Author: Ulrike Traub

Das Ende der Brezelzellen

Ein Wochenende mit Keksen, Brezeln und Bratwurst: Theater in Bochum, Weihnachtsmarkt in Hattingen

Am Freitag war ich in den Kammerspielen und habe mir „die Komödie der Irrungen“ angesehen. Das war jetzt keine vollständige Katastrophe, aber ich hätte auch 2 Stunden zu Hause bleiben, meine Beine ausstrecken und Laurel und Hardy auf Youtube gucken können. Alleine die James Last-Platte hätte mir gefehlt, aber man kann ja nicht alles haben. Es ist begrüßenswert, dass der Abschlussjahrgang der Bochumer Schauspielschüler sich in einer Inszenierung in den Kammerspielen präsentieren darf, aber leider werden immer Komödien ausgesucht, die sonst nicht gespielt werden, und das aus guten Grund. Verwechslungsgeschichten können lustig sein, sind aber meistens nur verwirrend, und wenn man mal verstanden hat, wer wer…

Jenseits vom Eden

Hotel Eden

Heute ist Totensonntag, der Weihnachtsmarkt ist geschlossen und so sitze ich in meiner Kammer und denke über den Tod nach. Ich denke nach über den schleichenden Tod des Hotels Eden am Ring in Bochum, das jetzt nach jahrelangem Leerstand abgerissen werden soll.

Obschon nur 5 Minuten vom Hauptbahnhof entfernt, habe ich dieses Kleinod, diesen Sehnsuchtsort, erst viel zu spät entdeckt. Das 1956 erbaute Haus hat eine wahnsinnig sympathisch einfallslose und hässliche zeittypische Architektur, das Gebäude ist das, was man guten Gewissens mit "Schuppen" oder "Klotz" bezeichnen kann. Dann jedoch sieht man das Schild mit dem größenwahnsinnigen Namen Eden. War dies das Paradies? Es wird für niemanden das Paradies gewesen sein, weder für die Reisenden, die in den 50er Jahren hier abgestiegen…

Wir bauen uns ein Konzerthäuschen ? und keiner kriegt es mit

Heute Abend findet im Bochumer Bermuda-Dreieck um 20.00 Uhr das traditionelle Open-Air-Konzert der Bochumer Symphoniker statt.

Bochum im Regen. Foto:Ruhrbarone/Görges

Das ist immer unten am KAP, immer gut besucht und lässt bei gutem Wetter ein wenig Last-Night-Of-The-Proms -Stimmung aufkommen. Bei schlechtem Wetter lassen sich gruppendynamische Regenschirm-Phänomene beobachten und Erdkundelehrer, die ihre XXL-Parapluies aufklappen, damit die gute Jack-Wolfskin-Jacke nicht nass wird. Sicher, das Repertoire ist einfallslos, viel Filmmusik, viel Dreivierteltakt, die Akustik lausig und die quietschenden Züge stören. Aber es ist „umsonst und draußen“, und das zieht.
Seitdem in Bochum ein Konzerthaus als feste Spielstätte für die Symphoniker gebaut werden soll, ist das Konzert als Werbemaßnahme wichtiger denn je. Umso unverständlicher ist es, dass…

Der Preis ist heiß

Foto: Flickr/ doergn

 

Heute Abend ist es wieder soweit: zum vierten Mal werden in der Bochumer Jahrhunderthalle die Steiger Awards verliehen. Steiger Awards? Was ist das? Ein Orden für verdiente Bergleute? Nein, der „Preis, entstanden aus Privatinitiative und dem Wunsch der kulturellen, sozialen und gesellschaftlichen Förderung der Rhein-Ruhr-Region, wird alljährlich an Persönlichkeiten verliehen, die sich besonders in den Bereichen Toleranz, Charity, Musik, Film, Medien, Sport, Umwelt und das Zusammenwachsen der europäischen Staatengemeinschaften verdient gemacht haben.“ Also ein Preis für ALLES, Mufuprix, Multifunktionspreis. Es fehlt lediglich die Kategorie Kochen, in heutigen Tagen ein gehöriger Lapsus, da jeder kocht, dies am liebsten vor der Kamera und die Fernsehnation hingerissen zuschaut.

Der potthässliche Staubfänger, der von

Die Häschenschule ? Einer flog über das Kuckucksnest II

Löffelalarm! Hasen sind hip, keine Frage. Ostern steht vor der Tür und Til Schweiger hat uns vorgemacht, dass Ohren nicht unbedingt notwendig sind, Keinohrhasen tun es auch. Jorinde Dröses Bochumer Psychiatrie-Patienten fühlen sich wie Hasen und setzten sich große Plüschhasenköpfe auf. Mit sehr großen Ohren, welche traurig nach unten hängen, wenn die Patienten gemeinsam bei der Gruppensitzung auf ihren durchsichtigen Hüpf- – pardon – Sitzbällen hocken.

Eine Woche nach der Premiere am Theater Oberhausen hat jetzt auch das Schauspielhaus Bochum seine Version von Dale Wassermanns Drama auf die große Bühne gebracht. Zweimal hintereinander das gleiche Stück zu sehen verheißt Langeweile, indes gelingt Jorinde Dröse in Bochum eine zauberhafte Inszenierung, die unbedingt sehenswert ist.

Während das Oberhausener Regieteam die Geschichte um eine Flüchtlingsthematik…

Einer flog über das Kuckucksnest I: Theater Oberhausen

 FM Einheit. Foto: FH Einheit

33 Jahre nach Miloš Formans fünffach Oscar-prämierter Verfilmung mit Jack Nicholson in der Hauptrolle wird das Kuckucksnest direkt von zwei Theatern im Revier überflogen: Oberhausen startete am 22. Februar, Bochum wird eine Woche später nachziehen.

Die Dramatisierung von Dale Wassermann wurde 1963 uraufgeführt, 1977 war sie erstmals in Deutschland zu sehen. Laut dem deutschen Verlag Rowohlt hat das Stück einen festen Platz im Repertoire, indes kann ich mich an keine Inszenierung während der letzten zehn Jahre erinnern.

Um einer Gefängnisstrafe zu entkommen, lässt sich der Kleinkriminelle Randle McMurphy in die Psychiatrie einweisen. Dort trifft er auf eine Reihe von Patienten, die unter der Fuchtel von Oberschwester Ratched stehen. Zwischen dem aufmüpfigen McMurphy und Ratched entspinnt sich ein Machtkampf.

Der Regisseur Stefan Maurer arbeitet…

Gute Psychopathen, schlechte Psychopathen

Hmmm…

Motortown muss ein wichtiges Stück sein. Im Foyer ist es brechend voll, der Zuschauerraum ebenfalls. Schräg vor mir sitzt der Kulturdezernent Michael Townsend, er wird vom Intendanten Elmar Goerden per Handschlag begrüßt. Nach der Vorstellung blockiert Townsend den Ausgang, als er dem WDR-Mann ein Statement zur Premiere gibt. Die Mannschaft des Bochumer Schauspielhauses hat gespielt, trainiert wurde sie von Regisseur Dieter Giesing, und Beckenbauer aka Townsend diktiert warme Worte ins Mikro. Dann habe ich die blaue Schaumstoffkugel vor der Nase und meine Worte sind frostig. Das Stück und die Inszenierung sind kurzweilig, aber es steckt wieder wenig dahinter. Wieder ein neues Stück, das zu kurz und zu oberflächlich ist.

Ein britischer Soldat, der im Irak stationiert war, kehrt zurück in die englische Provinz und verhält sich wie…

(Un)-Logik des Herzens

Am 10.01. hatte im TuT des Schauspielhauses Bochum ein kleiner Monolog von Mark Ravenhill Premiere: Das Produkt. Die Theaterleitung sowie Regisseur Hans Dreher scheinen der Werbung von Ravenhills deutschem Verlag Rowohlt erlegen zu sein, denn Das Produkt ist neben Pool (Kein Wasser) die bereits die zweite Inszenierung Drehers eines Ravenhill-Stückes in Bochum innerhalb kurzer Zeit.

In Das Produkt versucht Filmproduzent James die Schauspielerin Olivia für seinen neuen Film zu gewinnen. Olivia soll Amy spielen, deren Freund bei den Anschlägen am 11. September umkam. Amy verliebt sich in Mustafa, einen Al-Qaida-Kämpfer, was zu absurden Verwicklungen führt, wie der Verlag schreibt. Wer „absurde Verwicklungen“ sucht, geht in Bochum in die Comödie (oder alternativ in das gleichnamige Haus…

Wanderer, kommst Du nach Bochum?

Bochum bekommt ein Jugendgästehaus. Wie schön. Jugendgästehäuser zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht so sehr in der Pampa liegen wie Jugendherbergen, dafür aber nicht so hip sind wie Backpacker Hostels.

Gerne erinnere ich mich an Erlangen zurück. Ich wusste nichts Wissenswertes über Erlangen, also quartierte ich mich ein im dortigen Jugendgästehaus, um meine Einschreibungswoche („Warum stehen Sie hier und nicht in der anderen Schlange?“ – „Ich hab ein außerbayerisches Abiturzeugnis“ – „Ah. Da muss ich den Chef holen.“). Ähnlich freundlich war meine Unterkunft, Kiefernmöbel, Karovorhänge und ein winziges Einzelzimmer. Das Frühstücksbüffet war ebenso übersichtlich wie die pulsierende City der fränkischen Metropole. Immerhin konnte man zwischen Pfefferminz- und Hagebuttentee wählen, ein Vorzug gegenüber den Jugendherbergen meiner „Jugend“, welchen sich das Jugendgästehaus…