Augenzeugen berichten über Vorgehen der Polizei (Teil 2)

 

Der Bildungsstreik in Essen sorgt weiterhin für Diskussionen. Wie wir berichtet haben, wurden am 17.11.09 auf einer friedlichen Studentendemonstration um die 150 Demonstranten von der Polizei eingekesslt und festgenommen. Wir haben Augenzeugen befragt, wie sie die Situation und die Vorgehensweise der Polizei wahrgenommen haben. Und welche Reaktionen sie nun fordern.

 

 Nur Satmaz, Lerhamtsstudentin (Geschichte, Mathematik, Türkisch) an der Universität Duisburg-Essen

Im Porscheplatz hat sich die Demo zugespitzt. Die Polizisten haben uns dort eingekesselt. Geschubst wurden wir auch. Ich wollte eigentlich weg. In die U-Bahn. Aber die Polizei hat mich nicht durchgelassen. Ich war mir aber gar keiner Schuld bewusst. Wir hatten keine Waffen oder so was. Wir waren ganz friedlich. Weder habe ich etwas kaputt gemacht, noch habe ich habe das bei anderen beobachtet. Es wurde auch niemand beschimpft.

Sinn einer Demo ist ja eigentlich, dass man gesehen wird. Und wir haben das Gefühl gehabt, dass wir in die kleinen Gassen befördert wurden. Weil wir unangenehm sind. Obwohl wir einfach nur für unsere Rechte kämpfen wollen. Es gab auch nicht die Idee, das Rathaus zu stürmen, wie es in einigen Medien heißt. Davon war keine Rede. Ich finde es aber eine gute Idee zum Rathaus zu gehen, weil der Bürgermeister auch mal sehen soll, was wir auf dem Herzen haben. Wir wollten sichtbar sein, weil wir im Bildungssystem ernsthafte Probleme haben. Ich habe eine Situation beobachtet, da habe ich echt Angst bekommen.

Der Bildungsstreik in Essen sorgt weiterhin für Diskussionen. Wie wir berichtet haben, wurden am 17.11.09 auf einer friedlichen Studentendemonstration um die 150 Demonstranten von der Polizei eingekesslt und festgenommen. Wir haben Augenzeugen befragt, wie sie die Situation und die Vorgehensweise der Polizei wahrgenommen haben. Und welche Reaktionen sie nun fordern.

  Nur Satmaz, Lerhamtsstudentin (Geschichte, Mathematik, Türkisch) an der Universität Duisburg-Essen

Im Porscheplatz hat sich die Demo zugespitzt. Die Polizisten haben uns dort eingekesselt. Geschubst wurden wir auch. Ich wollte eigentlich weg. In die U-Bahn. Aber die Polizei hat mich nicht durchgelassen. Ich war mir aber gar keiner Schuld bewusst. Wir hatten keine Waffen oder so was. Wir waren ganz friedlich. Weder habe ich etwas kaputt gemacht, noch habe ich das bei anderen beobachtet. Es wurde auch niemand beschimpft.

Sinn einer Demo ist ja eigentlich, dass man gesehen wird. Und wir haben das Gefühl gehabt, dass wir in die kleinen Gassen befördert wurden. Weil wir unangenehm sind. Obwohl wir einfach nur für unsere Rechte kämpfen wollen. Es gab auch nicht die Idee, das Rathaus zu stürmen, wie es in einigen Medien heißt. Davon war keine Rede. Ich finde es aber eine gute Idee zum Rathaus zu gehen, weil der Bürgermeister auch mal sehen soll, was wir auf dem Herzen haben. Wir wollten sichtbar sein, weil wir im Bildungssystem ernsthafte Probleme haben. Ich habe eine Situation beobachtet, da habe ich echt Angst bekommen.

Ich habe gesehen, wie ein Polizist einen Studenten in den Kessel gedrängt hat. In der Hand hatte er ein Gerät. Dass er drohend auf ihn gerichtet hat. Das war so ein kleines, ahndgroßes Gerät. Im ersten Moment dachte ich, es wäre ein Pfefferspray. Aber dann habe ich gemerkt, dass da oben ein Metalldraht war. Das muss ein Elektroschocker gewesen sein. Ich hatte Angst um den Studenten. Er selbst war auch geschockt. Der hatte gar nichts gemacht. War nicht gewalttätig oder so.

Am Ende wurden wir alle festgenommen. Mussten unsere Personalien abgeben und wurden durchsucht. Das Ganze ging 2 bis 3 Stunden. Keiner hat uns gesagt, was passieren wird. Welche Konsequenzen auf uns zukommen. Ich hab mir echt Gedanken gemacht. Vor allem um meine berufliche Zukunft. Schließlich werde ich Lehrerin. Mein Rechtsanwalt meinte, ich müsste womöglich 50 bis 100 EUR dafür zahlen. Aber woher soll ich das Geld nehmen? Ich erwarte, dass der Vorfall diskutiert wird. Von den Politikern. Und ich möchte wissen, warum wir eigentlich eingekesselt wurden. Das verstehe ich nämlich immer noch nicht.

Jens Friebe, Student der Wirtschaftwissenschaften an der Universität Duisburg-Essen

Als die Demonstration offiziell zu Ende war und wir dann in die Innenstadt ziehen wollten, um auf die öffentliche Bühne zu kommen, wurde eine Postenkette von der Polizei aufgestellt. Uns wurde gesagt, wir sollen uns zum Hauptbahnhof begeben und nach Hause fahren. Wir haben aber trotzdem weiter Lärm gemacht. Nach dem dritten Aufruf der Polizei haben die Polizisten sofort die Helme aufgesetzt und ihre Schlagstöcke bereit gemacht, um uns einzuschüchtern.

Für einen Studenten, der in der Szene nicht aktiv ist und von einem Polizisten nie verprügelt wurde, war es im ersten Moment echt hart. Da waren auch Minderjährige dabei, die zum ersten Mal demonstrieren waren und teilweise ganz schon die Hosen voll hatten. Daraufhin sind wir alle auseinander gegangen, haben die Seitenstraßen genommen und uns auf der anderen Seite der Postenkette wieder getroffen. Auch wenn sich keiner der Passanten uns angeschlossen hat, bekamen wir hier schon eine menge Zuspruch.

Im Einkaufszentrum am Porscheplatz wurde die Polizei zwischendurch handgreiflicher. Wir haben zwar eine menge Lärm gemacht, waren aber alle komplett friedlich. Plötzlich wurde uns bewusst, dass die Polizei hinter und vor uns die Ausgänge zugemacht hat. Ich hatte Glück und wurde nicht eingekesselt. Aber die, die hinter uns waren, waren dann mitten im Kessel gefangen und wurden später festgenommen. Ein kleiner Junge, der wegrennen wollte, wurde von den Polizisten eingeholt, zu Boden geschubst und mitgenommen.

Ich erhoffe von der Politik, dass, so wie es in anderen Bundesländern üblich ist, die Polizisten in NRW eindeutige Nummern auf dem Helm oder dem Rücken bekommen, damit sie eindeutig gekennzeichnet sind. Damit man schwarze Schafe, die zum Beispiel Totenköpfe auf ihren Schlagstöcken haben (wie auf dem Foto, das ich auf der Demonstration gemacht habe) rauspicken kann.

8 Kommentare

Da ist sie wieder, die Freiheit, die es in Deutschland nicht mehr gibt. Eine Schande für alle die, die Freiheit einst mit lieben.

wie weit sind Zeugenaussagen glaubwürdig, wenn Sätze wie “Für einen Studenten, der in der Szene nicht aktiv ist und von einem Polizisten nie verprügelt wurde”.
Welche Szene? Wieso wird in dieser Szene jeder von Polizisten verprügelt?

Und der Zeuge beschreibt ja selber wie nach Auflösung der Demo durch den Versammlungsleiter alle Anweisungen der Polizei ignoriert wurden und weiter “Lärm gemacht wurde”.

Aus allen bisherigen Aussagen kann ich zusammenfassen:
Alle Festgenommen scheinen eine große Mitschuld zu tragen.
Und die Deeskalations-Strategie der Polizei scheint fraglich zu sein.

@ Klaus

wir haben uns überlegt Augenzeugenberichte ab jetzt nur noch unter Klarmamen zuzulassen ansonsten ist die Gefahr zu groß, dass entweder Radikalisten oder Polizisten die Stimmung in die eine oder andere Richtung schubsen wollen – ohne dabei gewesen zu sein. Oder aber einfach Meinungsmache ohne Fundament in der Realität zu betreiben. . Das ist nicht unser Interesse. Wir wollen möglichst nachvollziehbar darstellen, was genau passiert ist. Also Klaus entweder du schreibst Deinen Augenzeugenbericht unter Deinem richtigen Namen oder wir ignorieren Deinen Beitrag als unbelegbaren Unfug.

Kommentar verfassen