Bekommt die GroKo eine Bundeshomöopathieministerin?

Wird Anette Widmann-Mauz (51, CDU) die erste deutsche Bundeszaubereiministerin? (Foto: Wikipedia/ cc by sa 3.0 de)

Was man derzeit aus den Planungen zur Neuauflage der GroKo hört, löst im Land unterschiedliche Reaktionen aus – von Lächeln über Verzweiflung bis blankem Unverständnis und Hohn sind vielfältige Gefühle vertreten. Und die Personalentscheidung zu Gesundheitsministerin Widmann-Mauz (51, CDU) schickt sich an, dieser Gefühlslage treu zu bleiben. Wieso?

Anette Widmann-Mauz ist seit 2009 parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit. Man könnte also meinen, dass sie seit fast einem Jahrzehnt Facherfahrung sammeln konnte, und eigentlich recht gut für das Ministeramt geeignet ist.

Doch als NRW-Bewohner kennt man ja Barbara Steffens, die von 2010 bis 2017 als NRW-Gesundsheitsministerin und nun bei der Techniker Krankenkasse Stimmung für Quacksalberei und gegen Medizin machte. Frau Widmann-Mauz nun könnte Barbara Steffens den Rang ablaufen.

Widmann-Mauz übernahm 2017 in offizieller Funktion die Schirmherrschaft über den homöopathischen Weltärztekongress.

Im Programmheft des von Homöopathie-Konzernen gesponserten „Kongresses“ schrieb Widmann-Mauz:

„Viele Patientinnen und Patienten in Deutschland vertrauen bei ihrer Behandlung
auf die klassische Schulmedizin. Mitunter werden ergänzend Methoden der
Komplementärmedizin wie beispielsweise der Homöopathie gewählt. Der dies-
jährige 72. Homöopathische Weltärztekongress bringt Ärztinnen und Ärzte aus
verschiedenen Ländern zusammen, um die unterschiedlichen Ansätze der konventionellen Medizin, der Homöopathie, der Naturheilkunde, der Anthroposophie und des Ayurveda zu diskutieren.“

Nicht überliefert ist derzeit aus Sicht unserer Redaktion die Haltung der zukünftigen Gesundheitsministerin auf die sog. „Hexenverbrennungen“ in Indien, bei denen Witwen und ausgestossene Frauen verbrannt werden, um Krankheiten und Seuchen von der Gemeinschaft abzuhalten.

Wir werden berichten.


Nachtrag: bevor das Programmheft aus Platzengründen aus dem Internet gelöscht wird, haben wir es hier archiviert.

12 Kommentare

Das ist dann wohl die Trumpetisierung der deutschen Politik. Hauptsache loyal – eine gute Parteisoldatin eben – Fachkompetenz ist nicht mehr gefragt. Wie kommen diese Glaubenkrieger in solche Positionen? Ich mache etwas verkehrt. Ich bin zu ehrlich.

Zuerst bekommen die Sozialdemokraten das Finanzministerium und nun das. Dabei hat die 'kleine koalition' noch nicht mal die Arbeit aufgenommen. 🙁

Tja, als gute liberale zählt der mammon und der ist in der Homöopathie von der chemichenindustrie nicht abzugreifen. also wech damit.

Der Glaube, daß homöopathische Mittel von Hand angerührt werden scheint weit verbreitet. Das ist eindeutig ein Irrglaube, und diejenigen, die solche Mittel im Haus haben, brauchen sich nur einmal die Packung ansehen. Da steht dann nämlich immer ein Firmenname drauf. Anschließend mal den Firmennamen googeln, und dann sieht man schnell, wie groß solche Firmen sind. Da sind Firmen dabei mit über 2000 Mitarbeitern.
Ob die eine Lobby haben? Natürlich, natürlich natürlich, denn das ist die Natur großer Firmen.

Was interessieren heute Mitarbeiter von Unternehmen. Der Profit ist wichtig.

Zum Thema Lobbyarbeit:
Woran liegt es wohl, dass die bunten Blätter so viele Erfolge der alternativen präsentieren?

Die Firmen, die Homöpathie-Präparate herstellen, sind in der Regel Tochterfirmen von genau den großen Pharmakonzernen, die von Homöpathie-Gläubigen so gerne verteufelt werden, oder selber schon relativ große Firmen (Weleda etwa mit >€250 Millionen Euro Jahresumsatz, allerdings vor allem mit Kosmetika). Die Idee, dass es sich dabei um kleine gallische Dörfer handelt, die unentwegt der Übermacht von “Big Pharma” trotzen, ist Unfug; sie gehören genauso zur Pharma-Branche wie alle anderen auch.
Der einzige Unterschied ist, dass konventionelle Pharmafirmen Abermillionen für Wirkungs- und Sicherheitsnachweise ihrer Medikamente aufbringen müssen, während Homöopathie-Firmen billigsten Zucker zu Mondpreisen verkaufen dürfen.

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