Author: Perik Hillenbach

Integrationswahl: “Fünf Prozent Wahlbeteiligung wären ein Erfolg.”

Heute wird in Dortmund der neue Ausländerbeirat gewählt, der künftig Integrationsrat heißen wird. Höchste Zeit also für einen Selbstversuch: Wie ich zum ersten Mal in meinem Leben an einer Wahl teilnahm!

Ich bin Staatsbürger eines Niemandslandes und habe noch nie an allgemeinen politischen Wahlen teilgenommen. Ich habe einen kanadischen Pass, weil ich irgendwann mal in Kanada geboren wurde, aber meine deutschen Eltern sind leider wieder nach Deutschland zurück gewandert, als ich acht Monate alt war. Da galt meine Stimme noch nicht. Der kanadische Pass (einen zusätzlichen deutschen Ausweis habe ich nicht) hat mich vor Musterung und Bundeswehr bewahrt und mir die Aura eines geheimnisvollen Weltbürgers gegeben; mehr verbindet mich nicht mit Kanada. Ich habe das Land zum ersten Mal besucht, als ich schon 43 war. Nett da. Aber nicht meine Heimat. Meine Heimat ist das Ruhrgebiet.

Beteiligt habe ich mich bisher weder an Wahlen in Kanada (ist Pierre Trudeau eigentlich noch Premier?) noch an deutschen Bundestags-, Landtags- oder Kommunalwahlen. Heute jedoch war ich zum ersten Mal aufgefordert, aktiv ins Geschehen einzugreifen! Ich war gefordert, man wollte meine Stimme! Und auch, wenn ich auf den imaginären abgetragenen Wahlsonntagsanzug mit dem leicht speckigen, zu oft gebügelten Kragen verzichtete, der zu solchen Gelegenheiten voller Stolz und Würde aus dem Schrank geholt wird, und auf den nass gekämmten Seitenscheitel ebenfalls, so wollte ich mich doch angemessen auf diesen wichtigen Termin vorbereiten.

Kurze Google-Orgie, dann Ratlosigkeit. Das Netz hält allerhand nützliche Informationen für mich bereit; ich lerne, dass der Integrationsrat erstmals gewählt wird, den bisherigen Ausländerbeirat ablöst und mit mehr Kompetenzen ausgestattet sein soll. Alle Fragen der Kommunalpolitik sollen auch Angelegenheit des Integrationsrates sein. Das ist ja löblich. Aber wen soll ich wählen?

Jusos können nicht tanzen

Trinken ist ein politischer Akt. Tanzen auch. Kann eine Großstadt wie Dortmund beides nicht bieten, verliert sie nicht nur den Titel „Westfalenmetropole“, das übernimmt dann Bielefeld, sondern bindet nicht länger Menschen, Ideen, Kreativpotenzial – und verliert damit mittelbar und mittelfristig richtig Kohle.

Warum mir das jetzt einfällt? Weil ich gerade in der Hitze mal kurz mit dem Rad raus war und über ein paar bemerkenswerte Plakate gestolpert bin. Dazu später. Erst was anderes.

Man muss Bochum Total nicht total toll finden. Ich hab mich gestern da mal durchschieben lassen und war immerhin von der vergleichsweise unaggressiven Partystimmung beeindruckt. Und von der Konsumfreude, die den Rewe am Engelbertbrunnen wohl zum heimlichen Gewinner dieser Tage gemacht hat. Das nur zum Thema Geld, das dank Gastronomie und Popkultur in der Stadt hängen bleibt. Trotzdem war ich heilfroh, später im klimatisierten Logo zu landen und folgendes zu erleben: klack

Während in Dortmund zur gleichen Zeit das bräsige kulinarische Stadtfest „Dortmund à la carte“ die Luft mit Reibekuchenschwaden schwängerte und den Beweis antrat, dass die vergleichbare Veranstaltung „Essen genießen“ und das Essener Publikum etwa zehn Jahre kulinarische Entwicklung voraus haben (gefühlter Anteil der unter 30-Jährigen: 4), tanzten, tranken und kauften sich also geschätzte 2,6 Teenillionen durch Bochum. Das tut dem Dortmunder Metropolenanspruch richtig weh.

Nun aber die Geschichte mit dem Rad vorhin: