Bundestagswahl: Auch ich freue mich über das ‚Aus‘ der FDP

Demnächst ohne FDP-Fraktion: Der Bundestag Foto: Robin Patzwaldt
Demnächst ohne FDP-Fraktion: Der Bundestag Foto: Robin Patzwaldt

Selten hat nach Wahlen ein Thema die Öffentlichkeit so sehr beschäftigt wie das Scheitern der FDP bei der Bundestagswahl 2013 an der 5%-Hürde. Auch hier bei den Ruhrbaronen wurde das Thema zuletzt bereits mehrfach erörtert, von einigen Leuten ihr Bedauern über dieses Ergebnis kundgetan.

Mir geht es da ganz anders. Ich gehöre zu der offenbar ungewöhnlich großen Gruppe der Leute, die das ‚Aus‘ der Liberalen mit einer ziemlich großen inneren Freude betrachtet. Mir werden deren Vertreter in den nächsten Jahren in Berlin nicht fehlen. Ganz im Gegenteil!

Bereits in ziemlich jungen Jahren entstand bei mir eine innere Ablehnung dieser Partei. Es schien mir so, dass, egal wen man wählt, man die FDP in der Regierung irgendwie automatisch dazu bekommt. Bereits als recht junger Jugendlicher, beim Wechsel von Kanzler Helmut Schmidt zu Helmut Kohl zu Beginn der 1980er-Jahre, störte mich das.

Einfach so mal rasch die Seiten zu wechseln, selber dabei aber mit den Stimmen so weniger so viel Macht für sich zu beanspruchen, das war mir schon damals zuwider. Dieser Effekt sollte sich auch danach gefühlt noch ein paar Mal wiederholen und mein innerer Unmut darüber sich bei mir im Laufe der Jahre noch deutlich verstärken. Immer schwangen diese Vertreter der 5%-Partei als Regierungsvertreter sehr große Reden, bestimmten durch ihre Notwendigkeit für eine Regierungsbildung mehr die Richtlinien der Regierungspolitik dieses Landes als es ihnen vom Stimmenanteil her regulär eigentlich zugestanden hätte. Und dann vor Wahlen regelmäßig das Buhlen um Leihstimmen, da es sonst wohl schon früher gar nicht mehr für den Einzug ins Parlament gereicht hätte.

Das auch große Teile ihrer Klientelpolitik nicht meinen inneren Überzeugungen entsprachen, dass kam dann mit fortschreitendem Lebensalter bei mir dann noch mehr und mehr mit dazu.

Natürlich erkenne ich heutzutage auch bei den Liberalen Werte, welche ich durchaus auch für mich als zutreffend und für erstrebenswert ansehe. Man hat ja eigentlich bei jeder Partei einige Punkte, denen man durchaus zustimmen kann. So geht es mir natürlich inzwischen auch mit der FDP.

Wenn einige Kollegen hier bei den Ruhrbaronen also teilweise sehr heftig für Werte wie persönliche Freiheit usw. eintreten, dann bin auch ich da inhaltlich zustimmend mit an Bord. Gar keine Frage!

Nichtsdestotrotz habe ich mich, wie offenbar viele Leute in diesem Lande, am Sonntag riesig gefreut, als das ‚Aus‘ für die FDP-Fraktion im Bundestag offiziell feststand.

Und wie selten zuvor, setzte sich dieses politische Thema auch im öffentlichen Leben hier am Ort fort. Und das nicht nur in den sozialen Netzwerken. So oft wie ich alleine gestern im Laufe des Tages fremde Menschen schadenfroh über das Scheitern der Liberalen in der Öffentlichkeit habe sprechen hören, habe ich in meinem Leben nur ganz selten überhaupt Leute auf der Straße mit leuchtenden Augen über Politik sprechen hören. Und das kommt ja nicht von ungefähr.

Egal ob im Postamt, in der Bäckerei, oder in der Fußgängerzone, fast immer wenn man mal zufällig ein paar Leute ins Gespräch vertieft sah und zuhörte, ging es gestern um das Scheitern der FDP am Wiedereinzug in den Deutschen Bundestag. Wann hat ein Ereignis aus dem Bereich der Politik die Leute schon einmal so zahlreich und intensiv bewegt wie derzeit?

Und da kann man den Werten ‚Freiheit‘ und ‚Liberalität‘ noch so anhängen, es muss ja Gründe für diese große Schadenfreude der breiten Masse in der Öffentlichkeit geben. Und dafür kann ja eigentlich nur das Auftreten der handelnden Personen in den letzten Jahren verantwortlich sein. Das sollten die FDP-Vertreter bei all dem Selbstmitleid aktuell nicht vergessen. Vielleicht kehren sie dann ja auch in vier Jahren etwas demütiger und selbstkritischer in den Bundestag zurück. Und alleine dafür hätte sich das Scheitern der Bundes-FDP am Sonntag, zumindest aus meiner Sicht, dann schon gelohnt…

6 Kommentare

Robin, Dir ist aber schon klar, dass die Gründe für die Schadenfreude der breiten Masse deren Dummheit plus politische Faulheit und das Scheitern der FDP im Versuch, klugen und innovativen Nachwuchs für die Köpfe der Siebziger/Achtziger zu etablieren, sind?

Mir als stramm rot erzogener und bis zum 30. Lebensjahr stamm-dumpf rot wählender Otto Normalverbaucher war die FDP damals ebenso nur ein dritter Arm oder drittes Bein im unscharfen Auge der Überflüssigkeit, bis ich deren Funktion als Regulativ endlich verstanden hatte. Da war aber ihr “Glanz” leider schon verstrahlt und jetzt (endlich) muss sich diese FDP eben neu erfinden.

Friedrich Nietzsche sieht “Schadenfreude” in der “Rachsucht der Ohnmächtigen” begründet, aufbauend auf der Vorstellung, die große Mehrheit jeder Gesellschaft besteht aus Schwachen, Kranken und Schlechtweggekommenen. Menschen wandeln das Leid ihrer Unterlegenheit in Ärger über die Erfolgreichen um und die Schadenfreude hilft als Ventil, sich wieder abzureagieren. Im Endeffekt erzählt sie aber mehr über den schwachen, kranken oder schlechtweggekommen Zustand, in dem sich der Schadenfrohe befindet, als über den Zustand des Geschädigten.

Ein Beispiel aus dem Fußball: Würde Schalke es tatsächlich schaffen, den FC Bayern München zu besiegen, eventuell sogar durch einen Fehler Manuel Neuers, dann wäre die Schadenfreude bei Schalkefans groß, größer als bei jedem anderen Spiel, bei dem man vielleicht sogar noch erfolgreicher gewonnen hätte. Der ganze Ärger, der sich nach jeder Niederlage gegen die Münchener aufstaut – und mittlerweile steht es ja schon 14:0, wenn man die Tore alle Niederlagen zusammen addiert – würde sich in Form von Schadenfreude entladen und man bräuchte an einem solchen Tag vermutlich keine Angst haben, dass Autospiegel abgetreten oder rechtslastige Wahlkampfhelfer vermöbelt werden. Dies würde aber nichts an der Tatsache ändern, dass Bayern letztendlich die erfolgreichere und Schalke die schwächere, krankere und schlechtweggekommenere Mannschaft in der Bundesliga ist.

Schadenfreude wirkt psychisch entlastend und in der Freude über das Leid anderer, wertet man sich selber auf.

@#3

“Ich fühl’ mich zu jung – für Mist und Dung ♪♫
Theo, fahr doch nach Lodz!”

(frei nach Vicky Leandros)

@#2 | der, der auszog,

Wenn du keine Motivation aufbringst, über Inhaltliches zu schreiben, sondern stattdessen über Fussball und Nietzsche philosophierst, sind mir Deine Beiträge zu profan. Der letzte Satz hätte vollkommen ausgereicht um eine Aussage zu tätigen den habe ich übrigens ganz gelesen.

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