BVB: Das ‚Schweigegelübde‘ von Dortmund


Es war eine wahrlich bemerkenswerte Woche für und bei Borussia Dortmund seit letzten Sonntag, dem Tag, als der Verein Thomas Tuchel als Nachfolger des im Sommer vorzeitig aus dem Amt scheidenden Trainers Jürgen Klopp präsentierte.
Aber bemerkenswert eben, erstaunlicher Weise, nicht weil so viel passiert wäre seither, sondern weil eben (fast) nichts davon nach Außen durchsickerte. So war es überwiegend eine Woche der Spekulationen und Gerüchte.
Und völlig entgegen der allgemeinen Erwartung hat das sich selbst auferlegte ‚Schweigegelübde ‘ in Sachen neuer Trainer bisher bei den Schwarzgelben auch gehalten. Egal in welches Medium man auch blickte, bisher ist es offenbar niemandem dort gelungen aktuelle Aussagen vom neuen Trainer zur Zukunft des Teams zu bekommen, auch die BVB-Verantwortlichen schwiegen, versuchten so mit Macht die Konzentration auf die Endphase der laufenden Saison möglichst hoch zu halten.
Ob die Taktik am Ende von Erfolg gekrönt sein wird, das wird der BVB-Fan schon ein Stück weit am morgigen Samstag beim Heimspiel gegen die Eintracht aus Frankfurt, vor allem aber auch beim anstehenden Pokalhalbfinale in der nächsten Woche bei den Bayern erleben müssen bzw. dürfen.

 

In Anbetracht der ruhigen und lt. Jürgen Klopp offenbar auch erfolgreichen Trainingswoche in Brackel können sich Fans aktuell nur mit Transfergerüchten beschäftigen. Edin Dzeko, Johannes Geis, Shinji Okazaki oder Gonzalo Castro? Nichts Genaues weiß man aktuell noch nicht. Und so wird aktuell allenthalben halt kräftig mit neuen Namen spekuliert.

 
Fix ist hingegen, dass der BVB in dieser Woche mit vier jungen Talenten längerfristig verlängert hat. Allerdings aus dem Jugendbereich. Das reicht nicht für ganz große Schlagzeilen, auch wenn es für die Zukunft des Clubs sicherlich auch noch entscheidend werden könnte.
So bleibt die vermeintliche Topmeldung aus dieser vergleichsweise ruhigen Wochen beim BVB die Tatsache, dass die Macher des Geierabends Jürgen Klopp, unabhängig vom sportlichen Erfolg der restlichen Spiele unter seine Regie, am 31. Mai einen rauschenden Abschied bereiten wollen, indem sie ihn um den Borsigplatz chauffieren, so wie es sich der scheidende Trainer kürzlich zum Abschluss seiner Dortmunder Zeit noch einmal gewünscht hatte. Ob es dazu auch einen sportlichen Grund geben kann, dass entscheidet sich bekanntlich erst noch in Kürze.

 
So war das seit Sonntag vielleicht auch erst einmal die letzte relativ ruhige Woche in der Amtszeit des Jürgen Klopp beim BVB. Und dass das ausgerechnet die Woche nach dem Bekanntwerden seines vorzeitigen Rückzugs sein würde, damit konnte man wohl nicht ernsthaft rechnen. Wirklich erstaunlich!
Hinter den Kulissen dürfte die Situation natürlich bereits ganz anders ausgesehen haben. Nicht nur, dass Neutrainer Thomas Tuchel mit den Vereinsverantwortlichen wohl schon regelmäßig in Kontakt stehen dürfte, auch der noch immer nicht verlängerte Vertrag von Ilkay Gündogan und die angeblich eintrudelnden Angebote für Mats Hummels, der ob Wechselverbot oder nicht, zumindest intern für Diskussionen sorgen dürfte.

 
Alles nur eine Frage der Zeit, bis die Themen in Kürze auch offiziell geklärt werden müssen. Spätestens jedoch nach einem nicht unwahrscheinlich erscheinenden Ausscheiden im DFB-Pokal–Halbfinale nächste Woche in München dürfte sich das ‚Schweigegelübde ‘ beim BVB wohl in Wohlgefallen auflösen. Bei einem Einzug ins Pokalfinale von Berlin wird das Gelübde dann allerdings vermutlich zum echten Härtetest für alle Beteiligten. Denn das ist bekanntlich erst in der Woche nach Bundesligaende, am 30. Mai. Und ob sich ein Thomas Tuchel wirklich so lange noch würde komplett verstecken können?

 

PS: Das oben eingebundene Youtube-Video von Thomas Tuchel stammt natürlich auch noch aus seiner Zeit als Cheftrainer bei Mainz 05.

7 Kommentare

Wirklich spannend finde ich ja diese Story: http://www.bloomberg.com/news/articles/2015-04-22/dortmund-said-to-be-insured-for-champions-league-revenue-losses

Da ist also – angeblich in DE auch geübte Praxis bei Profivereinen – ein Verein gegen Einnahmeverluste aus Ausscheiden in bzw. Nichterreichen der Champions League versichert und ganze drei Leutchen von diesem Verein dürfen von dieser Police wissen, damit Trainer und Spieler bloß nicht mogeln und damit den Verein die Prämie kassieren lassen. Das Stillschweigen von Watzke zu dieser News (http://www.derwesten.de/sport/fussball/bvb/bvb-gegen-nicht-erreichen-der-champions-league-versichert-id10596592.html) scheint ja deren Wahrhaftigkeit zu bestätigen.

Mal abgesehen von dem ziemlich dünnen “Vertrauensgerüst”, auf dem solche Policen beruhen und welches zurecht in anderen Ländern verboten wurde – Ich mag mir garnicht vorstellen, welche CL-Gurkenspiele deutscher Mannschaften in den letzten Jahren da nochmal auf den Prüfstand müssten.

@Klaus: Unabhängig von dieser Versicherung die da angeblich abgeschlossen wurde: In den letzten Wochen wurde ja immer wieder darüber spekuliert, wie sehr der BVB beim Verpassen der CL zukünftig sparen müsste. Vergessen worden ist dabei aber ganz häufig, dass erst zum Saisonbeginn die strategischen Partner Puma und Signal Iduna mit ins Boot geholt wurden. Das ‘zusätzliche Geld’ aus diesem Bereich ist ja vermutlich auch noch nicht verplant gewesen. Es ist also wohl anzunehmen, dass der Kader wohl wirklich nur zu groß ist für die nächste Saison und nicht etwa zu teuer, so wie mancherorts zuletzt durchzuschimmern schien. Das macht mich auf mögliche Neuverpflichtungen nur noch neugieriger. Zumal wenn Gündogan und Hummels wirklich gehen sollten, was zusätzlich Transfererlöse bescheren würde. Von Ramos und Immobile mal ganz zu schweigen. Tuchel wird für seine Verhältnisse also wohl ziemlich aus dem ‘Vollen’ schöpfen können, was die Kaderplanung für die neue Saison betrifft. Habe jedenfalls schon von deutlich schlechteren Startbedingungen für neue Trainer gehört. 😉 Ganz unabhängig davon ob der BVB noch das internationale Geschäft erreicht…

@Robin: Ich hab das mit den strategischen Partnern noch so im Ohr, dass der Verein mit den über 110 Mios frischem Kapital zunächst (diese, evt. noch nächste Saison) letzte Schuldenreste tilgen will (wollte man nicht auch die Geschäftsstelle kaufen?), dann das interne Finanzgefüge auf neue, international ausgerichtete Beine stellen will (u.A. Marketing im Ausland) und erst *dann* wieder über Spielerkäufe nachdenkt. Und das war halt noch der Plan, *bevor* diese Seuchensaison die internationalen Einnahmen für die nä. Saison wegpustete.

Ich würde jetzt nicht zuviel Engagement auf dem Transfermarkt erwarten, höchstens eben für den Gegenwert der Abgänge (was ja für Hummels und Gündogan nicht gerade ein Taschengeld bedeuten würde).

@Klaus: Ich kann mir da aktuell so einiges vorstellen. Mögliche Abgänge: Gündogan, Hummels, Großkreutz, Ramos, Immobile, Jojić, Weidenfeller…. Dazu noch der Ruhestand von Kehl. Wären dann ca. 8-9 Abgänge. Transfererlöse von ungefähr 10 + 40 + 5 +8 + 15 + 3 + 3 Mio. …. Da käme ganz schön was zusammen. 😉 Wenn der Kader verkleinert werden soll, dann ca. 5 Neue im Austausch dafür. Ich bin echt gespannt. Dazu kämen dann auch noch die Rückkehrer Leitner, Hofmann (und Bittencourt ???). Was soll dann eigentlich mit denen werden? Braucht man die dann wirklich? Hofmann vielleicht. Aber Leitner hat sich doch schon in Stuttgart zuletzt nicht wirklich durchsetzen können. Wie soll das dann in Dortmund gehen? Bin echt gespannt auf die nächsten Wochen in Bezug auf die Personalplanung. 🙂

Lt. Sport1 und Sky soll der Gündogan-Deal zu ManU jetzt wohl so gut wie fix sein. Die schreiben von 30 (!!!) Mio. Ablöse! 30 Mio.??? Der hat nur noch Vertrag bis 2016. Wenn das auch nur ansatzweise stimmt, dann ist der BVB zu beglückwünschen! Kann ich mir aber eigentlich in der Dimension echt nicht vorstellen… Das wäre ja der Wahnsinn! Dann muss der BVB ihn ziehen lassen…. 🙂

Gündogan
Vor der WM, dh. vor seiner langen Erkrankung, war Gündogan für mich einer der besten im offensiven Mittelfeld der Bundesliga.
Danach habe ich von ihm kein Spiel gesehen, in dem er annähernd an diese Leistung herangekommen wäre.

Ob er jemals wieder an seine überragende Form herankommt, die er vor seiner Erkrankung gezeigt hat?

Der Verein, der ihn kauft, wird um seine aktuelle Form wissen.
Wenn der BVB ihn jetzt verkauft und Gündogan sich dann kurzfristig, z.B. bei ManU, zu einem Weltklasse Mittelfeldspieler entwickelt, müßte “man” sich ärgern. Wenn die Entscheidung über den Verkauf von Gündogan nur von seinen Leistungen nach seiner Erkrankung bestimmt wird -und 3o Mio € gezahlt werden ?-, dann spricht Vieles für seinen Verkauf.

Im übrigen nehme ich an, daß in diese und alle gleichgelagerten Entscheidungen der neue Trainer Tuchel eingebunden ist.

Im übrigen:
Es wird selbstverständlich weiter über den Kader des BVB für die Spielzeit 2o15/2o16 spekuliert werden. Das ist unter Fans selbstverständlich. Ich versuche, wie schon ‘mal bei den Ruhrbaronen angemerkt, mich dem zu entziehen, was oftmals nicht gelingt -sh.Oben zu Gündogan-.

Und heute gegen Frankfurt???
Ist Tabellenplatz 6 noch möglich?
Was passiert am Dienstagabend in München?
Auch hier kann spekuliert werden, aber mit der Aussicht, kurzfristig erfahren zu können, ob man daneben oder ob man richtig lag.

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