Bochum: Zusammenfassung der VfL-Mitgliederversammlung

Logo_VfL_BochumDer VfL Bochum 1848 ist auf einem guten Weg – so das Fazit seitens von Aufsichtsrat und Vorstand des Vereins auf der Jahreshauptversammlung. Vor 485 anwesenden VfL-Mitgliedern bilanzierten der Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Peter Villis sowie die Vorstände Christian Hochstätter und Wilken Engelbracht die zurückliegende Saison 2014/15 und gaben einen Ausblick auf die Planziele der laufenden Saison 2015/16. Aufsichtsrat und Vorstand wurden nach ihren Berichten von den Mitgliedern nahezu einstimmig entlastet.

Dr. Eickhoff in den AR gewählt, Gründung eines Wirtschaftsrats beschlossen

Den größten Applaus holte sich jedoch die komplett anwesende Mannschaft ab, angeführt von Cheftrainer Gertjan Verbeek. Qua Abstimmung wurde zudem das bislang kooptierte Aufsichtsratsmitglied Dr. Andreas Eickhoff ins Gremium gewählt, der somit den auf der Versammlung verabschiedeten Dr. Klaus-Peter Schütt ersetzt. Außerdem wurde im Rahmen der JHV die Bildung eines Wirtschaftsrates vollzogen. Dieser hat eine beratende Funktion und soll Vorstand und Aufsichtsrat in wirtschaftlichen und finanziellen Fragen unterstützen. „Wir sind uns sicher, dass die Mitglieder uns auch bei der Akquisition von Sponsoren helfen und zu wertvollen weiteren Repräsentanten unseres Vereins werden“, begrüßte Hans-Peter Villis die Entscheidung. Vorsitzender des zunächst vierköpfigen Wirtschaftsrates ist Matthias Knälmann, die weiteren Mitglieder sind Jutta Kemper, Stefan Lenk und Heinz Hasenkamp.

 

Sportliche Bilanz

Nach dem unbefriedigenden Platz 11 zum Abschluss der Saison 2014/15 sieht Sportvorstand Christian Hochstätter in dieser Saison eine deutliche Weiterentwicklung. „Die Spielphilosophie, die uns vorschwebt, ist zu agieren, nicht zu reagieren. Wir wollen das Spiel gestalten. Zudem muss beim VfL die Talentförderung noch stärker als zuvor eine tragende Säule bilden“, so die Vorgaben. Mit Erfolg: Die Profis stehen auf Platz 2 in der Tabelle, dank eigener Offensivpower (19 Tore, vierbester Wert aller Zweitligisten) und defensiver Stabilität (8 Gegentore, zweitbester Wert). Als Folge davon ist der Zuschauerschnitt in den ersten sechs Heimspielen auf 21.678 Besucher gestiegen – das gab es selbst in den letzten Bundesligajahren nicht. „Diese Resultate sind das Produkt gemeinschaftlicher, harter Arbeit. Ausgehend von der Frage, was wir alles verändern müssen, um im Profi-Fußball auf lange Sicht erfolgreich zu sein, sind wir zu dem Schluss gekommen, dass es auch der Einbindung und Hilfe von mehr Spezialisten bedarf“, sprach Hochstätter die Erweiterung des Teams in den Bereichen Leistungsdiagnostik, Videoanalyse, Technik- und Athletiktraining sowie Sportpsychologie an.

Im Rahmen des neuen Nachwuchskonzeptes ist die Verbindung von Lizenzspielerbereich und Talentwerk seit letztem Sommer viel intensiver geworden. Die U23 wurde abgemeldet, die Top-Talente der U19 und U17 sind dafür bereits seit Saisonbeginn fester Bestandteil des Lizenzspieleraufgebots. „Wir haben uns in der vergangenen Saison eingehend mit der Frage beschäftigt, wie wir unseren Top-Talenten die optimale Ausbildung bieten können, um sie schneller und effizienter an den Profikader heranzuführen. Die ersten Monate scheinen zu bestätigen, dass wir mit unserer Annahme richtig liegen“, sagte Hochstätter, vor allem mit Blick auf den neuen Startrekord, den die U19 unter Trainer Thomas Reis hingelegt hat: acht Spiele, acht Siege, Tabellenführer der A-Junioren Bundesliga West. Auch in den Führungspositionen des Talentwerks gab es Veränderungen. Neben Alexander Richter und Timo Saviano steht seit August auch Jens Rasiejewski (vorher U17-Trainer der TSG 1899 Hoffenheim) als Sportlicher Leiter der Nachwuchsabteilung in der Verantwortung. „Wir haben mit Jens Rasiejewski einen ausgewiesenen Fachmann hinzugeholt. Er wird dabei helfen, mit unserem Talentwerk die Nachwuchsarbeit des VfL als echte Marke zu etablieren.“

Abschließend formulierte Christian Hochstätter noch einmal das Ziel für die laufenden Saison: „Die aktuelle Mannschaft hat unser Vertrauen, mit ihr wollen wir unser Ziel erreichen. Dieses Ziel bemisst sich in erster Linie nicht an einem bestimmten Tabellenplatz, sondern bedeutet: offensiven Fußball zu zeigen, mit hoher Laufbereitschaft und hundertprozentigem Einsatz. Unser Stadion und die Atmosphäre müssen dem Gegner wieder Respekt einflößen. Unsere aktuelle Bilanz deutet daraufhin, dass wir uns auch auf diesem Weg in die richtige Richtung bewegen.“

Finanzen

Auch in Sachen Finanzen bewegt sich der VfL in die richtige Richtung. „Der VfL Bochum 1848 hat seine in der Saison 2014/15 gesetzten wirtschaftlichen Ziele erreicht, in Teilen sogar leicht übererfüllt“, so die Botschaft des kaufmännischen Vorstands Wilken Engelbracht. So lag der Gesamtertrag des Vereins mit 27,6 Mio. Euro ca. 400.000 Euro über dem Niveau der Vorsaison. Der Jahresüberschuss überstieg mit 2,0 Mio. Euro leicht den ursprünglichen Planwert in Höhe von 1,9 Mio. Euro. „Nach dem Fehlbetrag in Höhe von 633.000 Euro in der Vorsaison ist die Einhaltung der Planzahlen und die Rückkehr in die Gewinnzone ein wichtiger Schritt für die wirtschaftliche Stärkung unseres Vereins.“ Er fügte jedoch hinzu, dass der positiven Entwicklung noch ein Makel anhaftet. So verbleiben in den Vereinskassen von den 2,0 Mio. Euro Jahresüberschuss zum Ende der abgelaufenen Saison keine substantiellen finanziellen Mittel, da in den Vorjahren bereits Zahlungen aus Sponsorenverträgen vorgezogen wurden und zudem die Ergebnisse der in 2014 abgeschlossenen Betriebsprüfung die Liquidität massiv belastet haben.

Ein wichtiger Nebeneffekt der positiven wirtschaftlichen Entwicklung ist die leichte Reduktion der Nettofinanzschulden im Geschäftsjahr 2014/15 um ca. 400.000 Euro auf ca. 5,8 Mio. Euro. Auch am Ende der laufenden Saison 2015/16 plant der Verein eine Reduktion seiner Nettofinanzschulden um ca. 500.000 Euro. Eine besondere Priorität hat für den Vorstand die sukzessive Stärkung des Lizenzspieleretats. Während der Etat bis zur Saison 2013/14 kontinuierlich auf 7,4 Mio. Euro reduziert wurde, konnten durch substantielle Einsparungen in diversen Bereichen finanzielle Mittel für den Lizenzspieleretat freigesetzt werden. In der aktuellen Saison steigt der Etat, u.a. auch durch die teilweise Verwendung von Transfererlösen, auf 8,7 Mio. Euro an.

Auch in der laufenden Saison 2015/16 plant der Verein die Fortschreibung der positiven wirtschaftlichen Entwicklung. Der Gesamtertrag soll leicht um 200.000 Euro auf 27,8 Mio. Euro ansteigen. Der Jahresüberschuss für die Saison 2015/16 soll gemäß der aktuellen Planung ca. 1,9 Mio. Euro betragen. Die Transfererlöse betrugen in der abgelaufenen Saison 2014/15 in Summe 1,9 Mio. Euro. Dieser Wert wird in der Saison 2015/16 mit 3,9 Mio. Euro deutlich überschritten werden, eine Folge des Gregoritsch-Transfers von Hoffenheim über Bochum zum Hamburger SV.

Trotz aller positiven Entwicklungen mahnte Wilken Engelbracht: „Unser VfL ist auf einem guten Weg zur wirtschaftlichen Gesundung. Aber bei diesem Weg handelt es sich sicherlich nicht um ein Kurzstreckenrennen. Ausdauer, konsequentes Handeln, wirtschaftliche Disziplin und das stets notwendige Quäntchen Glück werden nötig sein, um das Ziel eines schuldenfreien Vereins zu realisieren.“

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