Auf der Suche nach der verlorenen Liebe der Fans: Das Umdenken hat beim DFB noch nicht begonnen

Heute Abend findet in Leipzig das Testspiel der DFB-Elf gegen die Auswahl von Russland statt. Rund 10.000 Plätze werden im Stadion frei bleiben. Nach einem so schwachen Länderspiel Jahr, wie es die Löw-Truppe abgeliefert hat, sollte das nicht verwundern.

Bundestrainer Jögi Löw selber hat bei der gestrigen Pressekonferenz den Grund dafür auf die zuletzt schwachen Leistungen seiner Elf abgewälzt. Gänzlich falsch ist das sicherlich nicht. Doch es ist eben auch nur die halbe Wahrheit.

Auch schon vor der WM des vergangenen Sommers wurde beim DFB über das teilweise schwache Zuschauerinteresse bei einigen DFB-Spielen orakelt. Man wolle zukünftig gerne in kleinere Stadien wechseln, wenn der Gegner nicht allzu attraktiv ist, hieß damals die Antwort auf das schwindende Faninteresse.

Alles nicht verkehrt, und doch wird der Hauptgrund für das Dilemma bei diesen Debatten seitens der Offiziellen immer gerne mal umschifft. Denn dieser liegt in der von Fans und Medien zuletzt schon häufiger thematisierten grundsätzlichen Entfremdung der Nationalmannschaft von der Basis, von den eigenen Fans.

Öffentliche Trainingseinheiten und grundsätzlich wieder mehr Fan-Nähe sind nach dem kläglichen Scheitern beim Turnier in Russland in Aussicht gestellt worden. Bisher offensichtlich nur mit mäßigem Erfolg. Eine öffentliche Trainingseinheit und ein Besuch in einer Leipziger Schule sind sicherlich nicht ausreichend um die zuletzt verloren gegangene Beziehung zu den ‘einfachen Leuten’ wieder zu kitten.

Das Stadion in Leipzig wäre zum Beispiel mit Leichtigkeit bis auf den letzten Platz zu füllen gewesen, wenn die Eintrittspreise für diesen sportlich bedeutungslosen Testkick auf ein fanfreundlicheres Niveau abgsenkt worden wären. Reguläre Eintrittskarten für zwischen 25 und 80 Euro pro Stück liegen zumindest auf Bundesliganiveau und sind damit im oberen Preissegment angesiedelt.

Kein Wunder, dass viele regelmäßige Stadiongänger da ein Punktspiel ihres Herzens-Klubs in der Liga vorziehen, wo es sportlich auch um etwas geht.

Mit der gesamten Familie an einem Donnerstagabend zu einem sportlich völlig unbedeutenden Kick gehen, dafür auch mal eben locker einen halben Wochenlohn bezahlen? Eher nicht.

Der DFB beweist durch seine unverändert fanunfreundliche Preispolitik gerade, dass er noch immer nicht verstanden hat. Wäre er näher an der Basis, die Eintrittspreise wären mit Sicherheit andere und das Stadion mit Kindern und Jugendlichen sicherlich randvoll. Trotz der späten Anstoßzeit um 20.45 Uhr.

8 Kommentare

"DFB-Team ohne Reue gegen Russland," habe ich in den letzten Tagen immer wieder im VT gelesen." Es gibt doch für diese Art des bezeichnenden Verlesens ein Fachwort. Kann mir da wer weiterhelfen?

Robin,

da ich persönlich nie ein Fan der DFB-Auswahl war, fehlt es mir derzeit vor allem an "überdurchschnittlicher Qualität" -europäische Spitze ?- der DFB-Auswahl, um mich wieder für ihre Spiele interessieren zu können. Kann ja wieder werden!

Thomas Weigle,
gut so, meine ich , daß Reuss jedes gesundheitliche Risiko zu vermeiden versucht, indem er nicht -nicht mehr- "um jeden Preis" bei Länderspielen dabei sein will. Gut so, für ihn und seinen BVB.

Im übrigen frage ich mich, ob es nicht insgesamt für die "deutschen Spitzenspieler" -und für deren Vereine- eine Zumutung ist, jetzt ein sog. Freundschaftspiel -ein Testspiel- gegen Russalnd auszutragen; ich erinnere z.B. an die Einsätze von Reuss in den sog. englischen Wochen, zuletzt in den in jeder Beziehung höchstanspruchsvollen Begegnungen seines BVB mit Athletiko Madrid und dem FCB..

Aber was soll es?
Wer das besondere Event will, , der dürfte in jedem Falle zufrieden sein, wenn er als Zuschauer bei einem Länderspiel dabei sein kann.-egal wer wo und gegen wen spielt. Und das ist dann auch " gut so".

PS
Robin,
ich hätte mich mehr gefreut, von Dir etwas über "unseren" BVB zu hören als über die DFB-Auswahl!!
Du hättest dann zugleich über die Eintracht aus Frankfurt schreiben können, von der ich ein solche großartige Leistung wie die bisher gezeigte nicht erwartet hatte. Ich denke, das hätte dann auch Thomas Weigle mehr gefreut als Dein Kommentar zur DFB-Auswahl.

Robin,
aber -zugegeben- für den BVB und für die Eintracht -und für S04 !!- wird es alsbald und des Öfteren wieder Gelegenheiten für kontroverse Diskussionen geben. insofern mag es ja dem Fußball-Fan zur Entspannung dienen -bei mir ist das so-, wenn er sich, falls er mag, so nebenbei und unaufgeregt aufgrund eines Kommentars von Dir mit der DFB-Auswahl befassen kann -in der spielfreien Zeit der Bundesliga-.

@ Walter Stach Ob Reus verletzt ist oder nicht, ist mir völlig egal, dito ob er für den DFB spielt oder nicht. Mein Beitrag sollte und hat auch keinerlei Kritik an Reus und/oder dem BVB enthalten. Ich habe mich nur gewundert, mich gefragt,warum ich immer wieder "ohne Reue" statt "ohne Reus" gelesen habe.

@#4 Robin: Nicht viel los bei den Fans? Das lässt sich ändern: http://www.marler-zeitung.de/importe/rnimport/medbauer/xmlios/premium/Rechtsextremismus-Northside-Hooligans-bringen-BVB-Ultras-durch-Bedrohung-und-Erniedrigung-zum-Schweigen;art368125,2275048

Was der auch von mir leider öfters mal gescholtene Kollege Peter Bandermann da aufdeckt, ist eine nicht sonderlich überraschende, aber dennoch neue Dimension der Machtverhältnisse im Westfalenstadion, denen sowohl Fanabteilung als auch Geschäftsführung seit Jahren macht- und tatenlos ausgeliefert sind.

Ich kann mich aus eigener Erfahrung noch lebhaft an die Achtziger erinnern, in denen das ganze Stadion "Nazis raus!!" gegen SS-Siggi und seine braunen Hohlbirnen gebrüllt hat. Heutzutage möchte man anscheinend selbst das nicht mehr im Stadion haben, um bloß den "Wohlfühlfaktor" beim Marketing nicht zu degradieren…:-(

Klaus Lohmann,
mich hat der Beitrag von Peter Bandermann "echt umgehauen".
Reaktionen des BVB-Vorstandes -verbal, nonverbal?
"Klare Kante" , Null-Toleranz gegen die Nazis im Stadion?
Bin gespannt, ob, wann und wie Einschlägiges vom Vorstand kommt.

Vielleicht (!!) kommt es ja auch ohne einschlägige Vorstandsaktiivität kuzfristig zu Reaktionen seitens der BVB-Fans -sh. dazu der Hinweis auf die 8oer Jahre-, die dann den Vorstand zwingen, gegen die Nazis im Stadion vorzugehen -Besuchsverbot; bei Verdacht von Straftaten Anzeigen gegen sie und, und, und…….

Mal weg von Nazis auf den Dortmunder Steilrängen und auch von der augenblicklichen Malaise im DFB. Grundsätzlich hat sich im Fußball das WICHTIGTSTE wenig bis nicht geändert, er ist zwar schneller und teurer geworden. Nur mehr Tore fallen nicht im Gegensatz zu früher.
Im Handball jedenfalls hat eine Revolution stattgefunden was Tore angeht. Waren in den 60ern und tw. bis an die 80er ran Ergebnisse wie 8:11, 12:9, 17:16 usw an der Tagesordnung, Resultate also,die heute als Halbzeitergebnis schon tw. Unwillen hervorrufen würden. Wenn damals mal über 40 Tore in einem BL-Spiel fielen, da wurde das besonders hervorgehoben. Auch die ECs und WMs waren bis in die Endspiele, gemessen an heute, torarm.
Heute hast du in so gut wie jedem Spiel wenigstens 40 Tore, oft, sehr oft, deutlich mehr. U.a. weil die elende Zeitschinderei, wie sie früher üblich war, rigoros bekämpft wird, Zeitspiel . Natürlich ist der Handball auch wie sein große Bruder athletischer und schneller geworden. Langweilige Fußballspiele sind Legion,im Handball eher selten, einfach weil viele Tore fallen, Angriffe schnell abgeschlossen werden müssen, wenn der Schiri den Arm hebt. Tore aber gelten doch im Fußball als entscheidende Würze, die leider oft genug nicht mitgeliefert wird bzw zu wenig davon.
Was also wäre zu tun?

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