Bundesliga: Kritik am Rekord-Transfer des André Schürrle greift zu kurz!

André Schürrle im Chelsea-Trikot. Quelle: Wikipedia, Foto: Warrenfish, Lizenz: CC BY-SA 3.0
André Schürrle im Chelsea-Trikot. Quelle: Wikipedia, Foto: Warrenfish, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Am gestrigen Abend endete das aktuelle Transferfenster in der Fußball-Bundesliga. Wie in jedem Jahr versuchten viele Clubs ihrem Kader zwischen Hinrundenende und Rückrundenstart den letzten Feinschliff für den Saisonendspurt zu verleihen.
Herausragende Transfers waren in diesem Winter wohl der Wechsel von Kevin Kampl von RB Salzburg zu Borussia Dortmund, für den rund 12 Millionen Euro an Ablösesumme fällig geworden sein sollen, und welcher direkt zu Beginn der Wechselperiode über die Bühne ging. Aber vor allem eben auch der neue Rekordtransfer in einer Winterwechselperiode, der Abschied von André Schürrle aus London, vom FC Chelsea, und sein Wechsel hin zum VfL Wolfsburg, für angeblich rund 32 Millionen Euro Ablösesumme.
Gerade der gestrige Transfer des Weltmeisters hin zum Tabellenzweiten der Bundesliga sorgt nun abermals für einige Diskussionen über die aktuelle Marktentwicklung rund um die Bundesliga.

 

 

Es mehren sich nicht nur die Stimmen, welche die von Wolfsburg gezahlte Summe für den zuletzt in London nicht wirklich erfolgreichen Schürrle für völlig überteuert halten, eher einen Marktwert von rund 20 Millionen Euro für realistisch halten würden. Es kritisieren angesichts dieser Summen aber auch erneut einige Beobachter der Szene die zunehmende Chancenungleichheit in der Liga.

 
So hatte Eintracht Frankfurt-Boss Heribert Bruchhagen schon am Wochenende, als der Schürrle-Deal noch gar nicht zu 100% fix war, öffentlich bekundet, dass er angesichts eines Schürrle-Paketes von rund 50 Millionen Euro (inkl. Gehalt) nur noch mit dem Kopf schütteln könne.

 

Bruchhagen prognostizierte erneut ein (weiteres) Auseinanderbrechen der Liga in Anbetracht einer sich abzeichnenden Zukunft die neben dem vom VfL Wolfsburg, der vom VW-Konzern unterstützt wird, bald mir RB Leipzig, den von Audi unterstützten Ingolstädtern, oder eben auch Clubs wie Hoffenheim und Leverkusen weitere extrem von einzelnen Sponsoren geförderter Clubs nach oben drängen werden, was es Clubs wie Eintracht Frankfurt eben immer schwerer machen werde sich in Liga Eins halten zu können.

 
Grundsätzlich kann man Heribert Bruchhagen in dieser Kritik sicherlich beipflichten.
Natürlich ist es frustrierend für viele Clubs, wenn ein Konkurrent mal eben einen Weltmeisterspieler als Ergänzung seines ohnehin schon hochkarätigen Kaders für rund 50-60 Millionen Euro hinzuverpflichten kann, und man selbst es eben wirtschaftlich so nicht gestemmt bekommt.

 

Andererseits liegt es natürlich auch in Bruchhagens Händen seinem eigenen Club entsprechende Sponsoren und Finanzmittel zu sichern.
Frankfurt am Main ist ja nun auch nicht gerade als Wirtschaftsschwach bekannt.
Gelänge es Bruchhagen zum Beispiel die Deutsche Bank für zukünftige Millioneninvestitionen bei Eintracht Frankfurt zu gewinnen, würde er ähnliche Transfers wie ihn nun etwas der VfL Wolfsburg getätigt hat denn nicht auch anstreben?

 
Grundsätzlich befindet sich die Bundesliga da sicherlich aktuell in einer kritischen Phase.
Doch sollten Kritiker wie Heribert Bruchhagen oder auch Kaiserslauterns Stefan Kuntz dabei eben nicht verkennen, dass sie diese Entwicklung in ihren eigenen Clubs ja selber in der Hand haben und die Geldgeber anderer Teams ohnehin nicht stoppen bzw. verhindern können.
Es wäre daher für sie sicher ratsamer ihre eigenen Clubs wirtschaftlich zu stärken als die immense Kaufkraft der Konkurrenz zu kritisieren.

 

Wenngleich man die Kritik an einer Ablösesumme von über 30 Mio. Euro für einen zuletzt eher stagnierenden und auch bei der WM sicherlich nicht herausragend aufgetretenen Spieler wie André Schürrle selbstverständlich durchaus kritisch betrachten kann.
Ob er dem VfL Wolfsburg am Ende in einer solchen Größenordnung weiterhelfen kann bzw. wird, das darf zumindest mal hinterfragt werden. Aber letztendlich ist auch das dann allein Verantwortung und Risiko des VfL Wolfsburg. Woher er das dafür erforderliche Geld auch immer bezieht. Dies ist letztendlich nicht das Bier der Kritiker, sondern einzig die Entscheidung des Vereins der eine solche Ablösesumme zu zahlen bereit und in der Lage ist.

9 Kommentare

“Gelänge es Bruchhagen zum Beispiel die Deutsche Bank für zukünftige Millioneninvestitionen bei Eintracht Frankfurt zu gewinnen …”

die “Clubs” sollten unter dem Namen des Sponsors antreten:

Gazprom Gelsenkirchen

VW Wolfsburg

usw.

(o.k., originell ist das nicht, siehe Leipzig)

@Andreas: Dann aber bitte nur *Haupt*sponsor, sonst hieße Schlacke
1-2-3Plakat.deAKTronicsAnsonsArteMBauerfeindElftelingGelsenNetLangneseMedicosMoneyGramMeliaMultipowerPolar98.7relReinertRimowaSchlatholtSkyStadaZoom Gelsenkirchen 🙂

@Robin: Hmm, mal die Deutsche Bank fragen, ob sie gegenüber ihren Aktionären einen völlig überteuerten Spielerkauf für eine Eintracht rechtfertigen könnte, selbst wenn sie nur Sponsor wäre. Da gibt es seeehr konservative institutionelle Anleger…

Und PS: Die Eintracht ist mit ihrem Profifußball längst eine AG, nur (noch?) nicht an der Börse. Bruchhagen könnte also, wenn er wollte.

@ Klaus Lohmann

das mit den Nebensponsoren widerspricht natürlich dem Recht des Stärkeren, sprich Kapitalismus …

andererseits wäre es natürlich eine Möglichkeit, sich peinliche Situationen zu ersparen, und man müsste nicht zu Not-Lösungen greifen wie zum Beispiel:

*Sternchen* Stuttgart

Ob Bruchhagen will, ist doch die Frage. Und ob er dürfte, wenn er wollte, ist eine weitere Frage, hat doch der gerade im Amt bestätigte Präsii Fischer schwer gegen die “Retortenklubs” wie Hoffenheim und Wolfsburg geschossen. Was eh blöd und Unsinn ist, denn zumindest der VfL ist genauso ein Traditionsclub wie der BVB oder die Eintracht und zum zweiten hätte kaum ein Eintrachtfan was gegen Millionen von der deutschen Bank, von VW oder sogar von einer Brauerei aus dem Westfälischen. Also her mit der Kohle!!!!
Ach ja, Robin hat ja kürzlich auf eine entsprechende Äußerung Bruchhagens zu “Retortenklubs” hingewiesen. Also ist in Frankfurt die Umwandlung in einen “Retortenclub” vorerst nicht zu erwarten. Schmunzel. Wobei Geld allein ja auch nicht glücklich macht, sondern erst die sinnvolle Nutzung desselben. Es gibt da ja in der BL eine Geldvernichtungsmaschine, die u.a. auch mehrfach am Riederwald ihr Zuhause hatte.

Stellt sich einem halt auch irgendwann mal die grundsätzliche Frage, ob es denn überhaupt auf Sicht einen Unterschied macht, ob das Geld für Investitionen in den Kader eines Teams von neuen ‚Strategischen Partnern‘ wie Evonik und Puma, so wie beim BVB, von Gazprom (Schalke), oder eben von Red Bull, Bayer oder Volkswagen als großem Konzern im Hintergrund eines Clubs, oder von einem ganzen Geschwader unterschiedlicher kleiner Sponsoren kommt?

Robin, wenn das Geld von vielen kleinen oder vermeintlich kleinen Sponsoren kommt, sieht es einfach appetitlicher aus, der unfeine Geruch des GROßEN GELDES belästigt dann nicht feinsinnige Spürnasen. Und alle bestätigen sich, wie fein traditionsbewusst man doch ist.
Natürlich muss es nicht unbedingt aus den Emiraten oder aus Russland kommen, das GRO?E GELD, aber sonst fände ich es schon schön, wenn es mal Station am Riederwald machen würde, das GROßE GELD. Und sinnvolle Verwendung fände!!

@ Robin Patzwaldt

“Rollerball” – laßt uns die Bundesliga visionär wie Rollerball organisieren:

http://de.wikipedia.org/wiki/Rollerball_(1975)

“In naher Zukunft sind die Nationen der Welt durch ein Konglomerat globaler Konzerne ersetzt worden, die jeweils auf ein einzelnes „Produkt“ spezialisiert sind (…) Jeder Konzern kontrolliert jeweils eine Stadt. Ein zentrales Mittel, die Massen ruhig und bei Laune zu halten, ist der brutale Sport Rollerball …”

@Andreas: Ich erinnere mich dunkel den Film auch mal gesehen zu haben. Ist aber schon eine ganze Weile her, fürchte ich. Muss meine Erinnerungen wohl noch mal auffrischen. 🙂

Wir diskutieren aus den unterschiedlcihsten Anlässen immer wieder über das Thema ” Geld, Macht, Erfolg in der Bundesliga” -und im internationalen Fußball.

Und ich sage dazu immer dasselbe -jetzt eben auch:

Profifußall ist eine Produkt-, ein Dienstleisungsbereich, der im Prnzip in einer sog.Marktwirtschaft wie jeder andere Geschäftsbereich dem Wettbewerb unterworfen ist.

Jeder Versuch, den Wettbewerb zu reglementieren, endet bestenfalls in “bescheidenen” staatlichen Vorgaben -sh. z.B. das.Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb- oder in sportinternen Bemühungen, einen regellosen Wettbewerb zu unterbinden mit sehr,sehr bescheidenen Folgen für den “ungezügelten Wettbewerb”.

Hat Wolfsburg gegen staatliche Normen -unlauterer Wettbewerb?-verstoßen oder gegen fußball-verbandsinterne Regeln, z.B. die des DFB, die der UEFA-?. Das wäre zu prüfen.

Moralische Erwägungen – faires(??) Verhalten unter Sportlern, unter den Vereinen der Bundesliga- oder nostaligesche Betrachtungen über den Fußball -wie er ‘mal war oder wie ihn sich Nostalgiker rückblickend “ausmalen”- sind realitätsfremd.

(Letzteres hält mich wie viele andere Fußballfans zugegeben nciht davon ab, gelegentlich und dann eben emotional und nicht rational über die von einem einzigen Großunternehmen -Bayer, VW, RedBull- als sog. Werkmannschaften oder über die von mehreren Großunternehmen -sh. z.B. Bayern München- geförderten Vereine mit “Kritik herzufallen”, wenn ich das sog.Sponsorierung -in welcher Art und Weise auch immer- für maßlos, für nicht mehr verhältnsimäßig halte im Vergleich zu dedn realen Möglichkeiten andere Vereinen. Das ändert aber nichts an der Wirklichkeit des finanziell “im Prinzip ” rücksichtslosen n Wettbewerbs der Unternehmen auf dem Geschäftsmarkt “Fußball. Und Klaus Allofs demonstriert zur Zeit “gnaden- und rücksichtslos”, daß auf dem Geschäftgsmarkt Fußball derjenige die besseren Karten hat, der über entsprechendes Finanzkaptial verfügt -aus eigener Kraft oder eben deshalb, weil ein Dritter für stets ausreichendes Finanzkapital bzw. für stets ausreichende Geldmittel sorgt. Mögen muß man die Hoeness, die Allofs, die………nicht; Respekt mag man ihnen als “rücksichtslose”Manager eines Unternehmens trotzdem entgegenbringen können.)

Im “ganz großen Stil” demonstriert der Staat Katar nebst seinen Sportverbänden derzeit weltweit, daß auch hier das Motto gilt: ” Geld regiert die (Sport-)Welt.

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