Blitz-Marathon: Jägers erfundene Kontrollfans

Der Jäger-Blitz Foto: MIK NRW
Der Blitz-Jäger Foto: MIK NRW

Mit dem ersten Blitz-Marathon in Nordrhein-Westfalen Anfang 2012 wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen: Weniger was die Verkehrssicherheit betrifft, da sind die Ergebnisse eher dürftig, sondern in Sachen Öffentlichkeitsarbeit. Mit dem Blitz-Marathon gelang es NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) sich neu zu erfinden: Aus Affären-Jäger wurde der “Rote Sheriff”. Die anderen Innenminister haben den Wert des PR-Blitzes mittlerweile erkannt – heute findet der Blitz-Marathon erstmals bundesweit statt.

Und angeblich sind die Bürger alle ganz wuschig vor Begeisterung. Wie zur Zeit üblich, zieht die Politik für  Verbote und Kontrollen nahezu fabulös wirkende Umfragen heran.  Innenminister Jäger zitierte Anfang Oktober ganz begeistert aus eine Dekra-Umfrage:

In einer bundesweiten Befragung der DEKRA waren sogar 90 Prozent der Verkehrsteilnehmer für mehr Kontrollen.

Klingt beeindruckend, stimmt aber nicht. Zwar befragte die Dekra im Herbst vergangenen Jahres 1500 Teilnehmer von Hauptuntersuchungen, was sie von Geschwindigkeitskontrollen hielten, aber weder behauptet die Dekra, die Umfrage sei repräsentativ gewesen noch forderten 90 Prozent mehr Kontrollen.

Die Dekra stellte folgende Fragen, zwischen denen sich die Teilnehmer entscheiden mussten:

1. Wie stehen Sie zu Tempokontrollen?

Ich lehne Tempokontrollen ab, sie dienen oft nur dem Abkassieren der Autofahrer

Tempokontrollen sind notwendig

(Zutreffendes bitte ankreuzen!)

Von den Befragten kreuzten 84 Prozent  die Aussage “Tempokontrollen sind notwendig” an. Ein nicht gerade verwunderliches Ergebnis. Bis auf ein paar notorische Bleifüße wird sich kaum jemand komplett gegen alle Tempokontrollen aussprechen. Die Umfrage hatte keinen hohen Nährwert, Unternehmen machen das, um Material für eine Pressemitteilung zu haben und mal wieder in die Medien zu kommen. Aber selbst in dieser Umfrage forderte niemand “mehr Kontrollen”, wie NRW-Innenminister Jäger fabuliert. Aber wenn es um den Ausbau des Präventionsstaates geht, zu  dem Thema haben übrigens Andrej Reisin und Patrick Gensing von Publikative gerade ein Buch geschrieben, muss eben so manches zurückstecken. Zum Beispiel die Wahrheit…

 

 

 

8 Kommentare

Mehr Kontrollen fände ich sehr gut. Vielleicht könnte ich dann mal etwas entspannter Auto fahren. Insbesondere die Vorschriften zu Abständen werden sehr oft nicht eingehalten.

is doch besser als Steuererhöhungen für alle.
Dann trifft’s nur diejenigen, die es sich wirklich leisten können 😉

und die zusätzliche Einnahmen gehen an die unterfinanzierten Kommunen, die von mehr Steuern eh wenig profitieren würden

und die Polizisten kommen mal an die frische Luft.

Eine Win-Win-Win-Situation 😉

Die Luft an den Strassen ist vielleicht kalt, aber bestimmt nicht frisch…

Wenn mehr Kontrollen dazu beitragen, das vernünftiger gefahren wird, dann sind mir die Einnahmen (denen auch Ausgaben gegenüber stehen) ziemlich wurscht. Das Verhalten mancher Autofahrer macht mich regelrecht agressiv. Da muss ich schon mal durchatmen und mir vorsagen, das eine unüberlegte Reaktion (z.B. ausbremsen oder Räume zumachen) auch falsch und gefährlich ist. Das klappt auch (fast immer). Die Aktionen einiger Autofahrer grenzen an versuchten Totschlag.

@MDS99:

“ausbremsen oder Räume zumachen” – auch auf der Straße findet man die Erziehungsbeauftragten der Republik wieder. Für diese muss eine Autobahn eine nervliche Sonderbelastung sein, da man dort aufgrund mehrerer Spuren nicht so gut ausbremsen und blockieren kann…. deshalb fordere ich den Umbau der Autobahnen zu einspurigen Verkehrswegen…. 😉

Böse Zungen würden behaupten, Autobahnen hätten in den Augen der meisten Menschen tatsächlich nur eine Spur.

Diese Blitzmarathons, die ja eindeutig die Handschrift von Ralf Jäger tragen, zeigen, dass aus dem ehemaligen Industriekaufmann ein erstklassiger Pädagoge und Verkehrserzieher hätte werden können. Bedauerlicherweise hat er sein Studium abgebrochen und ist in die Politik zu gegangen.

@nansy: Erziehungsbeauftragte oder selbsternannte Sheriffs finde ich auch nervig. Außerdem: Einen Raser habe ich lieber vor mir. Da kann er anderen Autos auf der Stoßstange hocken.

“Was hätten Sie lieber:
a) Hodenkrebs?
b) 2000 Euro?”
Schlagzeile zur Umfrage: “Deutsche sind Geldgeil!!!” Klar, immer wieder werden Ergebnisse so lange hin und her gedreht, bis sie passen. Polarisierende Ausgangsfragen tun ihr übriges dazu. Leider ist es oft mit Mühe verbunden, diese “Quellen” für entsprechende Schlagzeilen ausfindig zu machen, um einfach mal die einen oder anderen dieser “selbstverständlichen Fakten” zu hinterfragen. Hinzu kommt die zunehmende Unlust der Menschen, sich selbst ein Bild von Vorgängen oder Tatsachen zu machen. Wozu auch? Man bekommt schließlich alles mundgerecht von den Medien vorserviert! Diese Art Propaganda hat schon viele Unwissende ins falsche Lager gezogen.

Kommentar verfassen