung von Abseitstoren, egal wer nun davon profitiert, ist einem solchen Wettbewerb nicht nur unwürdig, er öffnet auch Verdächtigungen von Wettbetrug bis Rassismus die Tür.

Nach dem Spiel liefen die Spanier noch ganz fröhlich durch die Innenstadt. Von Niedergeschlagenheit war nichts zu spüren, geschweige ‘von auf dem Boden liegen’.

Die malaga fans waren überhaupt super. Brachten positive Stimmung rein.

Einfach nur happy!!!
Aber das mit Malaga stimmt eindeutig. Votallem weil sie ja jetzt auch noch ganze 4 Jahre für die Champions-League gesperrt sind.
Manchmal hat man einfach Glück.
Und manchmal darf man das auch ausnutzen.

@Thorsten Stumm: Sorry, aber wer wie der hinterfotzige Malaga-Scheich, der seine Truppe erst durch sein fast schon betrügerisches Finanzgebahren um die sportlich verdiente internationale Präsenz im nächsten Jahr gebracht hat, hinter unterirdischen Schiri-Leistungen sofort “Rassismus” vermutet, der hat sie nicht mehr alle auf’m Wüstenschiff.

Und wer meint, sowas “öffnet auch Verdächtigungen von Wettbetrug bis Rassismus die Tür”, der hat zusätzlich mit dem Begriff Rassismus selbst einige Schwierigkeiten.

@1 Thorsten Stumm
erwähnt es schon: war Santanas Tor nun Abseits oder nicht? Fan-Begeisterung o.k. Aber in journlistischer Betrachtung sollte diese Frage nicht ausgespart bleiben. Aus guten Gründen wird Deutschlands Macht in Europa in immer mehr befreundeten Ländern mit wachsendem Mißtrauen begleitet, das gilt natürlich auch für die Fußballmacht. Da sollten unsere Medien Sieger-Besoffenheit vermeiden.

@#5 | Martin Böttger: Das Santana-Tor war ebenso abseits wie 2 Treffer zuvor das 1:2 durch Malagas Eliseu (82.), da findet man alle Kommentatoren in seltener Einheit. Und der Journalisten-Begriff der “ausgleichenden Gerechtigkeit” ist selten so angebracht gewesen wie hier.

Dass allein die Spanier und Sie diese Tatsache ignorieren, macht eine gewisse “Besoffenheit” nicht unschöner oder ungerechter.

@Martin Böttger
Danke, dass noch jemand eine Lanze für kritischen Sportjournalismus bricht. Ist recht selten….

@#7 | Thorsten Stumm: Nur mal so, von “kritischem Sportjournalist” zu absolutem Laien: Was genau wäre jetzt an dem Spielergebnis “rassistisch” gewesen?

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