Blut spenden? Ach, heute lieber nicht?

 

Seit 5 Jahren wohne ich nun schon in Essen. Unzählige Male bin ich durch die Essener Innenstadt gelaufen. Dabei passierte ich fast jedes Mal die Ecke, an der die Mitarbeiter vom Deutschen Roten Kreuz bei Wind und Wetter beharrlich nach Freiwilligen suchen, die bereit sind Ihren Lebenssaft zu spenden.

Immer wieder blieb ich zögerlich stehen und wechselte mit dem freundlichen Duo einige Worte. Im ersten Moment dachte ich meist: oh ja, das ist eigentlich ’ ne gute Sache. Ja eigentlich – denn jedes Mal hörte ich mir selbst dabei zu, wie ich wieder mit einer feinen Ausrede davonkam. Mal wollte ich unbedingt jemanden mitnehmen: weil zu zweit übersteht sich so was ja viel leichter. Das nächste Mal war ich unter Zeitdruck, würde mir aber auf…

 

Seit 5 Jahren wohne ich nun schon in Essen. Unzählige Male bin ich durch die Essener Innenstadt gelaufen. Dabei passierte ich fast jedes Mal die Ecke, an der die Mitarbeiter vom Deutschen Roten Kreuz bei Wind und Wetter beharrlich nach Freiwilligen suchen, die bereit sind Ihren Lebenssaft zu spenden.

Immer wieder blieb ich zögerlich stehen und wechselte mit dem freundlichen Duo einige Worte. Im ersten Moment dachte ich meist: oh ja, das ist eigentlich ’ ne gute Sache. Ja eigentlich – denn jedes Mal hörte ich mir selbst dabei zu, wie ich wieder mit einer feinen Ausrede davonkam. Mal wollte ich unbedingt jemanden mitnehmen: weil zu zweit übersteht sich so was ja viel leichter. Das nächste Mal war ich unter Zeitdruck, würde mir aber auf jeden Fall die Handzettel zu Hause durchsehen. Dann fühlte ich mich irgendwie zu schwach und meinte: ach, heute lieber nicht.

Tja, keine gute Bilanz. Und dabei ist es doch so wichtig, das System des freiwilligen Spendens zu unterstützen. Schließlich hofft doch jeder von uns darauf eine Blutspende zu bekommen, wenn wir in einer Notlage sind. Wahrscheinlich ist es sogar mehr als bloß hoffen: wir erwarten es irgendwie einfach. Man stelle sich nur vor, wie die Ärztin sagen würde: „Das Blut ist heute leider aus, aber morgen kriegen wir vielleicht wieder was rein.“

Als mich heute wieder eine lächelnde Helferin ansprach: „Möchten Sie nicht heute Blut spenden?“, habe ich einfach „Ja.“ gesagt. Endlich habe ich es geschafft dem blöden Ausreden-Trott zu entkommen. Ein gutes Gefühl. Die Blutabnahme an sich war außerdem weitaus angenehmer als erwartet. Es dauerte schlappe 10 Minuten und auch das Gefühl, dass 0,5 Liter Blut den Körper verlassen, ist mehr als zumutbar. Währenddessen wurde ich bestens umsorgt, bekam fröhliche Musik vorgespielt und konnte einem TV Programm folgen. Später gab ’s dann noch eine leckere Mahlzeit, Getränke und Leckereien. Und ganz nebenbei habe ich womöglich ein Leben gerettet. Wie einfach.

8 Kommentare

Früher hab ich auch Blutspenden gemacht, allerdings für Geld. Beim RK kriegste höchstens ein paar Stullen. Schon mal gefragt, für wieviel so ein Halbliter abgerechnet wird, wenn er übern OP-Tisch geht? Fakt iss, da wird ein Riesengeschäft mit gemacht.

Außerdem stechen die mit Vorliebe immer an derselben Stelle an der Ellenbeuge. Obwohl es schon 10 Jahre her ist habe ich da jetzt Knubbel die oft jucken. Davon erzählense auch nix.

Wer mich als Pharma-Hure haben will soll gefälligst zahlen. Und mir nicht irgendwelche Mitleids- und Tränendrüsenlügen erzählen.

Wie einfach.. ..wenn man denn dürfte. Ich bin als Homosexueller kategorisch von der Blutspende ausgeschlossen, weil ich einfach unter einen menschenverachtenden Generalverdacht gestellt werde.

@Ben: Da gebe ich Dir vollkommen Recht: Der Aussschluss von sogenannten “Risikogruppen” ist eine empörende Diskriminierung. Das habe ich noch nie verstanden und werde es auch nicht verstehen. Es gibt allerlei Gründe die dagegen sprechen Homosexuelle von einer Blutspende auszuschließen. Es wird offenbar davon ausgegangen, dass heterosexuelle Menschen weitaus umsichtiger sind, was etwa die Verwendung von Kondomen anbetrifft oder kaum wechselnde Sexualpartner haben oder aber vollkommen anderen Sexualpraktiken nachgehen. Solche Vorstellungen sind schlichtweg klischeehaft und weltfremd.

“…Ich bin als Homosexueller kategorisch von der Blutspende ausgeschlossen…” (siehe Kommentar 3 von Ben)

Davon wusste ich bis gerade nichts u. finde es auch empörend. Diese Ungleichbehandlung (homo/hetero) ist diskriminierend!

@ blu_frisbee:

oh man die nächstenliebe macht dir wohl ganz schön zu schaffen was?!
nur durch solche leute wie dich wird ein riesen geschäft draus gemacht, würde jeder beim
“RK” blutspenden und sich mit den “stullen” zufrieden geben, wozu ich sagen muss, dass es dort weitaus mehr gibt als stullen, wäre der ganze spaß auch kein profitgeschäft.

daumen hoch für die tapfere spenderin.

Wie stellen die RKler eigentlich fest, wie das Geschlechtsleben möglicher Blutspender aussieht?

@moo die anderen geben ihren Lieferanten (Spendern) deswegen etwas vom Profit ab, weil es das RK umsonst macht?
Oder verkauft das RK die Konserven etwa auch an die letztendlichen Empfänger?

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