Berlin-Mitte: Queer-Veganer Nichtraucher gesucht

Berlin – die wilde, ekstatische Metropole Deutschlands. Was New York in  den 70ern war, ist Berlin heute. Berlin ist wie Paris in den 20er und 30er Jahren: Bohéme, Hedonismus, Freiheit. Das Ende alle Konventionen. Kurzum: Es ist wie ein nie zu Ende gehende Rausch nach zwei Flaschen Club-Mate auf der schwäbischen Alb. Von Patrick Joswig und Stefan Laurin

Aber für solche Exzesse braucht man eine Basis. Ein Heim, vom dem aus man zu den Abenteuern der Großstadt aufbrechen kann. Eine Wohngemeinschaft, die noch eine echte Lebensgemeinschaft ist. Wir haben da was gefunden:

Wir verorten uns anarchistisch / linksradikal / (pro) queer-feministisch / anti-patriarchal und leben vegan. Auf struktureller Ebene sind wir alle unterschiedlich positioniert, d.h wir profitieren bzw. sind negativ von verschiedenen MachtStrukturen betroffen: hier wohnen sowohl weiblich als auch männlich erstsozialisierte Personen, einige haben einen Mittelklassebackground und andere haben Klassenwechsel erlebt. Eine Person ist negativ von Rassismus betroffen und die anderen drei sind weiß positioniert. Wir setzen uns alltäglich auseinander u.a mit Themen wie Privilegien, Support, Awareness, sensibles Miteinander, Gender – (queer) Feminismen, weißSein, Rassismus, Adultismus, Gewaltfreie Kommunikation etc. Jede_r von uns ist jeweils verschieden weit in den Themen drin und steckt in unterschiedlichen Prozessen.
Wir machen mind. 1 pro Woche einen WG-Abend/Plenum, bei dem wir uns Zeit nehmen emotionale, soziale, organisatorische und andere präsente Themen zu besprechen. Wir versuchen mitfühlend und bedürfnisorientiert miteinander umzugehen. Wir sitzen öfter in der WohnKüche rum, redend, kochend, essend und gehen öfter zu politisch-kritischen Veranstaltungen, denken über Aktionen und Interventionsmöglichkeiten nach.

Klingt schon mal klasse. Irgendwie nach schwäbischen Mittelstand der vor dem Start einer  aufregenden Karriere als Gesamtschullehrer noch einmal die Grundlage dafür legen möchte, dass es mit der Frühverrentung wegen eines Dachschadens auch ganz bestimmt klappt. Das Zimmer, 12 Quadratmeter, kostet schlappe 235 Euronen.  Mehr Infos hier.

45 Kommentare

Meine Frage wäre: Was davon macht das für die Herren Joswig und Laurin zu einem Thema und/oder Problem sowie Grund für Ausfälligkeiten?

Autoritär? Die Leute beschreiben halt eine WG, die stark inhaltlich geprägt ist über das reine Zusammenwohnen hinaus; da muss man sich halt vorher überlegen, ob man da inhaltlich rein passt. Aber dann intern wohl eher das Gegenteil von autoritär, so wie sie das beschreiben.

Mittelstandskinder? Ja, zum Teil, schreiben sie ja selbst; aber Problem wo?

Und irgendwo lächerlich und schwurbelnd … ja, kann man wohl so sehen, aber gleichzeitig dabei mit durchaus respektabeln Themen beschäftigt. Wieder: Problem wo? Viele Leute schwurbeln in ihren Wohnungen rum, ohne dass mich das jucken muss.

Es gibt bestimmt viele andere WGs, bei denen die Leute Hobbys haben, die mir weitaus mehr auf den Sack gehen würden, als wenn sie bei einem wöchentlichen Treffen über Genderfragen etc. zu diskutieren. Ich muss da ja nicht mitmachen, den verschiedenen Emissionen einer Motorradfahrer-, Heavy-Metal-Liebhaber-, Dauergriller- … -WG wäre ich als Nachbar sehr wohl ausgesetzt.

Also, so what. Jedem WGchen sein Pläsierchen. Ich finde es eher autoritär, Lebensentwürfe anderer mit einem Verweis auf drohende “Frühverrentung wegen eines Dachschadens” beleidigend runterzumachen.

@Paule: Ich sehe nichts respektables. Ich sehe einen Haufen Wichtigtuer mit einem autoritären Weltbild. Mehr nicht.

Schau an, die taz hat’s auch gefunden http://www.taz.de/was-fehlt-/!101426/ . gebe gerne zu, mir ‘cis-männlich’ ergoogelt haben zu müssen (und warum darf ein dort einzuziehende_r jemensch anscheinend cis-weiblich, aber auf keinen fall cis-männlich sein? ist das die sache mit dem positiven sexismus? ich dachte, das sei auch schon wieder durch).

Also, ich nehm’ die queervegane Quasselbude, denn die ist sicher nicht so sterbenslangweilig wie die frustierte Altherren-WG, die in 2012 tatsächlich noch Witze über Gesamtschullehrer macht.

“Wir haben eine Gemeinschaftskasse für Essen usw. (0-10 € pro Woche, je nach deiner finanz. Situation) und gehen öfters containern”

Heisst das das, was ich denke, dass es heisst?

Naja. Ich sehe da ja eher Leute, die autoritäre Strukturen in Frage stellen und darüber nachdenken. Die Art, wie sie das tun, mag man albern, schwurbelig, inhaltlich fragwürdig und sonst was finden, aber den Grundimpetus halte ich für respektabel – und ganz gewiss nicht selbst autoritär. Gäbe es für den Vorwurf denn auch eine Begründung?

Ich finde den Artikel so albern wie alles, wenn jemand darüber ramentert, dass er wo nicht mitmachen darf, wo er gar nicht mitmachen will. Wenn orthodoxe Juden einen jüdischen Mitbewohner suchen, der auch auf koschere Küche und Einhaltung des Sabbat achtet; wenn Frauen eine Frauen-WG wollen; wenn Computergamer einen Mitbewohner auch als Mitspieler wollen; usw. usf. – dann bin ich mit all dem auch nicht gemeint, genau so wenig wie mit dieser Anzeige. So what?

@Paule: In dermassen rigides Weltbild, wie es in dieser Anzeige deutlich wird, ist autoritär – erst in seiner Selbstbeschränkung dem eigenen Kreis gegenüber. Und später dann gegenüber der Gesellschaft.

@Michael
Schwer zu beantworten, solange Du uns nicht verrätst, was Du denkst.

“Containern” ist Slang und bedeutet: Müllcontainer von Supermärkten nach noch nicht vollkommen vergammelten Lebensmitteln zu durchwühlen.

Ist das das was Du dachtest ?

Rigide Vorstellungen zu haben (wenn das hier denn welche sind) ist nicht per se autoritär, sondern nur, wenn eine nicht diskutierbare Gültigkeit auch für andere beansprucht wird. Davon findet sich aber hier nichts. Das “später dann gegenüber der Gesellschaft” ist ja wohl reine und höchst alberne Verdachtsrhetorik. [Ähnlich wie: “Wie, Schwule wollen heiraten? Und bald müssen wir wohl alle schwul werden!”]

Autoritär finde ich es, andere Leute, die – mehr kann ich aus der Anzeige erst mal nicht erkennen – nach ihrer Fasson leben wollen, so abzuwerten, wie hier geschehen.

@Paule: Durch die Verbindung rigider Forderungen mit Politik – die kleinen, autoritären Mitte-Spießern gefällt es ja sich anarchistisch/linksradikal zu nennen – ist das in die Gesellschaft hinein wirkende Element gegeben. Da steht ja nicht: “Wir, ein kleiner Haufen von Wichtigtuern, wollen unter uns bleiben und suchen jemanden der auch Lust darauf hat, sich jeden Tag neue Regeln für das Zusammenleben auszudenken.”
Mitte-Spießer ist ein blödes Wort. Mir fällt was besseres ein – versprochen 🙂

Oh nein oh nein, Menschen die nachdenken und sich kritisch mit ihrem Leben auseinander setzen… sowas darf es nicht geben!

Ich kann immer noch keine “rigiden”, “autoritären” “Forderungen” in die Gesellschaft hinein erkennen. Erst mal wollen sie für sich so leben, wie sie es richtig finden, und zwar nach Selbstbeschreibung gerade nicht autoritär, sondern diskussionsfreudig.

Und, ja, sie haben eine politische Meinung und wollen mit dieser wohl auch wirken. Das alleine ist ja wohl kaum autoritär – sonst wäre das jeder mit klaren politischen Ansichten. Ob die aber tatsächlich irgendwie “autoritär” ihre Vorstellungen durchsetzen wollen, ist reine Spekulation.

Mir scheint, Sie denunzieren ausgerechnet das Infragestellen der herrschenden Strukturen als selbst autoritär. Das hielte ich für eine schlechthin absurde Umkehrung der Wortbedeutung.

Und spießig … ja Gottchen, spießig ist wohl vor allem immer der andere, ne? Ich finde ja vor allem die Leute spießig, die was dagegen haben, wie andere Leute leben, obwohl es ihnen eigentlich egal sein könnte. Ja, vielleicht sind auch diese WGler Spießer in diesem Sinne, obwohl solche Abwertungen anderer Lebensformen in der Anzeige nicht stehen. Wäre dann eine Handvoll Spießer mehr im Land.

@Paule: Ich unterstelle dem Rigorismus ein autoritäres Element. Und wenn das Infragestellen der herrschenden Strukturen autoritärerer Strukturen zur Folge haben kann – und das deutet ja der selbst auferlegte Rigorismus an – sehe ich daran nichts Gutes.

wat? nichtmal gruppencis? in einer “freien” kommune? ich positioniere mich da mal: jedermensch hat einen an der waffel. hüben wie drüben. und hier sowieso. paule trollt sich selbst und robert gehört zum plenum berufen: eine woche containern für liberale inhalte.

@Paule Es gibt keine autoritären Forderungen an die Gesellschaft (deswegen brau
cht es auch keinen VS für Linksextremisten), an die Mitglieder allerdings schon.

Seit ich den Bericht über das Grenzcamp in Köln auf indymedia (https://linksunten.indymedia.org/en/node/64408) gelesen habe, muss ich bei dem Wort awarness sowieso an 1984 denken.

Die Anzeige ist insofern lustig, weil sie die ganzen Widersprüche und Verlogenheiten von vermeintlichen Linksradiakeln auf den Punkt bringt.

Das mit der Gesamtsschule ist sofern falsch, weil ich mir auch sehr gut vosŕstellen könnte, dass die WG-Mitglieder später Lehrer am Gymnasium sind oder Mitarbeiter einer Partei oder Journalist für die FAZ …

Polit-WG-mäßig hat sich offensichtlich in den letzten 40 Jahren nicht viel geändert. Früher wurde darüber aufs heftigste gestritten was wirklich links ist und zu welcher Partei-Untergruppe man in diesem Rahmen gehört bzw. gehören sollte. Jetzt ist das Geschlecht dran. Es muss jetzt erklärt und gerechtfertigt werden wie weiblich oder männlich man wirklich ist und welcher Gender-Untergruppe man angehört oder angehören sollte.

Ich fand diese Prüf-, Abmahn- und Rechthabergespräche schon damals zum kotzen. Aber immerhin hat man dabei wenigstens noch Fisch und/oder Fleisch und Käse essen dürfen.

Bionade-Biedermeier! Da wird in Wollsocken & Hipster-Look “mittig” alles ausdiskutiert, OH YEAH!
Realsatire!
Merci, You made my day!

Die versuchen was zu ändern und wissen noch nicht wohin. Ob ich das besser finde als Leute die wissen wohin sie etwas ändern wollen. Ich glaub nicht.

@ Pan# 24

Sorry, aber die scheinen ziemlich genau zu wissen, wo sie hin wollen. Es wimmelt da nur so vor Begriffs- und Eigenschaftskästchen in die man sich selbst und andere Menschen stecken kann. Selbst die dazu gehörigen Gurus kann man sich schnell erschließen. Aber wer es so braucht, der will es auch so.

Und natürlich sind auch in der gnadenlosen Garküche gegenseitiger Weltanschaungsinquisition nicht nur Anpassungs- sondern auch Lernprozesse möglich.

Noch mal: Sie suchen Mitbewohner/innen, die ihren Way of Life teilen. Die Art und Weise, wie vorzugsweise ältere Herrschaften auf die (manchmal rührenden, manchmal unbeholfenen, manchmal schlicht unverständlichen) Versuche dissidenter Alltagspraxis junger Leute reagieren, ist überwiegend aus Projektionen gespeist, die mehr mit der eigenen Adoleszenz, der eigenen Biografie zu tun haben, aber wenig mit den jungen Leuten, die hier, frei von Ironie, ihren (zeitweiligen) Lebensentwurf in eine Wohnungsannonce schreiben. Die jungen Leute aus Berlin-Mitte verdienen schlicht den ganz normalen Respekt – auch derjenigen, denen diese Welt fremd vorkommt. Wenn hier überhaupt etwas „zum Kotzen“ ist, dann ist es der Versuch, sich über sie zu erheben.

Als „autoritär“ dürften die jungen Leute, vollkommen zu Recht, die umfassenden Zumutungen des flexiblen Kapitalismus empfinden, der ihnen die Art von Leben, das sie sich wünschen, nur schwer möglich macht. Da setzen sie dagegen, was sie haben: die selbst gewählte „Autorität“ ihres eigenen Lebensentwurfs.

@DH: Rührend, wie Du auf altväterliche Art und Weise die “jungen Leute” verteidigst. Dafür ist Dir ein gratis Hirseschnitzel sicher.

In unserer WG gab es einen Senegalesen, der verbat sich jede Diskussion um seine Beteiligung am Putzplan mit den Worten: “I am the master of myself”. Mann, wurde der Arme von uns versklavt.

Klar, die Leute suchen einfach jemanden, der zu ihnen passt. Das ist doch (ganz unironisch) gut! Leider verpassen sie damit aber die Chance, Leute zu finden, die ganz anders denken und dadurch ihren Horizont erweitern könnten.

In meiner WG gab es auch Maurer, Volkswirtschaftler, Sozialpädagoginnen, Dauerkiffer, BWLer, Landschaftsgärtner und Kulturwissenschaftler. Eine bessere Lehre in Sachen Toleranz kann man kaum bekommen. Merkt man doch, dass auch die, die anders ticken, interessant und intelligent sein können.

Ich muss zugeben, ich musste lachen, als ich Anzeige las. Aber eigentlich ist es doch wirklich deren Sache. Sollen sie sich doch ausprobieren. Für mich wäre das sicherlich nichts, ich wäre nicht stark genug, da vielleicht auch mal gegenzuhalten. Aber wenn es keine jungen Menschen gibt, die etwas Neues ausprobieren, wer dann? Ihr Alten Ruhrbarone sicherlich nicht mehr.

Und vegetarisches Essen ist, wenns gut ist, garnicht so schlecht. Das Restaurant hier musste leider aus Dortmund fort, abseits des Soja- und Tofu-Klischees.

http://www.vegetaria.de/menues/

@ DH # 26

Aber Dirk, das ganze nennst du sonst Exklusion. Alle die dürfen nicht mitwohnen, die nicht diesem ausgesprochen umfangreichen Katalog der Eigenschaften entsprechen, die man “mitbringen” muss, um überhaupt zur internen Debatte zugelassen zu werden.(Siehe auch # 28)

Mir ist es völlig egal ob die Truppe jetzt antikapitalistisch ist oder nicht und natürlich steht es ihr völlig frei die Menschen zu suchen, die zu ihnen passen. Ich finde das, ähnlich wie AusMaus, sogar ganz normal.

Aber das ändert nichts an der ausgesprochenen Strenge der Auswahlkriterien und ihrem Inquisitions- und Ausschlusscharakter. Um das festzustellen muss ich mich auch nicht über diese “jungen Menschen” erheben. Ich denke eher, dass sie es sind, die eine Art politischer Erhabenheit anstreben.

Freiheit und Toleranz ist auf jeden Fall etwas anderes. Erst recht hat diese Truppe nichts mit der politischen Tradition der Anarchie am Hut. Vielmehr ist es so, dass wesentliche der dort geforderten Eigenschaften überhaupt erst im fortgeschrittenen Kapitalismus lebensmöglich gemacht worden sind.

P.S. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass sich die WG sowohl über meine Kritik als auch deine Verteidigung beim veganen Abendmahl lustig macht. Sollen sie. Die Diskussion hier über sie macht uns ja auch irgendwie Spaß.

Hallo Ihr 4,

gerne würde ich mir eure WG ansehen!

wer ich bin:
Ich verorte mich parlamentarisch-demokratisch/liberal/ (pro) hetero-Stenz /anti-political-overcorrect und lebe in der Realität.
Ich bin 27, cis-male, heterosexuell veranlagt und movably unchallenged. Ich bin in München christsozialisiert, positiv von geringer Pigmentierung betroffen und habe einen technisch/akademischen Background.
Meine finanzielle Situation profitiert aufgrund bajuwarischen Hochschulabschlusses positiv von kapitalistischer Massenproduktion moderner Wegwerfgüter.
Ich setze mich alltäglich ausseinander u.a. mit Themen wie Privilegiertsein, Sport-Support, Awesomness, gemütliches Miteinander, Total – (dämliche) Anglizismen, verstocktsein, Moralismus, Genderismus, Erhobener-Zeigefinger-freie Kommunikation etc. Ich versuche mitreißend und erlebnisorientiert miteinander umzugehen. Ich sitze gerne in der Wohnküche rum, schunkelnd, schnupfend, fluchend und gehe öfter zu politisch-imperialistschen Veranstaltungen und denke über Aktien und Investitionsmöglichkeiten nach.
Das 14qm Zimmer käme für mich eher in Frage, da ich mich mind. 1 Abend pro Woche mit Themen wie C-2-Abusus, Fußballspielen, und Grillfesten beschäftige und daher neben meinen Zahlreichen Lederhosen und Gamsbärten ein gemütliches 140er Bett unterbringen möchte wo ich nach durchzechten Wochenenden meine Awareness wiedererlangen kann.
Gelegentlich stecke ich auch verschieden weit in marginalisierten Kurzbekanntschaften cis-weiblichen backgrounds drin und benötige daher etwas Raum um mich unter oder ggf. auch hinter oder über derselbigen patriarchisch zu positionieren.
Zur Gemeinschaftskasse trage ich selbstverständlich bei und stocke gerne den WG-eigenen Kühlcontainer mit frischem Weißbier, Leberkäsdosen sowie Blut- und Leberwürsten aus eigener Schlachtung auf. Und ich gehe öfters mit meinen Mitbewohner_in_er_innen zu Mc-Donald’s.
Zur Vervollständigung der Einrichtung der Wohnküche kann ich noch eine gemütliche Eckbank, 2 Kruzifixe, und einen großformatigen Stammtischaschenbecher mit Zigarrenablage beisteuern, sowie für den Hof ein kleines Boltzplatztor im FC-Bayern-Design.

Wen suche ich?
ich suche jemand, die_der sich nicht ultra-lächerlich präsentiert, sich dämlich ausdrückt bzw. sich für relevante Themen interessiert und ihre_seine Joints, Tickets etc gerne mit anderen teitl, damit andere auch in seiner_ihrer Paralellwelt leben können, erwarte keine fertigen Leute, sondern die, die eher regelmäßig als selten ihre verschriebenen Medikamente einnehmen und öfter unter normalen Menschen sein können. Ich suche jemand, die_der Semantik-aware ist und bei dem eingestreute/zusammanhanglose Floskeln zweitrangig anberaumt sind. Prinzipiell möchte ich mit eingen oder vlt auch mit allen ein gemeinsames SchafkopfProjekt gründen.

So, jetz hamma’s soweit erstmal. Wenn es für Euch soweit passend klingt, meldet Euch bei mir und ich schicke Euch bei Bedarf ein paar Brezen. Da viele Menschen in Berlin uns Bayern abstempeln mit Null Bezug zu unserer Kultur, die es wahrscheinlich gar nicht erst versuchen, möchte ich Euch bitten, euch mit mir mehrere Liter Bier in einem Anfangsbesäufnis kollektiv runterzuschütten.

bis dahoam,

Dude

Auch wenn ich die Annongtze unfreiwillig komisch finde, kann ich nichts damit anfangen, wenn ihr euch über Leute lustig macht, die einfach versuchen, gute Menschen zu sein. Und kommt jetzt nicht damit, dass auch Hitler nur das Beste wollte für sein Volk.

Und das ist gänzlich unironisch gemeint.

Leider ist das ja immer wieder der Grundtenor vieler Beiträge hier. Ich mache da gern eine Unterscheidung bei all den Ruhrbaronaufregerthemen. Am besten am Beispiel von vegetarischem Essen:

Ich finde es gut, dass es vegetarisches Essen in Kantinen und Mensen gibt. Ich finde es gut, wenn ab und an mal ein gänzlich fleischfreier Tag dort eingelegt wird. Ich finde es gut, wenn über die ökologischen Probleme der Tierhaltung aufgeklärt und über ethische Probleme diskutiert wird.

Was ich nicht gut finde ist, wenn allgemein allen vorgeschrieben wird, fleischlos zu essen. So wie das laut taz in einer Berliner Mensa gerade passiert. Ich liebe Fleisch und esse es gern, trotzdem versuche ich, etwas verantwortungsvoller damit umzugehen.

Warum ist die Auseinandersetzung mit den Widersprüchen unserer Gesellschaft denn so lächerlich? Ich mokiert euch über Sierau, der zu dumm ist, sich vernünftig gegen Nazis zu positionieren und macht euch gleichzeitig lustig über Leute, die versuchen, ein gutes Leben zu führen, sich im Privaten zu engagieren? Wie schonmal vorher geschrieben: ich fühle mich von dem Geschriebsel da auch nicht angesprochen, aber das ist doch kein Grund, so zu geifern. Da seid ihr nicht besser als ‘die’.

Machen wir es kurz: Eine vielfältige Gesellschaft, in der alle Menschen frei und gleichberechtigt ist. Ist das nicht das Ziel von uns allen? Sowas aber findet man nicht in solchen WGs. Da muss man so und so sein, darf aber auf gar keinen Fall so sein. Man muss angepasst sein an ein extrem starres Weltbild, das in seinen Einschränkungen und seiner Intoleranz gegenüber einem anderen “way of life” eben tatsächlich autoritär ist. Diese WG lebt nicht Vielfalt, Meinungs- und Geistesfreiheit vor, sondern das genaue Gegenteil und hat damit eine faschistische Tendenz. Klar, sie wollen auch niemanden, der rassistisch ist, aber in aller Exklusion und in ihrem Schubladendenken, das Menschen kategorisiert, nutzen sie eine Methodik, die faschistischen Systemen in nichts nachsteht.

@Bin: omg: die suchen doch nur einen Mitbewohner. Das muss nicht demokratisch zugehen (und dann noch die Faschismus-Keule. Musste das jetzt sein?). Ich kenne keine WG, wo die Leute nach objektiven, sozialen und demokratischen Kriterien ausgewählt werden. Das ist doch lächerlich. Die suchen wen, der zu ihnen passt. Ob man deren begrenzende Wertvorstellungen nun gut findet oder nicht. Wie schon einmal weiter oben geschrieben: Als Nichtraucher möchte ich auch nicht in eine Raucherbude ziehen. Da bin ich doch dankbar, dass die so ausführlich über sich informieren. Wer weiß, ob die überhaupt wen finden. Mein WG-Leben war zwar auch anstrengend, aber bunt. Deren Leben ist vielleicht einfach nur schwarz-weiß. Na und!

@Aus Maus: Klar, die suchen nur einen Mitbewohner. Deshalb wird sich deren Denke sicherlich auch in Rauch auflösen, sobald die ihre WG mal aufgelöst haben.

Es ist symptomatisch für immer mehr Linke, dass sie sich im “Kampf” gegen all das, was ihnen auf den Senkel geht, Methoden bedienen, die zumindest fragwürdig sind. Das fängt bei solchen Selektionsverfahren an und endet bei Aufrufen, dass man doch mal Gaststätten “entglasen” sollten, nur weil da mal Rechte zu Gast waren.

Dein Vergleich hinkt übrigens: Es ist Dir als Nichtraucher ja freigestellt, ob Du bei Rauchern einziehst oder nicht. Das Mitrauchen wird ja nicht als Zwang definiert. Diese WG jedoch besteht nur aus Zwang und Unterordnung in ein autoritär regulierendes System.

Kein sinnloses Lachen, Betrinken, Dummrumlabern, Brüche, Relativismus, sondern eine puritanische Mischung aus Mao, Stalin und gaga Selbstkontrolle : “weiß positioniert”…..und man (bzw. genderfrau) sitzt redend kochend in der Küche rum…. kreuz und queer! Bedürfnisorientiert! Eine kleine Portion Selbstironie könnte euch wecken.

Was die machen, ist eigentlich doch harmlos, aber Ausgrenzung ist es schon.
Nur in meiner Wohnung grenze ich noch viel mehr aus. Ich lasse nur Gäste rein.
Die schlimmste Ausgrenzung erfolgt demnach in Singlewohnungen.
@Pat Boone hat womoglich einen furchtbaren Blick in die Zukunft gemacht, wenn er sagt:
“noch lachen wir, aber genau so wird unser altersheim sein”
Jetzt mal ehrlich, als die Burschenschaftler hier vor einem Jahr begründeten, dass sie reine Männerbünde akzeptabel oder gut fanden, haben sich Leute aufgeregt, die sich bei dieser jetzt diskutierten Ausgrenzung überhaupt nicht aufregen.
Es ist aber eindeutig Ausgrenzung. Klar, aber ich denke, dass solche Formen der Ausgrenzung sogar notwendig sind.
Nur, ich würde mir eine andere Gruppe aussuchen. Eine, die zu mir passen könnte.
Was sollen das schon für Gesprächen sein in dieser Küche?
Auch @DH wäre da nicht gut aufgehoben, da müßten die anderen Bewohner drüber urteilen.

Ich frag mich mal wer hier der alte autoritäre Spießer ist. Fleischverteidiger die sich selbst besonders aufgeklärt sehen und Leute die sich über Genderthemen lustig machen. Wahrscheinlich auch gleich noch Männerrechtler und Fußballmachos. Von euch ist mit der Annonce keiner gemeint und tatsächlich stehen diese “Mitte-Kids” (was ist da los? Hass auf “die anderen”, neid der Jugend wegen?) über vielen hier, denn die werden aus erfahrung heraus darauf verzichten ganze Gruppen über einen Kamm zu scheren. Das war mir jetzt zu grundlos angreifend und inhaltlich rückständig, provinziell und selbstgerecht = unfollow. Schade, weil es ja mal informative texte hier gab. Aber das hier hat kein Niveau

Und dann auch noch von auschließendem Verhalten reden, lachhaft. Vielleicht sollten die ja euch mal einladen um abzugleichen inwiefern ihr ihnen gute Gründe gebt so “ausschließend” zu sein. Da ihr offensichtlich zumeist nichtmal Respekt vor ihren Themen habt und diese nur lächerlich macht, gleichzeitig aber eine selbstgerechte und inkonsequente Doppelmoral an den Tag legt, denke ich jedoch das die mit ihrem Mitbewohner_innenanspruch doch besser fahren als damit sich von Leuten wie euch erzählen zu lassen wieviel besser biofleisch für die tiere ist und wie unnötig doch geschlechterdebatten sind weil ihr als Männer ja eh nie Ungleichheit feststellen werdet.

Eine ernsthafte Frage: Kann mir bitte jemand erklären, was denn ‘cis-männlich/weiblich’ nun schon wieder bedeutet? Ich habe die entsprechenden Abkürzungen noch nicht so verinnerlicht. Vielen Dank!

@ discipulussenecae #43

“was denn ‘cis-männlich/weiblich’ nun schon wieder bedeutet?”

http://www.dgti.org/index.php?option=com_content&view=article&id=29

“Was ist Geschlecht

Versuch einer Definition über die Geschlechtssymbole

[Symbol für “mannlich”] Mensch, männliche Identität, zeugungsfähig; ist die soziale Wahrnehmung “Mann”, dann handelt es sich um einen Cis-Mann

Der Zusatz Cis ist erforderlich. In der Chemie bedeutet die Vorsilbe cis, dass zwei Substituenten relativ zueinander auf der gleichen Seite einer Ebene liegen. Den Gegensatz dazu bezeichnet die Vorsilbe trans. Cis, im Zusammenhang mit Menschen, bedeutet also:

1. die bei der Geburt gemachte Zuweisung, erfolgt auf Grund der Betrachtung der äußeren Genitalen, beschreibt auch das biologische Geschlecht richtig;

2. der betroffene Mensch fühlt sich auch entsprechend dieser Zuweisung;

3. der Mensch erlebt sich in der Reflektion der Gesellschaft richtig beschrieben;

4. alle Merkmale der Geschlechtsbeschreibung liegen auf einer Ebene (…)”

(vielleicht würde es einigen Cis-alpha-Männchen bei den Ruhrbaronen nicht schaden, wenigstens ein ganz klein bisschen “trans” zu haben – um mal über den eigenen “kleinen Unterschied” hinausblicken zu können)

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